Kuriosum in Essen: Zwischen Inka- und SS-Stadt?

Ungewöhnlicher Blickfang auf dem Dach des Handelshof in Essen. (Foto Karsten-Thilo Raab)
Ungewöhnlicher Blickfang auf dem Dach des Handelshof in Essen. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Die Ruhrgebietsmetropole Essen trug im Jahre 2010 den Titel „Europäische Kulturhauptstadt“. Im Jahr 2017 wird die 580.000-Seelen-Gemeinde dann „Europas Grüne Hauptstadt“ sein. Und auch zwischen den beiden großen Hauptstadtjahren scheint die einstige Montanstadt, in der so herausragende Sehenswürdigkeiten wie das UNESCO-Weltkulturerbe Zeche Zollverein, das Museum Folkwang oder die Villa Hügel zu finden sind, einige Besonderheiten geschickt herausarbeiten zu wollen – wenn auch wohl eher unfreiwillig: Auf dem Dach des Handelshofs, dem Hotel, das von den Eltern von Schauspiellegende Heinz Rühmann betrieben wurde und in dem heute ein Mövenpick Hotel untergebracht ist, prangert in riesigen, beleuchteten Lettern „Essen – INKA SSTADT“. Ein illuminierter Willkommensgruß, der den Gästen der Stadt direkt bei der Ankunft am gegenüber liegenden Hauptbahnhof ins Auge fällt.

Zugegeben, von der Maya-Kultur des Ruhrgebiets war bislang wenig bekannt. Und obwohl in Essen das ungewöhnliche Voodoo-Museum zu finden ist, dürften die alten Abraumhalden der Essener Zechen wohl kaum als Pyramiden oder Inka-Tempel durchgehen. Selbst wenn sie hier und da eine ähnliche Form an den Tag legen.

Bei Tageslicht betrachtet fällt das beleuchtungsdefizit des Schriftzugs nicht auf. (Foto Karsten-Thilo Raab)
Bei Tageslicht betrachtet fällt das Beleuchtungsdefizit des Schriftzugs nicht auf. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Ob das Doppel-S in Stadt etwas damit zu tun hat, dass hier viele Menschen mit rechter Gesinnung leben, scheint zweifelhaft. Denn tatsächlich ist des Rätsels Lösung überaus simpel: Eigentlich besteht die Leuchtreklame aus den Worten „Essen – die Einkaufsstadt“. Doch viele der Leuchtstoffröhren sind defekt, so dass dieser ungewöhnliche Schriftzug zu sehen ist.

Kleines Kuriosum am Rande: Der seit Monaten andauernde Zustand ist umso peinlicher, als dass Essen jährlich von Ende Oktober bis Anfang Januar seine Lichtwochen abhält. Bereits zum 66. Mal (Gastland 2015 in Spanien) überspannen riesige illuminierte Kunstwerke die Fußgängerzone – an der zufällig auch der Handelshof liegt. Vielleicht geht den Machern ja noch rechtzeitig vor dem Start am 25. Oktober ein Licht auf…