
Das kleine Castle Combe in Wiltshire gilt als eines der malerischsten Dörfer Englands: historische Steinhäuser, mittelalterliche Wurzeln, ein ruhiger Dorfkern und eine Kulisse, die immer wieder Filmteams anzieht.
Der Morgennebel liegt wie ein seidener Schleier über den sanften Hügeln der Cotswolds, einer Region im Südwesten Englands, die für ihre charakteristischen Kalksteindörfer und unberührten Landschaften bekannt ist. In Castle Combe, verborgen im Tal des Bybrook, scheint die Zeit tatsächlich innezuhalten. Keine Stromleitungen durchziehen den Himmel, keine modernen Fassaden stören das historische Gesamtbild. Stattdessen prägt der warme Kalkstein das Erscheinungsbild eines Ortes, dessen architektonische Geschlossenheit in England nahezu einzigartig ist.

Das Dorf, gelegen in der Grafschaft Wiltshire, wird häufig als das schönsten in England bezeichnet – ein Prädikat, das nicht auf touristischem Marketing basiert, sondern auf der bemerkenswerten Authentizität eines Ortes, der sich seit Jahrhunderten kaum verändert hat. Strenge Bauvorschriften und Denkmalschutzmaßnahmen sorgen bis heute dafür, dass Castle Combe frei von sichtbarer Moderne bleibt.
Mittelalterliches Erbe am Marktplatz
Im Zentrum des Dorfes öffnet sich ein kleiner, gepflasterter Marktplatz, dessen Geschichte bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht. Das steinerne Marktkreuz erinnert an die Zeit, als Castle Combe ein bedeutendes Zentrum der englischen Wollindustrie war. Im Mittelalter gehörte der Ort zu den wichtigsten Produktionsstätten für hochwertige Stoffe, insbesondere für rot und weiß gefärbte Tuchwaren.

Heute ist es der Bybrook, der dem Dorf seine leise Dynamik verleiht. Der klare Bach schlängelt sich durch das Tal, passiert kleine Gärten und alte Steinmauern und fließt schließlich unter der ikonischen, dreibogigen Brücke hindurch, die als eines der meistfotografierten Motive der Cotswolds gilt.
Kulisse für große Leinwände
Die nahezu perfekte Erhaltung des Dorfes hat auch die Filmindustrie schon früh auf Castle Combe aufmerksam gemacht. Internationale Produktionen nutzen die authentische Kulisse, um historische oder märchenhafte Szenarien ohne aufwendige Nachbearbeitung einzufangen. Steven Spielbergs „Gefährten“ etwa verwandelte die umliegenden Wiesen in eine bewegende Kriegslandschaft, während „Der Sternwanderer“ das Dorf in eine fantasievolle Welt zwischen Realität und Magie überführte.

Auch „Harry Potter und der Stein der Weisen“ nutzte die besondere Atmosphäre des Dorfes, ebenso wie das Musical „Doctor Dolittle“, das bereits in den 1960er Jahren die filmische Qualität der Cotswolds erkannte.
Zwischen Kirche und Herrenhaus
Am Ende der gewundenen Hauptstraße erhebt sich die Kirche St. Andrew, deren Ursprünge bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen. Besonders bemerkenswert ist ihre mechanische Turmuhr, eine der ältesten funktionierenden Uhren Englands, die bis heute ohne Zifferblatt auskommt und ausschließlich durch ihr Schlagwerk die Zeit verkündet.

Unweit davon öffnet sich das Tor zum Manor House, einem imposanten Anwesen aus dem 16. Jahrhundert. Eingebettet in eine weitläufige Parklandschaft mit gepflegten Gärten und alten Baumbeständen, dient es heute als luxuriöses Hotel. Die Verbindung aus historischer Architektur und modernem Komfort zieht all jene an, die das Besondere suchen, ohne auf Annehmlichkeiten zu verzichten. Weitere Informationen unter www.visitwiltshire.co.uk.
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Karsten-Thilo Raab
berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten für eine Vielzahl von Zeitungen und Magazinen über Reiseziele weltweit. Zudem hat er sich einen Namen als Autor von mehr als 120 Reise-, Wander- und Radführern sowie Bildbänden gemacht.
