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Von 24. August 2017 Mehr →

Bukhara – der Wüstentraum für Orientsüchtige

Direkt im Herzen von Bukhara gelegen: die mächtige Zitadelle. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Direkt im Herzen von Bukhara gelegen: die mächtige Zitadelle. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Staubig ist es – und heiß. Kein Wunder, liegt Bukhara (auch Buchara) doch mitten in der Wüste. Doch mit der romantischen Vorstellung einer kleinen Oase mit einer Wasserstelle und ein paar Palmen hat dieses Fleckchen Erde an der legendären Seidenstraße in Usbekistan wenig zu tun. 270.000 Einwohner tummeln sich in der riesigen Oasenstadt. Von der umliegenden Kysylkum-Wüste ist im Herzen von Bukhara, das in der Landessprache Buxuro heißt, wenig zu spüren. Stattdessen erinnert das malerische Zentrum an einen wahr gewordenes Märchen aus 1001 und einer Nacht.

Mehr als 140 architektonische Meisterwerke aus verschiedenen Jahrhunderten – allesamt in Lehmfarben oder Blau-Töne gehüllt und vielfach mit kunstvollen Ornamenten, Fliesen und Mosaiken verziert – dokumentieren auf kleinem Raum die ganze Pracht des Orients. Kein Wunder, dass die UNESCO die historische Altstadt von Bukhara mit ihren Kuppeln, Minaretten, Moscheen, Palästen und Prachtbauten im Jahre 1993 komplett als Weltkulturerbe unter ihren Schutz nahm.

Allabendlich prächtig illuminiert: Die Nodir Devon Medresse in Bukhara. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Allabendlich prächtig illuminiert: Die Nodir Devon Medresse in Bukhara. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Wo einst die Karawanen auf ihrem langen, entbehrungsreichen Weg entlang der Seidenstraße Rast fanden, wird noch heute unter den Kuppeln der Basare wie in längst vergangenen Zeiten wild gestikulierend gefeilscht und gehandelt. Handgeschmiedete Messer und wertvolle Teppiche werden ebenso feilgeboten wie Marionetten oder punzierte Kupferschalen. Auch orientalische Gewürze und vor allem die wertvollen Stoffe, die dem Handelsweg einst ihren Namen gaben, werden wie in längst vergangenen Zeiten gehandelt. Noch immer findet das fast schwerelose Gespinst, für das schon vor Hunderten von Jahren hohe Preise erzielt wurden, großen Absatz.

„Echte Seide ist daran zu erkennen, dass sie nicht knittert“, verrät Muzafar Khodjayev, der vor allem für seine Herzensdame gerne den wertvollen Stoff erwirbt. Er selber vertraut vornehmlich auf die heimische Baumwolle. Wohl auch, weil er während seiner Jahre an der Universität ebenso wie seine Studienkollegen in den Semesterferien am Oasenrand Baumwolle pflücken musste.

„Das ist die usbekische Form des Bafög“, verweist der 35-jährige schmunzelnd auf die Tatsache, dass die Studierenden zwei- bis dreimal pro Jahr als Erntehelfer zur Feldarbeit zwangsverpflichtet sind und im Gegenzug die Studiengebühren erlassen bekommen.

Farbenfroh und beeindruckend: die Ulugbek Medresse in Bukhara. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Farbenfroh und beeindruckend: die Ulugbek Medresse in Bukhara. (Foto Karsten-Thilo Raab)

„Usbekistan gehört zu den fünf größten Baumwollproduzenten der Erde“, so Muzafar weiter. Heute muss er sich nicht mehr als Baumwollpflücker betätigen. Stattdessen arbeitet er als Touristenführer und gibt Nachhilfe in Deutsch. Er selber hat die Sprache fast akzentfrei an der Universität von Urgench gelernt. Ganze drei Wochen war er im Rahmen eines Stipendiums in Bayern und doch weiß er mehr über Deutschland als mancher Deutscher. Mehr noch kennt er sich natürlich in seiner Heimat aus.

„Für die Menschen hier in den Oasen, ist Wasser zu verkaufen, seit jeher eine Sünde“, unterstreicht Muzafar und fügt schmunzelnd hinzu: „Daher muss man in den Geschäften auch nur für die Flaschen und nicht für den Inhalt bezahlen.“

Und das Bezahlen ist in Usbekistan durchaus etwas Besonderes. Dank der rasant galoppierenden Abwertung des Sum, der Landeswährung, schleppt ein jeder tütenweise Geld mit sich herum. Riesige Mengen, die jedoch wenig wert sind. Für einen Möbel- oder Autokauf – Kreditkarten sind unter den Einwohnern nicht groß verbreitet und werden nur in wenigen Geschäften akzeptiert – wird dann schon mal Bares in einer Schubkarre zum Händler gefahren, der dann Berge an Geld nachzählen muss. Beim Einkauf im Basar begleiten Männer mit Tüten voller Sum ihre Frauen.

Gut versteckt inmitten eines Wohngebietes liegt due Chor Minor Moschee. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Gut versteckt inmitten eines Wohngebietes liegt due Chor Minor Moschee. (Foto Karsten-Thilo Raab)

„Das ist irgendwie auch praktisch. So haben wir immer eine Tragetasche für das Gekaufte dabei“, nimmt Muzafar das Geldphänomen mit Humor. Dann bleibt er bei einem Souvenirverkäufer stehen, der neben Aladin-Schuhen, handgeknüpften Teppichen und Seidenschals bunte und ungewöhnliche Hüte an den Mann bringen möchte. Darunter auch Mützen mit dem langen, zotteligen Fell der robusten Karakulschafe, die in der Steppe Usbekistans zuhause sind. Wer so einen Kopfwärmer mitten in der Wüste braucht, bleibt allerdings rätselhaft, zumal selbst in kalten Wintern die Quecksilbersäulen kaum unter fünf bis acht Grad sinken.

Teehändler im überdachten Basar von Bukhara. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Teehändler im überdachten Basar von Bukhara. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Aber die Basare sorgen ebenso wie die vielen, vielen Baudenkmäler für das besondere Flair im Herzen von Bukhara. Während die normalen, meist einfachen Wohnhäuser mit luftgetrockneten Ziegeln gemauert und mit Lehm und Stroh verputzt sind, wird die Altstadt vom ehemaligen Palast des Emirs, der Ark Festung, flankiert. Die mächtige, von bis zu 13 Meter hohen Mauern umgebene Zitadelle sowie eine Moschee aus dem Jahre 1712 liegen auf einer künstlichen Anhöhe. Davor breitet sich der Registanplatz aus, der einst auch Ort öffentlicher Hinrichtungen war.

„Wer früher am Portal des Palastes vorbeiging, ohne sich zu verbeugen, wurde öffentlich ausgepeitscht“, weiß Muzafar um die rauen Sitten in längst vergangenen Zeiten, als Bukhara auch ein bedeutendes religiöses Zentrum war. Davon zeugt auch das Poi Kalon Ensemble mit dem stolzen, 46 Meter hohen Minarett von 1127, der Moschee aus dem 15. Jahrhundert und der 1536 eröffneten Arab-Madrasa. Die seit gut 500 Jahren existierende Koranschule ist die älteste, durchgehend im Betrieb befindliche in Zentralasien. Zu Spitzenzeiten zählte Bukhara neben der Arab-Madrasa weitere rund 200 (!) Koranschulen.

Usbekistan

Das Ismail Samani Mausoleum aus dem späten 9. Jahrhundert ist das älteste Bauwerk der islamischen Welt.(Foto Karsten-Thilo Raab)

„In den Turmfenstern der Minarette wurde früher nachts Feuer gemacht. Sie waren quasi die Leuchttürme in der Wüste“, nennt Muzafar noch weitere Funktionen der hoch aufragenden Gemäuer: „Natürlich hat von dort der Muezzin gerufen. Von dort oben wurden aber auch verurteilte Verbrecher einfach in die Tiefe geworfen“, glaubt nicht nur Muzafar, dass in der guten alten Seidenstraßen-Zeit nicht alles Gold war, das glänzt.

Westlich der Altstadt befindet sich mit dem Ismail Samani Mausoleum aus dem späten 9. Jahrhundert das älteste Bauwerk der islamischen Welt. Der zehn mal zehn Meter große Prachtbau mit Kuppel und den 2,45 Meter dicken Wänden wurde komplett aus gebrannten Ziegeln gemauert. Der Sage nach hat jeder, der aus dem Mausoleum herauskommt und dieses dann dreimal gegen den Uhrzeigersinn umrundet, einen Wunsch frei.

Einer der vielen Prachtbauten in Bukhara: die Kaljan Moschee. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Einer der vielen Prachtbauten in Bukhara: die Kaljan Moschee. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Nicht weit entfernt findet sich das Chasma-Ayub-Mausoleum. Der größte Schatz des Bauwerks aus dem 12. Jahrhundert ist aber die im Inneren befindliche Hiobs (Ajub) Quelle.

„Der Legende nach soll hier in Bukhara eine große Dürre geherrscht haben und die Menschen mussten dursten. Dann kam Hiob hier zufällig vorbei, rammte seinen Stock in den Boden und das Wasser sprudelte heraus“, beteuerte Muzafar, dass das Wasser heilende Wirkung habe und schöpft sich etwas von dem wertvollen Nass mit Hilfe eines Blechbechers ab.

Abendstimmung an einem der überdachten Basara von Bukhara. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Abendstimmung an einem der überdachten Basara von Bukhara. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Was das heilige Wasser genau heilen soll, vermag Muzafar jedoch nicht zu sagen. Die Wunden aus der Zeit, als Usbekistan unter dem Joch der Sowjetunion stand, sind es auf jeden Fall nicht. Denn die sind auch fast ein Vierteljahrhundert nach Erlangen der Selbständigkeit nicht verheilt. Davon zeugen auch die riesigen Plattenbauten die außerhalb des historischen Zentrums ein ganz anderes Bild von Bukhara vermitteln – ein Bild das im Gegensatz zum historischen Zentrum die Besucher nur bedingt zu fesseln vermag.

Allgemeine Informationen: www.uzbektourism.uz, www.buxoro.uz

Lage: Usbekistan ist seit 1991 eine unabhängige Republik in Mittelasien. Umgeben ist das Land im Westen und Norden von Kasachstan und Kirgisien; im Osten grenzt es an Tadschikistan, im Südosten an Afghanistan und im Süden an Turkmenistan. Die Oasenstadt Bukhara liegt in der Wüste Kysylkum im Süden des Landes in der gleichnamigen Provinz.

Prachtvoll verziert sind die Gebäudeteile der Zitadelle. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Prachtvoll verziert sind die Gebäudeteile der Zitadelle. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Anreise: Von Deutschland aus werden Urgench und Taschkent im Charterverkehr von Germania angeflogen. Die Flugzeit von Deutschland aus beträgt rund fünfeinhalb Stunden.

Einreise: Für die Einreise ist neben einem gültigen Reisepass ein kostenpflichtiges Visum notwendig.

Zeitunterschied: Im Winter ist Usbekistan der Mitteleuropäischen Zeit vier Stunden voraus, im Sommer drei Stunden.

Der Sommerpalast des letzten Emirs von Bukara. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Der Sommerpalast des letzten Emirs von Bukara. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Sprache: Usbekisch. Für Reisende aus Europa sind russische Sprachkenntnisse oft nützlicher als Englisch. Obschon die lateinische Schrift inzwischen eingeführt ist, bleibt die kyrillische Schrift stark verbreitet.

Religion: Usbekistan ist ein vorwiegend muslimisch geprägtes Land, wenn auch in sehr gemäßigter Form. Die Frauen tragen keine Schleier, der Ruf des Muezzins ist untersagt und Männer trinken häufig auch Alkohol.

Reisezeit: Bukhara (auch Buchara) ist ein Ganzjahresziel. Die besten Reisemonate sind jedoch zwischen Anfang September und Ende November/Anfang Dezember sowie von April bis Mitte Juni.

Tipp: Außerhalb der Stadt befindet sich der Sommerpalast des letzten Emirs von Bukara. Zu sehen ist hier unter anderem der ehemalige Harem. Lohnend ist auch ein Abstecher zur Chor-Minor Moschee. Diese liegt inmitten eines traditionellen Wohngebietes und gemahnt optisch an die Sparausgabe des indischen Taj Mahal.

Essen & Trinken: Cafe Wishbone, Ulitsab Khakikat 1a, Bukhara, Telefon 00998-936230618. In der Altstadt gelegenes Café unter Leitung der Deutschen Gertrud Schrenk mit kleiner Karte.

Übernachten: Komil Bukhara Boutique Hotel, 40 Barakyon Street, Bukhara, Telefon 0099865-2210800, www.komiltravel.com. Gemütliches Hotel am Rande der Altstadt.


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