
Auf der Karibikinsel Antigua gehört Rum nicht einfach zum Alltag, er ist ein Stück Identität. Aus der langen Geschichte der Zuckerproduktion erwachsen, prägt er bis heute Kultur, Küche und Gespräche. Eine der schillerndsten Figuren dieser Tradition war John „Bushy“ Gonçalves, ein Mann, der seinen Rum so unprätentiös verkaufte wie andere Kokosnüsse am Straßenrand. Sein berühmter „1 & 9 Best Matured“ kam aus dem Kanister, ohne Etikett, aber mit Kultstatus. Nach seinem Tod im Jahr 2021 verschwand das Rezept – geblieben ist eine Legende, die heute neue Reisewege öffnet.
Rum erleben, Rum verstehen
Wer Antigua besucht, stößt früher oder später auf Bushys Spuren. Am Galleon Beach etwa wird Rum nicht nur verkostet, sondern selbst kreiert. In der „West Indies Academy of Rum“ entstehen individuelle Blends, destilliert in glänzenden Kupferkesseln und direkt vor Ort abgefüllt. Der Prozess zeigt, wie Herkunft, Reifung und Zusammensetzung den Charakter dfes Kultgetränks formen – ein sinnliches Erlebnis, das mehr vermittelt als bloßes Fachwissen.

Noch tiefer führt die „Black Prince Rum Tour“. Sie verbindet Tastings mit Einblicken in Anbau, Handel und Alltag. Es geht weniger um Theorie als darum, ein Gefühl für die Vielfalt zu entwickeln, die Antigua so besonders macht.
Wenn Rum den Weg in die Küche findet
Von der Destille führt der Weg fast automatisch in die Kochtöpfe der Insel. In kleinen Kursen wird Rum nicht nur probiert, sondern verarbeitet – in würzigen Suppen, aromatischen Marinaden oder süßen Desserts. Selbst historische Orte greifen das Thema auf. Bei „Rum in the Ruins“ im Nelson’s Dockyard treffen Besucher abends auf Historiker, die die Entwicklung des Hafens erzählen, begleitet von Cocktails, die die Vergangenheit ein wenig lebendiger machen.
Rumkultur zwischen Alltag und Neubeginn
Wie präsent der Zuckerrohrschnaps im täglichen Leben ist, zeigt sich in St. John’s. Das Restaurant Papa Zouk’s galt lange als Pilgerstätte für Rumliebhaber. Nach einem Brand entstand aus geretteten Restbeständen ein neuer Blend: der „Fire Rum“. Eine Geschichte, die Antiguas Umgang mit Rum widerspiegelt – pragmatisch, ortsverbunden und voller Improvisationskunst.

Gleichzeitig bleibt die Insel ein aktiver Produktionsstandort. Die Antigua Distillery, gegründet 1932, bündelt die Rumherstellung und bringt mit den in Eichenfässern gereiften English Harbour Rums heute echte Referenzen hervor, die in vielen Verkostungen eine zentrale Rolle spielen.
Ein Erbe, das weiterlebt
„Bushy’s Rum“ wird nicht mehr produziert. Doch seine Geschichte prägt weiterhin den Blick auf Antigua. Sie macht die Spirituose zu einem Erlebnis, das weit über ein Glas hinausgeht – ein kulturelles Erbe, das sich schmecken, riechen und erleben lässt. Weitere Informationen unter www.visitantiguabarbuda.com.
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Der Buchtipp (nicht nur) für Rum-Liebhaber
Realität ist der Zustand, der aus Mangel an Alkohol entsteht, lehrt eine irische Trinkweisheit. Frei übersetzt bedeutet dies wohl, dass das Leben – nüchtern betrachtet – nur besoffen zu ertragen sei. Aber wir wollen die Vorliebe zum Alkohol nicht bewerten. Das muss ein jeder mit sich und seiner Leber alleine ausmachen. Gleichwohl kommt es immer wieder vor, dass der eine oder andere mal einen über den Durst trinkt. Dies bleibt zumeist ohne Folgen. Sieht man einmal von der Tatsache ab, dass sich so mancher in solchen Fällen den zuvor konsumierten Alkohol noch einmal durch den Kopf gehen lässt und dass das Bett mit einem Karussell zu fahren scheint.
Die Trinkgewohnheiten und -vorlieben vieler Zeitgenossen flossen dann auch in die augenzwinkernde Hommage an alle, die durchaus dem Alkohol nicht völlig abgeschworen haben, ein. So oder so dürfte bei den Geschichten rund um Bier, Wein, Champagner und andere hochgeistige Getränke, die Mortimer-Reisemagazin-Redakteur Karsten-Thilo Raab in seinem neuen Buch unter dem Titel Ich trinke, dann kannst du fahren zusammengetragen hat, kein Auge trocken bleiben.
So erfährt nicht nur der trinkfreudige Leser wie lange die Menschen rund um den Erdball für ein Glas Bier arbeiten müssen, wie viel Bier in den Schnäuzer dieser Welt hängen bleibt und wieso Wein sowohl die Intelligenz fördern können soll als auch vor intensiver Sonneneinstrahlung schützt. Daneben geht es beispielsweise um Kuriositäten wie Bier aus Käse oder Bier für Hunde oder um die Frage, warum auf Kreuzfahrten der Alkoholkonsum deutlich ansteigt.
Erhältlich ist Ich trinke, dann kannst du fahren (ISBN 978-3-7115-2765-3) von Karsten-Thilo Raab ab für 18 Euro sofort im Buchhandel.
Mortimer
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