Hotelcheck: Biohotel Schloss Kirchberg

Biohotel Schloss Kirchberg
Nicht nur im Abendlicht wirkt das Empfangsgebäude des Biohotels Schloss Kirchberg überaus einladend. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Hoch über der Jagst thront Schloss Kirchberg – ein historischer Rückzugsort, in dem Bio-Küche, ökologische Landwirtschaft und fast 800 Jahre Geschichte aufeinandertreffen.

Das Biohotel grenzt unmittelbar an die charmante Altstadt von Kirchberg. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Unten zieht die Jagst gemächlich ihre Schleifen durch Wiesen und Felder, oben knarren alte Türen, führen Treppen durch Jahrhunderte und wartet ein Hotel, das mit dem klassischen Bild einer fürstlichen Behausung erfreulich wenig anfangen kann: das Biohotel Schloss Kirchberg. Wer hier zum ersten Mal aus dem Fenster schaut, könnte kurz vergessen, in welchem Jahrhundert er gerade lebt. Tief unten schlängelt sich die Jagst durch die Hohenloher Landschaft, gegenüber liegen Wälder und Felder.

Hier wird nicht nur in historischen Mauern übernachtet. Das Schloss ist zugleich Bildungsstätte, Veranstaltungsort und Teil einer ungewöhnlichen Gemeinschaft rund um die Stiftung „Haus der Bauern“ und die Akademie für ökologische Land- und Ernährungswirtschaft.

Vom Wehrbau zur barocken Residenz

Teile des Schlosses wirken von außen durchaus trutzig. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Die Geschichte des Hauses beginnt lange vor der Eröffnung des Biohotels. Um das Jahr 1240 entstand an der strategisch wichtigen Jagst-Querung eine Burg. Kirchberg lag an der einstigen Salzstraße zwischen Hall und Rothenburg ob der Tauber und war damit weit mehr als ein hübscher Fleck am Fluss. Zwischen 1590 und 1597 wurde die mittelalterliche Burg unter Graf Ludwig Kasimir von Hohenlohe zu einem vierflügeligen Renaissanceschloss umgestaltet. Ab 1738 entwickelte sich die Anlage zur größten barocken Residenzanlage im Hohenloher Land.

Unverkennbare Retti-Handschrift

Vom Parkplatz geht es über eine geschwungene Brücke ins Biohotel Schloss Kirchberg. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Die Schlossgebäude gruppieren sich um drei Höfe und vereinen Renaissance- mit Barockelemente zu einer harmonischen Einheit. Der italienische Baumeister Leopoldo Retti, der später als Oberbaudirektor des Stuttgarter Residenzschlosses wirkte, gestaltete die Innenräume und erweiterte die Anlage um einen Marstall, einen Witwenbau, ein Brunnen- und Wachhäuschen sowie den Schlossgraben mit Brücke. Noch heute prägen prunkvolle Repräsentationsräume die fürstliche Residenz: Der vordere Quersaal beherbergte einen Rokokosaal mit Fresken von Joachim Georg Creutzfelder, der hintere den sogenannten Rittersaal.

Keine Spur von Einheitslook

Fast schon musealen Charme besitzt die King Suite. – Foto: Brigitte Kempen / Mortimer Reisemagazin

Die Zeiten, in denen hier Fürsten residierten, sind jedoch lange vorbei. Die geschichtsträchtigen Gemäuer wurden mit viel Feingefühl restauriert, wobei ursprüngliche Elemente wie Eichenholzböden und historische Gewölbe harmonisch mit modernem Design verschmolzen sind. Die 40 Zimmer sind allesamt komplett unterschiedlich gestaltet und reichen von der komfortablen Suite bis hin zu eher einfachen Unterkünften. Gerade diese Mischung gehört zum Charakter des Hauses.

Adlerhorst und King Suite

Afrikanische Dekoelemente zieren das Sansibar-Zimmer. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Im „Adlerhorst“, dem höchstgelegenen Zimmer des Schlosses, liegt die Jagst weit unten im Tal; das Zimmer „Sophienberg“ öffnet den Blick ebenfalls über Fluss und Hohenloher Ebene. Wer es historisch und großzügig mag, kann sich in der rund 200 Quadratmeter großen King Suite einquartieren. Originale Schlossmöbel, Stuckdecken, ein fürstliches Himmelbett, ein großes Wohngemach und eine eigene Küche machen daraus eher eine kleine Residenz als ein gewöhnliches Hotelzimmer.

Zimmer für jeden Geldbeutel

Biohotel Schloss Kirchberg
Auch im Bad des Sansibar-Zimmers setzt sich die gestalterische Linie fort. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Und dann sind da noch Zimmer wie das „Malabar“ oder das „Sansibar“, die mit indischen beziehungsweise afrikanischen Gestaltungselementen überraschen. Wer dagegen lieber mit kleinerem Budget reist, findet im Schloss auch einfache Zimmer. Die „Eulennester“ und die „Siebenschläfer“ sind beispielsweise mit Einzelbetten ausgestattet und richten sich ausdrücklich auch an Wander- und Radgruppen sowie Familien. Genau diese Mischung macht das Hotel ungewöhnlich: Schlossatmosphäre ist hier nicht ausschließlich einer Luxusreise vorbehalten.

Bio beginnt hier nicht erst auf dem Teller

Der ehemalige Marstall des Schlosses wurde zum Speisesaal umfunktioniert. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Im Mittelpunkt des Aufenthaltes steht eine Gastronomie, die den Begriff Regionalität neu definiert. Die angeschlossene Landwirtschaft sowie lokale Bio-Erzeuger beliefern die Küche täglich mit frischen, saisonalen Zutaten nach Demeter-Richtlinien. Auf den Tisch kommt, was direkt vor der Haustür wächst, reift und mit handwerklichem Stolz verarbeitet wird. Das Ergebnis ist ein authentischer Geschmack des Hohenloher Landes, der Gourmets ebenso begeistert wie umweltbewusste Genussmenschen.

Klasse statt Masse

Ein Gedicht: Der Rostbraten vom Hohenloher Weiderind. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Die Speisekarte ist klein, dafür begeistern die servierten Mahlzeiten mit hoher Qualität und Geschmacksintensität – so etwa der famose Rostbraten vom Hohenloher Weiderind mit Rosmarin-Kartoffel und Gemüse oder das Schweinefilet vom Schwäbisch-Hällischen Landschwein mit hausgemachten Bio-Spätzle, zweierlei Zwiebel und Beilagen-Salat. Und zum Frühstück werden regionale Spezialitäten wie Hällische Wurst, Bio-Heumilchkäse, Honig, Eier, Bauernbrot, Joghurt, Müsli und Säfte angeboten.

Biohotel Schloss Kirchberg
Eine prächtige Holzkassettendecke mit alten Gemälden schmückt den Rittersaal. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

So gestärkt, lohnt ein Gang durch die historische Altstadt von Kirchberg, die unmittelbar an das Schloss grenzt. Für Wanderer und Radfahrer ist die Lage des Biohotels perfekt, treffen doch in der 4.200-Seelen-Gemeinde der Kocher-Jagst-Radweg, der Kocher-Jagst-Trail und der Jakobsweg aufeinander.

Das Treppenhaus im Biohotel Schloss Kirchberg zieren prachtvolle Figuren. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Informationen: Schlossstrasse 16/3, 74592 Kirchberg an der Jagst, Telefon 07954-9215471, www.biohotel-schloss-kirchberg.de

Bewertung des Mortimer Reisemagazins

Das Biohotel Schloss Kirchberg weiß angenehm zu überraschen. –  Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

In jeder Kategorie werden maximal fünf Sterne vergeben:

Lage ****
Ausstattung ***/*
Sauberkeit ****
Essen und Trinken ****
Service ****

Auch im Prinzenbau lässt es sich fürstlich nächtigen. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Fazit: Schlafen wie ein Fürst – dazu gesunder Genuss: Das Biohotel Schloss Kirchberg in Hohenlohe verbindet barocke Residenz mit moderner Nachhaltigkeit und entpuppt sich dabei als charmante Wundertüte.

Karsten-Thilo Raab

berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten für eine Vielzahl von Zeitungen und Magazinen über Reiseziele weltweit. Zudem hat er sich einen Namen als Autor von mehr als 120 Reise-, Wander- und Radführern sowie Bildbänden gemacht.