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Von 19. März 2018 Mehr →

Marokko – gesegnet in Agadir

Festungsanlage Kasbah ist einer der wenigen Prachtbauten, die in Agadir das Erdbeben im Jahre 1960 überstanden haben. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Die Festungsanlage Kasbah ist einer der wenigen Prachtbauten, die in Agadir das Erdbeben im Jahre 1960 überstanden haben. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Wer nach Marokko reist, sehnt sich in der Regel nach Sonne und muckelig warmen Temperaturen. Der Marrokaner indes freut sich über jeden Regentropfen. Denn gewöhnlich lässt es Wettergott Petrus eher selten über diesen Teil Nordafrikas regnen. Das Badeparadies Agadir darf sich beispielsweise rühmen, im Mittel über 320 Sonnentage im Jahr zu verfügen. Kein Wunder, dass der Marrokaner gerne sagt, „wer den Regen mitbringt, ist gesegnet!“. Blöd nur, wenn man als vermeintlicher Sonnenanbeter zufällig der Segensbringer ist. Ganz ehrlich, ein Verzicht auf diese Ehre wäre ungleich schöner. Na ja, ändern lässt es sich eh nicht.

Genussvolle Tage am zehn Kilometer langen und herrlich breiten Strand von Agadir fallen daher im wahrsten Sinne des Wortes erst einmal ins Wasser. Am 236 Meter hohen Hausberg über der Marina, die sich mehr und mehr zum hippen Ausgehviertel mit kleinen Cafes und einladenden Restaurants gemausert hat, lässt sich der berühmte Schriftzug mit den arabischen Worten „Gott – Vaterland – König“ im Nieselregen nur schemenhaft erkennen.

Burgberg mit Weitblick

Herrliche Ausblicke bieten sich auch bei mäßigem Wetter von der Festungsanlage Kasbah. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Herrliche Ausblicke bieten sich auch bei mäßigem Wetter von der Festungsanlage Kasbah. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Auch der Aufstieg zur darüber liegenden Burg, der 1541 errichten Kasbah, lohnt nicht wirklich. Dabei lässt sich bei halbwegs anständigem Wetter von hier ein herrlicher Blick über die weite Bucht von Agadir mit dem sichelförmigen Strand und das Häusermeer in der 420.000-Seelen-Metropole am Atlantik werfen.

Allerlei hübsches für das Auge finden sich in den Märkten und Basaren. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Allerlei hübsches für das Auge finden sich in den Märkten und Basaren. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Und auch der Ozean hält sich temperaturmäßig mit bescheidenen 19, 20 Grad noch dezent zurück. Dafür lässt er kräftige Wellen an den Strand krachen. Die meisten lassen sich ob der Wetterkapriolen die Laune nicht verderben, genießen ausgedehnte Strandspaziergänge, hüpfen in den beheizten Hotelpool (was bei Regen eigentlich noch schöner ist) oder nutzten die Zeit, um ein wenig zu shoppen.

Feilschen auf die andere Art

Mohamed Ait Brahim (rechts) feilscht mit einem Händler. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Mohamed Ait Brahim (rechts) feilscht mit einem Händler. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Natürlich gibt es in Agadir auch jede Menge Boutiquen und Geschäfte der bekannten Marken und Label. Ungleich spannender ist es, über den Marche Municipal, den  größten überdachten Basar, der Stadt zu flanieren. Hinter der hohen Mauer mit Türmen, die auch als Stadtmauer durchgehen könnte, öffnet sich eine ganz andere Welt. Denn ein Gang über den orientalischen Basar ist ein Fest für alle Sinne.

Auf den Basaren der Stadt herrscht reges Treiben. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Auf den Basaren der Stadt herrscht reges Treiben. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Es duftet nach Kräutern und Gewürzen. Es herrscht großes Gewusel. Entsprechend groß ist auch das Geschnatter. Schließlich ist das Handeln und Feilschen tief verwurzelt in der Kultur der Marrokaner. Niemand zahlt hier den ursprünglich geforderten Preis. Der Händler pokert hoch, der Kunde versucht den Preis so weit wie möglich zu drücken.

Amüsante Händlerverwirrung

Der Marche Municipal wird von einer stolzen Mauer umrahmt. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Der Marche Municipal wird von einer stolzen Mauer umrahmt. (Foto Karsten-Thilo Raab)

„Manchmal ist es schlau, einfach weiter zu gehen, denn nicht selten kommen die Händler hinterher und lassen sich doch noch auf den Preis ein“, beteuert Mohamed  Ait Brahim, das auf den Märkten das Klappen zum Handwerk gehöre und Teil des Spaßes sei.

Als Viagra Berber wird nicht nur auf dem Marche Municipal Ingwer feilgeboten. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Als Viagra Berber wird nicht nur auf dem Marche Municipal Ingwer feilgeboten. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Flachsend schiebt der Guide, der am Goethe-Institut fließend Deutsch gelernt hat, hinterher, mal man solle mal eine komplette Händlerverwirrung probieren. Wenn der Standbetreiber 300 Dirham fordere, solle man einfach mal 600 Dirham bieten, statt wie üblich nur die Hälfte.

Schmackhaftes Berber-Nutella

Für die Marrokaner ist der Souk mehr als nur ein Einkaufsareal. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Für die Marrokaner ist der Souk mehr als nur ein Einkaufsareal. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Während die Gewürze meist zu kunstvollen kreiselartigen Türmchen aufgehäuft sind, wirkt insbesondere die Darbietungsform für Fleisch doch etwas gewöhnungsbedürftig. Da hängt die Haut eines Kuhkopfes und bei geschlachteten Schafen werden die Hoden gut sichtbar drapiert.

Die Art und Weise, wie Fleischprodukte präsentiert werden, mutet etwas ungewöhnlich an. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Die Art und Weise, wie Fleischprodukte präsentiert werden, mutet etwas ungewöhnlich an. (Foto Karsten-Thilo Raab)

„Das Fleisch von männlichen Tieren ist bei uns wesentlich beliebter als das von weiblichen“, unterstreicht Mohamed, dass so sicher gestellt wird, dass niemanden eine Schafsdame als Bock angedreht würde.

Frisch gepresster Granatapfelssaft gehört zu den beliebten Erfrischungen. (Fioto Karsten-Thilo Raab)

Frisch gepresster Granatapfelssaft gehört zu den beliebten Erfrischungen. (Fioto Karsten-Thilo Raab)

Neben Obst, Gemüse und Kräutern werden auch Kleidung, Lederwaren, Teppichen und Souvenirs feilgeboten. Darunter auch Exportschlager wie Arganöl oder das sogenannte „Berber-Nutella“, ein süßer Brotaufstrich aus Arganöl, Honig und Mandeln, der eigentlich „Amlou“ heißt.

Köcheln im Tontopf

Blickfang am weitläufigen Strand von Agadir ist das Riesenrad. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Blickfang am weitläufigen Strand von Agadir ist das Riesenrad. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Hoch im Kurs steht auch eine Tagine. In den runden, tönernen Töpfen mit spitzem Deckel, deren Preise bei umgerechnet sieben, acht Euro beginnen, wird die gleichnamige marokkanische Nationalspeise hergestellt. Fleisch-, Fisch- oder reine Gemüsevarianten der Tagine köcheln mindestens drei Stunden über einem Holzfeuer oder einer Gasflamme.

Der Atlantik hat auch bei rauer See durchaus seinen Reiz.

Die überaus schmackhafte Tagine, die bei keinem marokkanischen Familienfest fehlen darf, ist hinterher so hauchzart, dass das Fleisch schon bei der bloßen Berührung mit der Gabel zerfällt. Eine Gaumenfreude, die selbst den stundenlangen Regen vergessen lässt.

Folgen eines schweren Erdbebens in Agadir

Selbst bei trübem und mäßigem Wetter lässt sich erahnen, wie prachtvoll der Strand in Agadir doch ist. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Selbst bei trübem und mäßigem Wetter lässt sich erahnen, wie prachtvoll der Strand in Agadir doch ist. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Viel Sehenswertes hat Agadir ansonsten nicht zu bieten. Schuld ist ein verheerendes Erdbeben im Jahre 1960, das weite Teile der Stadt nahezu komplett zerstörte. Heute entpuppt sich Agadir als klassischer Badeort mit zahlreichen Hotels, Restaurants und Bars sowie einer herrlich breiten Strandpromenade und einem weithin sichtbaren Riesenrad.

In Taghazout gibt sich der Atlantik deutlich weniger ruhig. (Foto Karsten-Thilo Raab)

In Taghazout gibt sich der Atlantik deutlich weniger ruhig. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Ein paar Kilometer weiter nördlich lockt das kleine Taghazout in erster Linie die Surferszene an. Die Wellen in der weiten Bucht türmen sich hier meterhoch auf. Erst recht, wenn es windet, stürmt und regnet. Und so sind die unzähligen, in wärmende Neoprenanzüge gehüllte Wellenreiter ganz in ihrem Element, während sich die leicht fröstelnden Sonnenanbeter die Hände am Pfefferminztee oder einem Nous Nous, einem marokkanischen Kaffe mit viel Milch, wärmen.

Sonne satt am sichelförmigen Strand

Strand in Taghazout ist von Kieseln dominiert. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Strand in Taghazout ist von Kieseln dominiert. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Tags darauf, tut Wettergott Petrus dann doch wieder etwas für die Sonnenstatistik. Schon wandelt sich der Strand binnen kürzester in ein Mekka der Sonnenhungrigen. Manchmal lügt die Statistik eben nicht. Und der Job als Segensbringer wurde ja schon mit Bravour am Vortag ausgeführt…

Wissenswertes zu Agadir in Kurzform

Insbesondere bei Surfern steht der Strand von Taghazout mit seinen zum Teil meterhohen Wellen hoch im Kurs. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Insbesondere bei Surfern steht der Strand von Taghazout mit seinen zum Teil meterhohen Wellen hoch im Kurs. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Allgemeine Informationenwww.visitmorocco.com/de

Lage: Agadir, die Hauptstadt der Region Sousse, liegt im Südwesten Marokkos direkt am Atlantik und den Ausläufern des Atlas-Gebirges, dessen Gipfel hier bis auf 3.000 Meter hochragen.

Am Küstenabschnitt zwischen Agadir und Taghazout finden sich einige kleinere Strandabschnitte. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Am Küstenabschnitt zwischen Agadir und Taghazout finden sich einige kleinere Strandabschnitte. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Anreise: Eurowings bietet Direktflüge ab Düsseldorf ab etwa 70 Euro an; von Frankfurt fliegen Sunexpress, Ryanair und Condor  (beide ab 49 Euro) direkt in das Badeparadies, von München u.a. Condor (ab 49 Euro).

Einreise: Für die Einreise genügt ein mindestens noch sechs Monate gültiger Reisepass.

Bei Wind und Wetter treffen sich fußballbegeisterte Marokkaner am Strand von Agadir. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Bei Wind und Wetter treffen sich fußballbegeisterte Marokkaner am Strand von Agadir. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Währung: Zahlungsmittel ist der Dirham. Ein Dirham entspricht etwa 0,08 Euro; ein Euro entspricht etwa 11 Dirham.

Essen & Trinken: Casa Mia, Agadir Marina, 80000 Agadir. Direkt an der modernen Marina gelegenes Restaurant mit marokkanischer Küche und exzellentem Fisch.

Pool und Strand am Royal Atlas Hotel in Agadir. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Pool und Strand am Royal Atlas Hotel in Agadir. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Dolce & Caffe, Boulevard Hassan II Agadir. Eines der angesagtesten Cafés der Stadt mit gutem Frühstück, Torten, Kuchen und kleinen Gerichten auf der Karte.

Pure Passion, Agadir Marina, Agadir, www.purepassion.ma. Mit Blick auf den Yachthafen gibt es hier tolle vegetarische Gerichte, aber auch Leckereien wie Jakobsmuscheln mit Arganöl.

Das Royal Atlas Hotel besticht durch überaus großzügige Zimmer mit Strandblick. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Das Royal Atlas Hotel besticht durch überaus großzügige Zimmer mit Strandblick. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Übernachten: Hotel Royal Atlas, Boulevard Du 20 Août, 80000 Agadir. Fünf-Sterne-Hotel mit marokkanischem Flair direkt am Strand. Preisbeispiel: Eine Woche mit Halbpension ist inklusive Flug ab Berlin beispielsweise am 24. April 2018 ab 419 Euro pro Person im Doppelzimmer buchbar. Weitere Informationen bei FTI unter www.fti.de.

Les Alohades Beach Resort, Boulevard Du 20 Août, 80000 Agadir. Vier-Sterne-Hotel mit 321 Zimmern und großzügigem Poolbereich rund 150 Meter vom Strand. Preisbeispiel: Eine Woche mit All-Inclusive-Verpflegung ist inklusive Flug ab Hannover beispielsweise am 5. Juni 2018 ab 429 Euro pro Person im Doppelzimmer buchbar. Weitere Informationen bei FTI unter www.fti.de.

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