Gold für die Kehle – Gerstensaft-Historie in Europas ehemaliger Bierhauptstadt

Plakate erinnern im Brauerei-Museum an die Sternstunden der Dortmunder Braukunst. (Foto Karsten-Thilo Raab)
Plakate erinnern im Brauerei-Museum an die Sternstunden der Dortmunder Braukunst. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Kohle, Stahl und Bier – schwarzes, rotes und goldgelbes Gold – prägten über viele Jahrzehnte das Bild Dortmunds. Parallel zum Aufblühen der Montanindustrie entwickelte sich dereinst eine florierende Brauwirtschaft in der Westfalenmetropole. Eine Tradition, die nachweislich bis in das Jahr 1293 zurückreicht, als die Stadt von König Adolf von Nassau das Brauprivileg zugesprochen bekam.

Im Jahre 1826 zählte Dortmund stolze 38 Brauereien. Bis zum Jahr 1913 stieg deren Ausstoß auf 1,6 Millionen Hektoliter im Jahr. 1964 katapultierte sich die Dortmunder Brauindustrie mit den Flagschiffen Dortmunder Union, Ritter, Actien, Stifts, Kronen, Thier und Hansa dann mit einem Ausstoß von vier Millionen (!) Hektolitern an die kontinentale Spitze. Europas Bierhauptstadt wurde im weltweiten Vergleich lediglich noch durch die Brauindustrie im amerikanischen Milwaukee übertroffen.

Parallel zum Zechensterben und zum Niedergang der Montanindustrie folgte eine Schließungs- und Fusionswelle auf dem Biermarkt, die auch vor den Dortmunder Traditionsbetrieben nicht Halt machte. Heute sind mit Hövels, der Actien- und der Bergmann-Brauerei lediglich noch drei Bierhersteller in der Westfalenmetropole beheimatet.

Zum Fundus des Museums gehört auch eine funktionsfähige Abfüllanlage. (Foto Karsten-Thilo Raab)
Zum Fundus des Museums gehört auch eine funktionsfähige Abfüllanlage. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Derweil bemüht sich das im Jahre 2006 eröffnete Brauerei-Museum, die Geschichte des Dortmunder Bieres, der örtlichen Brauereien sowie deren Blütezeit in den 1950- bis 1970er Jahren anschaulich aufzuarbeiten. Im mehr als 100 Jahre alten Maschinenhaus der ehemaligen Hansa-Brauerei und der Maschinenhalle von 1968 wird dabei nicht nur ein Stück Tradition bewahrt, sondern auch ein Einblick in die Herstellungsprozesse des Bieres seit dem Mittelalter vermittelt.

Eines der Prunkstücke des Brauerei-Museums: der Krupp'sche Lastwagen aus dem Jahre 1922. (Foto Karsten.-Thilo Raab)
Eines der Prunkstücke des Brauerei-Museums: der Krupp’sche Lastwagen aus dem Jahre 1922. (Foto Karsten.-Thilo Raab)

Das Maschinenhaus selber gilt zusammen mit dem benachbarten Sudhaus als bedeutendes bauliches Zeugnis der Bierbrauerei in Dortmund aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Es war so etwas wie die Energiezentrale der Brauerei.

Zu den Prunkstücken der auf knapp 1.100 Quadratmetern zusammengetragenen Sammlung zählt neben einem Krupp’schen Lastwagen aus dem Jahre 1922, von dem nur 20 Exemplare überhaupt gebaut wurden, eine Dampfmaschine, ein Abfüll- und Flaschenreinigungsautomat aus den 1950er Jahren, eine Laboreinrichtung sowie eine vollständig erhaltene Thekenanlage aus den 1920er Jahren.

Den Besucher begrüßt beim Betreten des Museums das einstige „Kleinkraftwerk“ der Brauerei, bestehend aus Dampfmaschine, Kältekompressor und Generator. Ein Film zeigt, wie Dortmunder Biere über Jahrzehnte unverändert nach Original-Rezepturen unter Beachtung des Reinheitsgebotes aus dem Jahr 1516 gebraut wurden. Alle einzelnen Produktionsschritte von der Rohstoffannahme bis hin zur Abfüllung der Flaschen und der Verladung für die Auslieferung werden umrissen.

Erinnerungen an die gute alte Eckkneipe werden im Nachbau des Schankraums lebendig. (Foto Karsten-Thilo Raab)
Erinnerungen an die gute alte Eckkneipe werden im Nachbau des Schankraums lebendig. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Zu sehen sind daneben Kronkorkenverschluss- und Etikettiermaschinen, die beleuchteten Glasfenster verschiedener Brauereien, reich verzierte Pokale, formschöne Biergläser aus verschiedenen Epochen, unzählige Bierflaschen, bunte Werbetafeln und Plakate. Thematisiert werden daneben die Abfüllung, die Lagerung, der Transport und die Bier-Werbung, aber auch der Bierkonsum und die Bedeutung des Gerstensaftes im Sport und bei Feierlichkeiten.

Ganz nebenbei sind auch einige erstaunliche Fakten aus der Braukultur zu erfahren. Etwa, dass der Bierabsatz in Deutschland mit 151 Litern pro Kopf im Jahre 1973 seine absolute Spitze erreicht, während knapp vier Jahrzehnte später jeder Deutsche sich statistisch gesehen „nur noch“ 108 Liter Bier pro Jahr gönnte. Erstaunlich ist auch, dass Dortmund als einstige Bierhauptstadt über eine gar nicht mal so große Kneipendichte verfügte. Ende des 19. Jahrhundert kamen in der Westfalenmetropole Dortmund rein rechnerisch 320 Einwohner auf eine Gaststätte. Zum Vergleich: im 70 Kilometer entfernte Münster teilten sich 160 Einwohner eine Gaststätte.

Stabelweise erinnern die Kisten an jene Zeit, als Dortmund Europas Bierhauptstadt war. (Foto Karsten-Thilo Raab)
Stabelweise erinnern die Kisten an jene Zeit, als Dortmund Europas Bierhauptstadt war. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Informationen: Brauerei-Museum, Steigerstraße 16, 44145 Dortmund, Telefon 0231-8400200, www.brauereimuseum.dortmund.de und www.brauereierlebnis-dortmund.de

Öffnungszeiten: dienstags mittwochs, freitags, sonntags 10 bis 17 Uhr, donnerstags 10 bis 20 Uhr, samstags 12 bis 17 Uhr

Eintritt: Erwachsene 2,50 Euro, ermäßigt 1,25 Euro.