Pfannkuchenwenden beim Hausfrauenlauf

Olney Pankcake Race, Foto Visit Britain

Die Engländer lieben krude Wettbewerbe. Im wahrsten Sinne ein Renner – und dies seit 567 Jahren  ist das Olney Pancake Race.

Da wird der Hund in der Pfanne verrückt. Am Shrove Tuesday, dem Fastnachtsdienstag, um 11.55 Uhr demonstrieren Wettkämpferinnen in Olney in der Grafschaft Buckinghamshire, wie im Laufschritt Pfannkuchen in einer Pfanne gewendet werden können – was aber kein Muss ist. Pflicht es jedoch, den Pfannkuchen zumindest am Start und im Ziel des 380 Meter langen Parcours zwischen dem Marktplatz und der St. Peter & Paul Church wenigstens einmal zu wenden. Gestartet wird das Rennen stilecht mit der historischen Pancake Bell, einer Glocke, die ansonsten zu den Ausstellungsstücken des örtlichen Museums gehört.

Olney Pankcake Race (2), Foto Visit BritainAuf das Kommando „toss your pancake“ („wendet den Pfannkuchen“) geben die Teilnehmerinnen mit der Pfanne in der Hand am 12. Februar 2013 mächtig Fersengeld. Schließlich warten als Lohn ein Siegerinnenküsschen vom Vikar und den Kirchendienern. Teilnehmen dürfen ausschließlich volljährige Frauen, die seit mindestens drei Monaten ihren Wohnsitz in Olney haben beziehungsweise hier offiziell gemeldet sind. Während des Rennens müssen sie einen Rock, eine Schürze und eine Kopfbedeckung tragen.

Die Ursprünge des berühmten Pfannekuchenrennens liegen weitgehend im Dunkeln. Eine populäre Legende handelt von der Hausfrau, die offensichtlich beim Kochen die Zeit vergessen hatte, als die Kirche zum Gottesdienst läutete. Mit der Pfanne in der Hand soll sie zum Gotteshaus gerannt sein. Eine andere Legende sah in den Pfannekuchen eine Art Bestechung. Mit der kleinen Geste soll der Pfarrer in längst vergangenen Tagen dazu bewegt worden sein, die Glocken etwas früher zu betätigen. Denn deren Klang läutet offiziell den Feierabend ein. Und der konnte für die Bürger der 6.000-Seelen-Gemeinde nicht früh genug beginnen.

Britannia Kuriosa, Coverbild, Copyright Westrflügel VerlagDas erste Rennen soll im Jahre 1445 in Olney über die Bühne gegangen sein. Mit einigen Unterbrechungen wird seither an der Renntradition festgehalten. Nach der Zwangspause während des Weltkrieges sorgte der örtliche Vikar, Canon Ronald Collins, dafür, dass das Pancake Race wieder fester Bestandteil des Veranstaltungskalenders wurde. 1950 fand die Idee dann auf der anderen Seite des Atlantiks großen Anklang. Das Städtchen Liberal in Kansas organisiert seither ein eigenes Pfannkuchenrennen und misst sich jährlich per Fernduell in einem Städtevergleich mit den Wettkämpfern aus Olney. Dabei wird die jeweilige Siegerzeit ermittelt und telefonisch ausgetauscht.

Allgemeine Informationen: www.visitbritain.de

Informationen: www.olneytowncouncil.gov.uk 

Literaturtipp: Ulrike Katrin Peters, Karsten-Thilo Raab: Britannia Kuriosa, Westflügel Verlag, ISBN 978-3-939408-08-8