Zwischen Küste, Weser und Tradition

Bilderbuchkulisse an der Wesermarsch: Der kleine Hafen von Fedderwardesiel. – Foto: Budjadingen Tourismus

Zwischen Weser und Nordsee liegt eine Landschaft, die vom Wasser geprägt ist – und von Menschen, die mit ihm leben. Butjadingen bildet dabei den Ausgangspunkt einer Reise durch die Wesermarsch: eine Region, in der Küstenlandschaft, Landwirtschaft, Fischerei und maritime Traditionen bis heute eng miteinander verbunden sind. Wer sich auf den Weg macht, entdeckt nicht nur stille Landschaften und weite Horizonte, sondern vor allem Menschen mit besonderen Geschichten und eine Küche, die ihre Nähe zum Meer nicht verleugnen kann.

Eine dieser Geschichten beginnt in Fedderwardersiel, einem kleinen Hafen, in dem einst 21 Kutter lagen und von denen heute noch vier übrig geblieben sind. Die Geschichte der Fischerei erzählt das vor zwei Monaten neu eröffnete Nationalpark-Haus Museum über drei Etagen – von der Natur des Wattenmeeres bis zur Hafengeschichte, die bis ins Jahr 1625 zurückreicht. Was früher Lebensgrundlage war, ist heute ein wichtiger Teil des touristischen Erbes.

Vom Airbus zum Räucherofen

Nur wenige Schritte vom Museum entfernt steht Micha an seiner Räucherfisch-Station. Wer mit ihm ins Gespräch kommt, merkt schnell: Hier wird nicht nur Fisch verkauft. Micha ist kontaktfreudig, herzlich und besitzt diesen besonderen norddeutsch-friesischen Charme, mit dem er seine Gäste schnell für sich und seine Produkte begeistert.

Michas Räucherlachs gilt längst als Institution an der Wesermarsch. – Foto: Michael Schiller

Angefangen hat alles 2009 mit einem selbstgebauten Räucherofen, einem Tapeziertisch, einem eigens konstruierten Kühlkasten und einem Sonnenschirm. Aus diesem improvisierten Anfang ist inzwischen ein fester Anlaufpunkt im Hafen von Fedderwardersiel geworden. Im April 2018 eröffnete Micha seinen heutigen Standplatz direkt bei den Kuttern. Das Herzstück seines Betriebs ist bis heute die eigene Räucherei. Backfisch, Flammlachs, Forelle, Makrele und weitere Spezialitäten kommen frisch aus dem Räucherofen.

Micha und seine Passion für Fisch

Micha selbst hat allerdings einen ungewöhnlichen Weg in die Fischbranche genommen. 19 Jahre arbeitete er bei Airbus, bevor er sich dem Räuchern und Verkaufen von Fisch verschrieb. Heute ist aus dem einstigen Tapeziertisch ein Betrieb geworden, der weit über Butjadingen hinaus bekannt ist. Rund 200 Portionen Backfisch sowie verschiedene Flammlachs-Spezialitäten verkauft er an guten Tagen. Manche Gäste nehmen dafür sogar eine Anfahrt von mehreren hundert Kilometern in Kauf. Dass Micha seinen Beruf mit Herzblut betreibt, spüren die Gäste. Vielleicht ist genau das sein eigentliches Erfolgsrezept: Der Fisch kommt frisch aus dem Rauch – die gute Stimmung gibt es gratis dazu.

Fischliebhaber begeistern sich für Michas Räucherlachs. – Foto: Michael Schiller

Am Abend führt der Weg mit dem Fahrrad hinaus zum Meer. Hinter dem Center Parcs Park Nordseeküste öffnet sich der Blick über die Küstenlandschaft, während die Sonne langsam tiefer sinkt. Der Rhythmus wird langsamer, der Alltag rückt in die Ferne. Hier wird spürbar, was Butjadingen ausmacht: Die Landschaft ist nicht bloße Kulisse, sondern bestimmt seit Jahrhunderten das Leben der Menschen.

Vom Kuhstall in die Käserei

Am nächsten Morgen geht es mit Franziska Bein und Myrta Knauf von der Wirtschaftsförderung Wesermarsch mit dem Fahrrad auf der „Milch-Ku(h)l-Tour“ durch Stadland. Der Weg führt zum Biolandhof Butendiek, der seit 1982 von der Familie Bruns bewirtschaftet wird. Aus einem zunächst unbewirtschafteten Hof entstand ein moderner Bio-Betrieb mit rund 220 Kühen und eigener Käserei. Gut 40 Menschen arbeiten hier, etwa die Hälfte davon in der Käserei. Aus der Milch entstehen Schnitt- und Frischkäse, darunter auch Varianten mit mediterranen Zutaten wie Oliven. Rund 30 Jahre gehört der Hof inzwischen dem Bioland-Verband an. Die Produkte werden überwiegend über Bio-Großhändler verkauft, im eigenen Hofladen aber auch direkt an Besucher.

Eine Wattwanderung im Sonnenuntergang gehört zu den ganzen besonderen Erlebnisse. – Foto: Karl-Heinz Goedeckemeyer / Mortimer Reisemagazin

Was nach erfolgreicher Landwirtschaft klingt, hat für die Familie Bruns vor allem mit einer Grundhaltung zu tun. „Je gesünder die Kälber aufwachsen, desto gesünder werden später die Kühe“, lautet die Philosophie. Die Milchleistung von rund 7.000 Litern pro Kuh und Jahr ist dabei weniger wichtig als die Qualität des gesamten Kreislaufs. Landwirtschaft wird hier nicht als anonyme Produktion verstanden, sondern als Handwerk, das mit Verantwortung für Tiere, Boden und Produkt beginnt.

Wo das Moor über dem Meer schwimmt

Wenige Kilometer weiter verändert sich die Landschaft grundlegend. Am Strandbad Sehestedt beginnt die Begegnung mit einer der ungewöhnlichsten Naturerscheinungen der Region: dem Schwimmenden Moor. Der Biologe und ehrenamtliche Naturführer Rüdiger von Lemm kennt die Landschaft seit vielen Jahren. Bei seinen Führungen wird deutlich, wie eng die Geschichte Butjadingens mit den Kräften des Meeres verbunden ist. Sturmfluten haben die Küstenlandschaft immer wieder verändert. Das Moor hat sich über Jahrhunderte zurückgezogen, zugleich hat sich ein einzigartiger Lebensraum erhalten.

Naturführer Rüdiger von Lemm stellt kenntnisreich den ungewöhnlichen Lebensraum vor. – Foto: Wirtschaftsförderung Wesermarsch

Das Besondere: Die Moorfläche liegt über der Meeresoberfläche und kann bei Sturmfluten mit dem Wasser mitgehen, ohne dass das Salzwasser den empfindlichen Lebensraum dauerhaft zerstört. Ein kleines Labor mit Aquarien vermittelt zusätzlich Einblicke in die Natur des Gebietes. Auch hier sind es Menschen wie von Lemm, die aus einer Landschaft einen Erlebnisraum machen. Sie erklären, was der Besucher sonst nur sehen würde – und geben ihm damit einen anderen Blick auf das vermeintlich Unspektakuläre.

Spaziergang durch den Langwarder Groden

Von Sehestedt führt die Reise weiter nach Langwarden – und damit mitten hinein in eine Landschaft, die beispielhaft zeigt, wie eng Butjadingen mit dem Meer verbunden ist. Der Langwarder Groden liegt im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und damit im UNESCO-Weltnaturerbe. 2024 wurde das Gebiet von der Heinz Sielmann Stiftung und dem Deutschen Wanderverband zum „Naturwunder des Jahres“ gewählt.

Nicht nur aus der Vogelperspektive fasziniert der Langwarder Groden. – Foto: Budjadingen Tourismus

Ein Spaziergang über den Bohlenweg macht unmittelbar erlebbar, was die Kraft der Gezeiten bewirken kann. Noch bis 2014 war der Groden durch einen Sommerdeich weitgehend vom Einfluss der Nordsee abgeschirmt. Heute führt ein rund vier Kilometer langer Rundweg durch diese Landschaft. Beobachtungsstände, Stege und eine Brücke zum Vordeich eröffnen immer wieder neue Perspektiven auf Watt, Salzwiesen und die Vogelwelt. Besonders eindrucksvoll ist der rund 400 Meter lange Bohlensteg: Er führt trockenen Fußes durch eine Landschaft, die sich mit Ebbe und Flut ständig verändert.

Eine Mühle, die weiterdreht

Auch die Seefelder Mühle in Seefeld erzählt von einer Tradition, die nur weiterlebt, weil sich Menschen dafür engagieren. Die Geschichte der Mühle reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. 1874 wurde die Mühle nach Seefeld verkauft und dort zwei Jahre später an ihrem heutigen Standort wieder aufgebaut – eine damals durchaus übliche Praxis, um die wertvolle Zimmermannsarbeit weiter zu nutzen. Bis 1968 war sie nahezu 100 Jahre kommerziell in Betrieb. Seit 1989 gehört die Mühle der Gemeinde Stadland. Zwischen 2001 und 2004 wurde das historische Bauwerk mit öffentlichen und privaten Fördermitteln umfassend restauriert. Seit 2001 sorgen zudem ausgebildete Müllerinnen und Müller für den fachgerechten Betrieb und halten damit ein Stück regionaler Handwerksgeschichte lebendig. Heute fungiert das Kulturzentrum sogar als Standesamt. Bis zu 35 Paare lassen sich hier jährlich trauen.

Mehr als 150 Jahre hat die schmucke Seefelder Mühle mittlerweile auf dem Buckel. – Foto: Wirtschaftsförderung Wesermarsch

Auch Gerd Coldewey ist einer von sechs freiwilligen Müllern. Seit zwölf Jahren engagiert er sich für die Mühle und erklärt Besuchern ihre Geschichte. Doch hinter der romantischen Kulisse steckt eine weniger romantische Realität: Der Erhalt historischer Bauwerke ist teuer, Fördermittel sind nicht selbstverständlich und touristisch lässt sich die Mühle nur schwer vermarkten. Coldewey sieht zudem eine weitere Bedrohung: den Klimawandel. Auch die historischen Mühlen der Küstenregion sind den veränderten Wetterbedingungen ausgesetzt. Tradition zu bewahren bedeutet deshalb nicht, die Vergangenheit zu konservieren. Es bedeutet, sie unter neuen Bedingungen weiterzuführen.

Tee statt Tide

Dass regionale Identität auch ganz anders schmecken kann, zeigt das Teekontor in Langwarden. Sabine Habermaass und ihr Mann Matthias Blümig haben das Café vor rund zweieinhalb Jahren übernommen. Im Inneren fühlt sich der Besucher ein wenig wie in „Omas guter Stube“ – erinnert, gemütlich und weit entfernt vom hektischen Alltag. Rund 200 Teesorten gehören zum Sortiment. Neben dem klassischen Ostfriesentee ist an warmen Tagen der Sommerbeerentee auf Eis zu empfehlen. Der Teeladen macht aus der ostfriesischen Teekultur zugleich ein zeitgemäßes Genusserlebnis. Es ist ein weiteres Beispiel für das Prinzip, das sich durch die Reise zieht: Die Tradition bleibt – aber sie bekommt eine neue Bühne.

Matthias Schulz präsentiert während der Wattwanderung tierische Entdeckungen. – Foto: Budjadingen Tourismus

Vom Tee ist es in Butjadingen nicht weit zum nächsten kulinarischen Erlebnis. Denn Genuss gehört hier ebenso zur regionalen Identität wie das Meer, die Landwirtschaft und das Handwerk. Während im Teekontor die ostfriesische Teekultur gepflegt und mit neuen Aromen bereichert wird, setzt das Restaurant Kachelstübchen in Burhave auf eine zeitgemäße Interpretation der norddeutschen Küche. Koch und Inhaber Daniel Scheffel eröffnete das Restaurant im Februar 2022 gemeinsam mit seiner Frau. Sein Traum war es, ein Restaurant am Wasser zu führen. Zuvor sammelte er Erfahrungen in Sternerestaurants, unter anderem auf Sylt. Heute konzentriert er sich auf Fisch und norddeutsche Spezialitäten, lässt seiner Küche dabei aber bewusst Raum für Kreativität. In den Wintermonaten stehen deshalb auch italienische und asiatische

Themenwochen auf dem Programm

Ein Blick auf die Karte zeigt, wie konsequent Scheffe den Schwerpunkt auf Fisch und regionale Küche legt. Neben Klassikern wie dem Rotbarsch mit Salzkartoffeln steht unter anderem ein gemischter Fischteller auf der Karte, der verschiedene Spezialitäten aus dem Meer miteinander verbindet. Dabei setzt der Koch auf frische Produkte und eine Zubereitung, die norddeutsche Bodenständigkeit mit einer modernen Note verbindet. Auch bei den Getränken bleibt der Blick über die Küste hinaus offen. Die Weinkarte ist sorgfältig zusammengestellt, wichtigster Lieferant ist das Pfälzer Weingut Ziegler.

Der Langwarder Groden eröffnet besondere Perspektiven. – Foto: Budjadingen Tourismus

Eine der eindrucksvollsten Begegnungen wartet in Eckwarderhörne. An diesem Abend ist die Wattwanderung mit Michael Schulz etwas ganz Besonderes: Eine partielle Sonnenfinsternis taucht die Landschaft in ein ungewöhnliches Licht, während sich am Horizont zugleich der Sonnenuntergang ankündigt. Zwischen Himmel und Watt entsteht eine Stimmung, die selbst für den erfahrenen Wattführer außergewöhnlich ist.

Wenn sich Sonne und Meer begegnen

Seit 28 Jahren führt Matthias Schulz Besucher hinaus ins Watt. Etwa vier Stunden nach Hochwasser ist der ideale Zeitpunkt, um den Lebensraum bei ablaufendem Wasser zu erkunden. Schulz macht sich mit seinen Gästen auf die Suche nach Wattwürmern und Muscheln – unscheinbaren Lebewesen, die für das empfindliche Ökosystem des Watts eine wichtige Rolle spielen.

Beliebter Treffe für Wasserratten und Sonnenanbeter ist das Strandbad Sehestedt. – Foto: Wirtschaftsförderung Wesermarsch

Doch Schulz vermittelt nicht nur Wissen über die Natur. In fast drei Jahrzehnten hat er unzählige Begegnungen erlebt. Besonders erinnert er sich an eine Wattwanderung mit behinderten Kindern. Eines der Kinder wollte zunächst nicht ins Watt. Schulz konnte es schließlich überzeugen, den Schritt zu wagen. Am Ende war die Freude über das Geschaffte groß – und mit ihr der Stolz, eine persönliche Grenze überwunden zu haben.
Vielleicht beschreibt diese kleine Geschichte am besten, was eine Reise nach Butjadingen ausmacht. Es geht nicht allein darum, eine Landschaft zu sehen. Es geht darum, sie zu erfahren.

Zwischen Milchhäuschen und Landcafé

Am Weserradweg in Berne setzt Karin Schumacher mit ihrem Melkhus eine weitere Tradition fort. Seit 23 Jahren ist das kleine Milchhaus im Sommer Rastplatz für Radfahrer und Treffpunkt für Einheimische. Hier bekommt man frische Milkshakes, fruchtige Quarkspeisen, sahniges Eis, aromatischen Milchkaffee oder ein Glas kühle Buttermilch. Die Landfrauen wissen, was man aus Milch alles zaubern kann, und verkaufen ihre Produkte in den kleinen grünen Holzhäuschen mit dem roten Dach und den weißen Sprossenfenstern.

Melkhus gehört nicht nur für Radfahrer zu den beliebten Anlaufpunkten. – Foto: Wirtschaftsförderung Wesermarsch

Schumacher gibt auch Tipps zu Radwegen und Unterkünften. Selbst wenn die Betreiberinnen mal nicht persönlich anzutreffen sind, steht einer Erfrischung nichts im Wege: Radfahrer, Inlineskater und alle anderen Besucher dürfen sich aus dem gut gefüllten Kühlschrank und den Eistruhen bedienen – gegen Bezahlung in die Vertrauenskasse. Dass solche Orte funktionieren, hat viel mit persönlichem Engagement zu tun. Und mit der Bereitschaft einer ganzen Familie, mitzuhelfen.

Wer nach einer Fahrradtour oder einem längeren Spaziergang noch Lust auf Kaffee und Kuchen hat, findet im nahe gelegenen Moorriemer Landcafé die passende Fortsetzung der kulinarischen Reise. Auch das Landcafé folgt diesem Prinzip. Martin Odewald übernahm das Café kurz vor Corona und konnte es inzwischen zu einem festen Treffpunkt entwickeln. Die Kuchen backt er selbst – aus Leidenschaft fürs Kochen und Backen. Sein Erfolgsrezept: Qualität, ein gutes Netzwerk und die Fähigkeit, auch soziale Medien für das Café zu nutzen.

Maritimes Flair an der Unterweser

Das Restaurant Weserschlößchen weiß die Gäste zu verwöhnen. – Foto: Wirtschaftsförderung Wesermarsch

Am Ende des Tages führt die Reise weiter nach Nordenham. Die Stadt liegt ebenfalls in der Wesermarsch und öffnet den Blick noch einmal auf eine andere Seite der Region: Hier trifft das Leben am Wasser auf die maritime Geschichte der Unterweser.

Direkt in der Nähe der Fähranleger bietet das Restaurant Weserschlößchen in Nordenham einen schönen Abschluss des Tages mit Blick auf die Weser. Spezialität des Hauses sind die BBQ-Platten, bei denen sich mehrere Personen einen abwechslungsreichen Mix aus Rumpsteak, Hähnchenbrustfilet, gegrilltem Lachs und Hamburgern teilen können. Dazu werden Ofenkartoffeln, Pommes und Salat serviert. Neben der guten Qualität der Speisen überzeugt das Restaurant auch durch seinen aufmerksamen Service – und natürlich den Blick auf das Wasser.

Bremerhaven – vom neuen Hafen zum Schaufenster

Nicht nur während der Maritimen Tage weiß der Neue Hafen in Bremerhaven zu begeistern. – Foto: Carmen Lindemann / Erlebnis Bremerhaven

Wer nach den vielen Eindrücken aus der Wesermarsch noch Lust auf maritime Erlebnisse hat, kann die Reise über die Weser nach Bremerhaven fortsetzen. Die Stadt bildet dabei keinen Bruch, sondern eine urbane Fortsetzung dessen, was die Reise zuvor geprägt hat: die enge Verbindung von Menschen, Meer, Hafen und Fischerei. Wie lebendig diese Verbindung bis heute ist, zeigen unter anderem die alljährlich im August stattfindenden Maritimen Tage.

Rund um den Neuen Hafen wird die Stadt dann zur maritimen Bühne. Zahlreiche Schiffe, Veranstaltungen und kulinarische Angebote machen das Hafenfest zu einem wiederkehrenden Höhepunkt im Veranstaltungskalender. Diese Veranstaltung ist dabei nur ein Beispiel für das maritime Erlebnis, das Bremerhaven das ganze Jahr über prägt. Auch kulturell hat die Stadt viel zu bieten: Das Deutsche Auswandererhaus, das Klimahaus und das Deutsche Schifffahrtsmuseum erzählen von Migration, Klima, Forschung und der jahrhundertealten Beziehung der Menschen zum Meer.

Hafenidylle mit Erlebnischarakter

Schaufenster Fischereihafen vereint eine Fülle an Freizeit- und Gastronomieangeboten. – Foto: Tanja Mehl / Erlebnis Bremerhaven

Besonders atmosphärisch wird es im historischen Fischereihafen. Wo einst Fischdampfer ihre Fänge anlandeten, treffen heute Hafenatmosphäre, Gastronomie, Museen und Schifffahrtsgeschichte aufeinander. Im „Schaufenster Fischereihafen“ lässt sich erleben, wie aus einer gewachsenen Fischereikultur ein lebendiges Besucherziel entstanden ist: Räucherfisch, Matjesbrötchen und Fischrestaurants gehören ebenso dazu wie die Erinnerung an die Zeit, als der Fischfang den Rhythmus des Viertels bestimmte. Wer im Nordseehotel Fischereihafen ein Zimmer mit Blick auf den Hafen bucht, kann dieses maritime Ambiente sogar vom Fenster aus erleben. Und hier schließt sich der Kreis zur Reise durch Butjadingen: In Fedderwardersiel erzählt Micha die Geschichte des Fisches auf seine ganz eigene Weise – mit Räucherofen und Backfischbude. In Bremerhaven wird daraus eine ganze Erlebniswelt.

Vielleicht ist genau das die eigentliche Geschichte dieser Reise: Butjadingen zeigt, dass eine Region nicht allein von ihrer Landschaft lebt. Es sind die Menschen, die ihr Gesicht geben – der ehemalige Airbus-Mitarbeiter, der heute Fisch räuchert; die Bauernfamilie, die ihre Milch selbst verarbeitet; der Müller, der freiwillig die Flügel einer historischen Mühle in Bewegung hält; der Wattführer, der seit fast drei Jahrzehnten Menschen für das Meer begeistert; die Teehändlerin, die ostfriesische Tradition neu interpretiert; und die Gastronomen, die regionale Küche mit Offenheit und Kreativität verbinden.

Weitere Informationen: www.butjadingen.de und www.wf-wesermarsch.de


Die Recherche fand – ohne Einfluss auf die journalistische Ausarbeitung – auf Einladung / mit Unterstützung von Tourismus-Service Butjadingen und der Touristikgemeinschaft Wesermarsch statt.

Karl-Heinz Goedeckemeyer

lebt in Frankfurt am Main und ist seit 2023 für das Mortimer Reisemagazin als Autor tätig. Er verfasst Beiträge zu Destinationen, wo auch Restaurants und Hotels nicht zu kurz kommen.