Flugmodus: Sendepause über den Wolken

Flugmodus
Der Flugmodus über den Wolken ist mehr als eine lästige Pflicht. – Foto: Mortimer Reisemagazin

Das Smartphone ist unser treuester Begleiter, doch im Flugzeug wird es zum potenziellen Störfaktor. Warum der Griff zum Flugmodus mehr ist als eine lästige Pflicht und was passiert, wenn die Funkwellen im Cockpit auf Wanderschaft gehen.

Die Kabinentür schließt sich mit einem sanften Klacken, die Triebwerke beginnen zu summen und die Flugbegleiter schreiten mit der Routine von unzähligen Flugstunden durch den Mittelgang. Es ist jener Moment, in dem die Welt am Boden bleibt und das digitale Leben für eine Weile pausieren sollte. Doch während die Sicherheitsunterweisungen über die Bildschirme flimmern, wandern unzählige Daumen über leuchtende Displays. Es ist ein stilles Ritual der Moderne: Der letzte Check der E-Mails, ein finales Like auf Instagram und das Absenden einer Nachricht, die den Daheimgebliebenen mitteilt, dass man nun abhebt.

Inmitten dieser geschäftigen Stille bleibt eine kleine Geste oft aus, sei es aus Vergessenheit, Ignoranz oder dem festen Glauben, dass das eigene kleine Gerät gegen die gewaltige Technik eines Airbus oder einer Boeing ohnehin nichts ausrichten könne. Der Flugmodus ist die wohl am häufigsten ignorierte Sicherheitsanweisung der zivilen Luftfahrt. Dabei verbirgt sich hinter dem kleinen Flugzeug-Symbol in der Statusleiste eine ganze Welt aus physikalischen Wechselwirkungen und sicherheitstechnischen Abwägungen, die weit über das bloße Vergnügen der Passagiere hinausgehen.

Die Kakofonie der Frequenzen

Die Mehrzahl der Passagiere nutzt elektronische Geräte während des Flugs.

Um zu verstehen, warum das Ausschalten der Sendefunktion so entscheidend ist, muss man den Blick weg von der mehr oder weniger bequemen Bestuhlung und hin zum Cockpit richten. Dort oben, wo Piloten hochkomplexe Systeme bändigen, ist die Welt ein fragiles Geflecht aus Frequenzen. Jedes Smartphone, das nicht im Flugmodus ist, fungiert wie ein kleiner, hartnäckiger Radiosender. Es sucht verzweifelt nach einer Verbindung zum Boden. Je höher das Flugzeug steigt, desto lauter schreit das Gerät förmlich in den Äther hinein.

Da die Funkzellen am Boden weit entfernt sind, erhöht das Handy seine Sendeleistung auf das Maximum, um doch noch einen digitalen Grashalm zu erwischen. Diese enorme Sendeleistung bleibt nicht ohne Folgen. Es ist kein Geheimnis, sondern physikalische Realität, dass diese Wellen in die empfindliche Elektronik des Flugzeugs einkoppeln können.

In der Vergangenheit berichteten Piloten immer wieder von jenem charakteristischen rhythmischen Klopfen in ihren Headsets, das man früher von Lautsprechern kannte, wenn ein Handy in der Nähe einen Anruf empfing. In einer Umgebung, in der die Kommunikation mit dem Tower über Erfolg oder Misserfolg einer Landung entscheiden kann, ist jedes akustische Hindernis ein Sicherheitsrisiko.

Zwischen Mythos und Messtechnik

Einige Passagier vergessen, den Flugmodus einzuschalten. – Foto: Mortimer Reisemagazin

Die Debatte darüber, ob ein Smartphone tatsächlich einen Absturz verursachen kann, wird oft mit einer Mischung aus Skepsis und Spott geführt. Tatsächlich sind Flugzeuge in der modernen Luftfahrt heute wesentlich besser abgeschirmt als noch vor 20 Jahren. Die Flugzeughersteller investieren Unsummen in die elektromagnetische Verträglichkeit ihrer Systeme. Dennoch bleibt ein Restrisiko, das vor allem in der Summe der Geräte liegt. Man stelle sich vor, 200 Passagiere ließen ihre Geräte eingeschaltet. Es entstünde ein regelrechter Teppich aus Störsignalen, der die Navigationsinstrumente zwar selten komplett ausschaltet, sie aber irritieren kann.

Besonders kritisch wird es bei automatischen Landesystemen, die auf hochpräzise Funksignale angewiesen sind. Wenn in der entscheidenden Phase des Sinkflugs die Instrumente aufgrund von Interferenzen auch nur minimale Abweichungen anzeigen, muss der Pilot im Zweifelsfall manuell eingreifen oder den Anflug abbrechen. Die Vorsicht der Behörden ist also kein Ausdruck von Technikfeindlichkeit, sondern das Ergebnis strengster Risikoanalysen. Es geht nicht darum, was wahrscheinlich passiert, sondern darum, was im schlimmsten Fall möglich wäre.

Die Psychologie des Widerstands

Trotz der klaren Anweisungen zeigen Erhebungen aus der Branche ein interessantes Bild der menschlichen Natur. Schätzungen von Luftfahrtexperten und anonyme Befragungen deuten darauf hin, dass in fast jedem Flugzeug etwa zehn bis fünfzehn Prozent der Passagiere ihre Geräte nicht konsequent in den Flugmodus versetzen. Manche vergessen es schlicht in der Hektik des Verstauens ihres Handgepäcks, andere wiederum leiden unter einer Form von digitalem Trennungsschmerz, der es ihnen unmöglich macht, die Verbindung zur Außenwelt auch nur für wenige Stunden zu kappen.

Für das beliebte Erinnerungsfoto aus der Kabine wird mehrheitlich das Smartphone benutzt.

Es gibt zudem eine Gruppe von Vielfliegern, die sich aufgrund ihrer Erfahrung über die Regeln erhaben fühlen. Sie argumentieren, dass bei den tausenden Flügen, die sie bereits absolviert haben, nie etwas passiert sei. Diese statistische Sorglosigkeit ist jedoch trügerisch. Nur weil ein System redundant ausgelegt ist und Fehler abfangen kann, bedeutet das nicht, dass man diese Belastungsprobe mutwillig provozieren sollte. Die Sicherheit in der Luftfahrt basiert auf dem Prinzip, dass jede noch so kleine Fehlerquelle eliminiert wird, bevor sie sich mit anderen Faktoren zu einer Gefahr summieren kann.

Neue Horizonte und alte Hürden

Die Technik bleibt freilich nicht stehen. In den letzten Jahren haben viele Fluggesellschaften damit begonnen, bordeigenes WLAN anzubieten. Dies führt bei vielen Reisenden zu Verwirrung. Warum darf man das Internet nutzen, aber nicht normal telefonieren? Der Unterschied liegt in der Infrastruktur. Das WLAN im Flugzeug nutzt eine kontrollierte Umgebung und Frequenzen, die gezielt auf die Flugzeugelektronik abgestimmt sind.

Zudem kommuniziert das Gerät hierbei mit einem Access Point in unmittelbarer Nähe innerhalb der Kabine und muss nicht mit maximaler Kraft versuchen, einen Sendemast in zehntausend Metern Tiefe zu erreichen. Dennoch bleibt die Regel bestehen: Erst der Flugmodus, dann das WLAN.

Musikgenuss während des Flugs funktioniert vielfach auch offline.

Auch die Europäische Agentur für Flugsicherheit hat die Regeln gelockert und lässt theoretisch sogar 5G-Verbindungen in der Luft zu, sofern die Flugzeuge entsprechend umgerüstet sind. Doch die Umsetzung in der Praxis dauert Jahre, und solange nicht jedes Flugzeug weltweit auf demselben technischen Stand ist, bleibt die einheitliche Regelung des Flugmodus der kleinste gemeinsame Nenner für globale Sicherheit.

Ein Akt der Etikette

Neben den technischen Aspekten gibt es einen weiteren, oft unterschätzten Grund für die Funkstille: den sozialen Frieden an Bord. Man stelle sich eine vollbesetzte Kabine vor, in der hunderte Menschen gleichzeitig versuchen, Telefonate zu führen, während das Flugzeug durch Turbulenzen rüttelt. Der Flugmodus schützt die Passagiere auch vor der akustischen Umweltverschmutzung durch lautstarke Gespräche auf engstem Raum.

Die erzwungene Ruhe über den Wolken ist eines der letzten Refugien der Unerreichbarkeit in einer Welt, die sonst permanent auf Empfang geschaltet ist. Wer sein Gerät ausschaltet, leistet also nicht nur einen Beitrag zur technischen Sicherheit, sondern auch zum allgemeinen Wohlbefinden.

Wenn die Räder schließlich auf der Landebahn aufsetzen und das erlösende Signal ertönt, dass die elektronischen Geräte nun wieder normal benutzt werden dürfen, kehrt das digitale Rauschen schlagartig zurück. In diesem Moment ist es beruhigend zu wissen, dass die Technik im Cockpit ihre Arbeit ohne störende Interferenzen aus der Hosentasche verrichten konnte. Es ist eine kleine Geste mit großer Wirkung, die zeigt, dass Reisende Teil eines komplexen Systems sind, in dem gegenseitige Rücksichtnahme und die Einhaltung einfacher Regeln die Basis für die Sicherheit aller bilden.

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Und auch beim Fliegen gibt es für ihn immer bemerkenswerte Erlebnisse. Ob die Technik streikt oder das Kabinenpersonal, ob das Wetter verrückt spielt oder der Taxifahrer am Flughafen, Schöner spießt die kleinen Widrigkeiten des Reisealltags genauso mit Witz und einem Augenzwinkern auf wie die Eigenheiten der Mitarbeiter der Fluggesellschaften und des Sicherheitspersonals und natürlich auch die der lieben Mitreisenden.

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Karsten-Thilo Raab

berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten für eine Vielzahl von Zeitungen und Magazinen über Reiseziele weltweit. Zudem hat er sich einen Namen als Autor von mehr als 120 Reise-, Wander- und Radführern sowie Bildbänden gemacht.