Das Parlamentsgebäude in Belgrad ist nicht nur nachts ein Blickfang. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Die serbische Hauptstadt Belgrad überrascht mit Charme, Chaos und Charakter: Zwischen Festungspanorama, Hipsterbars, Kafanas und Flusspartys entfaltet sich ein urbanes Abenteuer voller Humor, Herz und Balkan-Magie.
Zu den Prachtbauten in Belgrad gehört das Serbische Nationalmuseum. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Belgrad ist wie ein guter Rakija: kräftig, überraschend und mit einer Wärme, die man erst merkt, wenn es schon zu spät ist. Zwischen den Flüssen Save und Donau liegt eine Metropole, die so oft zerstört und wieder aufgebaut wurde, dass sie eine gewisse Nonchalance gegenüber der Zeit entwickelt hat. Vielleicht ist es genau diese Haltung, die Belgrad so unwiderstehlich macht. Die serbische Hauptstadt zeigt sie sich als wilde Mischung aus brutalistischen Betonklötzen, osmanischen Relikten, Habsburger Charme und futuristischen Neubauten – ein urbanes Patchwork, das erstaunlich gut funktioniert. Hier ein sozialistisches Wohngebäude, dort ein türkisches Badehaus, daneben ein hipper Coffeeshop.
Das Herz der Stadt
Ungemein weitläufig ist die Festung Kalemegdan. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Die Festung Kalemegdan ist Belgrads geschichtsträchtiges Kronjuwel. Hoch über dem Zusammenfluss von Donau und Save thront sie wie ein stiller Chronist der Jahrhunderte. Von hier aus öffnet sich ein Panorama, das die Stadt in all ihrer Widersprüchlichkeit zeigt: Alt trifft Neu, Natur trifft Beton. Derweil gilt die St.-Sava-Kathedrale als eines der größten orthodoxen Gotteshäuser der Welt. Ihr blendend weißer Marmor, die kupfergrüne Kuppel und das prunkvolle, mosaikgeschmückte Innere machen sie zu einem Ort, an dem man unweigerlich innehält.
Flanieren im Herzen Belgrads
Der Platz der Republik mit dem Prinz-Mihailo-Denkmal gilt als zentraler Treffpunkt. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Die Knez Mihailova ist die pulsierende Fußgängerzone der Stadt: gesäumt von eleganten Fassaden, Boutiquen, Straßenkünstlern und Cafés. Wer Belgrads Energie spüren will, muss hier entlangschlendern. Die Straße verbindet die Innenstadt mit Kalemegdan – und ist damit das perfekte Bindeglied zwischen Shopping, Kultur und Geschichte.
Wo Hipster auf Geschichte treffen
In einem Prachtbau am Rande der Innenstadt ist die Österreichische Botschaft untergebracht. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Im Viertel Dorćol zeigt sich die Stadt von ihrer lässigsten Seite. Zwischen Häusern, die noch Geschichten aus der osmanischen Epoche erzählen, drängen sich heute Cafés, Bars und kleine Boutiquen, die mühelos mit jeder europäischen Trendmetropole mithalten. Abends verwandelt sich die Strahinjica-Bana-Straße in eine Bühne für das Belgrader Nachtleben: Menschen strömen aus allen Richtungen herbei, Musik schwappt aus offenen Türen, und die Luft ist erfüllt von dieser besonderen Balkan-Leichtigkeit.
Belgrads kleine Zeitkapsel
Zu den Besuchermagneten in Belgrad gehört auch der Dom des Heiligen Sava. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Ganz anders wirkt die Skadarlija, Belgrads nostalgische Seele. Wer hier entlangschlendert, fühlt sich wie in eine andere Zeit versetzt. Kopfsteinpflaster, Laternenlicht, traditionelle Restaurants und Musiker, die mit Akkordeon und Geige alte Lieder spielen – es ist ein Viertel, das nicht versucht, modern zu sein, sondern stolz auf seine Patina ist. Hier schmeckt der Rakija ein wenig kräftiger, das Essen ein wenig herzlicher, und die Gespräche dauern ein wenig länger.
Kreativ, kantig, kultig
Der Dom des Heiligen Sava ist überaus prachtvoll ausgestaltet. – Foto: Susanne Timmann / Mortimer Reisemagazin
Savamala war einst ein Industrieviertel, heute ist es ein Hotspot für Kunst und Kultur. Galerien, Ateliers, alternative Clubs und Cafés mit Livemusik prägen das Bild. Am Ufer der Save laden Cafés zum Verweilen einladen. Es ist ein Viertel, das zeigt, wie sehr Belgrad im Wandel ist und wie selbstverständlich die Stadt Gegensätze miteinander verbindet.
Die Zukunft glänzt am Fluss
Am Ufer der Save finden sich heute in alten Lagerhäusern hippe Restaurants, Cafés und Bars. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Noch deutlicher wird dieser Wandel an der Belgrade Waterfront. Der Belgrade Tower ragt futuristisch in den Himmel und bietet einen grandiosen 360-Grad-Rundumblickauf Serbiens Kapitales. Entlang der Promenaden flanieren Familien, Jogger und Touristen, während in den Cafés und Restaurants die moderne Seite Belgrads pulsiert, während die Galerija als einer der modernsten Einkaufstempel vor allem Shoppingjünger auf den Plan ruft. Nur wenige Schritte entfernt wächst der neue Bahnhof Prokop zu einem zentralen Verkehrsknotenpunkt heran.
Wenn die Stadt auf dem Wasser tanzt
Auch Spuren der sozialistischen Zeit sind bis heute im Stadtbild unverkennbar. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Dort, wo Save und Donau sich küssen, beginnt Belgrads zweites Leben: Sobald die Sonne untergeht, erwacht die Stadt am Wasser. Die Splavs – schwimmende Bars und Clubs – sind legendär. Manche elegant, andere wild, manche so laut, dass selbst die Fische Ohrstöpsel bräuchten. Auf den Flüssen tanzt die Nacht, und wer einmal auf einem Splav gefeiert hat, versteht, warum Belgrad als eine der lebendigsten Partystädte Europas gilt. Doch auch abseits der Flüsse pulsiert das Nachtleben: In ehemaligen Industriehallen, versteckt hinter unscheinbaren Fassaden, entstehen Clubs und Musikräume, die den Geist einer kreativen, ungezähmten Szene atmen.
Die Seele Belgrads
Der zentrale Terazije-Platz wird von einem Brunnen geprägt. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Tagsüber zeigt sich Belgrad von einer ruhigeren, aber nicht weniger faszinierenden Seite. Die Kafanas, traditionelle Kaffeehäuser, sind Orte, an denen die Zeit ein wenig langsamer vergeht. Hier wird diskutiert, gelacht, gegessen und manchmal auch getanzt, wenn Musiker die ersten Akkorde anstimmen. Viele Kafanas verwandeln sich nach Mitternacht in spontane Tanzflächen. Ein Kellner schiebt die Tische zur Seite, jemand bestellt eine Runde Rakija, und plötzlich tanzt man mit Fremden, die sich nach fünf Minuten wie Freunde anfühlen.
Die prachtvolle Festung liegt am Zusammenfluss Save und Donau. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Und dann gibt es diese Momente, die man nicht planen kann: ein Sonnenuntergang über der Festung Kalemegdan, der die Flüsse in Gold taucht; ein Gespräch mit Fremden, das sich anfühlt wie ein Wiedersehen; ein Teller Cevapcići, der jede Diät vergessen lässt; ein spontaner Tanz in einer Kafana, der bis tief in die Nacht dauert. Belgrad ist keine Stadt, die man abhakt. Es ist eine Stadt, die man spürt – und die man so schnell nicht wieder loslässt.
Wissenswerts zu Belgrad in Kurzform
Überaus prachtvoll ist das Parlamentsgebäude in Belgrad. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Anreise:Air Serbia bietet ab rund 130 Euro von Berlin, Bremen, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Köln, Nürnberg, Stuttgart, Salzburg, Wien, Genf und Zürich Direktflüge nach Belgrad an.
Eine der markantesten Landmarken ist die Festung von Belgrad im weitläufigen Kalemegdan Park. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Einreise: Für die Einreise nach Serbien genügt ein mindestens noch sechs Monate gültiger Personalausweis.
Währung: Zahlungsmittel ist der serbische Dinar (RSD). Ein Euro entspricht etwa 117 RSD; ein Dinar etwa 0,0085 Euro.
Das leibliche Wohl
Ein Klassiker der serbischen Küche ist Pljeskavica. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Essen & Trinken: Traditionelle Vorspeise ist Proja, ein Brot aus Maismehl, das gerne ofenfrisch mit Käse und/oder Kajmak, einem Milchfett als Aufstrich, gereicht wird. Ein weiterer Klassiker ist Ajvar, bestehend aus Auberginen, Paprika, Olivenöl und Knoblauch. Ajvar wird sowohl zur Vorspeise als auch zu Hauptgerichten wie Cevapcići (gegrillte Hackfleischröllchen vom Rind und Schwein) oder Pljeskavica, einem Fleischfladen, bestehend aus Hackfleisch vom Rind, Schwein, Lamm oder gemischten Fleischsorten serviert. Eine weitere beliebte Hauptspeise ist Karadordeva snicla, ein gerolltes, paniertes und gebackenes Schnitzel, das mit Käse gefüllt ist. Zum Dessert gibt es häufig extrem süße Baklava, die mit Blätterteig und gehackten Walnüssen hergestellt wird.
Cevapcići sind das wohl populärste Gericht in Serbien. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin
Restaurants: Mala fabrika ukusa, Nebojšina 49, Belgrad 11000, Serbien, www.malafabrikaukusa.com. Serbische Klassiker wie Kohlrouladen, Lamm Moussaka und Cevapcići kommen auf den Tisch des Hauses.
Drama ćevapi, Dositejeva 7a, Belgrad, www.facebook.com/dramacevapi. Das Traditionslokal im Stadtteil Dorćol bietet überaus preiswert eine kleine Auswahl serbischer Gerichte an.
Sich stilvoll betten
Zimmer mit Wohlfühlcharakter bietet das Mercure Belgrade Excelsior. – Foto: Susanne Timmann / Mortimer Reisemagazin
Übernachten:Mercure Belgrade Excelsior, Kneza Miloša 5, Belgrad 11000, Serbien, Telefon 00381-(0)114402900, https://all.accor.com. Das Vier-Sterne-Hotel ist ein Haus mit Geschichte und Charme, dass aufgrund seiner Lage in Sichtweite des Parlaments hervorragend geeignet ist, um Serbiens Hauptstadt und ihre Sehenswürdigkeiten zu Fuß zu erkunden.
Die Recherche fand – ohne Einfluss auf die journalistische Ausarbeitung – auf Einladung / mit Unterstützung der Accor Gruppe in Zusammenarbeit mit uschi liebl pr statt.
Karsten-Thilo Raab
berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten für eine Vielzahl von Zeitungen und Magazinen über Reiseziele weltweit. Zudem hat er sich einen Namen als Autor von mehr als 120 Reise-, Wander- und Radführern sowie Bildbänden gemacht.
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