Auf den Spuren von James Bond in Tanger

James Bond
Eine besondere Faszination auf Cineasten üben seit mehr als fünf Jahrzehnten die Agententhriller um James Bond, den Geheimagenten Ihrer Majestät, aus.

Gleich für zwei James-Bond-Abenteuer wurde das marokkanische Tanger filmisch in Szene gesetzt. Ein Set-Jetting-Streifzug für Cineasten und 007-Fans.

Die engen, geheimnisvollen Gassen von Tanger sind das perfekte Setting für einen Agententhriller. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Tanger, diese launische Perle an der marokkanischen Nordküste, trägt ihr Chaos mit Stil – ganz so wie James Bond nach einer wilden Verfolgungsjagd seinen glatt gezupften Smoking. Wer hier ankommt, hat das Gefühl, am Rande zweier Welten zu stehen: Afrika und Europa, Mitelmeer und Atlantik, Vergangenheit und Gegenwart, Geheimnis und Gelassenheit. Und natürlich: Minztee und Martini.

Tanger – die faszinierende Stadt zwischen Atlantik und Mittelmeer, war lange auch ein Tummelplatz für Spione. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

„Willkommen in Tanger“, murmelt der Taxifahrer mit einem Grinsen, das sowohl Verschwörung als auch Einladung sein könnte. „Hier beginnt eigentlich jede gute Geschichte“, fügt er fast schon staatsmännisch mit Verweis auf die vielen namhaften Persönlichkeiten hinzu, die sich hier vor allem in den 1940er und 1950er Jahren ein Stelldichein gaben, als die Millionenmetropole im Norden von Marokko eine Internationale Zone war. 007 würde ein wenig gedankenversunken nicken und dann verschwinden, um eine schöne wie geheimnisvolle Doppelagentin zu treffen.

Geheimagenten-Flair zum Anfassen

Nicht nur die Gassen in der Kasbah versprühen einen besonderen Charme. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Wer Tanger auf den Spuren von James Bond erkunden will, beginnt am besten in der Kasbah. Hoch über der Stadt thront sie wie ein stiller Beobachter – perfekt für einen diskreten Treffpunkt mit einem Kontaktmann, der zu viel weiß. Die engen Gassen, die sich wie ein Labyrinth durch die Altstadt winden, könnten direkt aus einem Drehbuch stammen: Hier ein geheimnisvoller Blick hinter einem Vorhang, dort ein alter Mann mit Fez, der vielleicht mehr weiß, als er zugibt.

James Bond
James Bond und Madeleine Swann spazieren in „Spectre“ durch das historische Tor zur Kasbah. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Tatsächlich spielen mit der „Der Hauch des Todes“ (Living Daylights) und „Spectre“ gleich zwei Abenteuer des Doppel-Null-Agenten in der pulsierenden Hafenstadt an der Straße von Gibraltar. In „Spectre“ verschlägt es Daniel Craig als Geheimagent Ihrer Majestät nach Tanger, um Hinweise auf die Terrororganisation Spectre zu finden. Die Kamera schwenkt über die Dächer der Medina, hinein in ein Hotelzimmer mit kolonialem Charme und einem Hauch von Verrat in der Luft.

Das Palais Akaaboune wurde kurzerhand als Hotel „Le Americain“ zum James Bond Schauplatz. Das Riad im Herzen der Kasbah blickt auf eine fast 800-jährige Geschichte, in deren Verlauf das Gemäuer zeitweise den Harem des Sultans beherbergte. So gesehen perfekt für den berühmten Frauenhelden, der hier in „Spectre“ durch Zufall einen geheimen Raum entdeckt.

Gang durch die Gassen

In „Spectre“ wird diese Gasse in Kasbah ebenfalls ins Bild gerückt. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

In „Spectre“ spazieren James Bond und Madeleine Swann (gespielt von Léa Seydoux) durch die Altstadtgassen. Die Szene zeigt sie auf dem Weg hinauf zum Hotel „Le Americain“, vorbei an kleinen Läden und Cafés. Die Atmosphäre ist authentisch marokkanisch – mit engen Gassen, weiß getünchten Häusern und dem geschäftigen Treiben der Einheimischen.

Die Villa Josephine dient der Filmcrew als Unterkunft. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

In der Kasbah findet sich zudem mit der „La Maison Blanche“ ein weiteres kleines, historisches Hotel, in dem die Filmcrew während der Dreharbeiten zu „Spectre“ nächtigte. Wer also einmal eine Nacht im 007-Darsteller-Schlafgemach verbringen möchte, sollte sich in die Moulay-Ismail-Suite einbuchen, in der Daniel Craig untergebracht war.

Die Villa Josephine besticht durch ihre mondäne Ausstattung. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Andere Mitglieder des Produktionsteams waren zudem in der etwas außerhalb, in einem prachtvollen Park gelegenen Villa Josephine sowie im alt-ehrwürdigen El Minzah Hotel in der Altstadt untergebracht. In Letzterem war übrigens Bond-Darsteller Timothy Dalton während der Dreharbeiten zu „Der Hauch des Todes“ zu Gast.

Zwischen Medina und Mission Impossible

Der Weg von 007 führt in „Spectre“ auch über die Escalier Waller. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Auch die Escalier Waller, eine südlich der Medina gelegene Treppe, ist in „Spectre“ in Szene gesetzt, als Bond und Madeleine an einem Restaurant vorbeigehen. Im Hintergrund erkennt man ein Schild mit der Aufschrift „Saveur de Poisson“ – ein Restaurant, das heute noch zu den beliebten Einkehrorten in Tanger gehört und das für seine rustikale wie exzellente Fischküche bekannt ist.

Das chaotische, aber überaus beliebte Fischlokal Saveur de Poisson ist in „Spectre“ im Hintergrund zu sehen. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Auch in „Der Hauch des Todes“ (1987) spielen zahlreiche Szenen in Tanger. Im „Hotel Ile de France”, hinter dessen Fassade sich tatsächlich das französische Generalkonsulat verbirgt, steigt der russische General Leonid Pushkin (John Rhys-Davies) ab. Den Leiter der Spionageabteilung des KGB muss Bond später zum Schein erschießen, um an Bösewicht Brad Whitaker (Joe Don Baker) heranzukommen. Zuvor parkt der britische Geheimagent sein Auto vor dem noch heute überaus beliebten Gran Cafe de Paris am Place de France, um Pushkin aufzuspüren.

Das „Hotel Ile de France” ist tatsächlich das französische Generalkonsulat. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Der Prunksitz von Waffenhändler Whitaker ist in Wirklichkeit das Palais du Mendoub. Das ehemalige Forbes Museum liegt inmitten eines 40.000 Quadratmeter großen Anwesens in der Mohammed-Tazi-Straße im Stadtteil Marshan.

Geheimnisse am Grand Socco

In „Der Hauch des Todes“ parkt Bond am Grand Café de Paris. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Obschon zumindest aktuell keine Dreharbeiten für einen weiteren Bond-Film geplant sind, wird spätestens beim Gang durch die prächtige Medina deutlich: Tanger ist ein Labyrinth, das Q selbst entworfen haben könnte. Enge Gassen, schillernde Farben, der Duft von Safran, Leder und Abenteuer. In einer kleinen Werkstatt hämmert ein Schmied auf glühendes Metall – man könnte schwören, er fertigt gerade Bonds Manschettenknöpfe.

Der Grand Socco ist der bis heuet beliebte, zentrale Treffpunkt in Tanger. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Dann plötzlich: ein kleiner Platz mit Blick auf die Meerenge von Gibraltar. Dort, wo das Mittelmeer und der Atlantik sich küssen, liegt Europa zum Greifen nah – ein perfekter Ort für einen Agenten, der schnell verschwinden muss. Am Grand Socco, dem pulsierenden Herz Tangers, tobt das Leben. Männer sitzen unter schattenspendenden Bäumen, Kinder jagen Tauben, und irgendwo spielt ein alter Mann auf seiner Gitarre eine Melodie, die wie ein vergessener Soundtrack klingt. Hier, so erzählt man sich, habe Bond einst inkognito einen Waffenhändler beschattet – oder war es doch nur ein Cineast mit Sonnenbrand und zu viel Fantasie? Egal. Der Zauber liegt in der Möglichkeit.

Shaken, nicht gerührt – auch kulinarisch

Im legendären Café Hafa war Bond-Daresteller Sean Connery zu Gast. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Und dann ist da noch das Café Hafa – legendär, lässig, lädiert. Seit 1921 thront es auf den Klippen über dem Meer, mit Blick auf Gibraltar. Paul Bowles, die Rolling Stones und angeblich auch Sean Connery saßen hier schon bei Minztee und Verschwörungstheorien. Wer hier sitzt, fühlt sich unweigerlich wie in einer Szene, in der gleich ein Koffer mit kompromittierenden Dokumenten übergeben wird.

Der Petit Socco inmitten der Medina galt in den 1940er und 1950er Jahren als Treffpunkt zwielichtiger Gestalten. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Und wenn man am nächsten Morgen erwacht, das entfernte Rufen des Muezzins hört und das Rascheln der Palmen – dann fragt man sich, ob die letzte Nacht wirklich passiert ist? Oder ob man nur kurz in einem Agententraum gelandet ist. Denn Tanger ist ein Ort, der sich nicht festlegen lässt – genau wie 007 selbst. Mal mondän, mal mysteriös, immer ein bisschen unberechenbar. Wer hierher reist, sollte stilecht mit Sonnenbrille, Notizbuch und einem Hauch Paranoia im Gepäck ankommen. Denn man weiß nie, ob der freundliche Teppichhändler an der Ecke nicht doch ein Doppelagent ist…

Wissenswertes zu Tanger in Kurzform

Ohne Frage bildet die malerische Altstadt das perfekte Setting für ein James Bond Abenteuer. – Foto: Karsten-thilo raab / Mortimer Reisemagazin

Informationen: www.visitmorocco.com/de

Anreise: Iberia bietet von allen größeren deutschen Flughäfen, aus Wien und Zürich Flüge via Madrid nach Tanger an.

Einreise: Es genügt ein mindestens sechs Monate gültiger Reisepass

Währung: Zahlungsmittel ist der Marokkanische Dirham (MAD). Ein MAD entspricht etwa 0,10 Euro; ein Euro etwa 10 MAD.

James Bond Drehorte in Tanger

Bond-Darsteller Timothy Dalton nächtigte während der Dreharbeiten im El Minzah. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Palais Akaaboune: www.palaisakaaboune.com

La Maison Blanche: https://lamaisonblanchetanger.com

Villa Josephine: https://hotel-villajosephine.com

Genussmomente

Minztee ist Tanger immer und überall im Ausschank. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Essen und Trinken: Unbedingt probiert werden sollten eine Tagine mit Zitronen und Oliven, Pastilla mit Taubenfleisch (oder vegetarisch) und frischer Fisch am Hafen.

Restaurant-Tipp: Le Saveur De Poisson, 2 Escalier Waller, Tangier, Marokko, Telefon 00212-5393-36326. Eines der besten Fischrestaurants der Stadt mit eigenwilliger Einrichtung.

Nicht verpassen: Ein Besuch im Café Hafa, wo schon Bowles, Rolling Stones und Sean Connery Minztee tranken – mit Blick auf Spanien.

Das El Minzah gehört zu den ewig jungen Hotelklassikern in der Altstadt. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Übernachten: El Minzah Hotel, 85 Rue de la Liberté, Tanger 90000, Marokko, Telefon 00212-5393-33444, https://elminzah.leroyal.com. Das historische Top-Hotel, in dem sich namhafte Politiker und Prominente sowie Bond-Darsteller Timothy Dalton ein Stelldichein gaben, liegt perfekt inmitten der Altstadt nur wenige Gehminuten von der Medina.

Hilton Tangier City Center, Rond point de la gare ferroviaire, Tangier 90000, Marokko, Telefon: 00212-5393-09700, www.hilton.com. Das Fünf-Sterne-Haus liegt strategisch günstig in der Neustadt, direkt am Hochgeschwindigkeitsbahnhof und besticht durch eine exzellente Küche.

Weitere 007-Drehorte in Marokko

Die Lehmburg Aït-Ben-Haddou diente ebenfalls als Bond-Kulisse.

Die Städte Oujda und Erfoud im Osten und Südosten Marokkos dienten als Kulisse für die Wüstenszenen, in denen Bond und Madeleine in „Spectre“ mit dem Zug reisen und später das Versteck von Bösewicht Blofeld (Christoph Waltz) entdecken.

Die Lehmburg Aït-Ben-Haddou (nahe Ouarzazate) dient in „Der Hauch des Todes“ als Bond-Kulisse.


Die Recherche fand – ohne Einfluss auf die journalistische Ausarbeitung – auf Einladung / mit Unterstützung des Staatlichen Marokkanischen Fremdenverkehrsamts in Zusammenarbeit mit BPRC Scott Crouch Public Relations statt.

Karsten-Thilo Raab

berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten für eine Vielzahl von Zeitungen und Magazinen über Reiseziele weltweit. Zudem hat er sich einen Namen als Autor von mehr als 120 Reise-, Wander- und Radführern sowie Bildbänden gemacht.