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Von 26. Oktober 2016 Mehr →

Zwischen Elefanten-Dung und Schuppentier – unterwegs in Malaysias Royal Belum Rainforest

Durch den dicht bewaldeten Regenwald von Belum ziehen die seltenen Sumatra-Nashörner.

Durch den dicht bewaldeten Regenwald von Belum ziehen die seltenen Sumatra-Nashörner. (Foto Willem v. Strien)

Hier ist mächtig was im Busch. Und dies im wahrsten Sinne des Wortes. Die Hitze ist drückend. Fast scheint es, als bewege man sich in einer Freiluftsauna. Einer gigantisch großen, dicht bewaldeten Sauna. Im Gänsemarsch geht es hinter Basri und Salhin her durch das tiefgrüne Dickicht, aus dem ein undefinierbares Gewirr an Geräuschen dringt. Es knackt, summt und zischt überall. Permanentes Schreien, Grunzen, Knurren, Trompeten, Quaken, Flattern und Schnattern bestimmt die nicht enden wollende Geräuschkulisse im Royal Belum Rainforest im Norden der malaiischen Halbinsel.

„Ich höre die Geräusche schon gar nicht mehr“, lacht der ansonsten eher wortkarge Salhin, für den der Regenwald längst zu einer Art zweiten Heimat geworden ist. Schweigend schreitet Salhin weiter über Wurzeln, Steine und knorrigen Lianen vorbei an zum Teil mannshohen Blättern voran, fast so als wolle er im Dschungelkonzert nicht störend wie ein hustender Besucher in der Oper wirken. Dann deutet Salhin auf ein paar gut sichtbare kleine Löcher in der Baumrinde.

Der Royal Belum Rainforest besticht durch weitgehend völlig unberührte Natur und ist nur in Begleitung eines Rangers zugänglich. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Der Royal Belum Rainforest besticht durch weitgehend völlig unberührte Natur und ist nur in Begleitung eines Rangers zugänglich. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

„Elefanten“, sagt der blutjunge Ranger, der gerade einmal Anfang 20 ist und diesen Teil des Regenwaldes wie seine Westtatsche kennt. Die noch frischen Löcher in der Baumrinde würden von den Stoßzähnen stammen, beteuert Salhin. Und in der Tat mag man sich kaum vorstellen, wie sich die Dickhäuter, von denen rund 2.500 im Royal Belum Rainforest leben, ihren Weg durch die dichte grüne Wand aus Büschen und Bäumen suchen. Denn viele der ausgetretenen Pfade sind kaum breit genug für einen Menschen, geschweige denn für einen tonnenschweren Riesen.

Allein der Gedanke daran, dass es hier überall gewaltig kreucht und fleucht, lässt bei den acht Hobby-Dschungelforschern in Salhins Schlepptau trotz des üppig aufgetragenen Insektenschutzes fast unweigerlich einen permanenten Juckreflex einsetzen. Auch der Gedanke, hinter dem nächsten Baum könne eine giftige Schlange oder Spinne, vielleicht sogar ein Tiger lauern, sorgt für manchen schaurig-schönen Schauer und zusätzlich feuchte Hände. Wenig später deutet Basri auf eine noch dampfende Ansammlung von Elefanten-Dung.

Ranger Salhin untersucht Elefanten-Dung im Royal Belum Rainforest. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Ranger Salhin untersucht Elefanten-Dung im Royal Belum Rainforest. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

„Das Tier muss ganz in der Nähe sein, will uns aber offensichtlich nicht treffen“, mutmaßt Basri, um zu ergänzen, dass die sensiblen grauen Riesen über ein exzellentes Gehör verfügen und sich im Normalfall vor den Menschen verziehen würden. Gleiches gilt für die rund 90 Malaysia-Tiger und die Sumatra-Nashörner, die in dem gigantischen Regenwald beheimatet sind, dessen Fläche mit 117.500 Hektar etwa viermal so groß ist wie der Stadtstaat Singapur. Dafür wissen Basri und Salhin wo eine andere Besonderheit zu finden ist: die Rafflesia. Der übel riechende Schmarotzer mit der größten Blüte im Pflanzenreich gedeiht in der Nähe von Bächen, Flüssen oder Wasserfällen.

„Acht bis zehn Monate dauert es, bis die Rafflesia für fünf, sechs Tage blüht“, erläutert Salhin, um im selben Augenblick festzustellen, dass „unsere“ rund einen Meter im Durchmesser große Blüte schon von ein paar Tieren angeknabbert wurde. „Die Natur ist eben kein Wunschkonzert“, lacht Salhin.

Ein ungewöhnlicher, wenn auch stinkender Blickfang: eine Rafflesia-Blüte im Royal Belum Rainforest. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Ein ungewöhnlicher, wenn auch stinkender Blickfang: eine Rafflesia-Blüte im Royal Belum Rainforest. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Selber sichtbar enttäuscht, weist er darauf hin, dass der Royal Belum Rainforest rund 130 Millionen Jahre alt und damit deutlich älter als der Regenwald am Amazonas oder im Kongo sei. 3.000 Pflanzenarten, darunter 850 Orchideenarten, gäbe es hier, schwärmt der Guide. Besonders weit verbreitet seien die Flügelfruchtbäume mit ihren hoch vom Boden aufragenden Brettwurzeln. Der Riese in der Dschungel-Flora ist der bis zu 50 Meter hohe Tualang-Baum. In seinen Wipfeln schwingen sich Makaken und Gibbons von Ast zu Ast.

„Wir haben in Royal Belum mehr als 700 Vogel-, 280 Schmetterlings- und 150 Amphibien- sowie 300 Reptilienarten, darunter Kobra, Viper und Python“, ergänzt Basri und zeigt auf einen riesigen Doppelhornvogel in einem Baumwipfel. Plötzlich taucht vor uns ein Schuppentier auf, um fast ebenso schnell wieder unter dem nächsten Ast zu verschwinden, während wir mit Hilfe von gespannten Seilen und ins Wasser geworfenen Steinen mehrfach den Fluss Sungai überqueren. Am 25 Meter hohen Sungai Enam Wasserfall, einem von neun Wasserfällen in Belum, gibt es dann beim Sprung in das kühle Nass eine kleine Abkühlung inmitten der Regenwald-Sauna.

Mit dem Boot lasse sich zumindest Teile des Belum Rainforest erschließen. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Mit dem Boot lasse sich zumindest Teile des Belum Rainforest erschließen. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

So erfrischt, geht es mit dem Boot weiter kreuz und quer durch die vielen Seitenarmee und Zuflüsse des 80 Kilometer langen Banding-Stausees. Das dichte Grün des Regenwaldes reicht bis ans Ufer. Immer wieder ragen die Stämme abgestorbener Bäume aus dem Wasser auf. Ein paar Krokodile liegen scheinbar faul dösend im seichten Wasser oder wärmen sich am Ufer. An verschiedenen Stellen stören allerdings die sichtbaren Unterwasserkäfige kommerziellen Fischzuchtstationen die Urwald-Idylle. Rund 35 Minuten rast das mit zwei Außenbordern bestückte Boot laut dröhnend über die malerische Seenlandschaft, um dann am Anleger von Aman in Pulau Banding kurz festzumachen.

„Wir müssen ein paar Geschenke kaufen. Am besten holt jeder ein bisschen Brot und Süßigkeiten“, rufen Basri und Salhin und stürmen voran in den kleinen Kiosk oberhalb des Stegs. Weitere 45 Minuten später tuckert das Boot mit gedrosseltem Tempo auf eine kleine, hügelige Insel zu. Schon von weitem sind die Hütten der Orang Asli, der malaiischen Ureinwohner, zu erkennen. „Kampung Chuweh“ nennen die Angehörigen des Jahai Stamms ihre Ansiedlung, die aus kaum mehr als ein Dutzend einfacher, auf Stelzen errichteter Behausungen aus Bambusrohr und Palmen besteht.

In einfachsten Hütten leben die Orang Asli in ihrem Dorf Kampung Chuweh im Royal Belum Regenwald. (Foto: Karsten-Thilo Rab)

In einfachsten Hütten leben die Orang Asli in ihrem Dorf Kampung Chuweh im Royal Belum Regenwald. (Foto: Karsten-Thilo Rab)

Die indigenen Orang Asli, deren Name übersetzt „ursprüngliche Menschen“ bedeutet, leben hier noch wie vor Hunderten von Jahren; fristen ein beschwerliches, entbehrungsreiches Dasein. Zwar haben sie vom Staat für den Fall der Fälle ein Motorboot zur Verfügung gestellt bekommen, aber dies ist der einzige Luxus, den sie sich leisten. In den spärlich ausgestatteten Hütten gibt es weder Betten noch Tische oder Sitzmöbel. Strom und fließend Wasser sind ebenfalls Mangelware. Wasser holen sich die Orang Asli direkt aus dem See. Auch Schuhe trägt hier niemand. Ein paar Hühner und Gänse laufen frei herum. Die Männer fangen Fische, die Frauen kochen oder hocken im Schneidersitz auf dem Boden und flechten Taschen aus Gräsern. Zusammen mit geschnitzten Stöcken bieten sie die Ergebnisse ihrer Handarbeit für ein paar Ringgit zum Verkauf an.

„Hier herrscht noch das Gesetz der Wildnis. Alle leben von dem, was der Regenwald hergibt“, erklärt Basri. Die Orang Asli seien in erster Linie Jäger und Sammler und seit frühsten Kindheitstagen an das Leben im Dschungel gewöhnt. Die Mädchen würden oft schon mit 14, 15 Jahren ihr erstes Kind abseits jeglicher Zivilisation auf die Welt bringen.

Orang Asli Frau mit Kind im Dorf Kampung Chuweh im Royal Belum Regenwald. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Orang Asli Frau mit Kind im Dorf Kampung Chuweh im Royal Belum Regenwald. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Ein Blick auf die vielen Kinder in Kampung Chuweh verrät schnell, dass fröhlich und unbeschwert anders aussieht. Basri fordert uns auf, nun unsere Mitbringsel an die Jungen und Mädchen zu verteilen. Im Gegenzug dürfen wir die Dorfbewohner inklusive des Nachwuchses fotografieren. Da nennt man dann wohl traurigerweise eine Art „malaiische Völkerschau“ – auch wenn die längst fester Bestandteil der ansonsten überaus faszinierenden Regenwald-Touren von Belum ist.

Allgemeine Informationen: www.tourismmalaysia.de

Belum State Park: Telefon 00605-791-4543

Lage: Der 329.758 Quadratkilometer große Bundesstaat Malaysia liegt in Südostasien. Er umfasst den Südteil der malaiischen Halbinsel und den Norden der Insel Borneo. Im Norden grenzt Malaysia an Thailand. Der Westen der malaiischen Halbinsel grenzt an die Wasserstraße von Malakka, der Osten an das Südchinesische Meer. Der Royal Belum State Park liegt in Perak im Norden Malaysias rund 100 Kilometer von Ipoh und geht ins benachbarte Thailand über. Nur in Begleitung eines Rangers kann der Nationalpark erkundet werden.

Merkwürdige Schuppentiere durchziehen den Royal Belum Rainforest. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Merkwürdige Schuppentiere durchziehen den Royal Belum Rainforest. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Anreise: Malaysia Airlines bietet ab Frankfurt am Main ab 595 Euro Direktflüge nach Kuala Lumpur an. Die Flugzeit beträgt rund zwölf Stunden. Von Kuala Lumpur verkehrt ein Zug binnen zwei Stunden nach Ipoh. Von dort besteht eine Busverbindung nach Pulau Banding.

Einreise: Für die Einreise genügt ein mindestens noch sechs Monate gültiger Reisepass. Bei Aufenthalten von mehr als drei Monaten wird ein Visum benötigt.

Zeitzone: Malaysia ist in den Wintermonaten der mitteleuropäischen Zeit um sieben Stunden voraus, der mitteleuropäischen Sommerzeit um sechs Stunden.

Im Regenwald von belum finden sich jede Menge merkwürdige Lebewesen wie dieser Käfer. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Im Regenwald von belum finden sich jede Menge merkwürdige Lebewesen wie dieser Käfer. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Sprache: Malaiisch ist National- und Amtssprache. Englisch ist als Verkehrs- und Bildungssprache weit verbreitet.
Religion: Rund 57 Prozent der Malaien sind muslimischen Glaubens.

Klima: Aufgrund der Nähe zum Äquator liegen die Temperaturen ganzjährig bei 28 bis 32 Grad Celsius und sinken nachts nur selten unter 22 Grad Celsius. Der Westen der Halbinsel lässt sich bei nur mäßiger Schauerneigung zu jeder Jahreszeit gut bereisen. Allerdings kann die Luftfeuchtigkeit bisweilen bei über 80 Prozent liegen.

Gesundheit: Empfohlen wird ein Impfschutz gegen Tetanus, Diphtherie, Polio, Hepatitis A. Wichtig ist zudem ein effektiver Mückenschutz.

Zu den markantesten Vogelarten in diesem Teil Malaysias gehört der Nashornvogel.

Zu den markantesten Vogelarten in diesem Teil Malaysias gehört der Nashornvogel.

Währung: Die malaysische Landeswährung heißt Ringgit (MYR). 1 MYR entspricht 0,22 Euro; ein Euro entspricht 4,52 MYR.

Essen und Trinken: Die malaysische Küche bevorzugt heimische Zutaten wie Kokosnuss, Chili, Zitronengras, Limettengrün, zubereitet mit Fisch oder Fleisch und Gemüse. Besonders beliebt ist „Satay“, in Kurkuma mariniertes Fleisch, auf Spieße gesteckt und über dem Holzkohlengrill geröstet, das zusammen mit einem Erdnussdip serviert wird.

Unterkunft: Belum Rainforest Resort, Pulau Banding, 33200 Gerik, Perak Darul Ridzuan, Malaysia, Telefon 00605-791-6800. Doppelzimmer werden ab umgerechnet 140 Euro pro Nacht angeboten. Das Resort organisiert auch die Regenwald-Touren mit einem Ranger und bietet Besonderheiten wie Fahrten auf einem Bambusfloss an.

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