Dank ihrer Schaufelradtechnik und dem geringen Tiefgang kann die MS Elbe Princesse auch flache Flussabschnitte befahren. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Gemächlich zieht die MS Elbe Princesse vom tschechischen Prag aus über die Moldau und die Elbe Richtung Dresden und eröffnet Perspektiven auf historische Städte, weite Flusslandschaften und verborgene Naturschätze. Dabei fällt das Schiff im positiven Sinne sofort auf. Nicht nur wegen seines Namens, sondern vor allem durch seine technische Besonderheit: Als eines der wenigen Flusskreuzfahrtschiffe Europas nutzt es ein Schaufelrad, das speziell für flache Gewässer konzipiert wurde und vermittelt dabei eine Atmosphäre, die an die große Zeit der historischen Raddampfer erinnert. Genau diese Bauweise ermöglicht die Befahrung von Routen, die klassischen Kreuzfahrtschiffen verwehrt bleiben.
Die Schaufelradtechnik ermöglicht flache Flussabschnitte zu befahren. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Während sich die Landschaft gemächlich verändert, eröffnet das großzügige Sonnendeck immer neue Ausblicke auf Weinberge, Sandsteinformationen, mittelalterliche Burgen und kleine Flussorte. Prag wartet mit seinen historischen Gassen, prachtvollen Bauwerken und der berühmten Karlsbrücke auf; Dresden beeindruckt mit barocker Architektur und weltberühmten Kunstsammlungen. Derweil fasziniert die Sächsische Schweiz durch ihre markanten Sandsteinfelsen – Elbromantik deluxe.
Französische Lebensart und Flussromantik
Kapitän Karel Bulka kennt die Moldau und die Elbe wie seine Westentasche. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
An Bord verbindet die MS Elbe Princesse stilvolle Eleganz mit einer angenehm familiären Atmosphäre. Das Schiff verfügt über keinen Pool und kein Fitnessstudio. Stattdessen gibt es eine Bar, einen Salon, eine Bücherecke und ein Sonnendeck mit Liegestühlen. Der Dresscode bleibt leger. Großzügige Panoramafenster und geschmackvoll eingerichtete sowie klimatisierte Kabinen schaffen ein Ambiente im Boutique-Stil, das zum Entschleunigen einlädt. Dazu trägt auch die konsequente Ausrichtung der Betten Richtung Fenster bei. Denn diese ermöglicht, während der Fahrt aus seinem Schlafgemach heraus das vorbeiziehende Landschaftskino zu genießen. Die Betten selber sind, wie auf Flusskreuzfahrtschiffen üblich, relativ schmal. Auch die Deckenhöhe an Bord ist nichts für Menschen jenseits der Zwei-Meter-Grenze. Aber auch das gehört zum Standard auf Flussschiffen.
Auch optisch sind die Speisen ein Genuss. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Französische Gastfreundschaft prägt den Aufenthalt ebenso wie die Küche, die zweimal täglich klassische Gerichten der französischen Kulinarik serviert. So dürfen beispielsweise Croissants, Blätterteiggebäck und typisch französische Käse zum Frühstück nicht fehlen. Derweil gehören – ebenso wie weiße Tischdecken und weiße Stoffservietten – französischer Weiß- und Rotwein zu jedem Mittag und Abendessen. Hier warten dann Drei- bis Vier-Gänge-Menüs. Wählen kann der Gast hier nicht. Eine Speisekarte gibt es nicht. Gleichwohl reagiert die Küche auf Unverträglichkeiten oder serviert auf Wunsch vegane oder vegetarische Alternativen.
Schiff mit besonderer Technik
Nicht nur Gäste mit süßem Zahn sind von den Dessertvarianten angetan. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Die MS Elbe Princesse wurde im Jahr 2016 in Dienst gestellt. Mit einer Länge von knapp 95 Metern und einer Breite von etwa 10,5 Metern bleibt das Schiff bewusst kompakt. Herzstück sind die beiden markanten Heckschaufelräder, die mit einem Durchmesser von 4,80 Metern nicht nur zum unverwechselbaren Erscheinungsbild beitragen, sondern zugleich den geringen Tiefgang von lediglich 1,20 Metern ermöglichen. Die zwölf Schaufeln pro Rad sind überaus anspruchsvoll, müssen alle 18 Stunden gefettet werden. Manövriert wird das Schiff auch mit Hilfe von zwei Seitenstrahlrudern, die sich um 360 Grad drehen lassen und das Schiff so enorm wendig machen. Angetrieben wird das Schiff von insgesamt fünf Motoren die jeweils eine Leistung von 500 PS bringen.
Im gemütlichen Salon der MS Elbe Princesse werden schmackhaftes Drinks serviert. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
„Dank der verschiedenen Staustufen lässt sich der Pegel auf der Moldau bei Niedrigwasser punktuell durch zusätzliches Ablassen von Wasser erhöhen“, erläutert Kapitän Karel Bulka die Möglichkeiten auf der Moldau. „Wir schwimmen dann quasi auf der Welle“, so der 61-jährige weiter. Gleichzeitig verweist er darauf, dass es dies Staustufen auf dem Teilstück der Elbe bis Dresden nicht gibt. Was wiederum dazu führt, dass selbst die MS Elbe Princesse trotz Schaufelradtechnik diesen Flussabschnitt bei Niedrigwasser nicht befahren kann.
Sämtliche Speisen werden unter Deck mit Flussblick serviert. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
„Wir benötigen mindestens 60 Zentimeter Sicherheitsabstand zum Grund, was in den Sommermonaten leider immer häufiger nicht gegeben ist“, erläutert Bulka, warum Gäste dann in dem Teilabschnitt zwischen Mělník und Dresden in Busse umsteigen müssen.
Atmosphäre an Bord
Die modern eingerichteten Kabinen sind kleine Raumwunder. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Unabhängig davon fördert die überschaubare Größe des Schiffs, das von 25 Crew-Mitgliedern betreut wird, eine persönliche Atmosphäre, in der Service und Gastfreundschaft eine zentrale Rolle spielen. Bordsprachen sind neben Französisch auch Englisch und Deutsch.
Für ein Flusskreuzfahrtschiff sind Bad und Dusche ungewöhnlich groß. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Die 39 Außenkabinen mit Größen von elf bis 14 Quadratmetern verteilen sich auf zwei Decks, bieten maximal 73 Gästen Raum und sorgen zudem für eine persönliche Atmosphäre an Bord – ganz ohne drangvolle Enge oder Hektik. Statt großer Unterhaltungsshows stehen Genuss, Landschaftserlebnis und kulturelle Entdeckungen im Mittelpunkt. Genau darin liegt die besondere Stärke dieses Schiffes. Vollpension, Getränke zu den Mahlzeiten und an der Bar sowie WLAN sind ebenso wie die meisten Landgänge inkludiert.
Auch beim Blick aus der Kabine weiß die Flusslandschaft an Moldau und Elbe zu begeistern. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Die MS Elbe Princesse richtet sich damit vor allem an Reisende, die Wert auf Kultur, Komfort und eine besondere Route legen und das Ende einer Reise mit einem Galadinner feierlich begehen möchten. Das Zusammenspiel aus innovativer Schiffstechnik, französischer Lebensart und den eindrucksvollen Flusslandschaften entlang von Elbe und Moldau macht das Schiff dabei zu einer außergewöhnlichen Botschafterin moderner Flusskreuzfahrten.
Vom Sonnendeck aus lässt sich das Landschaftskino genießen. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Die MS Elbe Princesse ist klein und wendig. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
In jeder Kategorie werden maximal fünf Sterne vergeben:
Kreuzfahrtflair ∗∗∗∗
Ausstattung ∗∗∗/∗
Sauberkeit ∗∗∗/∗
Essen & Trinken ∗∗∗/∗
Service ∗∗∗∗
Als eines von wenigen Schiffen verfügt die MS Elbe Princesse über Schaufelradantrieb. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Fazit: Die MS Elbe Princesse bringt französische Kreuzfahrtkultur auf die Elbe und erschließt flache Wasserwege zwischen Prag und Dresden mit stilvollem Komfort.
Die Recherche fand – ohne Einfluss auf die journalistische Ausarbeitung – auf Einladung / mit Unterstützung von CroisiEurope in Zusammenarbeit mit TPcommunication statt.
Karsten-Thilo Raab
berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten für eine Vielzahl von Zeitungen und Magazinen über Reiseziele weltweit. Zudem hat er sich einen Namen als Autor von mehr als 120 Reise-, Wander- und Radführern sowie Bildbänden gemacht.
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