
Zwischen Japanischem Garten, Museum und Schloss Morsbroich sowie der BayArena widerlegt Leverkusen auf vielfältige Art und Weise das Image einer „grauen Maus“.

Im Jahre 2024 war Leverkusen plötzlich in aller Munde, als die hochdotierten Fußballer von Bayer 04 unter Trainer Xabi Alonso am Ende einer bemerkenswerten Saison sowohl die Deutsche Meisterschaft als auch den DFB-Pokal gewannen und ins Finale der Euro League einzogen. Bis dahin haben die meisten der Stadt am Rhein nur mit einem Chemieriesen in Verbindung gebracht. Doch Leverkusen, dass seit Jahren Tag im Schatten der Landeshauptstadt Düsseldorf und der Millionen Metropole Köln steht hat weit mehr zu bieten.
Industriegeschichte und Innovationen

Die vorbeirauschende Masse auf den Autobahnen A1 und A3 sieht meist nur die markanten Silhouetten der chemischen Industrie wie den 72 Meter hohen Wasserturm, der an ein gestrandetes Ufo auf einer Säule gemahnt, und das riesige, leuchtende Kreuz, das nachts den Himmel über dem Rheinland dominiert.

Die Wurzeln Leverkusens reichen tief in die industrielle Entwicklung Deutschlands hinein. Der Name der Stadt geht auf den Apotheker Carl Leverkus zurück, der Mitte des 19. Jahrhunderts eine Ultramarinfabrik gründete und damit den Grundstein für das legte, was später zum globalen Chemiekonzern heranwuchs. Heute prägt der Chempark das Stadtbild – ein modernes Industrieareal, das zu den größten seiner Art in Europa zählt und in dem Forschung, Produktion und Innovation ineinandergreifen.
Grüne Oasen am Rhein

Wer Leverkusen jedoch nur mit Industrie verbindet, wird spätestens im Neuland-Park eines Besseren belehrt. Das Gelände der ehemaligen Landesgartenschau ist heute ein weitläufiger Landschaftspark, der sich wie ein grünes Band entlang des Rheins zieht.

Nicht minder kontrastreich präsentiert sich der Carl-Duisberg-Park, der sich direkt an die Flanken des gigantischen Chemieparks schmiegt. Hier offenbart sich die romantische Seele der Industriestadt in Form eines Japanischen Gartens. Zwischen Ahornbäumen, Teichen, roten Brücken und kunstvoll arrangierten Steinen erweist er sich als ein Ort der Ruhe, der fast vergessen lässt, dass nur wenige Meter weiter die industrielle Moderne pulsiert.
Avantgarde im Barockgewand

Derweil hat sich das Museum Morsbroich, untergebracht in einem barocken Wasserschloss, als ein Zentrum für zeitgenössische Kunst mit Ausstellungen internationaler Künstlerinnen und Künstler einen Namen gemacht. Das elegante Ensemble war einst ein Rittersitz und wurde später vom Deutschen Orden prachtvoll ausgebaut, atmet Geschichte. Auch das Forum Leverkusen, ein multifunktionales Kulturzentrum, bringt Musik, Theater und Veranstaltungen in die Stadt.

In der Innenstadt setzt die Rathaus-Galerie ein unübersehbares architektonisches Ausrufezeichen. Unter einer gigantischen, futuristisch anmutenden Kuppel pulsiert das kommerzielle Herz der Stadt. Der Clou dieses modernen Konsumtempels liegt in seiner vertikalen Symbiose: Das Gebäude beherbergt nicht nur ein Einkaufszentrum, sondern gleichzeitig das die Stadtbibliothek, Teile der Verwaltung sowie den Ratssaal.
Kathedrale der Emotionen

Fußläufig von der Innenstadt zu erreichen ist die BayArena. Das Stadion im Schatten der Autobahn A1 ist die emotionale Kathedrale der Leverkusener, ein Ort, an dem der Erfolg der jüngeren Fußballgeschichte greifbar wird.

Karsten-Thilo Raab
berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten für eine Vielzahl von Zeitungen und Magazinen über Reiseziele weltweit. Zudem hat er sich einen Namen als Autor von mehr als 120 Reise-, Wander- und Radführern sowie Bildbänden gemacht.