Mississippi-Feeling auf Moldau und Elbe

Moldau
Die tschechische Hauptstadt Prag gehört zu den Höhepunkten auf der Reise über die Moldau und Elbe. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Zwischen Prag und Dresden entfaltet sich eine Flussreise voller Kontraste: historische Städte, stille Moldau-Passagen, barocke Pracht und ein Schiff, das selbst zum Teil der Geschichte wird und dank der Schaufelradtechnik für ein Mississippi-Feeling sorgt.

Dank ihrer Schaufelradtechnik und dem geringen Tiefgang kann die MS Elbe Princesse auch flache Flussabschnitte befahren. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Kaum eine Flussreise verbindet historische Metropolen, romantische Landschaften und bedeutende Kulturdenkmäler so harmonisch wie eine Flusskreuzfahrt auf der Moldau und der Elbe. Zwischen den goldenen Türmen Prags und der barocken Pracht Dresdens entfaltet sich eine Route, die das Herz Böhmens mit den schönsten Seiten von Sachsen verbindet.

Zwei Schaufelräder treiben die MS Elbe Princesse bei Bedarf an. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Dabei wechseln eindrucksvolle Stadtpanoramen, stille Flusswindungen, bewaldete Ufer und prächtige Adelssitze in einem Rhythmus, den das Reisen auf dem Wasser entspannt vorgibt. Möglich wird das durch die MS Elbe Princesse, ein modernes Schaufelradschiff mit kombiniertem Jetantrieb, das speziell für geringe Wassertiefen und enge Flussabschnitte konzipiert wurde und damit gerade jene Passagen befahrbar macht, die den meisten Flusskreuzfahrtschiffen verborgen bleiben.

Prag vom Wasser aus

Moldau
Blick von der Karlsbrücke über die Moldau auf die Prager Burg. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Die tschechische Hauptstadt Prag empfängt zum Auftakt zunächst nicht mit Pomp, sondern mit Perspektive. Vom Wasser aus zeigt sich die Millionenstadt als elegante Flusskulisse aus historischen Ufern, Brücken und Blickachsen. Über der Moldau, tschechisch Vltava genannt, erhebt sich die Silhouette der Prager Burg, deren Geschichte bis ins 9. Jahrhundert zurückreicht. Darunter spannt sich die famose Karlsbrücke mit ihren barocken Heiligenfiguren über den Fluss, während Türme, Kuppeln und rote Dächer das Panorama der „Goldenen Stadt“ bestimmen.

Welterbe mit Strahlkraft

Nicht von ungefähr gehört Prags prächtige Altstadt zum Weltkulturerbe. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Die verwinkelten Gassen der historischen Altstadt, das traditionsreiche jüdische Viertel und die monumentale Prager Burg mit dem Veitsdom, dem Alten Königspalast und der Goldenen Gasse erzählen von Königen, Kaisern und Handwerkern, die das Gesicht der Stadt über Jahrhunderte geprägt haben.

Die voll bewegliche Skultur „Kafkas Kopf“ zählt zu den ungewöhnlichsten Blickfängen in Tschechiens Hauptstadt. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Dass die historische Altstadt, in der heute kaum mehr als 30.000 Menschen dauerhaft leben, seit 1992 zum UNESCO-Welterbe gehört, erscheint beinahe selbstverständlich. Doch erst vom Wasser aus wird deutlich, wie eng die Stadt mit ihrem Fluss verbunden ist. Die Fassaden spiegeln sich in der sanften Strömung und mit jedem Flusskilometer verliert sich das geschäftige Treiben der Metropole.

Flussaufwärts ins Böhmische Herz

Moldau
In Štěchovice zeigt sich die Moldau von ihrer schönsten Seite. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Hinter Prag verändert der Fluss sein Gesicht. Mit jedem Kilometer flussaufwärts verliert die Moldau ihren städtischen Charakter. Der Fluss windet sich durch bewaldete Hügel, felsige Ufer und kleine Dörfer, deren Kirchtürme zwischen den Baumwipfeln hervorschauen. In Štěchovice zeigt sich ein Böhmen, das vom gemächlichen Rhythmus des Flusses lebt. Der Ort war einst wichtiger Knotenpunkt der Flößerei, als Holz aus den Wäldern auf dem Wasser bis nach Prag transportiert wurde.

Südlich von Prag gibt sich die Landschaft entlang der Moldau wild und urtümlich. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Heute ist die Region vor allem für ihre landschaftliche Schönheit bekannt. Wanderwege führen durch tiefe Wälder, und über den Flusstälern wechseln sich Felsen und Aussichtspunkte mit stillen Buchten ab. Gleichzeitig markiert Štěchovice den Beginn der sogenannten Moldau-Kaskade, einem System von Stauanlagen entlang des Flusses, das vor allem der Energieerzeugung und dem Hochwasserschutz von Prag dient.

Das Erbe der Habsburger

Vom Sonnendeck der MS Elbe Princesse lässt sich das herrliche Landschaftskino genießen. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Nicht weit entfernt öffnet sich das Tor zu einer anderen Epoche: Schloss Konopiště zählt zu den eindrucksvollsten Adelssitzen Tschechiens. Ursprünglich im 13. Jahrhundert als gotische Burg errichtet, erhielt es im Laufe der Jahrhunderte sein heutiges Erscheinungsbild und wurde zur Residenz des österreichischen Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand, dessen Ermordung 1914 in Sarajevo den Ersten Weltkrieg auslöste. Die prunkvollen Salons, Bibliotheken und Empfangsräume vermitteln einen selten authentischen Eindruck vom Leben der Habsburger unmittelbar vor den Kriegsjahren.

Das Schloss Konopiště blickt auf eine mehr als 700 Jahre alte Geschichte zurück. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Ein Kuriosum sind die mit Tierköpfen und Geweihen verzierten Treppenhäuser und Flure des Schlosses. Diese zeugen von der unbändigen Jagdlust von Franz Ferdinand, den bereits im zarten Alter von neun Jahren erstmals auf der Pirsch gewesen sein soll. Insgesamt schoss er Zeit seines Lebens mehr als 274.000 Tiere. Die Trophäen an den Wänden sind allesamt beschriftet mit Datum und Ort, wo das Tier erlegt wurde. Kurioserweise sind darunter auch Hunderte Tiere, die in Tierparks und Zoos von dem Monarchen getötet wurden.

Stilles Highlight

Staumauer des Slaby-Reservoirs markiert einen Wendepunkt auf der Flusskreuzfahrt. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Zurück an Bord der MS Elbe Princesse verändert sich die Landschaft erneut. Das Slapy-Reservoir, der sechstgrößte Stausee Tschechiens, breitet sich auf einer Länge von 43 Kilometern zwischen dicht bewaldeten Höhenzügen aus und lässt kaum vermuten, dass dieser See erst in den 1950er-Jahren durch den Bau eines Staudamms entstand.

Millimeterarbeit ist bei der Einfahrt in die Schleuse Mirejovice zu verrichten. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Heute erfüllt das Gewässer mehrere Aufgaben zugleich: Es liefert Strom, reguliert den Wasserstand der Moldau und dient als Naherholungsgebiet. Vor der mächtigen Staumauer wendet das Schaufelradschiff in dem engen Flusstal, das kaum breiter ist, als das schwimmende Hotel selbst. Via Štĕchovice und Prag geht es flussabwärts durch die üppig grüne Bilderbuchlandschaft.

Mělník als Wendepunkt

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Weithin sichtbar erhebt sich das Schloss Mělník über dem Zusammenfluss von Moldau und Elbe. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Wo die Moldau schließlich nach 430 Kilometern in die Elbe mündet, erhebt sich Mělník auf einem markanten Felsen über beiden Flüssen. Von den Terrassen des barocken Schlosses von Mělník reicht der Blick weit über das Zusammenfließen der Wasserläufe und die umliegenden Weinberge. Schon Karl IV. ließ hier im 14. Jahrhundert Reben aus Burgund anpflanzen; noch heute gilt die Region als eines der traditionsreichsten Weinanbaugebiete Tschechiens. Das milde Klima und die kalkhaltigen Böden begünstigen vor allem den Anbau weißer Rebsorten.

Schlosspracht und Weingenuss

Schloss Nelahozeves beherbergt zahlreiche imposante Gemälde. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Nur wenige Kilometer entfernt wartet mit Schloss Nelahozeves ein Bauwerk, das als Meisterwerk der böhmischen Renaissance gilt. Über Generationen hinweg diente es insgesamt 23 böhmischen Königinnen und Prinzessinnen als Residenz. Seine reich verzierten Sgraffito-Fassaden ziehen schon von Weitem die Blicke auf sich. Im Inneren gewährt die Familie Lobkowicz einen Einblick in das Schlossleben in längst vergangenen Zeiten und präsentiert historische Gemälde aus der 700-jährigen Historie der berühmten böhmischen Adelsfamilie.

In seinem Geburtshaus in Nelahozeves ist Antonín Dvořák ein Museum gewidmet. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Knapp 200 Meter Luftlinie vom Schloss liegt das einstige Gehöft, auf dem Antonín Dvořák im Jahre 1841 das Licht der Welt erblickte. Heute erzählt das Haus als modernes Museum interaktiv vom Leben und Schaffen des Komponisten.

Länder- und Szeneriewechsel

Der Zusammenfluss von Elbe (links) Moldau bei Mělník. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Mit dem Übergang nach Deutschland verändert sich die Szenerie erneut. Die Elbe schlängelt sich durch das Elbsandsteingebirge, dessen bizarre Felsformationen wohl unbestritten zu den spektakulärsten Naturkulissen Mitteleuropas zählen. Der Fluss wird breiter, die Landschaft großzügiger.

Dresden empfängt die Flusskreuzfahrer mit einer imposanten Altstadt-Silhouette. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Die markanten Sandsteinfelsen wechseln sich mit fruchtbaren Ebenen ab, kleine Städte liegen eingebettet zwischen Weinbergen und Auen. Schließlich erreicht das Schiff Dresden, wo die Architektur eindeutig das Erzählen übernimmt.

Dresden in Barock-Pracht

Kein Bauwerk in Dresden repräsentiert den Spätbarock eindrucksvoller als der Zwinger. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Die sächsische Landeshauptstadt beeindruckt mit ihrer unverwechselbaren barocken Stadtsilhouette, großzügigen Plätzen und einer außergewöhnlichen Dichte an historischen Bauwerken, die vom Anspruch Augusts des Starken zeugen, hier ein „Elbflorenz“ zu schaffen.

Der Goldene Reiter auf dem Neustädter Markt in Dresden erinnert an August den Starken. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Die Kuppel der Frauenkirche, die Türme der Hofkirche, die Brühlsche Terrasse, die Semperoper und der Zwinger formen das unverwechselbare Panorama. Nach schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg aufwendig rekonstruiert, präsentiert sich die Stadt heute mit einer beeindruckenden Mischung aus barocker Pracht und moderner Architektur – ein weiterer Höhepunkt einer bemerkenswerten Flusskreuzfahrt.

Flusskreuzfahrt voller Höhepunkte

Moldau
Auch beim Blick aus der Kabine weiß die Flusslandschaft an Moldau und Elbe zu begeistern. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Zwischen Prag und Dresden liegen rund 340 Flusskilometer, zehn Schleusen und tausend Jahre mitteleuropäischer Geschichte. Die Kreuzfahrt mit dem Schaufelradschiff MS Elbe Princesse auf der Moldau und der Elbe verbindet mittelalterliche Städte, barocke Schlösser und ingenieurtechnische Meisterwerke zu einer Route, die Entschleunigung mit Erkenntnistiefe koppelt. Tagsüber prägen Burgen, Wein und Musik das Programm, abends spiegeln sich die Lichter der Uferpromenaden im dunklen Wasser. Flussromantik pur.

Wissenswertes in Kurzform

Die MS Elbe Princesse am Ufer in Mělník. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Informationen: www.croisieurope.de

Filmische Impressionen von der Flusskreuzfahrt von Prag nach Dresden finden sich hier

Die modern eingerichteten Kabinen sind kleine Raumwunder. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

MS Elbe Princesse: Die Kabinen an Bord des modernen Schaufelradschiffs sind allesamt zwischen elf und 14 Quadratmetern groß und verfügen auf dem Oberdeck über einen französischen Balkon, auf dem Hauptdeck über Panoramafenster. Wie bei der Reederei CroisiEurope üblich, sind an Bord alle Mahlzeiten und Getränke (ausgenommen Getränke der Exklusivkarte) im Preis inkludiert; ebenso die Wifi-Nutzung. Auch die Landausflüge sind im Reisepreis inbegriffen. Neben der Lounge, dem Restaurant und der Bar verfügt das Schiff über ein großzügiges Sonnendeckt mit Stühlen und Liegestühlen.

Zwischen Prag und Dresden eröffnen sich während der Flusskreuzfahrt tolle An- und Aussichten. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Die Recherche fand – ohne Einfluss auf die journalistische Ausarbeitung – auf Einladung / mit Unterstützung von CroisiEurope in Zusammenarbeit mit TPcommunication statt.

Karsten-Thilo Raab

berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten für eine Vielzahl von Zeitungen und Magazinen über Reiseziele weltweit. Zudem hat er sich einen Namen als Autor von mehr als 120 Reise-, Wander- und Radführern sowie Bildbänden gemacht.