Bierkultur in Oberbayern neu entdecken

Oberbayern
Gelebte Tradition in Oberbayern – die bayerische Bierkultur. – Foto: Oberbayern / Peter von Felbert

Die Bierkultur in Oberbayern präsentiert sich heute als dynamisches Zusammenspiel aus Tradition und Innovation. Zwischen Hopfengärten, Klosterbrauereien und historischen Bierkellern entsteht ein Bild, das weit über gängige Klischees hinausreicht. Die Region zeigt, wie eng Brauhandwerk, Landschaft und Identität miteinander verwoben sind – und wie mutig neue Generationen diese Kultur weiterentwickeln.

Wo Biergeschichte unter der Erde beginnt

Einblick in die Wasserburger Bierkatakomben. – Foto: Stadt Wasserburg am Inn

Die Wasserburger Bierkatakomben gehören zu den eindrucksvollsten Zeugnissen früher Braukunst. Mehr als 200 Jahre lagerten Brauer hier ihr Bier, lange bevor moderne Kühlung möglich war. Heute führen Rundgänge durch das verzweigte System und machen sichtbar, wie eng Handwerk und Alltag einst miteinander verbunden waren.  Gleichzeitig zeigt die Region, wie lebendig Bierkultur im Hier und Jetzt sein kann: Biergärten am Seeufer, Dorfplätze unter Kastanien und Ausblicke auf die Alpen prägen das Bild. Am Samerberg vermittelt ein Bierlehrpfad entlang des Fluderbachs, wie sich Rohstoffe, Brautechnik und regionale Geschichte zu einem stimmigen Ganzen verbinden.

Das Zentrum des „Grünen Goldes“

Radtouren führen durch Oberbayerns Hopfenland. – Foto: Hopfenland Hallertau

Die Hallertau gilt als das Herzstück bayerischer Bierkultur. Die meterhohen Hopfengärten, die sich über den Landkreis Pfaffenhofen ziehen, prägen nicht nur die Landschaft, sondern auch das Selbstverständnis der Region. Rad- und Wanderwege wie die „Hallertauer Hopfentour“ oder die „Hopfen‑Schleife“ verbinden Naturerlebnis und Brautradition auf eindrucksvolle Weise. 2026 rückt die Hallertau zusätzlich in den Fokus, wenn die Gesellschaft für Hopfenforschung ihr 100‑jähriges Bestehen feiert. Im Hopfenforschungszentrum Hüll entstehen neue Sorten, nachhaltige Anbaumethoden und Impulse für die Zukunft des Bierbrauens – ein Ort, an dem Tradition und Wissenschaft sichtbar ineinandergreifen.

Zwischen Geschichte und Hopfenlandschaft

Hopfenanbau in der Hallertau. – Foto: Hopfenland Hallertau Tourismus / Anton Mirwald

Der Landkreis Freising zeigt, wie eng Bierkultur und Landschaft in Oberbayern miteinander verbunden sind. Der historische Bockerlradweg führt mitten durch das Hopfenland, während die Tour „Zum Ursprung des Bieres“ Freising, Ingolstadt und die Hallertau miteinander verknüpft. Auf dem Weihenstephaner Berg treffen Forschung, Brautechnik und gelebte Tradition aufeinander. Stadtspaziergänge führen vom Domberg bis zu historischen Bierkellern und machen deutlich, warum Freising bis heute zu den bedeutendsten Bierstädten Deutschlands zählt.

Mutig, regional, experimentierfreudig

Birgit Strasser braut mit ihrer Schwester in Altötting. – Foto: Tourismusverband Inn-Salzach

Oberbayerns junge Brauszene zeigt, wie vielfältig Bierkultur heute sein kann. Braumeisterin Barbara Lohmeier von Bräu z’Loh im Landkreis Erding verbindet klassische Ausbildung mit modernen Bierstilen und alkoholfreien Varianten. Ihr Ansatz: Bier als Kulturgut weiterentwickeln, ohne seine handwerklichen Wurzeln zu verlieren. In Graming bei Altötting setzen die Schwestern Birgit und Sabine auf bayerische Rohstoffe und verbinden ihre Weißbierbrauerei mit einem Biergarten, der im Sommer zum Treffpunkt für Einheimische und Gäste wird.

Bier vom „Schlierseer Kindl“. – Foto: Judith Weber

Am Schliersee entwickelte sich das „Schlierseer Kindl“ von ersten Brauversuchen zu einer Marke, die heute Braukurse und regionale Kooperationen umfasst. Und in Garmisch‑Partenkirchen schafft Fee Huber mit ihrer Bar Bieraterie und einem Podcast einen Raum, in dem Austausch, Wissen und Leidenschaft rund ums Bier zusammenkommen.

Ausgezeichnete Bayerische Bierkultur

Bayerische Biere sind im wahrsten Sinne des Wortes ausgezeichnet. – Foto: Münchener Brauereien e.V.

Das Qualitätssiegel „Ausgezeichnete Bayerische Bierkultur“ zeigt, wo Bier nicht nur ausgeschenkt, sondern als Kulturgut gepflegt wird. Die zertifizierten Wirtshäuser stehen für regionale Braukunst, authentische Gastlichkeit und eine Küche, die perfekt auf das Bier abgestimmt ist. Für Reisende bietet das Label eine verlässliche Orientierung – von traditionellen Gasthäusern bis zu modernen Genussadressen.

Klosterbrauereien & regionale Besonderheiten

Mehr erfahren über die Braukunst anno dazumal im Markus Wasmeier Freilichtmuseum. – Foto: Judith Weber

Im Kloster Andechs verbindet sich jahrhundertealte Brautradition mit modernen Ideen – 2026 erstmals mit einer alkoholfreien Apfelweisse und neuen VR‑Brauereiführungen. Und im Markus Wasmeier Freilichtmuseum am Schliersee wird Braukunst erlebbar, während im Pfaffenwinkel Biergartenkultur in ihrer ursprünglichsten Form gepflegt wird: regional, unkompliziert und nah am Menschen. Weitere Informationen unter www.oberbayern.de.

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Buchtipp (nicht nur) für Wein-Liebhaber

Realität ist der Zustand, der aus Mangel an Alkohol entsteht, lehrt eine irische Trinkweisheit. Frei übersetzt bedeutet dies wohl, dass das Leben – nüchtern betrachtet – nur besoffen zu ertragen sei. Aber wir wollen die Vorliebe zum Alkohol nicht bewerten. Das muss ein jeder mit sich und seiner Leber alleine ausmachen. Gleichwohl kommt es immer wieder vor, dass der eine oder andere mal einen über den Durst trinkt. Dies bleibt zumeist ohne Folgen. Sieht man einmal von der Tatsache ab, dass sich so mancher in solchen Fällen den zuvor konsumierten Alkohol noch einmal durch den Kopf gehen lässt und dass das Bett mit einem Karussell zu fahren scheint.

Die Trinkgewohnheiten und -vorlieben vieler Zeitgenossen flossen dann auch in die augenzwinkernde Hommage an alle, die durchaus dem Alkohol nicht völlig abgeschworen haben, ein. So oder so dürfte bei den Geschichten rund um Bier, Wein, Champagner und andere hochgeistige Getränke, die Mortimer-Reisemagazin-Redakteur Karsten-Thilo Raab in seinem neuen Buch unter dem Titel Ich trinke, dann kannst du fahren zusammengetragen hat, kein Auge trocken bleiben.

So erfährt nicht nur der trinkfreudige Leser wie lange die Menschen rund um den Erdball für ein Glas Bier arbeiten müssen, wie viel Bier in den Schnäuzer dieser Welt hängen bleibt und wieso Wein sowohl die Intelligenz fördern können soll als auch vor intensiver Sonneneinstrahlung schützt. Daneben geht es beispielsweise um Kuriositäten wie Bier aus Käse oder Bier für Hunde oder um die Frage, warum auf Kreuzfahrten der Alkoholkonsum deutlich ansteigt.

Erhältlich ist Ich trinke, dann kannst du fahren (ISBN 978-3-7115-2765-3) von Karsten-Thilo Raab ab für 18 Euro sofort im Buchhandel.

Mortimer

Seit dem Jahr 2011 berichtet das Mortimer Reisemagazin tagtäglich in Wort, Bild und teilweise mit Videos aus der Welt des Reisens. Mehr als 8.000 Beiträge über Destinationen aus allen Teilen der Erde stehen für Interessierte mittlerweile kostenfei bereit.