Alanya und die Seldschuken entdecken

Alanya
Blick auf die abendliche Altstadt von Alanya. – Foto: Ulla Wolanewitz / Mortimer Reisemagazin

Als „Alaiye“ sicherte sich die blühende Kultur- und Handelsstadt an der südtürkischen Riviera einen besonderen Platz in der Geschichtsschreibung. Sie bot Konya, der Heimat der tanzenden Derwische, den Zugang zum Meer, was sie zur zweiten Hauptstadt des Seldschukenreiches und gleichzeitig zur Winterresidenz dieser muslimischen Herrscherdynastie machte. Ein Übersetzungsfehler bei einer Funkverbindung, der sich beim Besuch von Mustafa Kemal Atatürk 1933 zutrug, ließ „Alaiye“ zu „Alanya“ werden. Dem Begründer der Republik Türkei gefiel das und auf sein Geheiß wurde fortan dieser Name so beibehalten.

Die seldschukische Schiffswerft aus dem Jahr 1228. – Foto: Ulla Wolanewitz / Mortimer Reisemagazin

Mit der Schiffswerft und dem unverkennbaren roten Turm, dem Kizil Kule, hinterließen die Seldschuken hier spannende Spuren. Während das Meer noch heute in die fünf miteinander verbundenen Galerien hineinspült, befindet sich im oberen Teil ein maritimes Freilichtmuseum. Nicht zuletzt reizt diese historische Kulisse und lädt zu einem Ausflug per Stand-Up-Paddle und weiteren wassersportlichen Aktivitäten ein.

Es gibt viele Wege sich seinem Urlaubsort zu nähern. Ein gutes Abendessen mit Raffinessen aus der regionalen Küche in einem Restaurant am Meer mit freiem Blick auf die illuminierte Altstadt, gehört zweifelsohne zu den empfehlenswerten Variationen.

Kemal und der Kizil Kule, der rote Turm von Alanya. – Foto: Ulla Wolanewitz / Mortimer Reisemagazin

Neugierig auf das, was sich hinter diesen bunten Lichtern verbirgt, schließt sich dem Dinner als „Must do“ natürlich noch ein Spaziergang entlang der Hafenpromenade an. Dem Urlaubsmodus das Tempo überlassen, lässig schlendern entlang der Uferpromenade, schauen und staunen. Für Nimmersatte hat es hier noch reichlich „Közde misir“, Streetfood, im Angebot. Beliebt und äußerst begehrt scheint hier der mit Kräuterbutter gegrillte Maiskolben auf die Hand zu sein. Fritten sind hier nicht im Angebot und das ist auch ganz gut so.

Alanya
Bei so einem mediterranen Ambiente stellt sich das Urlaubsgefühl sehr schnell ein. – Foto: Ulla Wolanewitz / Mortimer Reisemagazin

Wo einst die Seldschuken herrschten, liegen heute reihenweise Piratenboote vor Anker. Mit ihnen präsentieren sich hier dutzendfach „märchenhaft“ illustre Gestalten. Wie etwa der schwarze Admiral, der mit glühenden Augen und weit aufgesperrtem Maul seine Gäste verschlingt. Allerdings nur tagsüber, wenn er mit seiner „Beute“ für einen erlebnisreichen Tagesausflug in See sticht. Am Abend liegt das aufgemotzte Piratenboot wie alle anderen Repliken und Segelschiffe dieser Art brav im Hafen und überlässt die gastronomische Versorgung den Restaurants und Imbissständen ringsherum.

Welches Piratenboot darf es sein für einen Ausflug aufs Meer?. – Foto: Ulla Wolanewitz / Mortimer Reisemagazin

Internationale Musiker*innen sind’s die in der zweiten Hälfte vom „Eylül (türk.: September)“ die geschichtsträchtige Altstadt entern und für vier Tage die Bühne am Kizil Kule, dem roten Turm, in Beschlag nehmen. Gäste, die die große Lust auf fetzige Live-Musik und bewegende Momente an die Hafenmeile treibt, können sich auf beeindruckende Konzerterlebnisse und exzellenten Sound mit nachhaltiger Langzeitwirkung freuen. Und das sogar komplett umsonst und draußen. In diesem Jahr gab es bereits ein Jubiläum zu feiern, schließlich präsentierte sich das „Caz Festivali – International Alanya Jazz Festival“ zum 20zigsten Mal im Schatten vom Kizil Kule.

Umsonst und draußen – das „Caz Festivali“ in Alanya. – Foto: Ulla Wolanewitz / Mortimer Reisemagazin

Braucht es einen besonderes Musikverständnis, um Jazz zu mögen? Nein, nicht zwangsläufig! Voraussetzung ist einfach Spaß und Vergnügen an facettenreicher, teils außergewöhnlicher Musik, die begeistert und berührt. Dafür ein entsprechendes Programm zusammenzustellen, ist für die Altav (Alanya Tourism Promotion Foundation) kein Problem, bringt sie dafür immerhin zwei Jahrzehnte Erfahrung mit. Einzige Herausforderung für die Besucher? Rechtzeitig erscheinen, um sich einen Sitzplatz zu sichern, ansonsten zahlt sich ein stabiles Stehvermögen auch aus.

Eylül Ergül weiß die Musikliebhaber zu verzaubern. – Foto: Ulla Wolanewitz / Mortimer Reisemagazin

„Eylül (türk.: September)“ ist gleichzeitig auch ein türkischer Frauenname. Die knapp 30-Jährige Eylül Ergül aus Ankara zählt zu den talentiertesten und bekanntesten jungen Stimmen und Pianistinnen der türkischen Jazzszene. Und das nicht ohne Grund, wie das Publikum schnell feststellen durfte.

Auch Della Miles gibt sich überaus stimmgewaltig. – Foto: Ulla Wolanewitz / Mortimer Reisemagazin

Della Miles, amerikanische Soul-, Pop- und Jazzsängerin, die als Background-Sängerin Whitney Houston viele Jahre auf ihren Welttourneen begleitete, überzeugte in dieser mediterranen Kulisse als grandioser „Top of the Jazz-Pop“. Mit ihrer fantastischen voluminösen Stimme weiß sie die raue Energie des Gospels mit einzigartiger Präzision und feiner Eleganz zu verbinden. Keine Frage, ein Erlebnis der ganz besonderen Art.

Buika gehört zu den hocdekorierten Musikstars. – Foto: Ulla Wolanewitz / Mortimer Reisemagazin

Weltmusik, das ist der Hafen von Buika, der Grammy-prämierten spanischen Sängerin, die mit Flamenco, Soul, Copa und Jazz ihrem Publikum ein brillantes Konzert für das Finale des diesjährigen Festivals bescherte.

Mangos von der türkischen Riviera, Hakan Hatipoglu macht’s möglich. – Foto: Ulla Wolanewitz / Mortimer Reisemagazin

Das teils tropische Klima an der türkischen Riviera sorgt nicht nur für Temperaturen um die 35 Grad Celsius bei Tag – auch noch im September – und für entspannte laue Spätsommernächte, sondern auch für entsprechende Bedingungen, um hier leckere Früchte wachsen und gedeihen zu lassen.

Ein vitaminreiches Angebot von der türkischen Riviera. – Foto: Ulla Wolanewitz / Mortimer Reisemagazin

„Bananen benötigen fünfmal so viel Wasser wie Mangos“, rechnet Hakan Hatipoglu vor. Um sich Ressourcenschonend für die Zukunft aufzustellen und, um das Angebot des vitaminreichen Sortiments zu erweitern und diese aus regionalem Anbau anbieten zu können, experimentiert er erfolgreich mit verschiedenen Früchten. 1.000 Mangobäume hat er sich aus Malaga kommen lassen, deren Erträge sich schon sehen lassen können. Seinem Credo „regional produzieren ist besser als importieren“ entsprechend, baut er seit einiger Zeit für den heimischen Markt auch Papaya, Physalis, Aroniabeeren, Maracuja, Lychees, Kiwano- und Drach- und Sternfrüchte an.

Kleiner Fruchtmix gefällig? – Foto: Ulla Wolanewitz / Mortimer Reisemagazin

So eine „fruchtige“ Vielfalt hätte Kleopatra ganz sicherlich auch gefallen. Der Legende nach schenkte der römische Staatsherr Marcus Antonius ihr die Region um Alanya als Hochzeitsgeschenk und die beiden verbrachten hier ihre Flitterwochen. In Erinnerung an die ägyptische Pharaonin wurde der Strand mit „Kleopatra Beach“ nach ihr benannt.

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Blick vom Burgberg. – Foto: Ulla Wolanewitz / Mortimer Reisemagazin

Um einen atemberaubenden Panoramablick auf den Kleopatrastrand und das Meer genießen zu können, empfiehlt sich ein Ausflug mit der Seilbahn von der Talstation hinauf auf den Burgberg. Die innere Festung, die auch auf das Seldschukenreich zurückgeht, liegt auf etwa 250 Meter über dem Meer. Imposant schlängelt sich die Festungsmauer mit ihren 6,5 Kilometern über den gesamten Berg. Da ist kraxeln angesagt, denn auch nach der Endstation wollen noch einige Höhenmeter bewältigt werden.

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Süleymaniye-Moschee. – Foto: Ulla Wolanewitz / Mortimer Reisemagazin

Im äußeren Burgring gibt einige osmanische Häuser zu bestaunen, die Süleymaniye-Moschee zu entdecken und einige Kunsthandwerker, die traditionelle Produkte anbieten. Zur Belohnung nach einem schweißtreibenden Aufstieg bieten Restaurants und Cafés stärkende Leckereien und Erfrischendes, bevor es wieder per talabwärts geht. Wer nach der Talfahrt noch weitere Abkühlung benötigt, sollte sich stadtauswärts begeben. Etwa 20 Autominuten stadtauswärts lockt der Dim Çayı, der Dim River, mit kaltem Schmelzwasser zwischen fünf und zehn Grad aus dem Taurusgebirge.

Einladung zu einem besonderen Picknick gefällig? – Foto: Ulla Wolanewitz / Mortimer Reisemagazin

Interessant und reizvoll: Die angrenzenden Restaurants befinden sich auf schwimmenden Plattformen, den Çardak oder Köşk, bei denen man gemütlich auf dem Boden sitzt und entspannt „yemek, yemek (türk.: Mahlzeit einnehmen)“ genießt und relaxed und relaxed und genießt wie einst Kleopatra und Ihresgleichen.

Restaurants auf schwimmenden Plattformen. – Foto: Ulla Wolanewitz / Mortimer Reisemagazin

Weitere Informastionen: www.goturkiye.com

Brücke über den Fluss – unter ihr fließt der Dim Çayı, der Dim River. – Foto: Ulla Wolanewitz / Mortimer Reisemagazin

Ulla Wolanewitz

lebt und fühlt sich wohl im Münsterland, arbeitet von dort als Autorin, Reise-, Kultur- und Lokaljournalistin. Sie liebt die Begegnungen mit Land und Leuten, spürt dabei interessante Themen auf und nimmt ihre Leserschaft in ihren Stories gerne mit auf die Reise.