
Das slowenische Novo mesto macht nichts Spektakuläres – und genau das macht es besonders. Schon bei der Ankunft fällt auf, wie unaufgeregt hier alles wirkt. Keine überfüllten Plätze, keine inszenierten Fotospots, keine Hektik. Pastellfarbene Fassaden lehnen sich aneinander, die Dächer schimmern in warmen Rottönen, dazwischen ragen Kirchtürme auf, und überall dieses satte Grün. Der Blick von der Kandijski-Brücke fällt auf die darunter fließende Krka und die Altstadt. Das Wasser des stadtbildprägenden Flusses schimmert je nach Licht in Türkis- und Grüntönen. An warmen Tagen zieht es die Menschen ans Ufer. Einige treiben im Kanu flussabwärts, andere sitzen einfach nur da, lassen die Füße baumeln oder schauen dem langsamen Rhythmus des Wassers zu.

Die Altstadt liegt erhöht auf einem Felsplateau, das von der Krka beinahe vollständig umschlossen wird. Diese natürliche Verteidigungsstruktur machte Novo mesto, das rund 60 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Ljubljana liegt, schon im Mittelalter zu einem strategisch wichtigen Ort. Gegründet wurde die Stadt im Jahre 1365 von Rudolf IV. von Habsburg, der ihr den Namen „Rudolfswerth“ gab. Heute ist von dieser Bezeichnung kaum mehr etwas zu hören, doch die habsburgische Vergangenheit hat ihre Spuren hinterlassen – in der Architektur ebenso wie im kulturellen Selbstverständnis.
Altstadt mit Charakter statt Kulisse

Das historische Zentrum der 24.000-Seelen-Gemeinde besticht durch Kopfsteinpflaster, kleine Plätze, verwinkelte Gassen – nichts wirkt geschniegelt oder überkandidelt. Der Kapitel-Dom des Heiligen Nikolaus, dessen Bau im 15. Jahrhundert begann, thront leicht erhöht über der Stadt und ist mit ihren Deckenmalereien so etwas wie der visuelle Ankerpunkt. Nur wenige Schritte entfernt liegt das ehemalige Franziskanerkloster. Derweil erzählt das Dolenjski-Museum von einer Region, die seit der Bronzezeit besiedelt ist. Archäologische Funde belegen, dass Novo mesto einst ein bedeutendes Zentrum der Hallstattkultur war, was der Stadt den Beinamen „Stadt der Situlen“ eingebracht hat.

Das auf einem Hügel gelegene Schloss Grm, das größte Herrenhaus in Novo mesto, besticht im Inneren mit beeindruckenden Fresken und Stuckarbeiten aus dem 17. Jahrhundert. Auch kulinarisch bleibt Novo mesto seiner Linie treu. Keine überinszenierten Konzepte, keine komplizierten Menüs, sondern ehrliche Küche mit guten Zutaten. Klassiker der slowenischen Küche wie „štruklji“, gefüllte Teigrollen, oder „kranjska klobasa“, eine herzhafte Wurst, tauchen immer wieder auf, oft modern interpretiert.
Reben- und aussichtsreich

Rund um die Stadt reihen sich Hügel aneinander, überzogen mit Weinreben, dazwischen kleine Wege und verstreute Häuschen. Hier entsteht der für die Region Dolenjska bekannte Cviček, ein Wein, der sich bewusst gegen Perfektion entscheidet. Leicht, frisch, ein bisschen eigenwillig. Eine Mischung aus roten und weißen Trauben, die nicht jedem sofort gefällt. Zwischen den Weinstöcken finden sich die typischen „zidanice“, kleine Häuser, die früher als Lager- und Arbeitsräume der Winzer dienten, heute aber zumeist als Ferienunterkünfte genutzt werden.

Und Novo mesto kann mit noch einer Besonderheiten aufwarten: Rund acht Kilometer vor den Toren der Stadt duckt sich auf einer Flussinsel zwischen mächtigen Bäumen mit Grad Otočec das einzige Wasserschloss Sloweniens. Das mittelalterliche Ensemble ist heute ein 5-Sterne-Hotel mit grandioser Küche. Von den kleinen Rundtürmen an den Flanken des Gemäuers könnte Rapunzel ihr Haar herablassen. Eigentlich fehlen nur das Klappern der Hufe und der Prinz auf seinem weißen Pferd, um die Märchenkulisse perfekt zu machen. Weitere Informationen unter visitnovomesto.si und www.visitdolenjska.eu.

Die Recherche fand auf Einladung / mit Unterstützung des Slowenischen Fremdenverkehrsamtes sowie von uschi liebl pr statt, ohne Einfluss auf die journalistische Ausarbeitung zu nehmen.
Karsten-Thilo Raab
berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten für eine Vielzahl von Zeitungen und Magazinen über Reiseziele weltweit. Zudem hat er sich einen Namen als Autor von mehr als 120 Reise-, Wander- und Radführern sowie Bildbänden gemacht.