
Liebe Hoteliers und werte Betreiber von Übernachtungsbetrieben aller Art, entschuldigt bitte die Frage, aber was ist nur mit euch los? Denkt ihr, die Menschen, die eine Nacht oder sogar mehrere Nächte in eurem Hause verbringen, haben kollektiv ihren Geschmackssinn verloren? Denkt ihr, der gemeine Gast kann eine Hühnerfrucht nicht von synthetischer Pampe unterscheiden?
Das, was ihr als vermeintliches Rührei vorsetzt, ist nichts als labberige, zumeist blassgelbe Schlotze ohne jeglichen Eigengeschmack. Wenn ihr schon für ein bereitgestelltes oder serviertes Frühstück Champagnerpreise aufruft, ohne selbigen überhaupt auszuschenken, dann sollten es doch wenigstens ein echtes Ei oder zwei sein. Stattdessen gibt es völlig geschmacksneutrales Tüten-Ei, das mit Ei so viel zu tun hat, wie Bierwurst mit einem frisch gezapften Gerstensaft.
Kosten optimieren, Gewinn maximieren

Ist es zu viel verlangt, bei Frühstückspreisen, die je nach Kategorie des Beherbergungsbetriebs, gerne zwischen 15 und 45 Euro pro Person liegen, dass ein ordentliches, frisches Ei aufgetischt wird? Denn auch die meist zusätzlich angebotenen hartgekochten Eier entsprechen nur höchst selten den Vorstellungen der Gäste. In der Regel sind diese schlecht bis gar nicht abgeschreckt und oft winzig klein. Sie gemahnen von der Größe eher an die Leibesfrucht von Perlhühnern.
Was ist daran so schwer, dem Gast ein vernünftig gebratenes Spiegelei in der jeweils gewünschten Konsistenz zu offerieren oder auch eine Rührei, das tatsächlich frisch in die Pfanne geschlagen wird. Ich weiß, dass ihr, werte Hoteliers und Betreiber von Beherbergungsbetrieben, die Kosten optimieren und gleichzeitig den Gewinn maximieren wollt, aber doch bitte nicht beim Frühstück auf so erbärmliche Art versuchen, zu sparen.
Bittere Frühstücksrealität

Das Schlimmste daran, ist die Tatsache, dass diese Unsitte mit dem Tüten-Ei und den schlecht gekochten harten Eiern mittlerweile flächendeckend nahezu alle Hotels und Übernachtungsbetriebe erfasst hat. Egal, wo man nächtigt, nahezu überall ist dieses Ei-Dilemma bittere Frühstücksrealität. Fakt ist, dass die geschmackslose, labberige Pampe aus der Tüte, die als Ei angerührt und präsentiert wird, noch nicht einmal als Ersatz für Bauschaum herhalten kann, weil leider häufig auch noch die Konsistenz an eine leicht zähflüssige Suppe erinnert. Wenn ihr schon auf die Billigvariante setzt, dann seid doch bitte so gut, und erhitzt den schäbigen Ei-Ersatz so, dass er nicht mehr halbflüssig ist.
Und ganz ehrlich, wenn ihr schon überwiegend Analog-Käse und Analog-Wurst auftischt, warum muss es dann auch noch ein billiges Ei-Imitat sein? Zugegeben, in den meisten Tüten, die ihr anrührt, ist in dem Pulver zumindest rudimentär etwas Ei drin. Hinzu kommen in der Regel etwas Sahne, ein wenig Milchpulver und so wunderbare Zutaten wie modifizierte Stärke, Hefeextrakt, Zitronensäure, der Konservierungsstoff E 234 sowie Maltodextrin. Hinter Letzterem verbirgt sich ein Kohlenhydratgemisch aus Mais, Weizen und Kartoffeln, das über einen so genannten hohen glykämischen Index verfügt, was bedeutet, dass es einen Anstieg des Blutzuckerspiegels verursachen kann.
Tüten-Ei historisch betrachtet

Üblicherweise wird das Eipulver zudem mit der dreifachen Menge an Wasser aufgeschlagen. So gesehen erhält der geneigte Gast etwas Nahrhaftes und gleich reichlich Flüssigkeit dazu. Vor allem, wenn die Sparfuchs-Hoteliers in ihren Küchen den Wasseranteil erhöhen, was wohl die merkwürdige Konsistenz erklärt.
Erstmals wurde das Eipulver übrigens im Zweiten Weltkrieg in riesigen Mengen produziert, um die tapferen Soldaten an der Front zu verpflegen. Angeblich, weil frische Eier nicht an die Einsatzgebiete geliefert werden konnten. Auch während der Berlin-Blockade in den Jahren 1948 und 1949 war Trockenei zusammen mit Kaffeepulver ein ganz wichtiger Bestandteil in der Nahrungsmittelversorgung.
Streik im eierlegenden Gewerbe

Vermutlich argumentiert ihr, werte Betreiber von Übernachtungsbetrieben, nun ähnlich. Das Eipulver wird von euch lediglich verwendet, um Engpässe in der Gästeversorgung zu vermeiden, da der Nachschub an Eier nicht immer sichergestellt werden kann. Zudem werdet ihr anführen, dass es etwas mit der Logistik für euren Betrieb zu tun hat. Schließlich weiß jede Hausfrau (und jeder Hausmann), dass es nicht immer leicht ist eine große Zahl an Gästen gleichzeitig abspeisen zu wollen.
Aber mal Hand auf die Eierschale, wie groß ist die Ersparnis beim Verzicht auf frische Hühnerfrüchte? Ist es nicht vielleicht wichtiger, den Gast mit etwas mehr Qualität und Frische zu verwöhnen oder geht ihr ohnehin davon aus, die meisten Gäste nie wiederzusehen? Was kann daran so schwierig sein, statt auf Tüten-Ei auf frische Eier zu setzen? Gibt es etwa einen globalen Streik im eierlegenden Gewerbe? Oder reicht weltweit die Zahl an Hühnern nicht aus, um den Bedarf an Frühstückseiern in der Hotellerie zu decken?

Fakt ist, wer Tüten-Ei reserviert, der faltet auch die Spitzen der Toilettenpapierrolle. Dies ist zwar ein ganz anderes Thema, gehört aber ebenfalls zudem, was die allermeisten Gäste absolut nicht wollen. Ebenso wie ein mit Wasser angerührtes Ei aus der Tüte!
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Buchtipp: Amüsantes für Genussmenschen
Realität ist der Zustand, der aus Mangel an Alkohol entsteht, lehrt eine irische Trinkweisheit. Frei übersetzt bedeutet dies wohl, dass das Leben – nüchtern betrachtet – nur besoffen zu ertragen sei. Aber wir wollen die Vorliebe zum Alkohol nicht bewerten. Das muss ein jeder mit sich und seiner Leber alleine ausmachen. Gleichwohl kommt es immer wieder vor, dass der eine oder andere mal einen über den Durst trinkt. Dies bleibt zumeist ohne Folgen. Sieht man einmal von der Tatsache ab, dass sich so mancher in solchen Fällen den zuvor konsumierten Alkohol noch einmal durch den Kopf gehen lässt und dass das Bett mit einem Karussell zu fahren scheint.
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Karsten-Thilo Raab
berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten für eine Vielzahl von Zeitungen und Magazinen über Reiseziele weltweit. Zudem hat er sich einen Namen als Autor von mehr als 120 Reise-, Wander- und Radführern sowie Bildbänden gemacht.
