Das andere Japan: Naked Man Festival in Okayama

Okayama
Das Naked Man Festival in Okayama blickt auf eine 500-jährige Tradition.

Erinnert sich noch jemand an die Ice Bucket Challenge, den Medienhype des Sommers 2014? Im Vergleich zum „Saidaiji Eyo Hadaka Matsuri“ oder „Naked Man Festival“, das jedes Jahr in einer bitterkalten Winternacht in Okayama auf der Insel Honshu stattfindet, war das, mit Verlaub gesagt, eine Herausforderung für Warmduscher. Wer eine echte Challenge für mutige Männer sucht, sollte bei dem Fest zu Ehren von Kannon, der Bodhisattva des Mitgefühls, mitmachen und wird danach vielleicht um eine tiefe spirituelle Erfahrung reicher sein.

Okayama
Gut 10.000 nur sprärtlich bekleidete Männer kommen eigens zum Festival zum Saidaiji Kannon-in Tempel in Okayama.

Das Fest der nackten Männer wird seit über 500 Jahren am dritten Samstag im Februar rund um den Saidaiji Kannon-in Tempel in Okayama in der Region Setouchi begangen und ist damit das drittälteste Festival in Japan. Um diese Jahreszeit ist es auch am Seto Binnenmeer winterlich kalt, so dass es schon viel Überwindung kostet, nur mit Tabi Socken und dem traditionellen Mawashi, einem Lendenschurz aus Leinen, bekleidet, stundenlang durch das Tempelgelände zu laufen und sich in ein Brunnenbecken mit eiskaltem Wasser zu stürzen.

Kollektives Ringen um duftende Holzstäbe

Zwei Shingi genannte, duftende Holzstäbe sind das Objekt der Begierde für die „nackten“ Männer.

Aber man ist dabei nicht allein, an die 10.000 Männer teilen die frostige Erfahrung, feuern sich mit lauten Rufen und Sprechchören gegenseitig an und ringen um zwei Shingi genannte, duftende Holzstäbe, die von den Tempelpriestern in die Menge geworfen werden. Wer einen fängt, darf für das ganze kommende Jahr Glück und Gesundheit erwarten und wird „Fukuotoko“ – Glückspilz – genannt. Unter den Einheimischen gilt das als die größte Ehre. Auch 100 weitere Glücksbringer, die von den Priestern verteilt werden, sind heißbegehrt.

Der Korakuen-Garden mit dem Saidaiji Kannon-in Tempel ist auch abseits der Festivals einen Besuch wert. – Fotos Okayama Prefectural Tourism Federation

Die asketische Übung ist vor allem auch ein großartiges Gemeinschaftserlebnis, an dem viele Freundesgruppen und Firmenbelegschaften geschlossen teilnehmen. Auch Gäste aus aller Welt sind als Teilnehmer willkommen. Wer dabei sein möchte, muss sich lediglich vorab im Tempel anmelden und sich einen Lendenschurz und Tabi Socken kaufen. Ein guter Tipp ist es, rechtzeitig zu kommen und Anschluss an eine der Gruppen zu suchen, die sich in Zelten auf das Fest vorbereiten. Die neuen Freunde gewähren dem Gast Obdach, um sich vor und nach dem Fest aufzuwärmen und helfen beim korrekten Anlegen des Mawashi. Weitere Informationen unter https://setouchitrip.com.

Mortimer

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