Die Sonne scheint am Berg zweimal …

Berg
Am Berg sind Sonnenschutz und Schutz der Augen unerlässlich.

Wer im Hochsommer in luftige Höhen aufbricht, unterschätzt gern, wie anders sich der eigene Körper oben am Berg verhält. Dünnere Luft, schnellere Wetterwechsel und eine Sonne, die von Schnee und Felszurückgeworfen wird, verlangen mehr Vorbereitung, als viele Wanderer einplanen.

Dünne Luft, spürbare Wirkung

Ab etwa 1.500 Metern beginnt sich die Zusammensetzung der Luft merklich zu verändern. Der Sauerstoffgehalt sinkt, das Herz muss kräftiger arbeiten, und selbst trainierte Wanderer bemerken, dass sich vertraute Anstiege plötzlich anstrengender anfühlen. Hinzu kommt die trockene Bergluft, die den Flüssigkeitsbedarf des Körpers deutlich erhöht, ohne dass man dabei wie im Tal ins Schwitzen gerät. Wer das nicht einkalkuliert, trinkt zu wenig und bemerkt die Folgen oft erst am späten Nachmittag, wenn Kopfschmerzen und Konzentrationsschwäche einsetzen.

Am Berg herrschen besondere Lichtverhältnisse.

Auch die Temperaturunterschiede zwischen Tal und Gipfel sind beachtlich: Pro 1.000 Höhenmeter sinkt die Temperatur im Schnitt um etwa sechs Grad, während gleichzeitig die Sonneneinstrahlung zunimmt, ein Widerspruch, der viele Erstbesteiger überrascht. Wer morgens im Tal startet, packt deshalb am besten mehrere Kleidungsschichten ein, die sich unterwegs je nach Wetterlage flexibel an- und ausziehen lassen, statt sich auf eine einzige Jacke zu verlassen.

Die Sonne schlägt am Berg doppelt zu

Mit jedem Kilometer Höhe verliert die Atmosphäre an filternder Wirkung. Die UV-Strahlung nimmt pro 1.000Höhenmeter um rund zehn Prozent zu, gleichzeitig werfen Schnee, helles Gestein und Bergseen einen erheblichen Teil der Strahlung zusätzlich zurück. Schnee allein kann bis zu vier Fünftel der UV-Strahlung reflektieren, so dass die Belastung an manchen Tagen von oben und unten gleichzeitig auf die Haut trifft. Der Deutsche Alpenverein hält in ausführlichen Empfehlungen zum Sonnenschutz am Berg fest, dass Schatten, Kleidung und Sonnencreme in dieser Reihenfolge wichtig sind, denn wer erst an der Hütte an Sonnenschutzdenkt, hat den Vormittag meist schon ungeschützt verbracht. Selbst an bewölkten Tagen bleibt die Strahlung erheblich, weil Wolken sichtbares Licht dämpfen, ultraviolette Strahlung aber nur teilweise abschirmen.

Die Augen sind mit gefordert

Eine Bergtour erfordert eine besondere Vorbereitung.

Neben der Haut sind auch die Augen der UV-Strahlung schutzlos ausgesetzt, was beim Packen gerne vergessen wird. Wie ultraviolette Strahlung auf Haut und Augen wirkt, erklärt das Bundesamt für Strahlenschutz ausführlich, mit besonderem Verweis auf Bindehautreizungen und im schlimmsten Fall eine schmerzhafte Schneeblindheit, die sich erst Stunden nach der Tour bemerkbar macht. Fachleute empfehlen für Bergtouren Gläser der Kategorie 3 oder 4, die seitlich eng anliegen, damit auch von der Seite einfallendes Licht abgeschirmt wird. Wer ohnehin auf eine Sehhilfe angewiesen ist, findet mittlerweile auch bei eyes and more mit passenden Sportmodellen geeignete Gleitsicht- und Sportbrillen für längere Touren in wechselndem Gelände.

Die richtige Ausrüstung

Wer diese Faktoren kennt, packt automatisch klüger. Neben der klassischen Wanderausrüstung lohnt sich bei Touren oberhalb der Baumgrenze ein zweiter Blick auf Dinge, die im Tal kaum eine Rolle spielen, in der Höhe aber schnell über Wohl und Wehe entscheiden.

Das Nötigste für den Rucksack

  • Kopfbedeckung mit breiter Krempe oder Nackenschutz, die auch bei Wind nicht wegfliegt
  • Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor, die alle zwei Stunden erneuert wird
  • Ausreichend Trinkwasser, idealerweise mehr eingeplant als für eine vergleichbare Tour im Tal
  •  Leichte, langärmelige Kleidung, die vor Strahlung schützt, ohne zu überhitzen
  • Erste-Hilfe-Set mit Mitteln gegen Sonnenbrand und leichte Verbrennungen
  • Stirnlampe für den Fall, dass sich der Abstieg verzögert

Akklimatisierung zahlt sich aus

Gipfelstürmer sollten Haut und Augen schützen.

Wer aus dem Flachland anreist und gleich am ersten Tag einen Dreitausender in Angriff nimmt, riskiert mehr als nur einen anstrengenden Nachmittag. Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit sind typische Anzeichen dafür, dass sich der Körper noch nicht an die dünnere Luft gewöhnt hat. Erfahrene Bergsteiger planen deshalbbewusst Pufferzeit ein, etwa ein bis zwei Tage auf mittlerer Höhe, bevor es weiter nach oben geht, dazu ausreichend Schlaf und ein moderates Tempo an den ersten Anstiegen. Auch die Ernährung spielt eine Rolle: leicht verdauliche, kohlenhydratreiche Mahlzeiten liefern in der Höhe zuverlässiger Energie als schwere Kost. Wer dieses Zeitfenster einhält, spart sich nicht nur unangenehme Symptome, sondern genießt die Landschaftauch tatsächlich, statt nur durchzuhalten.

Etappen klug wählen

Auch die Wahl der Route beeinflusst, wie gut sich eine Tour bewältigen lässt. Wege mit regelmäßigen Schattenplätzen, Hütten oder Einkehrmöglichkeiten erlauben es, die Belastung über den Tag zu verteilen, statt sich mittags ungeschützt der stärksten Sonne auszusetzen. Regionen mit gut ausgebautem Wegenetz und unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden eignen sich besonders für Einsteiger in den alpinen Sommer, etwa ausgedehnte Wanderungen auf Hochebenen im Berner Oberland, wo sich leichte Rundwege und anspruchsvollere Gipfeltouren auf engem Raum kombinieren lassen. Wer seine Etappen an Wetterbericht, eigener Kondition und den Empfehlungen vor Ort ausrichtet, kommt am Ende nicht nur sicherer, sondern auch deutlich entspannter wieder ins Tal zurück. Und genau dieses Gefühl, angekommen zu sein, ohne von der eigenen Unvorbereitetheit ausgebremst worden zu sein, macht am Ende den Unterschied zwischen einemanstrengenden Tag und einem, an den man sich gerne erinnert.

G. Schröder

ist seit Kindestagen mit dem Reisevirus infiziert und bringt sich seit Jahr und Tag mit großem Engagement als gute Seele hinter den Kulissen in das Mortimer Reisemagazin ein.