Die Pyrenäen als besonderer Erlebnisraum

Pyrenäen
Die Pyrenäen sind wunderbar wanderbar – und dies für alle Alters- und Niveaustufen. – Foto Paul Delgado

Von den (Hoch-) Pyrenäen bis zum Mittelmeer erstreckt sich das Grenzgebirge zwischen Frankreich und Spanien in den Departements Hautes-Pyrénées, Haute-Garonne, Ariège und Pyrénées Orientales. Es sind grandiose Landstriche mit majestätischen Gipfeln, einer vielerorts noch gepflegten Weidewirtschaft, geschützter Natur, großartigen Sehenswürdigkeiten und zahlreichen Thermalbädern. Ob touristische Highlights oder weniger Bekanntes wie der Almauftrieb der Mérenspferde oder Entspannung im Naturdampfbad, in den Pyrenäen gibt es viel zu entdecken.

Seit 20 Jahren Gipfeltourismus

Das ist der Gipfel: der 2.877 Meter hohe Pic du Midi. – Foto Dominique Viet/CRT Occitanie

Das Panorama der Pyrenäen-Kette auf dem 2.877 m hohen Gipfel des Pic du Midi und der Blick in den Nachthimmel waren zunächst nur Wissenschaftlern und Astronomen vergönnt. Die Ende des 19. Jahrhunderts erbaute höchste Sternwarte Europas ist jedoch seit 20 Jahren auch für Besucher zugänglich. Seither begeistern sich Touristen am Tag für eine grandiose Aussicht von 360 Grad über die Pyrenäen-Gipfel und nachts für den Sternenhimmel. Aufgrund der perfekten Konditionen erhielt der Pic du Midi 2013 das Label RICE (Internationaler Sternenpark). Zu einem besonderen Erlebnis wird die Übernachtung in der Sternwarte wo Gäste aktuelle astronomische Beobachtungen auf Bildschirmen verfolgen. Das zwanzigjährige Jubiläum der Öffnung des Pic du Midi für Besucher soll in diesem Sommer mit einer Reihe von Veranstaltungen gewürdigt werden.

Almauftrieb der schwarzen Prinzen

Wiehernde Besonderheit in den Pyrenäen: Die Mérens. – Foto Stephane Meurisse/ADT Ariege

Mérens ist eine typische Pferderasse der Pyrenäen mit schwarzem Fell. Lange Zeit waren sie unentbehrliche Helfer der Bauern, die ihre mutigen Gebirgspferde als die schwarzen Prinzen bezeichnen. Die nach wie vor auf den Sommerweiden wild aufwachsenden, trittsicheren Mérens sind mittlerweile bei Trekkingreitern aufgrund ihrer Ausdauer und Robustheit sehr beliebt. Am letzten Maiwochenende beginnt für die Stutenherde und den Hengst des Gestütes Haras Picard du Sant die Zeit des freien Lebens auf der Alm.

Der Züchter und Pferdeflüsterer Jean-Louis Savignol ermöglicht Reitern – sofern die Corona bedingten Einschränkungen dann aufgebhoben sind – vom 28. bis 31. Mai 2020 beim Almauftrieb seiner Herde mitzumachen. Das Programm umfasst die erste Übernachtung in den Gästezimmern des Gestütes und den Zweitagesritt von Laserre bis zur Sommerweide am Etang de l’Hers mit einer Nacht im Biwak. Für Verpflegung, Mérenspferd und eine legendär gute Stimmung ist gesorgt. Freunde der schwarzen Prinzen mit entsprechender Kondition haben dabei aktiven Anteil am gesamten Almauftrieb und der Arbeit der seit Jahrzehnten sehr engagierten Züchterfamilie. Wer im Mai nicht dabei sein kann, hat die Möglichkeit im Oktober beim Almabtrieb mitzureiten.

„Le Canari“

Besondere Bahnerlebnisse verspricht die Train Jaune bei der Fahrt durch die Pyrenäen. – Foto Office de Tourisme Font Romeu

Aufgrund seiner gelben Farbe wird die kleine Bahn, die Villefranche-de-Conflent mit Mont-Louis verbindet, liebevoll „Kanarienvogel“ genannt. Seit 1910 rattert der Zug über eine 60 km lange spektakuläre Strecke bergan. Wenn er nicht gerade in einem der 19 Tunnel verschwindet, genießen die Passagiere atemberaubende Aussichten. Bei der Fahrt durch grandiose Landstriche im Regionalen Naturpark der katalanischen Pyrenäen überquert der „Train jaune“ die beeindruckende Hängebrücke Gislard über einem 65 m tiefen Abgrund. Villefranche-de-Conflent mit seinen malerischen Gassen darf sich zu den „Schönsten Dörfern Frankreichs“ zählen. Die von Vauban, dem Baumeister des Sonnenkönigs, verstärkten Stadtmauern und die Festung Libéria gehören ebenso zum UNESCO- Welterbe wie die drei Kilometer langen Festungsmauern und die Zitadelle von Mont-Louis. Der kleine gelbe Zug bildet den reizvollen Bindestrich zwischen zwei großartigen Sehenswürdigkeiten am Fuße des mächtigen Hausberges Canigou. Weitere Informationen unter www.tourismusoccitanie.de.

Karsten-Thilo Raab

berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten für eine Vielzahl von Zeitungen und Magazinen über Reiseziele weltweit. Zudem hat er sich einen Namen als Autor von mehr als 120 Reise-, Wander- und Radführern sowie Bildbänden gemacht.