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Von 25. Oktober 2017 Mehr →

Halloween-Fieber in Belfast und Londonderry

Fürchterliche Gesellen scharen sich da um Frankenstein & Co. (Foto Ulla Wolanewitz)

Wenn es merkwürdig anmutet, dass Lkw permanent auf der Überholspur sind, könnte Linksverkehr eine amüsante Erklärung dafür sein. Knapp zwei Stunden dauert es von Dublin nach Belfast. Unterwegs gibt es Hinweisschilder mit bekannten Namen zu entdecken. Drogheda? Nein, hier geht es nicht zur Schaffarm von Mary Carson oder zu Ralph de Bricassart.

Auch der Kellner in Derry präsentiert sich zu Halloween gerne leichenblass mit leckerem Fingerfood. (Foto Ulla Wolanewitz)

„Das ist das Anwesen von Autor McCullough Cousin. Es lieferte den Namen für den Drehort der Dornenvögel“, lässt der Taxifahrer durchblicken. Auch zieht im County Londonderry die Heimat von Nobelpreisträger Seamus Heaney am Reisenden vorüber.

Die City Hall von Belfast besticht am Abend mit wechselhaft farbigem Antlitz. (Foto Ulla Wolanewitz)

Brontë Homeland? „Geburtsort von Pfarrer Brontë, Vater der berühmten Brontë Schwestern“, weiß der Chauffeur. Er gibt damit auch gleich die Gelegenheit, sich mit dem nordirischen Dialekt anzufreunden. Sagt er „Dunno“ meint er „don´t know. Sagt er „nofinn“, bedeutet das „nothing“. Ansonsten schaut er gerne aus dem Fenster – „a o te wanda“ eben.

Zahlreiche Wandgemälde in West-Belfast geben auch politische Statements wichtiger Persönlichkeiten aus aller Welt preis, so wie hier Nelson Mandela.  (Foto Ulla Wolanewitz)

Wahrhaftig: Sie ist schon sehr außergewöhnlich, die Architektur-Mixture mit der Belfast aufwartet. In den ersten Minuten erinnert sie unweigerlich an Frank Goosen, der von seiner geliebten Heimatstadt Bochum sagt: „Boah, schön is´ dat nich“. Doch muss der Hauptstadt von Nordirland zugute gehalten werden, dass sie fast 30 Jahre Zentrum des Nordirlandkonflikts war.

Die Bezeichnung Friedensmauer ist schon ein Widerspruch in sich. Sie wird auch als „International Wall“ betitelt und ist unter anderem mit einem „schwarzen“ Taxi zu erreichen. (Foto Ulla Wolanewitz)

Von 1969 bis 1998 war es sicherlich kaum möglich, in die Zukunft zu planen und in die Stadtplanung zu investieren. Deshalb trumpft die City heute mit einem spröden, trashigen Charme. Sie will einfach entdeckt werden, die Geheimnisvolle, die Geburtsort von Van Morrison und der Titanic ist.

Die Wandmalereien sind häufig überaus faszinierend, mitunter auch erschreckend und bedrohlich. (Foto Ulla Wolanewitz)

Okay: Ab durch die Mitte, begleitet vom Ohrwurm „Destination anywhere“ der Commitments. Durchs „Cathedral Quarter“, das in den vergangenen zehn Jahren eine gute Finanzspritze erhielt. Vorbei an der Albert Clock, dem kleinen „Big Ben“. Am Abend trumpft dazu die City Hall mit ihren bizarren Farbvariationen.

Der Hammer mit dem Dolch: Ein Verkäufer bietet auf dem St. George´s Markt in Belfast den „Belfast Brew – Tea like it should be“ zum Testen an. (Foto Ulla Wolanewitz)

Apropos Abend: Der empfiehlt sich natürlich für einen Crashwalk – auf ein Guinness – durch die kleinen dunklen Pubs. Achtung: Ende Oktober glänzen da reichlich Skelette und Spinnweben in allen Ecken. Dann liegt Halloween nicht nur in der Luft. Es steht nicht vor, sondern direkt in der Tür. Genauso wie der verkleidete Spiderman, der am Stadtbus hängt, der in dieser Zeit natürlich „Ghost Bus“ heißt. Die Pubs sind voll, der Boden klebt, Live-Bands sorgen für Stimmung. Die Iren sind freundlich und entspannt: „Hoi gois, no prob…“.

Ausgefallene Biersorten mit Namen wie „Spuckendes Lama“ bieten Mikrobrauereien aus Nordirland auf dem St. George´s Markt in Belfast.  (Foto Ulla Wolanewitz)

„Take a black taxi-driver“, lautet die Empfehlung im Hotel. Warum der Stadtführer allerdings farbig sein soll, erschließt sich zunächst kaum. Der erheiterte, blasse Insulaner, der am nächsten Morgen vor der Tür steht, liefert dazu gerne die Erklärung. Die Unruhen in den 1970er Jahren verursachten, dass der öffentliche Nahverkehr zusammen brach. Die schwarzen Taxen dagegen trauten sich sowohl in katholische als auch protestantische Gebiete.

Holla, aufgepasst: Fleischfressende Zombies in der Nähe.  (Foto Ulla Wolanewitz)

Heute bieten sie Rundfahrten an. Billy Burns stoppt gerne an einem Kuriosum aus den „Yetis“ mit denen er die 1980er Jahren meint. Die „International Peace Wall“ mit vielerlei politischen Bekenntnissen ist schon „ein Widerspruch in sich“, betont er schmunzelnd.

Spaßiges Erinnerungsfoto mit einem Zeitgenossen zur Linken, der schon lange das zeitliche gesegnet hat.  (Foto Ulla Wolanewitz)

Fix noch einen Abstecher zum St. George’s Market. Auch hier lässt Halloween grüßen. Die Ketchup-Händlerin trägt eine Blut verschmierte Wunde im Gesicht, eine andere rote Teufelshörner. Den Teeverkäufer ziert ein Dolch auf dem Kopf. Zwischen frischen Austern und salzigem Seeweizen, zuckersüßen Fudges und rotem Grünkohl wird es Zeit für ein Bier. Das „Spitting Lama Beer“ schmeckt vorzüglich zum „chumb“, zum Kartoffelpürree mit viel Butter und Frühlingszwiebeln.

Wenn schon verkleiden, dann alle. Bunte Besucherschar im Volksmuseum von Ulster, das seinen Gästen zu Halloween gerne das Fürchten lehrt.  (Foto Ulla Wolanewitz)

Abenteuerlich nach Feuer riecht es in Ulster. Hier im Volkspark warten zu dieser Jahreszeit Geister, Hexen und Dämonen auf ihre Beute. Denn: Halloween hat seinen Ursprung in Nordirland. Die irischen Auswanderer nahmen es mit nach Übersee. Ebenso den damit verbundenen Glauben aus vorchristlicher, keltischer Zeit, der besagte, dass es Sinn macht, sich bis zur Unkenntlichkeit zu maskieren, um die bösen Geister zu vertreiben. Komplette Schulklassen kommen hierher, um in einer amüsanten Horror-Show, Nervenkitzel und das Fürchten zu erlernen.

Gäste im Ulster Volksmuseum: Keine Angst vor finsteren Gesellen. (Foto Ulla Wolanewitz)

Londonderry, die zweitgrößte Stadt Nordirlands, die sich 1984 von seinem London im Namen verabschiedete, entwickelte sich als Derry in den letzten 30 Jahren zum „Hot Spot“ des irischen Halloween-Spektakels. Die Werbung heißt „Visit (legen)-Derry“ zum „Out of the World Event“. Dafür bekommen die Kids sogar schulfrei.

Fürchterliche Gesellen scharen sich da Autorin Ulla Wolanewitz…

Blutverschmierte Gesichter, Zuckerwatte-Spinnweben, Augäpfel aus Schokki oder abgeschnittene Finger – natürlich Gummi-Imitate – bringen den Gast schon in der Hotel-Lobby zum Staunen. Der Marathon zur Feier des Tages heißt hier „Zombie-Run“. Tatsächlich sind die Läufer – für einen guten Zweck – auch fürchterlich verkleidet. Am Abend vor dem 31. Oktober erwacht das bunte, artistische Leben in der einzigen Stadtmauer Irlands mit viel Spektakel und Tamtam, Seiltänzerinnen, Gaudimaxen und Gauglern.

Achtung: Zu Halloween sind allerorts unzählige Geister, Hexen und Dämonen zu erwarten. (Foto Ulla Wolanewitz)

Am nächsten Tag steht ein abendlicher Umzug auf dem Programm. Da geht die Post ab, ähnlich wie beim Kölner Karneval. Wenn auch eine Nummer kleiner. Klar wird dabei das eine und auch andere Guinness verhaftet. Am Tresen erklärt Garwin, ein Vollblut-Derryianer, dass sie in Belfast etwas neidisch darauf sind, dass Derry sich zu so einer schönen Destination entwickelt hat. Er werde oft gefragt, wie das gelungen ist. Seine verschmitzte Antwort: „Wir sind im Dialog miteinander“. Alles klar, so wird´s gemacht. Gut zu wissen: „Okay, gois, no prob…“.

Vorsicht: Draculas Assistentin ist auch in der Umlaufbahn.  (Foto Ulla Wolanewitz)

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