
Zwischen steilen Pinienhängen und olivgrünen Terrassen thront Valldemossa, ein mallorquinisches Dorf, das Geschichte atmet. Wer hier durch die verwinkelten Gassen schlendert, spürt den Hauch des königlichen Königspalastes, einer Heiligen und den Nachklängen von Chopins Klavier.

Die Straße windet sich durch die Serra de Tramuntana auf Mallorca. Kurve um Kurve, vorbei an Olivenhainen, steinernen Mauern und Hängen. Dann taucht das 1.500-Seelen-Nest Valldemossa auf, dessen Häuser kleben förmlich an den Hängen zu kleben scheinen.

Schmale, kopfsteingepflasterte Gassen steigen zum Teil steil an, grüne Fensterläden setzen Farbakzente in die sandfarbenen Fassaden. Manche Gassen sind kaum schulterbreit. Treppen ersetzen Straßen, und hinter manchen Mauern öffnen sich unvermutet kleine, liebevoll angelegte Gärten. Über allem thront der Glockenturm der Kartause.

Die Real Cartuja de Valldemossa, die Königliche Kartause, ist das Herzstück des Ortes. Ursprünglich im frühen 14. Jahrhundert als königliche Residenz errichtet, ging der Palast im Jahre 1399 in den Besitz der Kartäusermönche über, die ihn in ein Kloster verwandelten.

Die Mönche lebten hier bis 1835, als die Klöster in Spanien säkularisiert wurden und die Zellen fortan als Unterkünfte vermietet wurden. Heute umfasst der Komplex die Klosterkirche, ehemalige Mönchszellen, einen Kreuzgang, die frühere Klosterdruckerei, Teile einer alten Apotheke sowie Gärten.
Chopins Winter in Zelle 4

Der Bekanntheitsgrad Valldemossas ist untrennbar mit dem Winter 1838/39 verbunden, als der polnische Komponist Frédéric Chopin und die französische Schriftstellerin George Sand mehrere Monate in Räumen der ehemaligen Kartause wohnten.

In Zelle 4 steht noch heute Chopins Klavier, umgeben von handgeschriebenen Notenblättern, Briefen und persönlichen Erinnerungsstücken aus jener Zeit. George Sand verarbeitete ihren Aufenthalt in dem Buch „Un hiver à Majorque“ (Ein Winter auf Mallorca), in dem sie sich allerdings nicht besonders freundlich über die Mallorquiner äußerte.
Heilige, Süßes und stille Ausblicke

Neben der Kartause prägen die Kirche Sant Bartomeu und das Geburtshaus von Santa Catalina Thomàs, der Schutzheiligen Mallorcas, das Bild von Valldemossa, das mit seiner Lage auf 412 Metern über dem Meeresspiegel als höchstgelegene Stadt der Balearen gilt.

Kulinarisch lockt vor allem die Coca de Patata, ein typisches mallorquinisches Gebäck aus Kartoffeln. Erste Adresse für den Genuss der kleinen Sünde ist die Ca’n Molinas, die 1920 von Don Miguel Cañellas Nadal und Doña María Estrades gegründet wurde.
Welterbe mit Aussicht

Das in der in der Serra de Tramuntana gelegene Valldemossa ist eingebettet in einer faszinierenden Kulturlandschaft, die seit dem Jahr 2011 zum UNESCO-Welterbe gehört. Oliven- und Mandelbäume ziehen sich über die Hänge, Trockensteinmauern fassen Terrassen ein, und zwischen den Bergen öffnen sich immer wieder Blicke in Richtung Mittelmeer. Über Jahrhunderte wurden die zum Teil überaus steilen Hänge durch Terrassenbau, Bewässerungssysteme und Trockensteinarchitektur landwirtschaftlich nutzbar gemacht.

Arabische Techniken des Wassermanagements und später eingeführte christliche Formen der Landnutzung haben gemeinsam eine Landschaft entstehen lassen, die heute als außergewöhnliches Zeugnis mediterraner Kulturgeschichte gilt. Weitere Informationen unter www.visitvalldemossa.es/de/.

Karsten-Thilo Raab
berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten für eine Vielzahl von Zeitungen und Magazinen über Reiseziele weltweit. Zudem hat er sich einen Namen als Autor von mehr als 120 Reise-, Wander- und Radführern sowie Bildbänden gemacht.