Langenburg – der Logenplatz im Jagsttal

Langenburg
Dass historische Stadttor, das sogenannte Albert-Munz-Törle, in der Altstadt von Langenburg. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Hoch über dem Jagsttal thront Langenburg als kleinste Stadt des Landkreises Schwäbisch Hall auf einem weithin sichtbaren Bergsporn. Die historische Altstadt, deren Ursprünge bis ins Mittelalter zurückreichen, besticht durch verwinkelte Gassen und Fachwerkromantik gepaart mit einer charmanten Kleinstadtidylle. Immer wieder öffnet sich von der Hochebene der Blick weit über das Jagsttal und die Hohenloher Landschaft. Bestimmt wird das Panorama von bewaldeten Hänge, Wiesen, Felder und der Jagst, die sich tief unten durch das Tals schlängelt.

Zwischen Fürstengruft und PS-Legenden

Weithin sichtbar: Schloss Langenburg. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Das weithin sichtbare Schloss ist bis heute Stammsitz der fürstlichen Familie zu Hohenlohe-Langenburg. Seine Ursprünge reichen in die Stauferzeit zurück. Bereits um 1226 wurde Langenburg als „castrum et oppidum“, als „Burg und Stadt“ erwähnt.

Ab 1235 wurde die Burg dann nach und nach ausgebaut. Im 17. Jahrhundert verwandelte sich die mittelalterliche Anlage schließlich in eine repräsentative Residenz. Besonders eindrucksvoll ist der Renaissance-Innenhof mit seinen Galerien, Treppentürmen und kunstvollen Fassaden.

In Teilen wirkt die Schlossanlage verwunschen. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Wer durch das Schlossmuseum geht, bekommt nicht nur Architektur zu sehen. Historische Möbel, Tapisserien, Porzellan, Fayencen, Waffen und Jagdtrophäen erzählen von einer Welt, in der gesellschaftlicher Rang noch an Raumgröße, Silberbesteck und möglichst beeindruckenden Ahnengalerien abzulesen war.

Historische Pferdestärken

Im ehemaligen Marstall ist das Automobilmuseum zu einem Publikumsmagneten geworden. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Gleich nebenan wartet im ehemaligen Marstall des Schlosses das Deutsche Automuseum auf alle die Benzin im Blut haben oder sich für Chrom und Pferdestärken begeistern. Die Idee für die beeindruckende Sammlung wurde 1969 gemeinsam von Fürst Kraft zu Hohenlohe-Langenburg sowie dem Motorsportjournalisten und Rennfahrer Richard von Frankenberg entwickelt – angeblich bei einer guten Flasche Wein. Bereits 1970 öffnete das Museum seine Türen und gehörte damit zu den ältesten Oldtimermuseen Deutschlands.

Klein und schmuck: das historische Rathaus. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Heute erzählen Oldtimer, Motorräder, Sportwagen und wechselnde Ausstellungen von Erfindungen, Rennsport und dem Wandel der Mobilität. Unter dem Motto „Menschen, Autos & Geschichte“ geht es deshalb nicht nur um glänzendes Blech, sondern auch um die Frage, wie das Automobil eine Region verändert hat.

Genussvolle Auszeit über den Baumwipfeln

Prachtvolle An- und Aussichten eröffnen sich vom Schlossgarten. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Neben Kultur und Motorensound lockt Langenburg vor allem mit einer genussvollen Lebensart. In den gemütlichen Cafés rund um den Schlossgarten lässt sich die regionale Gastfreundschaft genießen, während der Blick über die Baumwipfel des Jagsttals schweift.

Prägend für Langenburgs Altstadt ist der Fachwerkcharme. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Rundwanderwege führen von Langenburg hinaus in die Landschaft und entlang der Jagst. Besonders reizvoll ist die Verbindung von Natur und Kulturgeschichte in Richtung Unterregenbach. Dort wurden bei archäologischen Untersuchungen die Spuren einer rund 1.000 Jahre alten Kirchenanlage und eines Klosters nachgewiesen. Das Grabungsmuseum und die Krypta machen aus der Wanderung eine kleine Expedition in die Frühgeschichte der Region.

Kleiner Versuchung

An den berühmten Wibele führt eigentlich kein Weg vorbei… – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Kein Besuch in Langenburg wäre allerdings komplett ohne eine Handvoll Wibele – jener berühmten Spezialität, die beweist, dass auch kleine Dinge große Berühmtheit erlangen können. Die zierlichen Gebäcke aus Eiweiß, Puderzucker, Mehl und Vanillezucker werden hellbraun gebacken und kommen paarweise daher: zwei dicht aneinanderliegende, erbsengroße Tropfen, gerade einmal 22 Millimeter lang und 12 Millimeter breit.

Das historische Zentrum lässt sich bewuem zu Fuß erkunden. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Erstmals sollen die Wibele hier bereits 1763 hergestellt worden sein. Damals trugen sie allerdings einen weitaus weniger charmanten Namen: „Geduldszeltle“. Der Grund lag auf der Hand – ihre Herstellung verlangte einst reichlich Geduld. Die darf man sich heute sparen. Wer die knusprig-zarten Mini-Gebäcke probieren möchte, findet sie griffbereit in den Langenburger Bäckereien – und, ganz zeitgemäß, sogar in zahlreichen Automaten. Ein kleiner Vorrat für unterwegs ist also schnell besorgt…

Mit kaum mehr als 1700 Einwohnern ist Langenburg die kleinste Stadt in Baden-Württemberg. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Karsten-Thilo Raab

berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten für eine Vielzahl von Zeitungen und Magazinen über Reiseziele weltweit. Zudem hat er sich einen Namen als Autor von mehr als 120 Reise-, Wander- und Radführern sowie Bildbänden gemacht.