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Emirat Katar für Fußball-WM 2022 bestens gerüstet

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Eine Ausstellung im Legacy Pavilion im al-Bidda Tower in Doha informiert üner die bevorstehende Fußball WM 2022 in Katar. – Foto Karsten-Thilo Raab

Ganz Katar scheint im Fieber. Allenthalben gibt es nur ein Thema. Keiner, der nicht mit stolzgeschwellter Brust den Blick nach vorne auf das Jahr 2022 richtet, wenn das kleine Emirat auf der arabischen Halbinsel Gastgeber der ersten Weltmeisterschaft im mittleren Osten sein wird. Seit der Fußball-Weltverband FIFA am 2. Dezember 2010 in Zürich bekannt gab, dass Katar Ausrichter des neben den Olympischen Spielen weltgrößten Sportereignisses sein wird, herrscht kollektive Aufbruchstimmung.

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Die Stadien für die Fußball-WM 2022 in Katar sollen bereits Ende 2020 fertig sein. – Foto Karsten-Thilo Raab

An jeder Ecke wird gebuddelt und gebaut, um für das Großereignis gerüstet zu sein. Straßen werden ausgebaut, ein U-Bahnnetz mit drei Linien geht an den Start. Das Ziel: fünf der acht WM-Stadien sollen bequem mit der U-Bahn erreichbar sein. Die übrigen drei Stadien werden in enger Taktung mit klimatisierten Bussen angefahren.

WM der kurzen Wege in Katar

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Das Al Bayt Stadion wird nach fertigstellung optisch an ein Berberzelterinnern. – Foto Karsten-Thilo Raab

Überhaupt verspricht Katar eine WM der kurzen Wege. Alle Stadien liegen entweder in Doha oder sind von dort aus bequem binnen einer Stunde zu erreichen. Der Bau der Arenen ist bereits weit fortgeschritten. Anders als bei vorherigen Gastgebern, bei denen die Stadien oftmals erst unmittelbar vor der Eröffnung fertig gestellt wurden, ist das Emirat seiner Zeit weit voraus. Spätestens Ende 2020, wenn das Emirat die Club-WM austrägt, sollen alle Stadien fertig sein.

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Kreisrund wird das Al Thumama Stadion sein. – Foto Karsten-Thilo Raab

Gerade die Sportstätten, deren Bau und spätere Nutzung sorgen in der westlichen Welt für zahlreiche Kontroversen. Wobei Dichtung und Wahrheit oft meilenweit auseinander liegen. Da ist zunächst die Mär, Fußball spiele in Katar keine große Rolle. Bei einem 2,8 Millionen Volk und einer Landesfläche, die halb so groß wie Hessen ist, strömen natürlich deutlich weniger Menschen zu Ligaspielen in die Stadien als in den europäischen Topligen.

Katar als Sieger der Asienmeisterschaft 2019

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Eine Ausstellung im Legacy Pavilion im al-Bidda Tower in Doha stimmt auf die WM ein. – Foto Karsten-Thilo Raab

Längst ist König Fußball aber in seiner Popularität aus dem Schatten der traditionellen und nach wie vor überaus populären Jagd mit Falken oder den kaum minder beliebten Kamelrennen getreten. Bereits 1960 gründete sich mit der Qatar Football Association der nationale Fußballverband und 1963 startete der Ligaspielbetrieb. Längst hat Katar Nationalmannschaft auch international einige Ausrufezeichen gesetzt. Etwa mit dem Gewinn der Asienmeisterschaft 2019 sowie des Golfpokals der arabischen Länder in den Jahren 1992, 2004 und 2014.

Hartnäckig halten sich auch die Gerüchte über unhaltbare Arbeitsbedingungen und Todesfälle bei den Bauarbeiten. In einigen Medien ist von mehr als 350 Toten die Rede. Doch das weisen die Organisatoren in Doha entschieden zurück. Richtig sei, dass auf den Baustellen für die Sportstätten und deren Infrastruktur bislang bedauerlicherweise drei Menschen ihr Leben verloren hätten.

32.000 Gastarbeiter in Katar im WM-Einsatz

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Modell des Al Rayyan Stadiums im Legacy Pavilion in Doha. – Foto Karsten-Thilo Raab

Die Arbeitsbedingungen seien ebenfalls nicht so bedenklich, wie vielfach beschrieben. Insgesamt 32.000 Gastarbeiter – vorwiegend aus Südostasien – bauen für die WM. Sie alle erhielten, so die Organisatoren, einen garantierten Mindestlohn. Auch die Unterkünfte seien vollkommen adäquat. Jedem Arbeiter stünden mindestens vier Quadratmeter zu. Sie erhielten Arbeitskleidung, seien krankenversichert, würden täglich zu den Baustellen hin und zurück gefahren. Zu allen acht, zentralen Gemeinschaftsunterkünften würden Waschmöglichkeiten, Gemeinschafts- und, Fitnessräume sowie Geschäfte mit allem Wichtigen für den täglichen Gebrauch gehören.

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Im al-Bidda Tower in Doha wird auch ein Streifzug durch die Fußballgeschichte des Landes angebiten. – Foto Karsten-Thilo Raab

Alle Bauträger müssten Mindeststandards erfüllen, die staatlich überwacht werden. Es gäbe zwar einige schwarze Schafe, doch gegen diese würde mit der vollen Härte des Gesetzes vorgegangen. So dürften beispielsweise die Pässe der Arbeiter nicht eingezogen werden. Daher würde jeder Arbeiter auch einen eigenen kleinen Safe erhalten, um seine Wertgegenstände sicher aufzubewahren.

Arbeitnehmervertretungen eingerichtet

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Bereits fertig gestellt und in Betrieb ist das Khalifa Stadion in Doha. – Foto Karsten-Thilo Raab

Auf jeder Baustelle könnten die Arbeiter aus jeder Nation einen Interessensvertreter bestimmen. Also einen Inder, einen Nepalesen, einen Pakistani und so weiter. Diese würde dann gegenüber den Vorarbeitern etwaige Missstände anprangern können. Ergänzend dazu gäbe es monatliche Zusammenkünfte für die gesamte Belegschaft, in deren Rahmen gemeinsam die Dinge thematisiert würden, die verbesserungswürdig seien.

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Auch in den Straßen von Doha ist die Vorfreude auf das Fußballspektakel allgegenwärtig. – Foto Karsten-Thilo Raab

Daneben gibt es eine rund um die Uhr besetzte, kostenfreie Telefonhotline, die anonym genutzt werden könne, um auf eventuelle Probleme hinzuweisen. Bislang, so die Organisatoren, seien aber lediglich rund 600 Anrufe eingegangen. Bei den meisten ging es um Dinge wie die Qualität des Essens oder dreckige Toiletten. Einige wenige beschwerten sich über zurückgehaltene Löhne. All diese Beschwerden würden natürlich mit der gebotenen Ernsthaftigkeit verfolgt.

WM-Start in Katar im November 2022

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Modell des Education City Stadiums im Legacy Pavilion. – Foto Karsten-Thilo Raab

Als Dankeschön für den Einsatz beim Stadionbau wolle man den Gastarbeitern auch die Chance geben, WM-Spiele in Katar live zu verfolgen. Sofern sie dann, wenn die Baustellen Ende 2020 planmäßig abgeschlossen sind, überhaupt noch im Lande sind und Interesse am Fußball hätten. Die Inder und Pakistani würden sich nämlich in der Regel mehr für Kricket interessieren. Offen sei ferner, ob es gelingt wird, sich mit dem Fußballweltverband FIFA auf ein entsprechendes Kontingent an Freikarten zu verständigen.

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Modell des Al Janoub Stadiums im Legacy Pavilion. – Foto Karsten-Thilo Raab

Ob der fast durchgehend muckeligen und im Sommer gerne mal weit über die 40-Grad-Marke kletternden Temperaturen stand die WM-Vergabe nach Katar von Beginn an ebenfalls in der Kritik. Doch auch hier haben die engagierten Kataris einen Weg gefunden: Die Titelkämpfe steigen zwischen dem 21. November und 18. Dezember 2022. Also in einer Jahreszeit, wenn die Temperaturen in dem kleinen Emirat im Mittel zwischen 20 und 25 Grad Celsius liegen.

Wasserkühlung für Spielfeld und Tribünen

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Wie im Modell zu erkennn, setzt das Lusail Stadion auch architektonisch Akzente. – Foto Karsten-Thilo Raab

Zudem werden die Tribünen und der Rasen klimatisiert. Dies erfolgt mittels einer Wasserkühlung mit Ventilatoren unter den Sitzen und am Rande der jeweiligen Spielfläche. Eine Maßnahme, die vor allem Umweltschützern ein Dorn im Auge ist. Doch die Veranstalter beteuern, dass das System nicht eigens für die WM verbaut würde, sondern um künftig auch in den heißen Sommern in den Stadien verschiedene Sportarten betreiben zu können, ohne dass Athleten oder Zuschauern ein Hitzeschlag droht. Nicht klimatisiert sind übrigens die Trainingsareale, die den Nationalteams bei der WM zur Verfügung gestellt werden.

Multimedial stimmt die Ausstellung auf die Fußball-WM 2022 in Katar ein. – Foto Karsten-Thilo Raab

In insgesamt acht Stadien mit Kapazitäten von 40.000 bis 80.000 Plätzen wird die WM mit Teams aus 32 Nationen ausgetragen. Dies bedeutet eine echte Herausforderung mit Blick auf die Spielplangestaltung, aber auch in punkto Rasenpflege. Ein Stadion – das 40.000 Zuschauer fassende Ras Abu Aboud Stadium in Doha – wird aus recycelten Schiffscontainern zusammengesetzt und nach der WM wieder komplett demontiert. In allen anderen werden die oberen Ränge zurückgebaut, so dass jeweils rund ein Drittel weniger Plätze zur Verfügung stehen. Die Sitzschalen sollen dann in andere Länder exportiert werden.

Alkohol-Ausschank in Fan-Zonen geplant

Die Fußball-Geschichte von Katar wird im Legacy Pavilion anschaulich aufgearbeitet. – Foto Karsten-Thilo Raab

Derweil blicken nicht wenige feierlustige Fans sorgenvoll auf die Beschränkung von alkoholischen Genüssen im Emirat. Denn im muslimischen Katar gibt es Alkohol nur in Hotels. Bei der WM soll sich dies zumindest temporär ändern. Geplant sind Fan-Zonen, in denen auch Alkohol erhältlich sein wird. Eine Ausnahme bilden hier die speziellen Fan-Zonen für Familien, wo der Alkohol außen vor bleiben soll.

Modell des Ras Abu Ahoud Stadiums im Legacy Pavilion. – Foto Karsten-Thilo Raab

Obwohl Katar gemäß Crime Index 2019 als das zweitsicherste Land der Erde nach den Vereinigten Arabischen Emiraten gilt, werden auch diesbezüglich die Anstrengungen erhöht. Da das Emirat noch keine vergleichbare Großveranstaltung ausgerichtet hat, will man eng mit den Sicherheitsbehörden aus anderen Ländern kooperieren. Ebenso wie es frühere Ausrichter auch schon getan haben.

Hotel-Schiffe und Wüsten-Camps

Auch die WM-Bewerbung wird im Legacy Pavilion thematisiert. – Foto Karsten-Thilo Raab

Um nach der WM keine leerstehenden Bettenburgen zu haben, verzichtet das Emirat weitgehend auf den Bau neuer Hotels. Aktuell gibt es landesweit rund 130 Hotels mit zusammen 27.000 Zimmern. Um dem erwarteten Fanansturm dennoch gerecht werden zu können, sollen in Doha Kreuzfahrtschiffe als schwimmende Hotels mit rund 6.000 Betten vor Anker gehen. Zudem werden in der nahen Wüste spezielle Camps als preisgünstigere Alternative vorgehalten.

„Delivering amazing“ – „Erstaunliches liefern“, lautet das Motto für die WM 2022. – Foto Karsten-Thilo Raab

Übrigens, wer sich einen aktuellen Einblick in die Planungen zur Fußball-Weltmeisterschaft 2022 verschaffen möchte, sollte den Legacy Pavilion im 215 Meter hohen al-Bidda Tower in Downtown Doha besuchen. Dort wird anhand von Modellen und Animationen alles Wissenswerte rund um die geplanten sowie bereits fertig gestellten Stadien vermittelt und auch ein kurzer Abriss der Geschichte des katarischen Fußballs gegeben.

Das Khalifa Stadion in Doha nimmt eine zentrale Rolle ein. – Foto Karsten-Thilo Raab

Informationen zur WM 2022 in Katar unter https://de.fifa.com/worldcup/qatar2022; allgemeine Informationen zum Emirat unter www.visitqatar.qa.

Besuch im Legacy Pavilion in Doha

Im Al-Bidda Tower in Doha ist der Sitz des katarischen Verbandes, aber auch eine kleine Ausstellung zur WM zu finden. – Foto Karsten-Thilo Raab

Die Ausstellung des Legacy Pavilion kann nach vorherigen unter nachstehendem Link besucht werden: https://www.sc.qa/en/about/legacy-pavilion-tour

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