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Der 200. Geburtstag von Charlotte Brontë

Ein kleines Mekka der Literaturliebhaber: das Bronte Parsonage im englischen Haworth. (Foto Visit Britain)

Ein kleines Mekka der Literaturliebhaber: das Bronte Parsonage im englischen Haworth. (Foto Visit Britain)

Geboren wurde Charlotte Brontë am 21. April 1816 in Thornton als drittes von ursprünglich sechs Kindern, die inmitten der wilden Moorlandschaft in einem Pfarrhaus in Yorkshire aufwuchsen. Die Mutter starb bereits 1821, zwei ihrer vier Schwestern verstarben ebenfalls früh. Gemeinsam mit ihren Schwestern Emily und Anne und ihrem einzigen Bruder Branwell erfand Charlotte phantasievolle Geschichten und begann 1829 auch eigene Texte niederzuschreiben.

1842 besuchten die Schwestern Charlotte und Emily in Brüssel das Pensionat Heger für junge Damen. Dort verliebte sich Charlotte unglücklich in den Leiter Monsieur Heger. In der Folge arbeitete Charlotte als Englischlehrerin in Brüssel und versuchte nach ihrer Rückkehr nach Yorkshire erfolglos eine Schule zu gründen.

Das charmante Städtchen Haworth steht ganz im Zeichen der Brontë-Schwestern. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Das charmante Städtchen Haworth steht ganz im Zeichen der Brontë-Schwestern. (Foto Karsten-Thilo Raab)

1846 veröffentlichten die drei Schwestern auf eigene Kosten und unter dem Pseudonym Currer Ellis und Acton Bell einen Lyrikband, der kaum Beachtung fand. 19 der Gedichte stammen von Charlotte. Ihr erster Roman „The Professor“ fand keinen Verleger und erschien erst posthum. 1847 überraschte sie die Fachwelt mit dem Roman „Jane Eyre“, wiederum unter dem Pseudonym Currer Bell.

Der Roman schildert das Leben einer jungen Gouvernante und erregte weltweit Aufsehen; selbst Queen Victoria las ihrem Mann Prince Albert daraus vor. Charlotte verarbeitete darin ihre eigenen Erfahrungen und zeichnet die Titelheldin als zwar arm und unauffällig, doch gleichzeitig stolz und leidenschaftlich. Die Auflehnung der Frau gegen die Normen ihrer Zeit blieb ein Grundthema ihrer Romane.

1848 gaben die Schwestern auf Drängen der Öffentlichkeit ihre wahre Identität preis. Im gleichen Jahr starb Emily an Tuberkulose; ein Jahr später auch Anne. 1849 erschien Charlottes Roman „Shirley“, 1853 ihr letzter Roman „Villette“.

Die uralten Steine des Brontë-Parsonage-Museum könnten manch eine Geschichte über die Schriftstellerfamilie erzählen, wenn sie den reden könnten. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Die uralten Steine des Brontë-Parsonage-Museum könnten manch eine Geschichte über die Schriftstellerfamilie erzählen, wenn sie den reden könnten. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Im Juni 1854 heiratete sie den Hilfspfarrer Arthur Bell Nicholls; es war wohl eine Vernunftehe. Ihrer engsten Freundin aus Jugendtagen Ellen Nussey schrieb sie: „Ich bin verlobt. Ich bin noch sehr ruhig und erwartungsvoll. Die Vorsehung bietet mir dieses Schicksal an: zweifellos ist es das beste für mich.“

Während ihrer ersten Schwangerschaft erkrankte sie schwer und starb am 31. März 1855. Sie wurde in der Familiengruft in der Kirche von Haworth beigesetzt.

Der Roman „Jane Eyre“ gehört zum Kanon der Weltliteratur und wurde bereits mehrmals verfilmt. Zuletzt 2011 mit Michael Fassbender.

Die letzte Ruhestätte der Brontë-Familie in Haworth. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Die letzte Ruhestätte der Brontë-Familie in Haworth. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Thornton am Rande der Stadt Bradford ist der Geburtsort der Brontë-Geschwister. Nach einer langen Geschichte als Metzgerei, Restaurant und Brontë-Museum, beherbegt das Geburtshaus seit diesem Jahr ein Bistro und ein kleines Café.

In Haworth wuchs Charlotte Brontë in einem Pfarrhaushalt auf. In der Altstadt von Haworth befindet sich im ehemaligen Pfarrhaus gegenüber der Kirche St. Michael and All Angels das Brontë Parsonage Museum, ein Museum über die Geschwister Brontë.

Top Withins im Haworth Moor wurde im Roman "Wuthering Hights" verewigt. (Foto Visit Britain)

Top Withins im Haworth Moor wurde im Roman „Wuthering Hights“ verewigt. (Foto Visit Britain)

Zudem ist Haworth Startpunkt für Wandertouren. Die umliegenden Moore der unteren Yorkshire Dales eignen sich für lange Wandertouren in unberührter Natur. Eine weitere Touristenattraktion ist Haworths historischer Bahnhof, ein Teil der Keighley and Worth Valley Railway, eine original erhaltene Dampfbahnstrecke, die heute noch in Betrieb ist.

Wenn man gut zu Fuß ist, kann man einen 4,5 Kilometer langen Spaziergang von Haworth zum Brontë Waterfall machen. Durch den Ort Haworth geht es durch den Penistone Hill Country Park und offenes Moorland zum idyllischen Wasserfall, der nach den drei Brontë-Schwestern Anne, Emily und Charlotte benannt ist, die oft und gerne dort waren.

Eine Ausstellung zur Lebensgeschichte der Brontës gibt es im original erhaltenen Red House Museum in Kirklee zu sehen, einem ehemaligen Tuchhändlerhaus, in dem Charlotte oft zu Gast war und das im Roman „Shirley“ beschrieben wird. Das Haus widmet sich heute der Zeitgeschichte um 1830, beeindruckend ist der historisch angelegte Garten.

Buchtipp: Ulrike Katrin Peters, Karsten-Thilo Raab: Oh, diese BritenConrad Stein Verlag, ISBN 9783866868007 . Der Titel ist  im Buchhandel oder direkt beim Verlag erhältlich.

Ulrike, Katrin Peters, Karsten-Thilo Raab: Brite schön! (ISBN 978-3-939408-31-4). Der Titel ist für 9,90 Euro im Buchhandel oder direkt beim Westflügel Verlag erhältlich.

Tipp: Ein praktischer und informativer Leitfaden zu literarischen Werken der bekanntesten britischen Schriftsteller findet sich hier.

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