Brighton – Englands bunte Badwanne

Brighton
Ein Kuriosum in Brighton ist der Royal Pavilion.

Das englische Brighton pulsiert zwischen Regency-Glanz, Street-Art, Strandvibes, Nachtleben und kulinarischen Überraschungen – ein Seebad, das elektrisiert …

Englands berühmtestes Seebad liegt an der Südküste, eingebettet zwischen dem sanft geschwungenen Hügelland der South Downs und dem glitzernden Ärmelkanal. Brighton empfängt jährlich bis zu acht Millionen Besucher und wirkt dennoch wie eine Stadt, die jeden Gast mit offenen Armen empfängt und ihn sofort in ihren lebhaften Rhythmus aufnimmt. Rund 290.000 Einwohner – gemeinsam mit dem benachbarten Hove – verleihen dem Ort ein urbanes Flair, das sich mit der entspannten Atmosphäre eines Küstenorts verbindet. Die salzige Brise trägt den Duft von Fish & Chips ebenso wie die Klänge von Straßenmusikern durch die Straßen, während Möwen kreischend über den Strand ziehen und die Sonne die Regency-Fassaden in warmes Licht taucht.

Ein Palast wie aus einem Traum

Brighton
Seit mehr als 200 Jahren sorgt der ungewöhnliche wie faszinierende Palast für Gesprächsstoff.

Mitten im Herzen der Stadt erhebt sich ein Bauwerk, das so gar nicht in ein englisches Seebad zu passen scheint und gerade deshalb zu Brightons unverwechselbarem Markenzeichen wurde: der Royal Pavilion. König Georg IV. ließ seine einst schlichte Villa zwischen 1815 und 1822 von John Nash in einen exotischen Mogulpalast verwandeln, der mit Kuppeln, Minaretten und Bogengängen eher an Rajasthan erinnert als an die britische Küste. Die chinesisch inspirierte Innenausstattung übertrifft die äußere Pracht noch einmal und spiegelt die extravagante Persönlichkeit des Monarchen wider.

Vergnügen auf 530 Metern

Brighton
Symbol der englischen Seebad-Nostalgie ist der Brighton Pier.

Nur wenige Schritte weiter ragt der Palace Pier 530 Meter weit ins Meer hinaus. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1899 ist er ein Ort, an dem Nostalgie und Gegenwart miteinander verschmelzen. Zuckerwatte, Karussells, Arcade Games und der Duft von gebrannten Mandeln schaffen eine Atmosphäre, die an alte Postkartenmotive erinnert und dennoch voller Leben steckt. Der acht Kilometer lange Strand, der sich zu beiden Seiten erstreckt, ist ein Magnet für Sonnenhungrige, Spaziergänger und Wassersportler. Die typischen Kieselsteine knirschen unter den Füßen, während die Wellen rhythmisch an die Küste rollen und die Sonne glitzernde Muster auf das Wasser malt.

Viktorianische Eleganz

Nach zwei Bränden und Sturmschäden stehen vom West Pier nur noch Einzelteile.

Im Brighton Sealife Centre tauchen Besucher in die Tiefen der Ozeane ein. Das weltweit älteste öffentliche Aquarium in viktorianischer Bauweise begeistert mit historischen Gewölben und modernen Installationen gleichermaßen. Kinder staunen über Rochen, Haie und bunte Fischschwärme, während Erwachsene die liebevoll gestalteten Lebensräume bewundern.

Regency-Architektur

Prachtvolle Häuserzeilen prägen Teile der Innenstadt.

Brightons Stadtbild wird maßgeblich vom spätklassizistischen Regency-Stil geprägt. Die Architekten Wilds und sein Sohn sowie Busby schufen elegante Häuserzeilen mit gusseisernen Balkonen, die besonders rund um den Brunswick Square eindrucksvoll zur Geltung kommen. Einen spannenden Kontrast dazu bildet das New England Quarter, ein modernes Wohnviertel, das nach ökologischen Prinzipien erbaut wurde. Die Jubilee Library, 2005 eröffnet und mehrfach für ihre nachhaltige Bauweise ausgezeichnet, setzt ebenfalls ein Zeichen für moderne Architektur. Auch das Gehry Development mit seinen futuristischen Türmen und der frisch renovierte Embassy Court zeigen, wie mutig Brighton architektonische Innovationen integriert.

Kunst, Kultur und kreative Energie

Kleine Schmuckstücke aus längst vergangener Zeit fehlen nicht.

Brighton ist ein Paradies für Kunstliebhaber. Im O Contemporary begegnet man Werken von Andy Warhol, Damian Hirst und Tracy Emin. Das Fabrica, eine Galerie in einer ehemaligen Kirche, nutzt den sakralen Raum für experimentelle Installationen. Theaterfreunde finden im Theatre Royal eine Bühne für West-End-Stücke, während das Dome Theatre mit Konzerten und Shows begeistert. Die Brighton Komedia lockt mit 700 Veranstaltungen im Jahr, und das Duke of York’s Cinema gilt als ältestes Kino Englands.

Labyrinth voller Schätze

Shoppingjünger kommen in den schmalen Einkaufsstraßen voll auf ihre Kosten.

Die verkehrsberuhigten Straßen von The Lanes und North Laine bilden den historischen Kern des ehemaligen Fischerdorfes Brightelmstone. Heute sind sie ein Eldorado für Shoppingbegeisterte. Zwischen verwinkelten Gassen reihen sich Antiquitätenläden, Juweliere, Boutiquen, Cafés und Pubs aneinander. Der Duft frisch gebackener Scones mischt sich mit dem Klang von Gitarrenmusik, während Besucher in kleinen Läden stöbern, die oft seit Generationen bestehen.

Kulinarische Entdeckungen

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Eine Fülle an individuellen Gecshäften duckt sich im Zentrum des Seebades.

Brightons Gastronomie ist so vielfältig wie die Stadt selbst. Rund um The Lanes und North Laine finden sich kleine Bistros, internationale Küchen und traditionelle Pubs. Das „Food for Friends“ zählt zu den ältesten vegetarischen Restaurants Großbritanniens und serviert kreative Gerichte mit regionalen Zutaten. Das „Riddle & Finns“ kombiniert Champagnerbar und Seafood-Restaurant, während das„Terre à Terre“ mit avantgardistischer vegetarischer Küche überrascht. Wer britische Klassiker liebt, findet im „The Ginger Pig“ moderne Interpretationen traditioneller Gerichte.

Zwischen Pubkultur und Avantgarde

Den besten Blick auf Brighton gibt es vom „British Airways i360″.

Brightons Abende gehören zu den lebhaftesten an Englands Küste. Das „The Black Lion“ verbindet historische Atmosphäre mit moderner Cocktailkunst, während das „The Walrus“ mit verwinkelten Räumen und einer Dachterrasse überrascht. In Kemp Town pulsiert das Nachtleben besonders intensiv. Das „Legends“ bietet Meerblick und ausgelassene Stimmung, während das „Charles Street Tap“ für seine Drag-Shows bekannt ist. Elegante Cocktails werden in der „Plotting Parlour“ serviert, wo Drinks wie kleine Kunstwerke wirken. Und wer den Sonnenuntergang mit Stil genießen möchte, findet auf dem Dach des „British Airways i360“ eine Bar, die den Himmel zum Cocktailglas macht.

Grüne Oasen und stille Momente

Die bunten Strandstühle warten am Kiesstrand auf Entspannungssuchende.

Der Preston Park, der älteste und größte Park Brightons, bietet eine wohltuende Pause vom städtischen Trubel. Ein fantastischer Steingarten mit verwinkelten Wegen und Wasserläufen lädt zu romantischen Spaziergängen ein. Familien breiten Picknickdecken aus, Jogger ziehen ihre Runden, und Eichhörnchen huschen durch das Unterholz.

Vielfalt mit Meerblick

Brighton ist auch als LGBTQ-Community weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt.

Brighton gilt als einer der LGBTQ+-freundlichsten Orte Europas. Kemp Town, oft als Gay Village bezeichnet, ist das Zentrum der Szene. Regenbogenfahnen wehen an Bars, Clubs und Cafés, und die Atmosphäre ist offen, herzlich und lebendig. Die Stadt feiert Vielfalt nicht nur, sie lebt sie.

Abseits der Postkartenmotive

Prachtvolle Fassaden und Gebäude finden sich in vielen Teilen der Stadt.

Wer Brighton jenseits der bekannten Sehenswürdigkeiten erleben möchte, findet zahlreiche versteckte Orte, die den besonderen Charakter der Stadt offenbaren. In den frühen Morgenstunden zeigt sich der Strand von seiner stillsten Seite, wenn die Sonne langsam über dem Ärmelkanal aufsteigt und die Möwen noch schläfrig über den Wellen kreisen. Ein Spaziergang zum kleinen, oft übersehenen „Undercliff Walk“ führt entlang dramatischer Kreidefelsen, die sich wie eine natürliche Kathedrale über dem Meer erheben. Der Weg ist besonders bei Einheimischen beliebt, die hier joggen oder mit ihren Hunden spazieren gehen.

Kunst und Kräuter

Der kilometerlange Strand ist das größte Pfund, mit dem das Seebad wuchern kann.

Ein weiterer Geheimtipp ist der „St. Ann’s Well Gardens“, ein Park, der etwas versteckt hinter Wohnstraßen liegt und mit alten Bäumen, duftenden Kräutergärten und einem charmanten Café überrascht. Wer Kunst liebt, sollte die kleinen Ateliers im Viertel „Hanover“ besuchen, wo bunte Häuser an steilen Straßen stehen und Künstler ihre Werke oft direkt aus dem Wohnzimmer heraus verkaufen. Abends lohnt sich ein Abstecher in die „Lion & Lobster“-Gassen, wo traditionelle Pubs mit winzigen Hinterzimmern und versteckten Innenhöfen eine fast viktorianische Atmosphäre schaffen. Besonders reizvoll ist auch der „Brighton Open Market“, ein überdachter Markt, der regionale Produkte, Kunsthandwerk und Streetfood vereint. Hier treffen sich Einheimische zum Kaffee, während Händler frisches Gemüse, handgemachte Seifen oder Vintage-Schallplatten anbieten.

Kleine Kuriositäten am Meer

Pavilion mit Aussicht.

Brighton liebt das Ungewöhnliche. Die Stadt besitzt eine der größten Ansammlungen unabhängiger Geschäfte in Großbritannien, darunter Läden, die ausschließlich Kuriositäten, Vintage-Mode oder handgefertigte Schmuckstücke verkaufen. An manchen Tagen tauchen Straßenkünstler auf, die mit überdimensionalen Seifenblasen Kinder zum Staunen bringen. Im Sommer verwandelt sich der Strand in eine Bühne für spontane Konzerte, Yoga-Sessions und Feuershows. Und wer genau hinsieht, entdeckt vielleicht die winzigen „Fairy Doors“, kleine kunstvolle Türen, die Künstler heimlich an Häusern und Mauern anbringen – ein Hauch Magie im urbanen Alltag.

Charmante Flecken finden sich nicht nur in Strandnähe.

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Buchtipp für Freunde britischer Lebensart

TimeObwohl der Titel von Time for tea, sex and fun auf Englisch ist, wirft das amüsante wie lehrreiche Buch auf Deutsch mit viel Esprit einen liebenswerten Blick auf unsere englischen, schottischen und walisischen Freunde.

Demnach ist klar, dass es alle Arten von Briten gibt – große und kleine, hübsche und hässliche, dicke und dünne, freundliche und aggressive. Einige haben blonde Haare, einige braune, einige schwarze oder graue. Einige gar keine. Besonders in sonnigen Gefilden ist der ansonsten eher nordisch-blasse Brite daran zu erkennen, dass er nach einem Sonnenband wie ein abgebrühter Hummer aussieht, sich aber nichtsdestotrotz lustig weiter Tag für Tag in die pralle Sonne legt.

Doch der Brite ist nicht nur gegen Hitze resistent, auch jegliches Kälteempfinden scheint ihm fremd. Wer diese stereotypen Ansichten teilt oder Bestätigung für diese sucht, wird in Time for tea, sex and fun von Mortimer Reisemagazin Redakteur Karsten-Thilo Raab ebenso fündig werden, wie derjenige, der seine alten, verkrusteten Ansichten über die Briten endlich ins rechte Licht rücken möchte. Auf jeden Fall dürfte in dem Buch viel Interessantes, Kurioses, Unterhaltsames und Wissenswertes über die Briten und ihre Lebensgewohnheiten zu entdecken sein.

Erhältlich ist Time for tea, sex and fun (ISBN 978-3711527257) von Karsten-Thilo Raab für 18 Euro im Buchhandel oder online bei allen gängigen Versandbuchhändlern wie Thalia, JPC oder Amazon.

Karsten-Thilo Raab

berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten für eine Vielzahl von Zeitungen und Magazinen über Reiseziele weltweit. Zudem hat er sich einen Namen als Autor von mehr als 120 Reise-, Wander- und Radführern sowie Bildbänden gemacht.