
Die Liechtensteinklamm im Salzburger Land erweist sich als ein spektakuläres Naturwunder mit imposanten Felswänden, modernen Stegen und faszinierenden Lichtspielen. Ideal für Wandernde und Naturfans.
Wer glaubt, in den österreichischen Alpen ließe sich immer und überall die Stille genießen, war fraglos noch nicht in der Liechtensteinklamm. Hier, unweit von St. Johann im Pongau, ist die Urgewalt der Natur. Die knapp vier Kilometer lange Liechtensteinklamm zählt zu den tiefsten und längsten begehbaren Schluchten der Alpen und präsentiert sich als Naturdenkmal, das seit über 10.000 Jahren vom Wasser geformt wird.

Die Felswände ragen bis zu 300 Meter in die Höhe, während sich unten das Wasser unermüdlich seinen Weg bahnt – mal tosend, mal geheimnisvoll murmelnd. Die Großarler Ache schlägt mit einer Vehemenz gegen den Kalkstein, dass man sein eigenes Wort nicht mehr versteht, während der feine Sprühnebel die Brillenträger in den Wahnsinn treibt und die Frisur in Rekordzeit ruiniert.
Wendeltreppe ins nasse Vergnügen
Die Luft ist kühl und frisch, durchzogen vom Duft nasser Felsen und von Moos. Sonnenstrahlen brechen durch schmale Felsspalten und verwandeln den feinen Sprühnebel in schimmernde Lichtspiele. Die hölzernen Stege durch die Schlucht schmiegen sich an die Felswände – unterbrochen von einer baulichen Besonderheit: Seit der Wiedereröffnung nach einem massiven Felssturz thront dort die „Helix“, eine stählerne Wendeltreppe, die sich wie ein gigantischer Korkenzieher dreißig Meter tief in den Schlund schraubt.

Wer hier hinuntersteigt, verlässt die gemütliche Wanderwelt und begibt sich in ein Reich aus Schatten und Feuchtigkeit. Die Felswände rücken so nah zusammen, dass mancherorts kaum mehr als ein schmaler Streifen des strahlend blauen Salzburger Himmels zu erahnen ist. Es ist eng, es ist laut und es ist verdammt beeindruckend, wie sich der Mensch hier mit Gitterrosten und Bolzen einen Weg durch das Chaos gebahnt hat.
Wenn Sagen auf harte Geologie treffen
Natürlich darf bei solch einer Kulisse der obligatorische Pakt mit der Unterwelt nicht fehlen. Die Legende besagt, der Teufel höchstselbst habe versucht, Wasser über den Berg zu bringen, sei aber an der eigenen Eile und dem ersten Hahnenschrei gescheitert. In Rage schleuderte er die Wassermassen in die Tiefe und erschuf so die Klamm.

Die Geologie gibt sich derweil etwas nüchterner und verweist auf die letzte Eiszeit, in der schmelzende Gletscher den Fels über Jahrtausende wie Butter weggeschliffen haben. Ob nun Teufelswerk oder Erosionsleistung, das Ergebnis bleibt ein visuelles Spektakel, das am Ende der Schlucht in einem imposanten Wasserfall gipfelt, der so manchem ein ehrfürchtiges Schweigen abringt. Weitere Informationen unter www.liechtensteinklamm.info und unter www.josalzburg.com.
Karsten-Thilo Raab
berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten für eine Vielzahl von Zeitungen und Magazinen über Reiseziele weltweit. Zudem hat er sich einen Namen als Autor von mehr als 120 Reise-, Wander- und Radführern sowie Bildbänden gemacht.