
Hoch über dem Fluss thronen Geschichte und Barockpracht: Kirchberg an der Jagst verzaubert mit einer Mischung aus Hohenloher Idylle, architektonischen Schätzen und unberührter Natur. Dabei wird die Kleinstadt im Landkreis Schwäbisch Hall durch hübsche Fachwerk- sowie pastellfarbene Hausfassaden geprägt. Bereits aus der Ferne zieht der 45 Meter hohe Stadtturm aus dem Jahr 1400 Blicke auf sich und markiert unübersehbar den Eingang in ein städtebauliches Ensemble, das den Lauf der Jahrhunderte nahezu unbeschadet überstanden hat.
Ein Schloss mit mehreren Leben

Der große Blickfang ist das Schloss Kirchberg. Seine Geschichte beginnt mit einer Burg, die um 1240 errichtet wurde. 1590 bis 1597 verwandelten die Hohenlohe die mittelalterliche Anlage in ein Renaissanceschloss. Im 18. Jahrhundert folgte der nächste große Umbau: Zwischen 1738 und 1745 wurde die Residenz unter dem Architekten Leopoldo Retti barock erweitert.

Besonders reizvoll ist dabei, dass das Schloss nicht isoliert irgendwo im Grünen steht. Es ist Teil des historischen Stadtgefüges und bildet gemeinsam mit Stadtkirche, Hofgarten und den alten Häusern eine ungewöhnlich kompakte historische Landschaft.

Seit 2016 gehört das Schloss der Stiftung Haus der Bauern. Hinter den historischen Mauern befindet sich heute ein interdisziplinäres Zentrum für Kultur und Bildung mit Angeboten rund um Landwirtschaft, Gesellschaft, Kunst und Kultur. Auch die Tradition der Schlosskonzerte reicht weit zurück: Seit 1967 wird im Kirchberger Schloss regelmäßig klassische Musik aufgeführt.
Der „älteste Kirchberger“ wartet im Museum

Die Stadtkirche von 1731, der Hofgarten mit seiner Orangerie und die historischen Gebäude zeugen von der langen, bewegten Kirchberger Geschichte. Ein besonderer Hingucker ist daneben die steinerne Jagstbrücke. Seit 1779 überspannt die fünfbogige Brücke mit Erkern den Fluss und verbindet damit nicht nur Ufer, sondern auch die für Kirchberg so typische Dramaturgie aus Höhe, Wasser und historischer Architektur.

Lohnend ist ein Stopp im Sandelschen Museum. Untergebracht ist es in einer ehemaligen Lateinschule von 1748. Die Sammlung geht auf Theodor Sandel zurück und reicht von Heimatgeschichte und Kunsthandwerk bis zu Geologie und Paläontologie. Im Museum werden Funde eines rund 250.000 Jahre alten Waldnashorns vorgestellt, des sogenannten „Stephanorhinus kirchbergensis“.

Rund um die Stadt beginnt das Jagsttal, das mit seinen Wäldern, Muschelkalkhängen und offenen Landschaften zu ausgedehnten Spaziergänge und Wanderungen insbesondere entlang des gut 200 Kilometern lange Kocher-Jagst-Trails einlädt.

Weitere Informationen unter www.kirchberg-jagst.de.

Karsten-Thilo Raab
berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten für eine Vielzahl von Zeitungen und Magazinen über Reiseziele weltweit. Zudem hat er sich einen Namen als Autor von mehr als 120 Reise-, Wander- und Radführern sowie Bildbänden gemacht.