Die Steinplatte begeistert nicht nur mit wunderbaren Aussichten. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Am nordöstlichen Zipfel Tirols, dort, wo das Pillerseetal an die bayerische Grenze stößt, markiert die Steinplatte mit ihren 1.869 Metern Höhe einen Fixpunkt alpiner Naturgeschichte. Das gerade einmal 1.900 Einwohner zählende Dorf Waidring auf 778 Metern Seehöhe bildet mit seiner barocken Pfarrkirche, den gepflegten Bauernhöfen und der traditionellen Architektur den klassischen Talabschluss – ein Ort, der bäuerliche Kultur und alpine Gelassenheit ausstrahlt. Doch wer sich vom Ortskern aus in Richtung Gipfelmassiv bewegt, betritt eine Landschaft, die weit über regionale Bedeutung hinausreicht. Die Steinplatte ist das einzige Trockenriff Europas, das aus der Zeit der Obertrias vor rund 210 Millionen Jahren stammt.
Wissenschaft mit Augenzwinkern
Waidring selbst gibt sich typisch alpenländlich. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Wo heute schroffe Kalksteinwände steil abfallen und sich ein weitläufiges Plateau erstreckt, erhob sich einst ein mächtiges Korallenriff, das die Küstenlinie des Tethys-Ozeans markierte. Die rund fünf Kilometer lange Riffkante war Lebensraum für unzählige Meeresorganismen, deren fossile Überreste heute zu den bedeutendsten Fundstücken der Trias-Zeit im gesamten Alpenraum zählen. Am Plateau finden sich versteinerte Algenmatten, Muscheln, Ammoniten und Spuren von Meeresreptilien – stille Zeugen einer tropischen Welt, die hier einst pulsierte.
Die ausgestellten Dinosaurier-Modelle sorgen vor allem bei Kindern für Begeisterung. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Diese wissenschaftliche Relevanz wird im Triassic Park auf rund 20.000 Quadratmetern mit einer Mischung aus Didaktik und spielerischer Inszenierung vermittelt. Originalgetreue Modelle von Ichthyosauriern und Nothosauriern, interaktive Stationen, die geologische Prozesse veranschaulichen, sowie ein 70 Meter langer Skywalk über dem Abgrund machen die Urzeit nicht nur sichtbar, sondern beinahe körperlich erfahrbar. Der Park schafft es, komplexe Erdgeschichte mit einem Augenzwinkern zu erzählen – ein Erlebnis für Familien, Schulklassen und alle, die sich für die Entstehung der Alpen interessieren.
Zwischen Dreiländereck und Abgrund
Vom Skywalk bieten sich spektakuläre Fernblicke. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Erschlossen wird dieses außergewöhnliche Plateau durch eine moderne Kabinenbahn, die Gäste direkt aus dem Ortskern in das weitläufige Wander- und Skigebiet transportiert. Schon während der Auffahrt öffnet sich ein Panorama, das vom Kaisergebirge über die Loferer Steinberge bis hin zu den Berchtesgadener Alpen reicht. Oben angekommen, entfaltet sich ein Wegenetz von rund 50 Kilometern Länge, das sowohl gemütliche Rundwege als auch anspruchsvolle Höhenrouten umfasst. Familien finden breite, gut gesicherte Pfade, während ambitionierte Bergsteiger die Übergänge zu den umliegenden Gipfeln und Graten schätzen.
Ein Paradies für Klettermaxe
Auch Nachbauten einer urzeitlichen Höhle helfen, tiefer in die Thematik einzusteigen. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Geografisch fungiert die Steinplatte als Schnittpunkt der Bundesländer Tirol und Salzburg sowie des Freistaates Bayern. Diese Lage ermöglicht Wanderern nicht nur den Übergang zur Winklmoos-Alm bei Reit im Winkl, sondern schafft auch ein Mosaik unterschiedlicher Lebensräume. Die kalkhaltigen Böden begünstigen eine Flora, die von alpinen Rasen über seltene Enzianarten bis hin zu wärmeliebenden Pflanzen reicht. Auch die Fauna profitiert von dieser Vielfalt: Gämsen, Murmeltiere und Steinadler sind hier keine Seltenheit.
In dem weitläufigen Areal an der Steinplatte findet sich ein Netz an Wanderwege für jede Könnerstufe. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Für Kletterer ist die Steinplatte ein regelrechtes Eldorado. Die Südwände des Massivs bieten über 100 Routen in den Schwierigkeitsgraden 4 bis 10 und zählen zu den bedeutendsten Kalkklettergebieten der nördlichen Kalkalpen. Die Kombination aus kompaktem Fels, sonniger Exposition und abwechslungsreichen Linien macht das Gebiet zu einem Magneten für Sportkletterer aus dem gesamten Alpenraum. Weitere Informationen unter www.steinplatte.tirol.
Tirols Tafelberg zwischen Urzeit, Alpenpanorama und Berglust. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Übernachtungstipp in Fieberbrunn
Das All-Suite Resort Fieberbrunn bietet sehr gut ausgestattete Apartments. Weitere Informationen unter www.mortimer-reisemagazin.de
Dorfstraße 25, 6391 Fieberbrunn, Österreich, www.appartments-fieberbrunn.com, info.fieberbrunn@all-suite.com oder reservations.fieberbrunn@all-suite.com, Telefon +43 5264 43279 1300, Apartments ab 170 Euro. Infobüro Fieberbrunn: Dorfplatz 1, Telefon +43 5354 56304, www.fieberbrunn.com, info@pillerseetal.at
Das All-Suite Resorts in Fieberbrunn ist für Apartment-Liebhaber definitiv eine sehr gute Adresse. – Foto: Karsten-Thilo Raab
Karsten-Thilo Raab
berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten für eine Vielzahl von Zeitungen und Magazinen über Reiseziele weltweit. Zudem hat er sich einen Namen als Autor von mehr als 120 Reise-, Wander- und Radführern sowie Bildbänden gemacht.
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