Kurven, Chrom und Reben im Douro-Tal

Douro
Eine Oldtimer-Tour durch das Douro-Tal ist eine Liebeserklärung an die Mechanik, die Landschaft und den Genuss. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Ein Strom, der Geschichten erzählt, Straßen, die sich wie Seidenbänder durch die Hügel legen, und Motoren, die klingen wie Erinnerungen: Eine Fahrt im Oldtimer durch das Douro-Tal wird zur Zeitreise in ein Portugal, das zugleich wild, weich und wunderbar entschleunigt ist.

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Der Douro ist über weite Strecken der Begleiter der Oldtimer-Touren. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Die Sonne brennt erbarmungslos auf den glänzenden Lack des 70 Jahre alten MGA, während sich das schmale Asphaltband in schier endlosen Windungen am Ufer des Douro entlangfrisst. Es ist eine Landschaft, die aussieht, als hätte ein Riese sie aus Schiefer und Granit geformt. Hier, im ältesten abgegrenzten Weinbaugebiet der Welt, ist der Rhythmus der Zeit ein anderer, langsamerer, der perfekt zur mechanischen Direktheit eines Oldtimers passt. Wenn der Motor im Leerlauf zufrieden vor sich hin brabbelt und der Duft von Benzin sich mit dem Aroma von Pinien und reifen Trauben vermischt, wird die Fahrt durch Nordportugal zu einer sinnlichen Zeitreise, bei der der Weg das eigentliche Ziel darstellt.

Das Erwachen der Täler

Der Morgen beginnt am mondänen Palácio do Freixo in Porto, wo der Nebel noch schwer über dem Fluss liegt und die monumentalen Stahlkonstruktionen der Brücken wie versteinerte Skelette in den Himmel ragen. Die Oldtimer, liebevoll gepflegt, poliert und mit einer Aura aus Geschichte und Geschichten versehen, wirken wie Botschafter einer Ära, in der Geschwindigkeit noch kein Selbstzweck war. Die Reifen der historischen Fahrzeuge rollen mit einem charakteristischen Surren über das alte Kopfsteinpflaster, während die Stadt langsam erwacht. Es ist der Aufbruch in eine Welt, die sich flussaufwärts immer weiter von der Hektik der Moderne entfernt.

Startpunkt der Oldtimer-Touren ist am Palácio do Freixo in Porto. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Sobald die Vororte von Porto hinter einem liegen, öffnet sich der Vorhang für ein Panorama, das von der UNESCO nicht ohne Grund zum Weltnaturerbe erklärt wurde. Die Straße N108 führt zunächst durch schattige Wälder, bevor sie den Blick auf das blaue Band des Douro freigibt, das tief unten im Tal glitzert.

Liebeserklärung an die Mechanik

Nicht von ungefähr stehen weite Teile des Douro-Tals als Weltnaturerbe unter dem Schutz der UNESCO. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Das Fahren eines Klassikers erfordert hier volle Aufmerksamkeit, denn die Streckenführung gleicht einer Hommage an die Kunst des Kurvenbaus. Jede Biegung offenbart ein neues Tableau aus Weinterrassen, die oft so steil abfallen, dass man sich fragt, wie die Winzer dort überhaupt Fuß fassen können. Die Lenkung eines alten Wagens ohne Servounterstützung verlangt nach kräftigem Zupacken, doch genau diese physische Verbindung zum Fahrzeug macht den Reiz aus.

Der Faszination für die Weinregion im Norden Portugals kann sich wohl kaum jemand entziehen. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Man spürt jede Unebenheit, jede Veränderung des Straßenbelags und die Fliehkräfte in den Kehren auf eine Weise, die in modernen Autos längst verloren gegangen ist. Es ist eine ehrliche Arbeit am Steuer und an der Bremse, die ohne Bremskraftverstärker auskommt, belohnt durch Ausblicke, die jedem Postkartenidyll Konkurrenz machen.

Goldener Wein und grauer Schiefer

Eine Besonderheit im Douro-Tal ist die Brücke von Gustave Eiffel in Pinhão. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Hinter Peso da Régua, dem logistischen Herzstück des Weinhandels, beginnt der vielleicht spektakulärste Abschnitt der Reise. Die N222, die nicht von ungefähr oft als eine der schönsten Straßen der Welt gepriesen wird, schmiegt sich eng an das Flussufer. Hier ist der Asphalt glatter, die Kurvenradien sind harmonischer, und das Licht bricht sich in den gläsernen Fassaden der großen Quintas, jener traditionsreichen Weingüter, die wie Festungen über dem Tal thronen. In den offenen Cabrios weht der Wind die Wärme des Schieferbodens ins Innere; ein Boden, der tagsüber die Hitze speichert und nachts an die Reben abgibt, was dem Portwein seine unvergleichliche Tiefe verleiht.

Der Bahnhof in Pinhão ist mit prächtigen Fliesenbildern verziert. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Passiert werden malerische Fleckchen wie Pinhão, dessen Bahnhof mit den berühmten blau-weißen Azulejos die Geschichte der Weinlese erzählt. Es ist ein Ort des Innehaltens, an dem man den Motor zur Ruhe kommen lässt und die Stille genießt, die nur vom fernen Tuckern eines Rabelo-Bootes unterbrochen wird. Diese traditionellen Schiffe, die früher die Weinfässer nach Porto transportierten, wirken aus der Ferne wie Spielzeuge in der gewaltigen Kulisse.

Portugiesische Adelsarchitektur

Mateus ist ein prachtvolles, barockes Herrenhaus. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Mateus präsentiert sich unterdessen als ein sorgfältig gepflegtes Kulturerbe, dessen Bedeutung weit über das ikonische Etikett des gleichnamigen Roséweins hinausreicht. Das barocke Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert, offiziell als Casa de Mateus bekannt, gilt als eines der eindrucksvollsten Beispiele portugiesischer Adelsarchitektur und wird bis heute von der Familie Sousa Botelho verwaltet.

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Liebevoll angelegt sind die Gärten am Casa de Mateus. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Hinter der ornamentreichen Fassade erstreckt sich eine Gartenanlage, die nach historischen Plänen rekonstruiert wurde und mit ihren Wasserbecken, Alleen und Buchsbaumstrukturen einen seltenen Einblick in die Gartenkultur jener Epoche bietet.

Die Einsamkeit der Hochebene

Die N222 gilt als eine der schönsten Straßen der Welt. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Je weiter man nach Osten vordringt, desto karger und wilder wird die Szenerie. Hinter Porto Antigo verlässt die Straße oft das unmittelbare Flussufer und schraubt sich in Höhenlagen hinauf. Hier oben, wo der Wind kräftiger weht und die Zivilisation dünner besiedelt ist, zeigen die alten Maschinen ihre wahre Ausdauer.

Immer wieder eröffnen sich famose Blicke auf das Douro-Tal. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Die Steigungen sind lang und fordernd, die Kühlergrills fangen die kühle Brise ein. Die Vegetation wechselt von den akkuraten Weinstöcken zu knorrigen Olivenbäumen und weiten Korkeichenwäldern. Es ist eine raue Schönheit, die einen Demut lehrt vor der Leistung derer, die diese Region urbar gemacht haben.

Natürlich lässt sich das Tal auch auf dem Wasserweg erkunden. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

In der Mittagshitze flimmert die Luft über dem Asphalt, und das Chrom der Stoßstangen spiegelt das gleißende Licht der portugiesischen Sonne wider. Es gibt kaum etwas Erhabeneres, als in einem historischen Automobil durch diese fast menschenleeren Weiten zu gleiten und dabei dem mechanischen Orchester aus Getriebeheulen und Auspuffklang zu lauschen.

Nostalgie und Beschaulichkeit

Auch das Kloster de Santo André de Ancede e Capela do Bom gehört zu den Anlaufpunkten. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Jedes Dorf, das man durchquert, wirkt wie aus der Zeit gefallen; alte Männer sitzen auf Holzbänken im Schatten der Kirchenmauern und verfolgen mit neugierigen Blicken die vorbeiziehende Mini-Karawane aus einer längst vergangenen Ära des Automobilbaus. Es ist kein aufdringliches Staunen, sondern ein stilles Anerkennen. Die Menschen hier wissen, was Tradition bedeutet, und sie erkennen sie, wenn sie vorbeifährt.

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Landschaftlich ist das Douro-Tal ein Traum. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Die Begegnungen sind leise, aber herzlich. Ein Winzer, der am Straßenrand steht und den vorbeiziehenden Wagen nachblickt. Eine ältere Frau, die ein Tuch schwenkt, als wolle sie den Reisenden gute Fahrt wünschen. Kinder, die mit großen Augen den glänzenden Chrom bestaunen.

Ein Fest für die Sinne

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Abschnitte mit Kopfsteinpflaster machen die Tour bisweilen zur vergnüglichen Rüttelpartie. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Die kulinarische Begleitung einer solchen Reise ist ebenso wichtig wie der Reifendruck. Die Gastfreundschaft in den Quintas ist legendär, und oft wird man eingeladen, die Fahrzeuge im Innenhof abzustellen, wo sie zwischen alten Fässern und blühenden Bougainvillea wie Skulpturen wirken. Ein Glas gekühlter White Port als Aperitif, dazu lokaler Käse und frisch gebackenes Brot.

Naturgemäß spielt das Thema Wein im Douro-Tal eine bedeutende Rolle. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Die Winzer erzählen von Traditionen, die über Jahrhunderte weitergegeben wurden, und von einer Landschaft, die nicht nur Arbeit, sondern auch Hingabe verlangt. Die Gespräche drehen sich aber auch um Zündzeitpunkte und Vergaserabstimmungen, aber immer öfter schweift der Blick ab zu den schimmernden Wellen des Douro, der träge dem Atlantik entgegenfließt.

Abschied im Takt des Motors

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Zu den magischen Plätzen gehört auch die Quinta da Roêda. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Wenn sich der Tag dem Ende neigt und die Schatten der Berge länger werden, taucht die untergehende Sonne das gesamte Tal in ein tiefes, glühendes Orange. Das Gold des Flusses harmoniert nun perfekt mit den Bernsteinfarben im Glas und dem warmen Leder der Sitze. Die Rückfahrt im Dämmerlicht, wenn die Scheinwerferkegel schwach die Kurven ausleuchten und die Luft spürbar abkühlt, gehört zu den intensivsten Erlebnissen.

Zwischenstopp am Ufer des Douro in Porto Antigo. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Der Motor scheint in der kühleren Abendluft befreiter zu atmen, und das sanfte Schnurren begleitet einen zurück in Richtung Küste. Es bleibt die Erkenntnis, dass es kaum eine stilvollere Art gibt, das Erbe des Douro-Tals zu erkunden, als im Takt eines mechanischen Herzens, das ebenso unverwüstlich ist wie die Mauern der Weinterrassen selbst.

Wissenswerte zu Oldtimer-Touren im Douro-Tal

Der Flughafen von Porto ist bestens an den Westen Europas angebunden. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Allgemeine Informationen: www.visitportugal.com

Anreise: Lufthansa, Austria, Suisse und Ryanair bieten von fast allen größeren Flughäfen Direktflüge nach Porto an.

Valeska und Matthias Haux vermitteln ihre Liebe zu Oldtimern und zu Portugal. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Informationen und Buchungen: Vintage Tours, Lena-Christ-Weg 13, 87439 Kempten, Telefon 0049-1705746502, info@vintage-tours.com, www.vintage-tours.com. Die Eheleute Valeska und Matthias Haux organisieren und begleiten die Oldtimer-Touren mit maximal zehn Teilnehmern und fünf historischen Fahrzeugen.

Die gemütliche Landpartie im MGA führt durch ursprüngliche Dörfer. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Das Douro-Tal wird im April, Mai und September angesteuert. Fünf-Tages-Touren inklusive Vollpension und Unterbringung in hochwertigen Hotels beginnen bei 3.350 Euro. Daneben bietet Vintage Tours u. a. auch Touren ins Alentejo an.

Podcast: Ein aktueller Podcast mit Valeska Haux zu den Oldtimer-Touren im Douro-Tal kann auf YouTube oder Spotify kostenfrei abgerufen werden.

Nachhaltigkeit: Die CO2-Emissionen, die die Oldtimer auf den Reisen generieren, kompensiert Vintage Tours durch die Unterstützung eines Aufforstungsprogramms von myreforst. So wird für jedes Fahrzeug, das an einer Vintage Tour teilnimmt, ein Baum gepflanzt.

Käse- und Wurstplatte im Restaurant Foz do Távora. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Essen & Trinken: Foz do Távora Bar, EN222 Adorigo, 5120-012 Tabuaço, Portugal, https://quintadopego.com. Kleines Restaurant und Bar direkt am Ufer des Douro. Angeboten werden Salate, Queijos (Käse), Enchidos (Wurstspezialitäten) sowie Snacks.

Das Forte de Gaia liegt nur einen Steinwurf von den Portwein-Kellereien in Vila Nova de Gaia entfernt. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Übernachten: Forte de Gaia, Autograph Collection, Rua de Serpa Pinto 60, 4400-307 Vila Nova de Gaia, Portugal, Telefon: 00351-220157540, www.marriott.com. Neues Fünf-Sterne-Hotel mit Blick auf die Altstadt von Porto und den Douro.

Gepflegtes Haus am Douro: Das Douro Hotel Porto Antigo. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Douro Hotel Porto Antigo, Rua de Cais 675, Porto Antigo, Cinfães, 4690-42 Oiliviera do Douro, Telefon 00351-255560150, www.dourohotelportoantigo.com. Das moderne Vier-Sterne-Haus mit Außenpool liegt direkt am Ufer des Douro. Die Zimmer sind zweckmäßig ohne jeden Schnickschnack eingerichtet.

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Topadresse in Pinhão: Das Vintage House Hotel. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Vintage House Hotel, Rua António Manuel Saralva, 5085-034 Pinhão, www.vintagehousehotel.com. Das Fünf-Sterne-Haus, bekannt für seine exzellente Küche, liegt direkt am Ufer des Douro mit Blick auf die Weinberge und die berühmte Eiffel-Brücke.

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Mit bis zu fünf Oldtimer werden die Touren durch das Douro-Tal angeboten. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Die Recherche fand – ohne Einfluss auf die journalistische Ausarbeitung – auf Einladung / mit Unterstützung von Vintage Tours statt.

Karsten-Thilo Raab

berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten für eine Vielzahl von Zeitungen und Magazinen über Reiseziele weltweit. Zudem hat er sich einen Namen als Autor von mehr als 120 Reise-, Wander- und Radführern sowie Bildbänden gemacht.