Khao San – Bangkoks hypste Straße

Khao San
Stadt der Gegensätze: Bangkok zwischen hyper Khao San Road und traditionellem Leben. – Foto: Vincent Timmann

In fast unerträglicher Lautstärke bummern die tiefen Bässe über die kleine, bunt beleuchtete Khao San Straße. Die großen, schwarzen Musikboxen auf der gegenüberliegenden Seite geben sich die allergrößte Mühe, dem Bummern entgegen zu dröhnen. Die flirrende Hitze des Tages steht noch in der Häuserschlucht. Der Duft nach Pad Thai, dem Lieblingsgericht der Thais, wabert von der ersten fahrbaren Garküche des Abends durch die zunehmende Menschenmasse.

Wie sehr hat sich doch die alte Khao San Road im Stadtteil Banglamphu nordwestlich des Zentrums von Bangkok in den letzten 30 Jahren verändert. Wo sich heute in unerträglicher Lautstärke ein Club nach dem anderen, mit noch leistungsfähigeren Musikboxen übertrumpfen, liebten die einfachen Rucksacktouristen in längst vergangenen Zeiten die entspannte asiatische Atmosphäre. Trotz allem oder trotzdem findet sich jeden Abend das feier- und spaßorientierte Partypublikum ein. Dazu gesellen sich hauptsächlich am Wochenende neugierige, aufgestylte Thais aus der nahen und weiteren Umgebung, um sich das unglaubliche Spektakel anzusehen. So mischen sich fremde Kulturen und große Erwartungen. Jeder findet sein persönliches Highlight.

Nächtlicher Partytreff

Jeden Abend füllt sich die Khao San Road. – Foto: Susanne Timmann

So ein bisschen nervig sind die mit bunt bebilderten Getränkekarten gespickten hübschen Animiermädchen und -jungs schon, die sehr freundlich, aber nachdrücklich versuchen, neue, durstige Gäste in die Clubs und Bars zu locken. Das Angebot ist groß und alle wollen ihren Teil abbekommen. Ein normales Bier zu bestellen ist in den angesagten Clubs eher schwierig. Shots und Towers sind „in“. Viel mehr als cool, genüsslich am Glas zu nippen und zu den dröhnenden Rhythmen zu zappeln, ist eh nicht drin. Der Sound ist so extrem laut, dass eine normale Unterhaltung zum Beispiel im The One kaum möglich ist.

Hühnchen auf die Hand ist überall zu finden. – Foto: Susanne Timmann

Je später der Abend, desto mehr kleine Garküchen schmücken bunt und dampfend die Straße. „You want scorpion?, fragt die neunzehnjährige Nang mit breitem Lächeln und hält uns einen tiefschwarzen, toten Skorpion auf einen Holzstab aufgepickt unter die Nasen. Wir schauen uns leicht irritiert an und verneinen freundlich. So groß ist unser Hunger nun doch noch nicht. Nang trägt trotz der Hitze eine lange, hellblaue Jeans und ein hochgeschlossenes weißblau gestreiftes T-Shirt. Ein ziemlicher Gegensatz zu den meist leicht bis sehr leicht bekleideten Touristen und anderen Thai-Mädels, die in ausgelassener Partystimmung durch die Straße schlendern.

Kultureller Schmelztigel

Cannabis gibt es an jeder Ecke. – Foto: Susanne Timmann

Nang erzählt, dass sie jeden Abend hier mit ihren gerösteten Skorpionen durch die Straßen zieht. Wenn der Alkoholpegel steigt, stehen mehr und mehr Mutproben, meist bei den ausländischen Besuchern, an, und die knusprigen Tierchen verschwinden in den Mägen der Mutigen. Von einem schwarzen Skorpion am Holzstab wird der Hungrige aber sicherlich nicht satt. Und ob es ein gesundes Wagnis ist, an einem der inzwischen legalen Canabis-Ständen eine Prise zu nehmen, bleibt auch fraglich.

Je später der Abend, desto mehr Skorpione werden verkauft. – Foto: Susanne Timmann

An jedem Ende, der um die 450 Meter langen berühmten Straße, stehen „hilfsbereite“ Herren, die gerne ein Tuk Tuk oder ein Taxi für den Weg zur Unterkunft organisieren. Gehandelt wird so oder so. Stimmt die Sympathie, kann in einem netten Schwätzchen ein guter Tarif ausgefeilscht werden. Aber niemand ist beleidigt, wenn man mit einem freundlichen „no thank you“ weiter geht, weil kein Gefährt benötigt wird, oder die Hoffnung auf einen besseren Tarif um ein, zwei Ecken überwiegt.

Wer sucht, findet seinen Lieblingsplatz

Rund um die Khao San Road gibt es auch ruhigere Ecken. – Foto: Susanne Timmann

Rund um die berüchtigte Khao San Road hat sich die Partymeile ausgebreitet. In den ruhigeren, sauberen Nebenstraßen sind wirklich nette Restaurants zu finden. Auf der Soi Rambuttri, die so ein bisschen an die Khao San Road von einst erinnert, finden sich traditionelle Garküchen, einfachere Gästehäuser und schöne Kneipen zu vernünftigen Preisen. So lässt es sich gemütlich sitzen, die fleißigen Kellnerinnen und Kellner sind gut aufgelegt und tun ihr Bestes, den Gästen einen schönen und leckeren Abend zu bereiten. Neugierig ist das Plätzchen und abwechslungsreich das bunte Treiben auf der Straße.

Zauberhafter Wat Arun

Beliebter Treffpunkt auch bei den Thais. – Foto: Susanne Timmann

Tempel der Morgenröte, Wat Arun – welch bezaubernder, mystischer Name, welch Gegensatz zur hypen Khao San Road. Am frühen Morgen, wenn die Stadt erwacht, zeigt sich der prächtige Wat in seiner ganzen Schönheit. Stolz und geheimnisvoll reckt sich im Wat Arun der Phra Prang, der Tempelturm im Stil der Khmer, circa 70 Meter in die Höhe. Millionen von Mosaiksteinchen aus Porzellan zu Blumenmustern geformt, schmücken den Tempel und tauchen ihn in ein magisches Licht. Dieser wurde einer Gestalt aus der indischen Mythologie geweiht: Aruna ist der Gott der Morgenröte.

Schmunzelhafte Momente im Wat Arun. – Foto: Susanne Timmann

Auf jeder der vier Seiten führen steile Treppen hinauf. Diese sind auf den jeweiligen Ebenen miteinander verbunden und der Prang kann mit Blick auf den Chao Phraya Fluss, der Ader Bangkoks, umrundet werden. Himmlische Wesen „tragen“ die vier mächtigen Stufen, oben befinden sich Statuen des Hindugottes Indra, der auf seinem dreiköpfigen Elefanten Erawan reitet. Im hinteren Gebäude bringt das Hindurchkrabbeln unter einem schweren, dunklen Holztisch vermeintlich Glück. Sicherlich noch mehr, wenn der Glückssuchende noch eine kleine oder größere Spende investiert.

Shoppingparadies in Höchstform

Buntes Shopping Paradies mitten in Bangkok ist das Iconsiam. – Foto: Susanne Timmann

Ein gegensätzliches Vergnügen der ganz besonderen Art bietet der riesige Einkaufskomplex Iconsiam. Faszinierend ist der sich im Gebäude befindende Straßenmarkt mit traditionellen, einfachen Garküchen. So brodelt in dem einem Topf ein scharfes, rotes Curry, daneben lockt der Geruch nach gegrillten Hähnchenflügeln zu einer weiteren Leckerei. Auch Vegetariern gehen hier nicht leer aus.

Kulinarische Erlebnisse für jeden Geschmack im Iconsiam. – Foto: Susanne Timmann

Auch wer sich nicht selbst bedienen will, hat die Qual der Wahl. Neben liebevoll aufwändig gestalteten Restaurants in den unteren Ebenen verführen in den oberen Stockwerken weitere Restaurant zu kulinarischen Erlebnissen.

Viel Zeit einplanen

Für jeden Geldbeutel ist etwas dabei. – Foto: Susanne Timmann

Doch nicht nur ausgesprochen lecker ist es hier. Traumhaft schönes Ambiente verlockt zum Sitzenbleiben und Genießen. Und der grandiose Ausblick auf die Skyline gegenüber wird bei Einbruch der Dunkelheit noch viel spektakulärer.

Beeindruckende Aussichten beim Shopping. – Foto: Susanne Timmann

Das Iconsiam kann ganz einfach vom gegenüberliegenden Ufer des Chao Phraya Flusses erreicht werden. Die hauseigenen Shuttle Boote fahren vom Sathorn Pier und Si Phraya Pier kostenlos regelmäßig hin und her. Auch die bei Insidern beliebten Chao Phraya Express Linienboote, wie zum Beispiel die orange Linie, machen einen Stopp am Shoppingparadies.

Highlight in Bangkok: der Königspalast

Faszinierende Details im Königspalast. – Foto: Vincent Timmann

Vor Einbruch der Dunkelheit stellen die Linienboote Schritt für Schritt ihren Betrieb ein. Dem ersten Schreck, wenn das letzte Boot leider schon weg ist, überwiegt das Vergnügen, dann mit einem Tuk Tuk durch die Nacht nach „Hause“ zu donnern.

Ganz anders als der glänzende Einkaufspalast mutet der atemberaubend schöne Königspalast mitsamt dem faszinierenden Wat Phra Kaeo an. Der Palast der Könige befindet sich bereits seit 1785 am Chao Phraya. Der Bau begann, als die alte Hauptstadt von Thonburi nach Bangkok verlegt wurde.

Schöner als im Märchen

Wächter bewachen den Königspalast im Zentrum Bangkoks. – Foto: Susanne Timmann

Der 66 Zentimeter hohe Smaragd Buddha, das Highlight im Inneren des Hauptgebäudes, besteht aus einem einzigen Jadeblock. Smaragd bedeutet auf Thailändisch „tiefgrüne Farbe“ und bezieht sich daher nicht auf das Material der Statue. Drei Mal im Jahr bekommt diese neue Kleider, von König Maha Vajiralongkorn Phra Vajiraklaochaoyuhua, auch Rama X, in einer großen Zeremonie persönlich angelegt.

Geheimnisvoller Smaragd-Buddha im Wat Phra Kheo. – Foto: Vincent Timmann

Nur um die Ecke, bei tropischen Temperaturen aber doch auf schweißtreibendem Weg, ist der Wat Pho erreichbar. Dieser wurde um 1688 erbaut und ist damit der älteste Tempel in Bangkok. Ist der zentrale Vihara erreicht, schwirren sonderbare, metallisch klappernde Geräusche durch die Luft. Wie vor jedem Tempelbesuch werden obligatorisch die Schuhe ausgezogen. Diese müssen in einer Tasche mit sich geführt werden. Zuerst erblickt man ehrfürchtig den Hinterkopf des 15 Meter hohen vergoldeten liegenden Buddhas.

46 Meter pures Gold

Ein „Muss“ der Besucher Bangkoks ist der liegende Buddha. – Foto: Vincent Timmann

Quasi als Einbahnweg wird der riesige Körper abgeschritten. Nach 46 Metern werden die gigantischen Fußsohlen erreicht. Beeindruckend sind die filigranen Einlegearbeiten aus Perlmutt. Der One-way führt Richtung Ausgang an 108 Opferschalen vorbei. Nun wird klar, woher das Geklimpere kommt. Gläubige und Glücksuchende werfen je eine Münze in jede Opferschale. Diese Gabe soll natürlich Glück bescheren, hilft aber auch, den Lebensunterhalt der Mönche zu finanzieren.

Schon alleine aufgrund der unzähligen wohlig duftenden Garküchen lohnt ein Besuch in Bangkok. – Foto: Susanne Timmann

Tipps und Wissenswertes:

Transfer Flughafen Suvarnabhumi International: Günstig mit dem Bus S1 der von 6 bis 20 Uhr im Halbstundentakt von Ebene 1, Ausgang 7 Richtung Khao San Road fährt. Preis: 60 Baht pro Person.

Tuk Tuk Fahrten: Bei gutem Verhandlungsgeschick immer eine Reise wert. Oft beginnen die Verhandlungen beim doppelten Preis.

Wunderschöne erste Ebene im Iconsiam. – Foto: Susanne Timmann

Boote auf dem Chao Phraya: Das Hop-On-Hop-Off-Tourist-Boot lohnt meist nicht. Günstiger mit den Chao Phraya Express Booten zum Beispiel die mit orangener Fahne fahren. Zahlen bei den jeweiligen Ständen oder im Boot selbst für 15 Baht (etwa 0,45 Euro) pro Fahrt.

Shopping: Das Iconsiam bietet alles was das Schoppingherz begehrt, eine tolle Aussicht auf die Skyline und tolle Möglichkeiten zum Essen und Trinken.

Kein Kinoabend ohne die leckere thailändische Küche. – Foto: Susanne Timmann

Filmspaß zu Hause: In die Kinos schafft es die Khao San Road im Jahr 2000 im Film The Beach. Dort stürzt sich Leonardo DiCaprio als junger Backpacker in das legendäre Nachtleben.