Reiseträume beim Bundespresseball

Bundespresseball
Die Resonanz beim Bundespresseball war deutlich geringer als in den Vorjahren. – Foto: Honza Klein / Mortimer Reisemagazin

Der Bundespresseball im Hotel Adlon bot auch in diesem Jahr reichlich Gesprächsstoff – von prominenten Gästen über politische Randnotizen bis hin zu kuriosen Szenen an den Sponsorenständen. Trotz Sparmaßnahmen und überschaubarer Promi-Dichte blieb der Abend ein gesellschaftliches Ereignis voller Anekdoten. Und natürlich: reichlich Schritte für den Zähler.

Zwischen Tradition und Sparzwang

Natürlich durften Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (rechts) und seine Frau Elke Büdenbender (2.v.r.) nicht fehlen. – Foto: Honza Klein / Mortimer Reisemagazin

Es heißt ja, man solle 10.000 Schritte pro Tag absolvieren. Genau die richtige Zahl für einen Besuch bei Bundespresseball. Der Schrittzähler zeigte 11.037 Schritte nach dem Abend im Hotel Adlon. Zum 73. lud die Bundespressekonferenz mit ihrem gerade wiedergewählten Chef Mathis Feldhoff Gäste aus Medien, Politik, Kultur, Wirtschaft und Sport zum Schwof, wie es in Berlin heißt, ein. Aber auch hier muss gespart werden. Traten einst Größen wie BAP, Nena oder auch Gianna Nannini als Top-Acts auf die Bühne, ist es heutzutage die Big Band der Bundeswehr und der Champagner kommt nicht mehr von Pommery oder einer anderen bekannten Kellerei, sondern aus den Lidl- und Kaufland Regalen vom Sponsor Schwarz-Gruppe. Da passt Loriots Aussage: „Früher war mehr Lametta.“

Wer war da – und wer fehlte?

Wolfgang Kubicki und Ehefrau Annette Marberth-Kubicki planen eine Bootstour. – Foto: Honza Klein / Mortimer Reisemagazin

Was übrigens ebenso für die Gästeliste gilt. Nun ja, Kanzler waren eigentlich nie zu Gast. Das ist fast schon Tradition. Gerhard Schröder kam auch erst nachdem er nicht mehr im Amt war. Jedoch war auch die Riege der Minister eher spärlich vertreten- Dr. Stefanie Hubuig (Justiz) und Carsten Schneider (Umwelt) ebenso wie Ministerpräsidenten von Thüringen und Sachsen-Anhalt sowie Berlins Regierender Bürgermeisetr. Und auch die Liste der sogenannten Promis war eher spärlich, was etliche Fotografen bemängelten.

Marco Girnth und Melanie Marschke haben unterschiedliche Reisepläne. – Foto: Honza Klein / Mortimer Reisemagazin

Selbst Jette Joop, jahrelang Stammgast, fehlte. Dafür war Wolfgang Lippert erstmals dabei. Allerdings kam er etwas zu spät und musste sich erst noch fix in sein Balloutfit schmeißen. Immerhin ist auf den Bundespräsidenten verlass. Nun gut, er hat ja auch ansonsten nicht ganz so viel zu tun. Er wollte sich gut unterhalten, machte auf die Pressefreiheit aufmerksam und auch mal über nicht politische Themen sprechen. So verriet er, dass sein Urlaub traditionell in die Berge geht.

Urlaubspläne zwischen Bergen, Ostsee und Safari

Berlins Senatorin für Bildung, Jugend und Familie, Katharina Günther-Wünsch, und der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner. – Foto: Honza Klein / Mortimer Reisemagazin

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner meinte unkonkret „Dahin wo es warm ist.“ Es wird vielleicht sein letzter Urlaub als Regierender der Hauptstadt sein. Genauer war Soko-Leipzig-Kommissarin Melanie Marschke. Mit zwei sehr unterschiedlichen Zielen: „Schweden und Griechenland“. Ihr Kollege Marco Girnth hingegen sage: „Ich weiß noch nicht wohin“. So geht es auch Linken-Politiker Dietmar Bartsch. Er kam jedoch gerade von einer Tour durch Ruanda zurück.

Lothar Wieler hat eine Reise nach Schottland geplant. – Foto: Honza Klein / Mortimer Reisemagazin

Wolfang Lippert lebt auf Rügen und ist praktisch immer da, wo andere Urlaub machen. Aber wohin es sonst noch geht im Sommer, weiß auch er noch nicht. Ex-RKI-Chef Lothar Wieler zieht es „ins westliche Schottland, Natur genießen und sicherlich auch mal eine Whisky-Brennerei besuchen“ – und Wolfgang Kubicki, der die FDP vor dem Untergang retten will, schippert mit der Motoryacht über die Ostsee nach Schweden und Dänemark. Davon erholt er sich dann in seinem Haus auf Mallorca.

Zwischen Nordsee und Kenia

Jens Spahn und Partner Daniel Funke zieht es im Urlaub an die Nordsee. – Foto: Honza Klein / Mortimer Reisemagazin

Jens Spahn, der gut gelaunt mit seinem Partner Daniel Funke durch die Ballnachtschlenderte, ist im Sommer an der Nordsee. Eine interessante Frage ist übrigens, was eigentlich passiert, sollte jemand wie Spahn Bundespräsident werden. Traditionell eröffnet ja der Chef der Bundespressekonferenz den Ball mit einem Walzer zusammen mit der Frau des Bundespräsidenten und dieser tanzt mit der Frau des Pressemannes. Also was wäre wenn? Doch das nur nebenbei. Schließlich wird 2027 wieder einmal der Bundespräsident oder eine Bundespräsidentin gewählt.

Zu guter Letzt der Herr der Fliegen, von denen an diesem Abend ja Hunderte an den Hälsen der Herren prangten, Jan-Henrik Scheper-Stuke (Auerbach Fliegen & Kravatten). Er geht in Kenia auf Safari.

Hotspots, Peinlichkeiten und eine Carrera-Bahn

Wolfgang Lippert musste sich schnell noch in Schale werfen. – Foto: Honza Klein / Mortimer Reisemagazin

Ein wenig, wie eine Safari ist es ja bei diesem Ball auch im Adlon. Wie anfangs erwähnt. Man ist viel unterwegs und es kann passieren, dass man, ob der vielen Räume, später von jemandem erfährt, er sei auch da gewesen und man sich nie begegnet ist. Besonders voll war es dieses Jahr übrigens beim Sponsor DHL. Dort war eine riesige Carrea-Bahn aufgebaut und die großen Jungs fuhren eifrig ihre Runden. Einer der Hotspots des Abends.

Die Damen konnten sich derweil die Haare richten lassen. Andere Sponsoren zeigten sich eher von ihrer peinlichen Seite. So lauerte der Chef der Spielbank Berlin mit seinem Pressesprecher wie ein Groupie vor dem Festsaal, in dem das Essen für die VIPs stattfand, um dann beim Rauskommen ein Selfie zu machen.

Die drei wichtigsten Fragen des Abends

Der langjährige Bundestagsabgeordnete Dietmar Bartsch. – Foto: Honza Klein / Mortimer Reisemagazin

Zum Schluss schnell noch zu den wirklich wichtigen Themen beziehungsweise Fragen des Balls. Genau Drei. „Wo gibt es Austern?“, „Wo ist der Champagner?“  und „Wo befindet sich der Sushi-Stand?“ – Na dann bis zum nächsten Jahr vielleicht schon mit einem neuen Präsidenten oder einer Präsidentin.

Honza Klein

Der Berliner hat für diverse Radiosender gearbeitet, war viele Jahre Redakteur bei der Berliner Morgenpost, hat an Büchern über Berlin mitgearbeitet und ist u.a. Autor für die Super Illu und Gastgeber einer Talksendung bei TV Berlin.