Sunamushi – das Baden im Vulkansand

Sunamushi
Auf Kyushu wird Sunamushi, das Baden im heißen Sand, zelebriert. – Foto: Kyushu Tourism Organization

Zwischen den dampfenden Vulkanlandschaften im Süden Japans wartet eine Wellness-Erfahrung, die so ungewöhnlich ist, dass sie selbst Vielreisende kurz sprachlos macht. Auf Kyushu, der südwestlichsten der japanischen Hauptinseln, wird seit Jahrhunderten eine Tradition gepflegt, die zugleich archaisch und überraschend modern wirkt: das Bad im natürlich erhitzten Vulkansand. Sunamushi – ein Wort, das nach knirschenden Körnern und salziger Meeresluft klingt – verwandelt die Küste in eine offene Naturtherme, in der Wärme, Mineralien und Schwerkraft zu einer wohltuenden Symbiose verschmelzen.

Wo die Erde atmet und der Sand pulsiert

Während Japan für seine Onsen längst Legendenstatus besitzt, setzt Kyushu noch einen drauf. Hier heizt die vulkanische Aktivität den Strand von unten, sodass der Sand wie eine natürliche Sauna wirkt. Seit über 300 Jahren lassen sich Menschen beim Sunamushi an den Küsten einbuddeln, um Körper und Geist zu regenerieren. Die Wirkung ist laut Forschenden beeindruckend: Die Kombination aus Druck, Hitze und Mineralien soll deutlich intensiver sein als ein klassisches Thermalbad. Der warme Sand legt sich wie eine schwere, beruhigende Decke über den Körper, regt die Durchblutung an, bringt den Kreislauf in Schwung und löst Verspannungen, die sich sonst hartnäckig halten.

Ibusuki und Beppu: Zwei Orte, ein Ritual

Lediglich der Kopf ragt beim Sunamushi noch aus dem Sand. – Foto: Kyushu Tourism Organization

In Ibusuki, an der Südspitze Kyushus, wird das Sandbad fast zelebriert wie eine kleine Zeremonie. Yukata an, Blick aufs Meer, dann gleitet der Körper in eine flache Mulde, bevor Bademeister den warmen Sand bis zum Hals aufschichten. Das Rauschen der Wellen bildet den Soundtrack, während die Hitze langsam durch die Muskeln wandert. Auch viele Hotels der Region haben eigene Sandbäder, die das Erlebnis noch komfortabler machen.

Weiter nördlich, in Beppu, der inoffiziellen Hauptstadt der heißen Quellen, trifft Tradition auf moderne Gestaltung. Im neu gestalteten Shonin Park verschmilzt das Sandbad mit dem Panorama der berühmten „Höllen“ – jenen farbintensiven, dampfenden Thermalbecken, die Beppu bekannt gemacht haben. Wer mag, ergänzt das Sandritual später mit einem Essen aus der lokalen Dampf-Küche, die ebenfalls von der vulkanischen Kraft der Region lebt.

Zehn Minuten, die alles verändern

Beim Onsen-Besuch gehören die Holzschlappen zumeist dazu. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Das Sunamushi-Ritual selbst ist schlicht, aber intensiv. Der Sand erreicht Temperaturen von 50 bis 55 Grad, und schon nach wenigen Minuten beginnt der Körper zu arbeiten: Schwitzen, pulsieren, loslassen. Nach zehn bis fünfzehn Minuten fühlt sich der Organismus wie neu sortiert. Der Abschluss in einer klassischen Onsen-Quelle sorgt für einen klaren Kopf und eine Haut, die sich anfühlt, als hätte sie einen Kurzurlaub hinter sich. Weitere Informationen unter www.visit-kyushu.com.

*****

Buchtipp für Reiselustige und Zuhausebleiber

Reisen erweitert den Horizont und schärft den Blick für andere Länder, Kulturen und Lebensweisen. Wer reist, entdeckt immer wieder Spannendes, Faszinierendes, Kurioses, Verrücktes und Amüsantes. Vor allem Superlative und Rekordverdächtiges werden allerorts gerne mit Stolz präsentiert. Das eine oder andere bleibt im Gedächtnis, anderes ist schnell wieder vergessen. So oder so ist Reisen immer ein Stück weit vergleichen. Mal stechen Gemeinsamkeiten ins Auge, dann sind es gravierende Unterschiede zu dem, was man im heimischen Sprengel vorfindet.

Vieles von dem, was sich unterwegs entdecken lässt, sorgt später für Gesprächsstoff. Dabei gibt es Zeitgenossen, die als wandelndes Lexikon durchgehen könnten, weil sie in der Lage sind, sich noch so kleine Details und Fakten zu merken. Gerade diese Dinge sind es, die für jede Menge Gesprächsstoff und Spaß, für Staunen, Kopfschütteln und Gelächter sorgen. Und so überrascht „Prahlhanswissen für Gelegenheitsreisende“ von Karsten-Thilo Raab als ein Kompendium, das nicht unbedingt im Alltag benötigtes Wissen vermittelt, gleichzeitig jedoch jede Menge Spaß garantiert.

Erhältlich ist Prahlhanswissen für Gelegenheitsreisende (ISBN 978-3-939408-47-5) von Karsten-Thilo Raab als Hardback mit 160 Seiten für 23,99 Euro im Buchhandel oder versandkostenfrei direkt beim Westflügel Verlag.

Mortimer

Seit dem Jahr 2011 berichtet das Mortimer Reisemagazin tagtäglich in Wort, Bild und teilweise mit Videos aus der Welt des Reisens. Mehr als 8.000 Beiträge über Destinationen aus allen Teilen der Erde stehen für Interessierte mittlerweile kostenfei bereit.