
Das Mieminger Plateau in Tirol ist eine nach Süden ausgerichtete Sonnenterrasse wie aus dem Bilderbuch. Gerade für nicht allzu sportliche Urlauber ist die sanfte Mittelgebirgslandschaft mitten in den Alpen in allen Jahreszeiten ein Genuss. Im Herbst bringen tausende bunt gefärbter Lärchen eine Art Indian Summer nach Tirol.
Wenn die Lärchen zu brennen beginnen
„Die Lärchen brennen“, sagen die Einheimischen, wenn sich in der ersten Novemberhälfte die Nadeln der Kieferngewächse zu färben beginnen. Aus Grün wird dann eine Mischung aus Senf, Gelb, Orange, Ocker und Rot. Vor allem am späteren Nachmittag, wenn die Sonne schon tief steht, ist dieses Farbenspektakel einfach grandios.
Eine Sonnenterrasse über dem Inntal

Ort des Geschehens: das Mieminger Plateau, eine 14 Kilometer lange und bis zu vier Kilometer breite Mittelgebirgslandschaft oberhalb des Tiroler Inntals zwischen Imst und Innsbruck. Eingebettet zwischen den Nördlichen Kalkalpen und den südlicher gelegenen Zentralalpen. Eine sanft gewellte Mittelgebirgslandschaft mit nur geringen Höhenunterschieden und drumherum nur Hochgebirge – wie geht das denn?
Wie Gletscher das Plateau formten
Das Plateau ist das Relikt mächtiger Gletscher, die vor hunderttausenden von Jahren vom Alpenhauptkamm der Stubaier Alpen nach Norden wanderten. Die Gletscher führten gewaltige Mengen an Felsen, Steinen, Schutt, Sand und Mergel mit sich, schoben sie über den Inn – und kamen am Fuß der bis zu 2.700 Meter hohen Mieminger Kette nicht mehr weiter. Gletscherstau sozusagen. Das Eis schmolz, das Material blieb zurück. Geologisch betrachtet ist das Mieminger Plateau also nichts anderes als ein riesiger Schutthaufen – allerdings ein besonders schöner. Geologen sprechen von einer Grundmoräne. Auf ganz ähnliche Art, allerdings ohne Staueffekt, entstand etwas weiter nördlich das liebliche Allgäu.
Warum Lärchen die Landschaft prägen

Die Lärchen stehen nicht zufällig dort. Das Mieminger Plateau ist von jeher bäuerlich geprägt. Um Weiden und Wiesen zum Mähen zu gewinnen, wurden stark Schatten spendende Bäume wie Kiefern oder Fichten geschlagen, die lichten Lärchen blieben dagegen stehen. Meist säumen sie heute den dichteren Wald oder stehen in offenem Gelände mit 50, vielleicht auch 100 Exemplaren nebeneinander. Lichthungrig wie sie sind, strecken sie ihre weichen Nadeln stets in Richtung Süden. Lärchen werden bis über 50 Meter hoch und mehrere hundert Jahre alt. Die älteste im Südtiroler Ultental wird auf 950 Jahre geschätzt.
Sanfter Tourismus statt Bettenburgen
Das Mieminger Plateau ist touristisch noch weitgehend intakt. Bettenburgen gibt es hier ebenso wenig wie Rambazamba à la Sölden oder Ischgl. Die sanft gewellte Landschaft mit ihrem 360-Grad-Rundumblick auf Kalk- und Zentralalpen zieht in erster Linie ein Publikum an, das zwar in die Berge möchte, aber nicht extrem. Junge Familien mit kleinen Kindern zählen genau dazu wie Gäste mit Rentnerausweis. Steile Wege findet man hier keine, die meisten lassen sich auch mit Kinderwagen oder Rollator gut bewältigen.
Sonnenplateau zu jeder Jahreszeit

Ein Plateau ist eben ein Plateau. Und weil es sich sanft nach Süden hin neigt, geht es dort ausgesprochen sonnig zu. Wer Glück hat, der kann selbst im vermeintlich nassgrauen November seinen Apfelstrudel im Freien genießen. Oben auf den Gipfeln liegt dann schon meist der erste Schnee. Grüne Wiesen, bunte Lärchen, weiße Berge, blauer Himmel – die Szenerie könnte schöner kaum sein.
Nicht nur für Urlauber, auch für Einheimische ist das Plateau eine beliebte Wohngegend. Kein Wunder, schließlich scheint die Sonne hier mehr als 2.000 Stunden pro Jahr und damit so häufig wie an keinem anderen Ort in Österreich. Unten im engen Inntal dagegen sieht man die Sonne im Winter meist wochenlang nicht.
Wandern, Bergsteigen und Klettersteige

Der sanften Mittelgebirgslandschaft zum Trotz kann es der ambitionierte Bergler hier auch schon mal richtig krachen lassen. Bei der Besteigung des 2.200 Meter hohen Wank etwa. Oder, deutlich herausfordernder, bei einem der anspruchsvollen Klettersteige wie etwa der Tajakante. Dafür darf es dann am nächsten Tag wieder familienmäßig entspannt zugehen.
Die Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck mit ihren zahllosen Sehenswürdigkeiten vom Goldenen Dachl bis zur Skisprungschanze ist nur eine gute halbe Autostunde entfernt und auch mit dem Bus gut angebunden.
33 Kilometer Naturgenuss

Am schönsten erschließt sich das Mieminger Plateau auf dem 33 Kilometer langen Sonnenplateau-Rundwanderweg. Aufgeteilt auf zwei oder auch drei Tagesetappen lässt er sich bei einer überschaubaren Zahl an Höhenmetern auch für weniger geübte Wanderer problemlos meistern.
Der gut markierte Weg führt meist durch herrliche Wiesenlandschaften entlang der Waldgrenze, zwischen der steil aufragenden Mieminger Kette und dem Abbruch des Plateaus zum Inn hin. Nur wenige Kilometer nördlich des Wegs ragt Deutschlands höchster Berg, die Zugspitze, fast 3.000 Meter in den Himmel.

Immer wieder geht es vorbei an Hofläden oder kleinen Verkaufsständen, bestückt mit Honig, Kartoffeln, Eiern, manchmal auch mit Kunsthandwerk. Daneben eine kleine Kasse, alles auf Vertrauensbasis. „Hier stehen noch viele Türen offen“, ergänzt Tourismus-Chefin Gisela Egger. Ein schönes Zeichen dafür, dass hier die Welt noch ein bisschen besser tickt als anderswo.
Auf den Spuren des Bergdoktors
Wer in den Neunzigerjahren die Fernsehserie „Der Bergdoktor“ mit Harald Krassnitzer in der Hauptrolle verfolgte, der wird mit dem Mieminger Plateau einen hohen Wiedererkennungswert haben. Der fiktive Ort „Sonnenstein“, in dem die Serie hauptsächlich spielte, ist in Wirklichkeit der weit verstreute 1.000-Seelen-Ort Wildermieming im Osten des Plateaus.

Zu Wildermieming gehört auch der Ortsteil Affenhausen. Dessen Name leitet sich allerdings nicht etwa von einer heimisch-exotischen Tierspezies ab, sondern von der Heiligen Afra, der Schutzpatronin der Fuhrleute.
Vom Landgasthof bis zum Luxusresort
Knapp 3.000 Gästebetten gibt es auf dem Mieminger Plateau, etwa halb so viele, wie es dort Einwohner hat. In anderen Orten im stark vom Tourismus abhängigen Tirol hat sich dieses Verhältnis längst ins Gegenteil verkehrt. Mit anderen Worten: Es geht hier noch recht ruhig zu.

Vertreten ist alles, vom Fünf-Sterne-High-Level-Resort neben einem 27-Loch-Golfplatz über Familienhotels und gediegene Landgasthöfe bis zu Privatzimmern und Bauernhöfen.
Natur statt Schneekanonen
Mieming und Obsteig leben vor allem vom Sommertourismus. Schon allein durch die Topografie schließt sich das alpine Skifahren nahezu aus. Ein kleiner Übungslift für Kinder, das war’s. Durch die überschaubare Höhenlage und den Klimawandel wird es auch mit dem Skilanglauf zunehmend schwieriger.

Glück haben kann man im bis auf 1.150 Meter hohen westlichen Teil, in den schattigen Wäldern rund um Obsteig. Anderswo wurde bereits damit begonnen, neben den Pisten auch die Loipen zu beschneien. „Das wollen wir hier auf keinen Fall“, sagt Gisela Egger. „Wir leben nicht vom Schnee, wir leben von der Natur. Und die wollen wir uns erhalten.“
Informationen: www.innsbruck.info
Die Recherche fand – ohne Einfluss auf die journalistische Ausarbeitung – auf Einladung / mit Unterstützung von Innsbruck Tourismus in Zusammenarbeit mit Hansmann PR statt.
Klaus Pfenning
arbeitete jahrzehntelang in der Unternehmenskommunikation. Statt über Druckmaschinen, Schaltanlagen oder Gabelstapler schreibt er heute lieber über andere Dinge: guten Wein, tolles Essen, spannende Reisen.