
Ein Strom, der Geschichten erzählt, Straßen, die sich wie Seidenbänder durch die Hügel legen, und Motoren, die klingen wie Erinnerungen: Eine Fahrt im Oldtimer durch das Douro-Tal wird zur Zeitreise in ein Portugal, das zugleich wild, weich und wunderbar entschleunigt ist.

Die Sonne brennt erbarmungslos auf den glänzenden Lack des 70 Jahre alten MGA, während sich das schmale Asphaltband in schier endlosen Windungen am Ufer des Douro entlangfrisst. Es ist eine Landschaft, die aussieht, als hätte ein Riese sie aus Schiefer und Granit geformt. Hier, im ältesten abgegrenzten Weinbaugebiet der Welt, ist der Rhythmus der Zeit ein anderer, langsamerer, der perfekt zur mechanischen Direktheit eines Oldtimers passt. Wenn der Motor im Leerlauf zufrieden vor sich hin brabbelt und der Duft von Benzin sich mit dem Aroma von Pinien und reifen Trauben vermischt, wird die Fahrt durch Nordportugal zu einer sinnlichen Zeitreise, bei der der Weg das eigentliche Ziel darstellt.
Das Erwachen der Täler
Der Morgen beginnt am mondänen Palácio do Freixo in Porto, wo der Nebel noch schwer über dem Fluss liegt und die monumentalen Stahlkonstruktionen der Brücken wie versteinerte Skelette in den Himmel ragen. Die Oldtimer, liebevoll gepflegt, poliert und mit einer Aura aus Geschichte und Geschichten versehen, wirken wie Botschafter einer Ära, in der Geschwindigkeit noch kein Selbstzweck war. Die Reifen der historischen Fahrzeuge rollen mit einem charakteristischen Surren über das alte Kopfsteinpflaster, während die Stadt langsam erwacht. Es ist der Aufbruch in eine Welt, die sich flussaufwärts immer weiter von der Hektik der Moderne entfernt.

Sobald die Vororte von Porto hinter einem liegen, öffnet sich der Vorhang für ein Panorama, das von der UNESCO nicht ohne Grund zum Weltnaturerbe erklärt wurde. Die Straße N108 führt zunächst durch schattige Wälder, bevor sie den Blick auf das blaue Band des Douro freigibt, das tief unten im Tal glitzert.
Liebeserklärung an die Mechanik

Das Fahren eines Klassikers erfordert hier volle Aufmerksamkeit, denn die Streckenführung gleicht einer Hommage an die Kunst des Kurvenbaus. Jede Biegung offenbart ein neues Tableau aus Weinterrassen, die oft so steil abfallen, dass man sich fragt, wie die Winzer dort überhaupt Fuß fassen können. Die Lenkung eines alten Wagens ohne Servounterstützung verlangt nach kräftigem Zupacken, doch genau diese physische Verbindung zum Fahrzeug macht den Reiz aus.

Man spürt jede Unebenheit, jede Veränderung des Straßenbelags und die Fliehkräfte in den Kehren auf eine Weise, die in modernen Autos längst verloren gegangen ist. Es ist eine ehrliche Arbeit am Steuer und an der Bremse, die ohne Bremskraftverstärker auskommt, belohnt durch Ausblicke, die jedem Postkartenidyll Konkurrenz machen.
Goldener Wein und grauer Schiefer

Hinter Peso da Régua, dem logistischen Herzstück des Weinhandels, beginnt der vielleicht spektakulärste Abschnitt der Reise. Die N222, die nicht von ungefähr oft als eine der schönsten Straßen der Welt gepriesen wird, schmiegt sich eng an das Flussufer. Hier ist der Asphalt glatter, die Kurvenradien sind harmonischer, und das Licht bricht sich in den gläsernen Fassaden der großen Quintas, jener traditionsreichen Weingüter, die wie Festungen über dem Tal thronen. In den offenen Cabrios weht der Wind die Wärme des Schieferbodens ins Innere; ein Boden, der tagsüber die Hitze speichert und nachts an die Reben abgibt, was dem Portwein seine unvergleichliche Tiefe verleiht.

Passiert werden malerische Fleckchen wie Pinhão, dessen Bahnhof mit den berühmten blau-weißen Azulejos die Geschichte der Weinlese erzählt. Es ist ein Ort des Innehaltens, an dem man den Motor zur Ruhe kommen lässt und die Stille genießt, die nur vom fernen Tuckern eines Rabelo-Bootes unterbrochen wird. Diese traditionellen Schiffe, die früher die Weinfässer nach Porto transportierten, wirken aus der Ferne wie Spielzeuge in der gewaltigen Kulisse.
Portugiesische Adelsarchitektur

Mateus präsentiert sich unterdessen als ein sorgfältig gepflegtes Kulturerbe, dessen Bedeutung weit über das ikonische Etikett des gleichnamigen Roséweins hinausreicht. Das barocke Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert, offiziell als Casa de Mateus bekannt, gilt als eines der eindrucksvollsten Beispiele portugiesischer Adelsarchitektur und wird bis heute von der Familie Sousa Botelho verwaltet.

Hinter der ornamentreichen Fassade erstreckt sich eine Gartenanlage, die nach historischen Plänen rekonstruiert wurde und mit ihren Wasserbecken, Alleen und Buchsbaumstrukturen einen seltenen Einblick in die Gartenkultur jener Epoche bietet.
Die Einsamkeit der Hochebene

Je weiter man nach Osten vordringt, desto karger und wilder wird die Szenerie. Hinter Porto Antigo verlässt die Straße oft das unmittelbare Flussufer und schraubt sich in Höhenlagen hinauf. Hier oben, wo der Wind kräftiger weht und die Zivilisation dünner besiedelt ist, zeigen die alten Maschinen ihre wahre Ausdauer.

Die Steigungen sind lang und fordernd, die Kühlergrills fangen die kühle Brise ein. Die Vegetation wechselt von den akkuraten Weinstöcken zu knorrigen Olivenbäumen und weiten Korkeichenwäldern. Es ist eine raue Schönheit, die einen Demut lehrt vor der Leistung derer, die diese Region urbar gemacht haben.

In der Mittagshitze flimmert die Luft über dem Asphalt, und das Chrom der Stoßstangen spiegelt das gleißende Licht der portugiesischen Sonne wider. Es gibt kaum etwas Erhabeneres, als in einem historischen Automobil durch diese fast menschenleeren Weiten zu gleiten und dabei dem mechanischen Orchester aus Getriebeheulen und Auspuffklang zu lauschen.
Nostalgie und Beschaulichkeit

Jedes Dorf, das man durchquert, wirkt wie aus der Zeit gefallen; alte Männer sitzen auf Holzbänken im Schatten der Kirchenmauern und verfolgen mit neugierigen Blicken die vorbeiziehende Mini-Karawane aus einer längst vergangenen Ära des Automobilbaus. Es ist kein aufdringliches Staunen, sondern ein stilles Anerkennen. Die Menschen hier wissen, was Tradition bedeutet, und sie erkennen sie, wenn sie vorbeifährt.

Die Begegnungen sind leise, aber herzlich. Ein Winzer, der am Straßenrand steht und den vorbeiziehenden Wagen nachblickt. Eine ältere Frau, die ein Tuch schwenkt, als wolle sie den Reisenden gute Fahrt wünschen. Kinder, die mit großen Augen den glänzenden Chrom bestaunen.
Ein Fest für die Sinne

Die kulinarische Begleitung einer solchen Reise ist ebenso wichtig wie der Reifendruck. Die Gastfreundschaft in den Quintas ist legendär, und oft wird man eingeladen, die Fahrzeuge im Innenhof abzustellen, wo sie zwischen alten Fässern und blühenden Bougainvillea wie Skulpturen wirken. Ein Glas gekühlter White Port als Aperitif, dazu lokaler Käse und frisch gebackenes Brot.

Die Winzer erzählen von Traditionen, die über Jahrhunderte weitergegeben wurden, und von einer Landschaft, die nicht nur Arbeit, sondern auch Hingabe verlangt. Die Gespräche drehen sich aber auch um Zündzeitpunkte und Vergaserabstimmungen, aber immer öfter schweift der Blick ab zu den schimmernden Wellen des Douro, der träge dem Atlantik entgegenfließt.
Abschied im Takt des Motors

Wenn sich der Tag dem Ende neigt und die Schatten der Berge länger werden, taucht die untergehende Sonne das gesamte Tal in ein tiefes, glühendes Orange. Das Gold des Flusses harmoniert nun perfekt mit den Bernsteinfarben im Glas und dem warmen Leder der Sitze. Die Rückfahrt im Dämmerlicht, wenn die Scheinwerferkegel schwach die Kurven ausleuchten und die Luft spürbar abkühlt, gehört zu den intensivsten Erlebnissen.

Der Motor scheint in der kühleren Abendluft befreiter zu atmen, und das sanfte Schnurren begleitet einen zurück in Richtung Küste. Es bleibt die Erkenntnis, dass es kaum eine stilvollere Art gibt, das Erbe des Douro-Tals zu erkunden, als im Takt eines mechanischen Herzens, das ebenso unverwüstlich ist wie die Mauern der Weinterrassen selbst.
Wissenswerte zu Oldtimer-Touren im Douro-Tal

Allgemeine Informationen: www.visitportugal.com
Anreise: Lufthansa, Austria, Suisse und Ryanair bieten von fast allen größeren Flughäfen Direktflüge nach Porto an.

Informationen und Buchungen: Vintage Tours, Lena-Christ-Weg 13, 87439 Kempten, Telefon 0049-1705746502, info@vintage-tours.com, www.vintage-tours.com. Die Eheleute Valeska und Matthias Haux organisieren und begleiten die Oldtimer-Touren mit maximal zehn Teilnehmern und fünf historischen Fahrzeugen.

Das Douro-Tal wird im April, Mai und September angesteuert. Fünf-Tages-Touren inklusive Vollpension und Unterbringung in hochwertigen Hotels beginnen bei 3.350 Euro. Daneben bietet Vintage Tours u. a. auch Touren ins Alentejo an.
Podcast: Ein aktueller Podcast mit Valeska Haux zu den Oldtimer-Touren im Douro-Tal kann auf YouTube oder Spotify kostenfrei abgerufen werden.
Nachhaltigkeit: Die CO2-Emissionen, die die Oldtimer auf den Reisen generieren, kompensiert Vintage Tours durch die Unterstützung eines Aufforstungsprogramms von myreforst. So wird für jedes Fahrzeug, das an einer Vintage Tour teilnimmt, ein Baum gepflanzt.

Essen & Trinken: Foz do Távora Bar, EN222 Adorigo, 5120-012 Tabuaço, Portugal, https://quintadopego.com. Kleines Restaurant und Bar direkt am Ufer des Douro. Angeboten werden Salate, Queijos (Käse), Enchidos (Wurstspezialitäten) sowie Snacks.

Übernachten: Forte de Gaia, Autograph Collection, Rua de Serpa Pinto 60, 4400-307 Vila Nova de Gaia, Portugal, Telefon: 00351-220157540, www.marriott.com. Neues Fünf-Sterne-Hotel mit Blick auf die Altstadt von Porto und den Douro.

Douro Hotel Porto Antigo, Rua de Cais 675, Porto Antigo, Cinfães, 4690-42 Oiliviera do Douro, Telefon 00351-255560150, www.dourohotelportoantigo.com. Das moderne Vier-Sterne-Haus mit Außenpool liegt direkt am Ufer des Douro. Die Zimmer sind zweckmäßig ohne jeden Schnickschnack eingerichtet.

Vintage House Hotel, Rua António Manuel Saralva, 5085-034 Pinhão, www.vintagehousehotel.com. Das Fünf-Sterne-Haus, bekannt für seine exzellente Küche, liegt direkt am Ufer des Douro mit Blick auf die Weinberge und die berühmte Eiffel-Brücke.

Die Recherche fand – ohne Einfluss auf die journalistische Ausarbeitung – auf Einladung / mit Unterstützung von Vintage Tours statt.
Karsten-Thilo Raab
berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten für eine Vielzahl von Zeitungen und Magazinen über Reiseziele weltweit. Zudem hat er sich einen Namen als Autor von mehr als 120 Reise-, Wander- und Radführern sowie Bildbänden gemacht.
