Adelboden: Wandern mit Genussmoment

Adelboden
Für Mutige: Schaukeln auf dem „Giant Swing“ auf der Tschentenalp. – Foto: Anja Zurbrügg / Tourismus-Adelboden-Lenk-Kandersteg

Das Bergdorf Adelboden im Berner Oberland mit rund 3.500 Einwohnern ist gewissermaßen ein Schweizer Geheimtipp für Wanderurlauber, Erholungssuchende und Gourmets. Gegenüber den oft überlaufenen Schweizer Hotspots wie Matterhorn oder Jungfraujoch erweist sich Adelboden, umgeben von markanter Berglandschaft und weiten Alpweiden, als reizvolle Schweizer Urlaubsalternative.

Auf 1350 Metern Höhe empfängt Adelboden seine Besucher als ein klassisches hochalpines Dorf mit vielen Holzchalets mit geschnitzten Balkonen und der üblichen Dorfkirche als Ortsmittelpunkt. Hotels, Geschäfte und Einkehrmöglichkeiten finden sich zumeist entlang der zentralen Dorfstraße. Insofern unterscheidet sich Adelboden kaum von anderen Schweizer Bergdörfern. Aber Adelboden hat einige Urlaubs-Trümpfe im Ärmel, die eine Reise wert sind. Und das ist nicht nur das hier alljährlich stattfindende Skiweltcuprennen.

Die Engstligenalp: Bilderbuch-Alpenidylle

Idyllische Engstligenalp. – Foto: Sven Allenbach / Tourismus Adelboden-Lenk-Kandersteg

Die Engstligenalp ist mit sieben Quadratkilometern die größte Hochebene der Schweiz. Die von Bergbächen durchzogene Alpweide ist Ausgangspunkt für zahlreiche schöne Wanderungen, aber auch ein Gebiet, um Atem zu holen, zu entschleunigen, ein meditativer Ort. Die Fahrt von der Talstation der Engstligenalp-Seilbahn hinauf zur Alp auf 1.900 Meter dauert nur sieben Minuten. Einmal oben, scheint man der Welt abhanden gekommen. Weit und ruhig erstreckt sich vor einem diese großartige Hochebene mit Blick auf die Gipfel des Wildstrubel (3.242 Meter), das Steghorn (3.146 Meter) oder das Ammertenhorn (2.613 Meter). Man muss nicht weit gehen, um Rastplätze und Bänke zu finden, von denen aus man das eindrückliche Panorama und die erhabene Stimmung dieser wunderschönen Alp auf sich wirken lassen kann.

Adelboden
Auf der Engstligenalp gibt es Übernachtungs- und Einkehrmöglichkeit. – Foto: Anja Zurbrügg / Bergbahnen Engstligenalp AG

Im Sommer ergänzen frei weidende Kühe auf den weiten Matten der Hochebene diese wahrhaftige Alpenidylle. Auch viele Einheimische kommen hier hinauf, um zu entspannen und die grandiose Natur zu genießen. Im Winter bleibt die Engstligenalp ein Natur- und Ruheort und wird sportlich zumeist zum Langlauf oder Winterwandern genutzt.

Neben Wandern ist Trail-Running in Adelboden sehr beliebt. – Foto: Anja Zurbrügg / Tourismus-Adelboden-Lenk-Kandersteg

Und natürlich kann man auch wandern hier oben, und wie! Gut ausgeschilderte und landschaftlich reizvolle Wanderwege von unterschiedlicher Länge und Schwierigkeit haben hier ihren Ausgangs- und meistens auch Endpunkt. Von den einfachen, ca. anderthalb Stunden langen Rundwanderwegen auf der Engstligenalp selbst oder zu den Engstligenfällen, über eine mittelschwere drei- bis vierstündige Wanderung zum 2.697 Meter Chindbettihorn und zurück bis hin zu einer vier- bis fünfstündigen anspruchsvollen Dreitausender-Wanderung zum Steghorn findet sich etwas für jeden Wandertyp.

Raclette auf 2000 Metern Höhe

Nur wenige hundert Meter von der Seilbahnstation entfernt und zu Fuß einfach zu erreichen, bereichert die „Raclettehütte“ die Engstligenalp mit ihrem kulinarischen Angebot. Hier ist der Name Programm – aber nicht nur, es findet sich auch klassische Küche auf der Speisekarte. Raclettevariationen sind natürlich, wie bei dieser Namensgebung zu erwarten, die Spezialität des Restaurants.

Regionaler Käse ist das Herzstück der Raclettegerichte. – Foto: Anja Zurbrügg / Bergbahnen Engstligenalp AG

Empfohlen sei die „All-you-can-eat“ Variante. Man bezahlt einmal und kann sooft Raclette mit unterschiedlichsten Beilagen genießen, wie man möchte. Hochwertiger Käse aus der Region wird vor den Augen des Gastes geschmolzen und dieser kann ihn je nach Vorliebe an der Raclettetheke mit Brot, Kartoffeln, Silberzwiebeln, Speckwürfeln, Essiggurken oder Zwiebeln kombinieren. Wer einfach nur rasten und einen Café oder einen kühlen Trunk zu sich nehmen möchte, ist in diesem unkomplizierten, schön und originell eingerichteten Gasthaus ebenfalls willkommen.

Die Raclettehütte überrascht mit origineller Einrichtung. – Foto: Bergbahnen Engstligenalp AG

Wer die Engstligenalp partout nicht mehr verlassen will, kann im angrenzenden Berghotel übernachten. Ein Tipp für Wanderer: An der Bergstation stehen kostenlose, moderne Duschen mit Schließfächern zur Verfügung. Wanderer, die von einer ausgedehnten Tour auf die Engstligenalp zurückkehren und anschließend einen Besuch der Raclettehütte planen, können sich dort frisch machen und umziehen.

Wasserfälle mit Wucht

Die Engstligenfälle sind nach dem Mürrenbachfall die zweithöchsten Wasserfälle der Schweiz und gehören zu den wasserreichsten der Alpen. Sie stürzen in zwei Stufen auf insgesamt rund 600 Metern hinab ins Tal. Die oberen Fälle erreicht man über einen leichten bis mittelschweren einstündigen Rundwanderweg, den sogenannten „Waterfall-Loop“ von der Bergstation der Engstligenalp-Seilbahn. Dabei sollte unbedingt auf festes Schuhwerk geachtet werden. Mehrere Aussichtspunkte ermöglichen eindrucksvolle Ausblicke auf die hinunterstürzenden schäumenden Wasserfluten.

Ausblick auf die oberen Engstligenfälle. – Foto: Anja-Zubrügg / Bergbahnen Engstligenalp AG

Einfacher und eher noch eindrucksvoller ist ein Besuch der imposanten unteren Engstligenfälle. Hier erlebt man die Wucht des Wassers noch unmittelbarer. Von der Talstation der Bergbahn zur Engstligenalp führt ein schöner, einfacher Waldweg zu den unteren Engstligenfällen. Dieser ist als ca. drei Kilometer langer Rundweg angelegt, so dass man nicht den denselben Weg zur Talstation zurückgehen muss.

Schon von weitem vernimmt man Rauschen des Wassers, das aus einer Fallhöhe von bis zu 200 Metern zu Tal stürzt. Die donnernden Wassermassen, umgeben von einer mächtigen Gischtwolke, sind ein spektakuläres Naturschauspiel. Und wie ein Schauspielbesucher kann man auf den vorhandenen, schattigen Bänken rundherum Platz nehmen und das Spektakel für Augen und Ohren aus verschiedenen Blickwinkeln genießen. Eine Holzplattform direkt am Fuße der tosenden Fälle mit Blick auf die gesamte Fallwand ist der beste Aussichtspunkt und idealer Standort für ein Fotomotiv.

Eine Schaukel für Draufgänger

Die imposanten unteren Engstligenfälle. – Foto: Anja Zurbrügg / Bergbahnen Engstligenalp AG

Für ein besonderes Adrenalin-Erlebnis in Adelboden sorgt der „Giant Swing“ auf der Tschentenalp. Direkt in der Nähe der Bergstation der Tschtenalpbahn auf 1950 Meter steht die Riesenschaukel, die über einen steilen Hang hinausschwingt. Mit Blick auf den Wildstrubel und das Adelbodener Tal schaukelt man ohne Sicherheitsseil oder -gurt „ganz normal“ über dem Abgrund. Für viele auch ein tolles Fotomotiv. Der „Giant Swing“ steht Besuchern das ganze Jahr über kostenlos zur Verfügung und ist von der Dorfmitte mit der Tschentenalpbahn einfach zu erreichen.

Die Wasserfälle bieten ein gewaltiges Naturschauspiel. – Foto: Bergbahnen Engstligenalp AG

Weniger als eine halbe Stunde Autofahrt von Adelboden befindet sich einer der schönsten Seen der Schweiz: der in 887 Metern Höhe gelegene Blausee mit seinem zwanzig Hektar großen Naturpark. Allerdings muss man, um zu ihm zu gelangen, ein Eintrittsticket lösen. Hat man diese Hürde überwunden, empfängt der Blausee seine Besucher mit einer magischen Landschaft.

Der Blausee: Ein Traum in Blau

Der Blausee macht seinem Namen alle Ehre. – Foto: Blausee AG

Umgeben von knorrigen alten Bäumen, Farnen und moosbewachsenen Felsbrocken entfaltet sich den Besuchern auf den Wegen entlang des Uferweges die ganze Schönheit des Sees. Das kristallklare Wasser schimmert in wunderschönen, unterschiedlichsten Blautönen und je nach Lichteinstrahlung verändern die Blautöne immer wieder ihre Schattierungen. Der See ist so glasklar, dass man bis auf den zwölf Meter tiefen Grund sehen und die sich im See tummelnden Forellen beobachten kann. Diese kann man anschließend im mit 13 Gault-Millaut-Punkten ausgezeichneten Blausee-Restaurant am Seeufer probieren. In der Bio-Forellenzucht des Betreibers unter dem Motto „Qualität statt Quantität“ wachsen die Fische in der besten Wasserqualität als hochwertiges und reines Naturprodukt langsam heran. Neben Blausee-Forellen in verschiedenster Zubereitung gehören ein ausgezeichnetes Forellentatar sowie Forellenmus zu den Spezialitäten des Restaurants.

Der Blausee lässt tief blicken und ist bekannt für seine Forellenzucht. – Foto: Blausee AG

Im Naturpark Blausee finden sich noch weitere märchenhafte Wald- und Wanderwege, wie der so genannte Schluchtenweg zum Felsenzimmer und zur Wolfsschlucht. Zum Angebot gehören auch Picknickplätze mit Grill- und Feuerstellen mit Blick auf den mit seinen 0,65 Hektar recht kleinen See sowie ein Kinderspielplatz. Wer sich nicht selbst verpflegen möchte, für den stehen neben dem Blausee-Restaurant auch ein Café und ein Selbstbedienungsbistro zur Verfügung. Im Sommer bereichert eine Fahrt mit dem Glasboden-Ruderboot das Naturparkangebot. Wer über Nacht bleiben möchte, kann in dem Jugendstil-Hotel direkt am Blauseeufer einchecken.

Entstanden ist der Blausee vor ca.15000 Jahren durch einen gewaltigen Felssturz. Wie es zu der blauen Farbe kam, dazu weiß eine Legende Rat. Angeblich sollen es die Tränen eines blauäugigen, unglücklichen Mädchens sein, das diese aus Liebeskummer vergossen hat. Einen romantischere Erklärung kann man sich kaum vorstellen.

Die Kulinarikwanderung – ein jährliches Highlight

Die Kulinarikwanderung führt durch die Kulisse der Adelbodener Alpenlandschaft.– Foto:  Romy Streit / Tourismus-Adelboden-Lenk-Kandersteg

In Adelboden veranstaltet die Tourismuszentrale einmal im Jahr eine besondere Kulinarikwanderung, die allein schon eine Reise nach Adelboden wert ist. Zwischen 11 Uhr bis 14 Uhr startet man an einem Samstag in verschiedenen Zeitfenstern in geführten Gruppen zu maximal fünfzehn Personen zu acht vorbereiteten Gourmetstationen.

Genuss-Station in freier Natur. – Foto: Romy Streit / Tourismus-Adelboden-Lenk-Kandersteg

Diese befinden sich entweder in einem Restaurant oder entlang der ausgesuchten Wanderroute in der freien Natur. Acht gastronomische Spitzenbetriebe und -köche der Region zeichnen jeweils für einen Gourmetgang verantwortlich. Zum Start gibt es neben Champagner oder einem regionalen Winzersekt kleine Köstlichkeiten wie Lachstatar mit Mango-Ingwer-Note. LUMA Rindstatar, Pico de Gallo, Chipotle und Avocadocreme. Unterwegs verkostet man z. B. eine feine Sellerie-Birnensuppe mit Speckpopcorn oder ein Swiss Angus Ossobuco mit geschmortem Gemüse, violetter Polenta und Barolosauce.

Einer der ersten Gourmet-Stopps: köstlich verfeinerte Sellerie-Birnensuppe mit Speckpopcorn vom Hotel Adler Adelboden. – Foto: Romy Streit / Tourismus-Adelboden-Lenk-Kandersteg

Alle Gänge werden mit einer abgestimmten Weinbegleitung gereicht. An den einzelnen Stationen kann man die jeweiligen Küchenchefs und Gastronomen hautnah bei der Zubereitung und beim Servieren ihrer Gourmetgerichte erleben. Manchmal ist auch noch Zeit für einen kleinen Plausch. Die für die Adelbodener Kulinarikwanderung ausgewählten Gerichte bieten hohes kulinarisches Niveau und Abwechslung und reflektieren das gastronomische Profil der Region.

Swiss Angus Ossobuco angerichtet von Küchenchef Adrian Barral vom Hotel The Brecon Adelboden. – Foto: Jannik Obenhoff / The Cambrian Adelboden

Die reine Wanderzeit auf leichten Wanderwegen in schöner Alpenlandschaft ohne die acht Kulinarikstopps beträgt ca. zwei Stunden. Das gesamte Event jedoch dauert bis abends 22 Uhr, denn an der letzten Station findet nach dem Dessert auch noch eine After-Party statt. Sehr erfreulich: Auch die großzügige Getränkeauswahl sowie der Eintritt zur Abschlussparty sind im Gesamtpreis der Kulinarikwanderung inbegriffen. Der Preis, Zeitpunkt sowie das Acht-Gänge-Menü variieren jährlich und können auf der Website von Adelboden Tourismus abgerufen werden.

Alpines Dessertbüfett, ausgerichtet vom Hotel Steinmattli. – Foto: Romy Streit / Tourismus-Adelboden-Lenk-Kandersteg

Und dann wäre da noch die Vogellisi …

Die sagenumwobene Vogellisi ist, fast könnte man sagen, Adelbodener Hausgeist und Identifikationsfigur zugleich. Sie ein Markenzeichen des Ortes und in Adelboden auf Schritt und Tritt gegenwärtig. Es gibt Vogellisi-Käse, Vogellisi-Tee und Vogellisi-Sirup, eine Vogellisi-Bar, ein Vogellisi-Restaurant und sogar einen Vogellisi-Berg und -Wanderpfad. Berühmt ist in der Schweiz das Vogellisi-Lied, das die Schönheit Adelbodens und des Berner Oberlandes feiert.

Die Vogellisi lädt zum Verweilen ein. – Foto: Michaela Pedroja

Der Sage nach lebte die freiheitsliebende und naturverbundene Vogellisi in den Bergen rund um Adelboden. Sie verstand die Sprache der Vögel und war bewandert in den Heilkräften der Alpenkräuter, die sie hilfreich für Bedürftige einsetzte. In der Mitte des Ortes hat Adelboden ihr ein Denkmal gesetzt. Aus Holz geschnitzt sitzt die Vogellisi auf einer Bank. Sich neben sie zu setzen oder sie gar zu umarmen, dagegen hat sie nichts einzuwenden. Kein Wunder, dass die Vogellisi-Bank ein beliebtes Fotomotiv in Adelboden ist.

Übernachtungstipp: Hotel Adler Adelboden

Als Gast im Vier-Sterne-Hotel Adler profitiert man als erstes von der ausgezeichneten Lage des Hotels an der zentralen Dorfstraße. Die Zimmer mit Balkon und schönem Blick auf die umliegenden Berggipfel. oder auf die Ortsmitte sind hochwertig im klassisch-alpinen Stil eingerichtet.

Das Hotel Adler Adelboden präsentiert sich in schmuckem Outfit. – Foto: Anja Zurbrügg / Adler Adelboden

Im Hauptrestaurant „Vogellisi“ wird anspruchsvolle regionale Kulinarik als Halbpension oder à la carte serviert. Im Restaurant hat man durch Panoramafenster einen offenen Blick auf die Schönheit der Berge und Almen. Ein absolutes Plus ist die herzliche Gastfreundschaft des engagierten Hotelteams, die den Aufenthalt im Hotel Adler zu einem besonderen macht.

Informationen: www.adelboden-lenk-kandersteg.ch

Blick auf Adelboden. – Foto: Anja Zurbrügg / Tourismus-Adelboden-Lenk-Kandersteg

Die Recherchereise fand – ohne Einfluss auf die journalistische Ausarbeitung – auf Einladung / mit Unterstützung von Tourismus Adelboden-Lenk-Kandersteg statt.

Peer Völz

lebt in Hannover und findet, dass nicht nur Niedersachsens Landeshauptstadt eine Reise wert ist. Der freie Reisejournalist und Autor schreibt seit 2019 regelmäßig für das Mortimer-Reisemagazin.