Füssen – das Tor zu den Königsschlössern

Aufwendige Fassadenmalereien sind das Markenzeichen des Hohen Schlosses. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Zwischen märchenhaften Schlössern, glitzernden Seen und alpiner Kulisse vereint Füssen im Allgäu Geschichte, Natur und bayerische Lebensart.

In der Altstadt von Füssen ducken sich zahlreiche prachtvolle Bauten. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Direkt an der Grenze zu Österreich liegt mit Füssen eine der beliebtesten Destinationen des Allgäus. Die historische Altstadt, die weltberühmten Königsschlösser und die zahlreichen Seen der Region sind die Pfunde, mit denen die höchstgelegenste Stadt Bayerns wuchern kann. Enge Gassen, farbenprächtige Bürgerhäuser, kunstvolle Lüftlmalerei und mittelalterliche Gebäude verleihen der 15.000-Seelen-Gemeinde zusammen mit den vielen kleinen Ladenlokalen und traditionellen Gasthäuser einen unverwechselbaren Charakter.

Das Hohe Schloss und seine Schätze

Weithin sichtbar erhebt sich das Hohe Schloss über der Stadt. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Über allem thront das Hohe Schloss. Die einstige Residenz der Augsburger Fürstbischöfe beeindruckt mit illusionistischen Fassadenmalereien, die seit dem 15. Jahrhundert die Architektur optisch erweitern. Heute findet sich hier die Staatsgalerie der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Zu sehen sind hier Tafelbilder und Skulpturen der Spätgotik aus dem schwäbisch-bayerischen und Allgäuer Raum.

Füssen
Vom Fallturm reicht der Blick über die Altstadt bis hin zum Foggensee. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Im Schloss ist zudem die Städtische Galerie untergebracht. Diese konzentriert sich vornehmlich auf Gemälde der „Münchener Schule“ aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Vom frei zugänglichen Fallturm des Hohen Schlosses lässt sich ein wunderbarer Panoramablick auf Füssen, die Altstadt und den Forggensee genießen.

Barocke Pracht im Herzen der Stadt

Blick über den Lech auf das ehemalige Kloster St. Mang. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Direkt unterhalb des Schlosses liegt die Barockanlage des einstigen Benediktinerklosters St. Mang. Seine Geschichte reicht bis zum Auftreten des Heiligen Magnus im 8. Jahrhundert zurück. Neben der barocken Basilika, die in ihrer Ostkrypta ein Fresko aus der Zeit um das Jahr 980 vorweisen kann, ist innerhalb der Klosteranlage das Museum der Stadt Füssen einen Besuch wert. Hier tauchen Besucher in die Welt des bayerischen Barocks ein. Der Fürstensaal, die Klosterbibliothek, das Colloquium und der Kapitelsaal lassen den früheren Wohlstand des Benediktinerstiftes erahnen.

Wertvolle historische Lauten und Geigen bilden einen Schwerpunkt des Museums. Damit erinnert die Sammlung gleichzeitig daran, dass Füssen als Wiege des europäischen Lauten- und Geigenbaus gilt. Im Jahre 1562 gründete sich in der Stadt am Lech die erste Lautenbauerzunft des Kontinents. Zeitweise arbeiteten in der damals 2.000 Einwohner zählenden Stadt bis zu 20 Lautenmachermeister. Und im 18. Jahrhundert waren hier 80 Geigenbauer tätig.

Von der Römerstraße zum Tourismusmagneten

Die Heilig-Geist-Spitalkirche zeichnet sich durch ihre Rokoko-Fassade mit illusionistischen Fassadenmalereien aus. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Die strategisch günstige Lage an der alten Römerstraße, der Via Claudia Augusta, sorgte schon vor Jahrhunderten dafür, dass Reisende hierher kamen. Daher verwundert es wenig, dass in Füssen schon zu Beginn des 17. Jahrhunderts die Qual der Wahl zwischen 20 Wein- und 14 Bierwirten bestand. Spätestens mit dem Bau der nahegelegenen Königsschlösser Hohenschwangau (1833-1837) und Neuschwanstein (1869-1886) erhielt Füssen endgültig einen festen Platz auf der touristischen Landkarte.

Hinter dem historischen Rathaus blitzen die ersten Bergspitzen auf. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Im Sog der Königsfamilie entdeckten immer mehr Adelige und Wohlhabende das bayerische Alpenvorland für sich. Ab 1889 war Füssen dann noch bequemer zu erreichen, als die Kleinstadt Anschluss an das Eisenbahnnetz erhielt. In der Folgezeit kamen nicht nur mehr und mehr Touristen in die Region, auch die Bevölkerungszahl stieg sprunghaft an. 1870 lebten in Füssen gerade einmal 2.000 Menschen. 1938 waren es bereits 7.300, heute sind es mehr als doppelt so viele.

Historische Epochen auf engstem Raum

Prachtvolle Lüftlmalereien zieren Fassaden in der Altstadt. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Beim Gang durch die Altstadt begegnen sich unterschiedliche geschichtliche Epochen. Hier findet sich ein mittelalterliches Gassengewirr, hier prägen hohe gotische Häusergiebel das Stadtbild und hier zeugen reich dekorierte Kirchenbauten aus der Zeit des Barock und des Rokoko.

Tosendes Wasser

Der Lechfall – ein Naturschauspiel mi Aussicht. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Zu den beliebtesten Anlaufstellen in Füssen gehört mit dem Lechfall ein besonderes Naturschauspiel, das gleichzeitig der Endpunkt eine Wanderung auf dem Lechweg markiert. Der gerne als letzter Wildfluss Europas titulierte Lech stürzt sich unweit der Altstadt über mehrere Stufen in die Tiefe. Vom Maxsteg eröffnet sich ein weiter Blick auf das türkisfarbene Wasser, die umliegende Bergwelt und die enge Schlucht, durch die sich die Wassermassen tosend ihren Weg bahnen.

Königliche Nachbarn

Schloss Hohenschwangau steht ein wenig im Schatten des berühmten Nachbarn Neuschwanstein. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Vor den Toren von Füssen erhebt sich das bereits erwähnte Schloss Neuschwanstein. König Ludwig II. ließ das Märchenschloss errichten und schuf damit ein Bauwerk, das weltweit als Symbol romantischer Architektur gilt. Nur einen Bergrücken weiter erhebt sich Schloss Hohenschwangau, die neugotische Sommerresidenz seiner Kindheit.

Seenvielfalt mit Blick auf die Alpen

Das berühmte Schloss Neuschwanstein liegt nur wenig Hundert Meter vom Lechweg entfernt. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Derweil lockt der Forggensee, Bayerns größter Stausee, mit spektakulären Ausblicken auf Neuschwanstein. Der Alpsee begeistert mit seinem kristallklaren Wasser und seiner idyllischen Lage am Fuß der Alpen, während der Weißensee zu den schönsten Badeseen des Allgäus zählt.

Zum ehemaligen Kloster gehört ein liebevoll angelegter Garten. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Informationen: Füssen Tourismus und Marketing, Kaiser-Maximilian-Platz 1, 87629 Füssen im Allgäu, 08362-93950, tourismus@fuessen.de, www.fuessen.de

Der Brotbrunnen auf dem Schrannenplatz den Weg des Korns vom Bauern über den Müller bis zum Bäcker. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Tipp: Die „Lauschtour-App“, die kostenlos in den App-Stores heruntergeladen werden kann, ermöglicht Interessierten einen kostenfreien, audiogeführten Stadtrundgang mit dem Smartphone. An jedem der 13 Lauschpunkte kann dabei in der App unter den jeweiligen Fotos der gesprochene Audiotext mitgelesen werden. Weitere Informationen unter www.fuessen.de/lauschtour.

Der Seilerturm ist ein historischer Wehrturm der mittelalterlichen Stadtbefestigung. – Foto: Karsten-Thilo Raab / Mortimer Reisemagazin

Die Recherche fand – ohne Einfluss auf die journalistische Ausarbeitung – auf Einladung / mit Unterstützung von Füssen Tourismus und Marketing statt.

Karsten-Thilo Raab

berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten für eine Vielzahl von Zeitungen und Magazinen über Reiseziele weltweit. Zudem hat er sich einen Namen als Autor von mehr als 120 Reise-, Wander- und Radführern sowie Bildbänden gemacht.