
Das Niedersächsische Wattenmeer blickt 2026 auf vier Jahrzehnte Nationalparkgeschichte zurück – vier Jahrzehnte, in denen sich einer der wertvollsten Naturlebensräume Europas sichtbar entfaltet hat. Mittendrin liegen die sieben Ostfriesischen Inseln, umgeben von weiteren unbewohnten Inseln wie Memmert oder der Kachelotplate. Gemeinsam bilden sie ein Mosaik aus Lebensräumen, in denen tausende Tier- und Pflanzenarten heimisch sind.
Natur Natur sein lassen
Mit rund 3.450 Quadratkilometern Fläche ist das Niedersächsische Wattenmeer der zweitgrößte Nationalpark Deutschlands und seit 2009 Teil des UNESCO-Weltnaturerbes. Seit seiner Gründung 1986 steht ein Prinzip im Mittelpunkt: Naturprozesse sollen ungestört ablaufen. Ranger und Partnerbetriebe sorgen dafür, dass Interessierte diesen besonderen Lebensraum erleben können – gut informiert und mit Rücksicht auf seine Empfindlichkeit.
Artenvielfalt in Bewegung

Über 10.000 Tier- und Pflanzenarten wurden im Niedersächsischen Wattenmeer nachgewiesen. Rund 12 Millionen Zugvögel nutzen den Naturraum jährlich als Rastgebiet. Trotz klimatischer Veränderungen wurden in den vergangenen Jahrzehnten 124 Fischarten registriert. Immer wieder tauchen neue Arten auf, darunter die Elfzähnige Rundkrabbe oder die Gestrichelte Buckelschnecke. Auch in der Pflanzenwelt gibt es Überraschungen: Die Strand-Wolfsmilch gilt als Neuankömmling, während das seltene Sumpf-Glanzkraut nach Jahrzehnten erstmals wieder auf Borkum und Langeoog entdeckt wurde. Diese Entwicklungen zeigen, wie dynamisch und wandelbar das Ökosystem Wattenmeer ist.
Kachelotplate – Rückzugsort der Natur
Die Kachelotplate vor Juist gilt als Paradebeispiel für ungestörte Naturprozesse. Seit rund 20 Jahren haben sich hier wieder Kegelrobben angesiedelt und die einzige Wurfkolonie im niedersächsischen Wattenmeer gebildet. Menschen betreten die Sandbank nur an einem einzigen Tag im Jahr. Die rund 50 Hektar große Hochsandfläche wandert seit Jahrzehnten langsam Richtung Südosten und bietet neben den Robben auch seltenen Vogelarten wie Trottellummen oder Eissturmvögeln sowie Pflanzen wie Strandflieder oder Andelgras ein geschütztes Refugium.
Natur erleben

Die Ostfriesischen Inseln bieten zahlreiche Möglichkeiten, die Vielfalt des Wattenmeers hautnah zu erleben. Ein Höhepunkt sind die 18. Zugvogeltage vom 10. bis 18. Oktober 2026 mit geführten Beobachtungen und dem beliebten Aviathlon. Wattwanderungen mit Nationalpark-Rangern sowie Schiffsfahrten zu den Seehundbänken ergänzen das Angebot und machen die Natur des Wattenmeers für Gäste unmittelbar erfahrbar. Weitere Informationen unter www.ostfriesische-inseln.de.
Mortimer
Seit dem Jahr 2011 berichtet das Mortimer Reisemagazin tagtäglich in Wort, Bild und teilweise mit Videos aus der Welt des Reisens. Mehr als 8.000 Beiträge über Destinationen aus allen Teilen der Erde stehen für Interessierte mittlerweile kostenfei bereit.