
Wenn am 3. November die Jagdhörner durch Saint-Hubert klingen, wird die Ardennenstadt zum Schauplatz eines außergewöhnlichen Festes: Das Hubertus-Fest verbindet jahrhundertealte Tradition, Jagdhornmusik, Reitkultur und die berühmte Tiersegnung vor der Basilika.

Pferde scharren auf dem Pflaster, Hunde schauen erwartungsvoll zu ihren Frauchen und Herrchen auf, Reiter ziehen in Richtung Basilika. Beim Hubertus-Fest treffen religiöse Tradition, Jagdkultur und Tierliebe aufeinander – und mittendrin steht ein Heiliger, dessen Name bis heute eng mit Wald, Wild und vierbeinigen Gefährten verbunden ist. Immer am 3. November wird in Saint-Hubert, in der belgischen Provinz Luxemburg, die „Fête de la Saint-Hubert“, das Hubertus-Fest, gefeiert.
Eine Stadt im Zeichen des Heiligen

Namenspatron Hubertus war Bischof von Lüttich und starb im Jahr 727. Gemäß Überlieferung erschien ihm während der Jagd ein Hirsch mit einem Leuchtkruzifix zwischen dem Geweih, was zu seiner Bekehrung zum Christentum führte. Bereits seit dem 9. Jahrhundert wird Hubertus bereits als Schutzpatron der Jäger verehrt; zugleich gilt seine Fürsprache traditionell Hunden und Pferden.
Eine besondere Bedeutung bekam der Ort in den Ardennen durch die Überführung der Reliquien des Heiligen im Jahr 825. Sie wurden aus Lüttich in die damalige Abtei von Andage gebracht – der Ursprung einer Pilgertradition, die bis heute lebendig ist.
Musikalisches Welterbe

Wer am 3. November über den Platz vor der Basilika, den Place de l’Abbaye, schlendert, erlebt keine stille Wallfahrt. Saint-Hubert wird dann zur Bühne eines Festes, bei dem der Klang der Jagdhörner zu einer Art Erkennungsmelodie avanciert. Bei der großen Messe erklingen die Hörner der Bläsergruppen; 2026 ist dafür die Mitwirkung des Royal Forêt Saint-Hubert und von Jagdhornbläsern aus verschiedenen Teilen Europas angekündigt.

Dass diese Musik weit mehr als ein nostalgisches Geräusch aus dem Wald ist, bestätigt übrigens auch die UNESCO. Die Kunst der Jagdhornbläser wurde im Jahr 2020 in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Im Mittelpunkt stehen Atemtechnik, Klanggestaltung, Vibrato, Resonanz und das gemeinschaftliche Musizieren.
Der eigentliche Star hat Pfoten

Das Fest beginnt bereits am frühen Morgen mit einer Messe am Altar des Heiligen, gefolgt von einem feierlichen Hochamt. Der vielleicht charmanteste Moment des Hubertus-Festes folgt danach: Vor der Basilika werden Pferde und zahlreiche weitere Tiere gesegnet. Hunde gehören traditionell zu den auffälligsten Teilnehmern. Auch andere Haustiere und sogar Stofftiere von Kindern werden zur Segnung gebracht.
Wandel einer Tradition

Die Tiersegnung hat eine lange Geschichte. Ursprünglich war sie eng mit der bäuerlichen Lebenswelt verbunden: Kühe, Kälber, Schafe, Schweine und Geflügel wurden gesegnet, weil das Wohlergehen der Tiere unmittelbar mit dem Überleben der Familien verbunden war. Heute hat sich das Ritual gewandelt. Aus Nutztieren sind vielfach geliebte Begleiter geworden.

Und so entsteht auf dem Platz vor der Basilika ein ungewöhnliches Bild: Pferde neben Hunden, Reiter neben Spaziergängern, Jagdhunde neben Familienhunden. Der Weihwasserkessel macht dabei keinen Unterschied zwischen Stammbaum und Mischling.
Brot, Reliquie und Brauchtum

Ein weiterer fester Bestandteil der Zeremonie ist die Segnung des Hubertusbrotes, kleiner Brötchen, die im Namen des Heiligen geweiht werden. Der Verzehr, besonders auf nüchternen Magen, soll nach alter Überlieferung vor Krankheiten wie der Hundswut schützen – ein Brauch, der bis ins Mittelalter zurückreicht. Anschließend erfolgt die Verehrung der Hubertusreliquie, die in der Basilika aufbewahrt wird und bis heute Pilger aus aller Welt anzieht. Weitere Informationen unter www.visitwallonia.de und https://sainthubertiades.070.be.

Karsten-Thilo Raab
berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten für eine Vielzahl von Zeitungen und Magazinen über Reiseziele weltweit. Zudem hat er sich einen Namen als Autor von mehr als 120 Reise-, Wander- und Radführern sowie Bildbänden gemacht.