Von 18. Januar 2020 Mehr →

Alice Springs auf den Spuren der Aborigines

Alice Springs

Die Yubu Napa Art Gallery in Alice Springs präsentiert einige der namhaftesten Aborigines-Künstler des Outbacks. – Foto Tourism NT/Shaana McNaught

Willkommen in Mpwante! So lautet der Name von Alice Springs in der Sprache der traditionellen Landbesitzer, den Arrernte. Sie kennen die Stadt und ihre Umgebung im roten Herzen Australiens besser als jeder andere – von den imposanten MacDonnell Ranges über den Finke River National Park bis hin zum Rainbow Valley. Seit über 30.000 Jahren existiert Alice Springs und gilt heute als perfekter Ausgangsort für eine Reise durch das Rote Zentrum im Northern Territory Australiens. Doch auch die Stadt selbst bietet viel Sehenswertes, das Erbe der Arrernte ist nach wie vor sehr lebendig und für Besucher erlebbar: In den unzähligen Kunstgalerien finden Reisende Werke der renommiertesten Aborigine-Künstler und können ihnen beim Malen der berühmten Punktzeichnungen über die Schulter schauen oder sogar selbst aktiv werden. Kundige Aborigine-Guides führen zudem rund um Alice Springs durch das Outback und geben Einblicke in ihre Überlebensstrategien in der Wildnis.

Yubu Napa: Kunstgalerie mit Mission

In der Yubu Napa Art Gallery lassen sich Künstler bei der Arbeit bereitwillig über die Schultern schauen. – Foto Tourism NT/Shaana McNaught

Die Yubu Napa Art Gallery in Alice Springs widmet sich ganz der Aborigine-Kunst. Der Name stammt aus einem indigenen Dialekt aus dem Top End und bedeutet sowohl „schön“ als auch „tue das Richtige“. Dieser Bedeutung ist sich das Kunstzentrum bewusst: Es hat die schönsten Werke renommierter Aborigine-Künstler sowie aufstrebender Talente zusammengetragen und sorgt für faire Arbeitsbedingungen und Entlohnung. Der Galerie ist ein Kunststudio angeschlossen, wo Besucher die Entstehung der berühmten traditionellen Punktzeichnungen hautnah miterleben können.

In der Yubu Napa Art Gallery erläutern Künstler auch gerne die Intention ihrer Werke. – Foto Tourism NT/Shaana McNaught

Die Betreiber der Galerie ermutigen die Aborigine-Künstler, sich auszuprobieren und unterstützen innovative Ansätze – das Resultat sind einzigartige zeitgenössische Interpretationen, die es so sonst nirgendwo auf der Welt zu sehen gibt. Sämtliche Gemälde sind im Shop von Yubu Napa käuflich zu erwerben. Neben Gemälden finden Besucher Glaskunst aus Alice Springs, Töpferei von den Wallace Rockhole Potters, Fotografien aus Zentralaustralien, handgemachten Schmuck und weitere Unikate von einheimischen Aborigine-Künstlern. Zu den weiteren empfehlenswerten Kunstzentren in Alice Springs zählen Tjanpi Desert Weavers, Bindi oder Tangentyere Artists.

Auf Nahrungssuche durch das Outback

Alice Springs

Rund um Alice Springs findet sich jede Menge schmackhaftes Bush-Tucker. – Foto Tourism NT/Shaana McNaught

Bob „Penunka“ Taylor stammt aus einer Arrernte-Familie aus dem Rainbow Valley und erkannte schon früh seine beiden großen Leidenschaften: Kochen und Tourismus. Beide verbindet er seit einigen Jahren: Bob gründete RT Tours und zeigt Reisenden authentisch und lehrreich die Kultur und Kulinarik der Arrernte. Seine Touren führen in die Umgebung von Alice Springs zu den West MacDonnell Ranges, wo er mit seinen Gästen auf die Suche nach „Bush Tucker“ geht. So nennen Aborigines Nahrung aus dem Outback, die sie selbst sammeln und zubereiten. Bob erklärt, wie seine Vorfahren unter widrigen Bedingungen in der Wüste überlebt haben, wie sie Wasser und Nahrung fanden. Sie jagten Tiere wie Magpie-Gänse, Kängurus oder Schlangen und grillten sie in selbstgebauten Buschöfen.

Bob Taylor zaubert aus dem Bush-Tucker eine leckere Mahlzeit. – Foto Tourism NT/Flow-Mountain-Bike

Auch für Vegetarier gibt es mehr als genug einzigartige Zutaten im Outback zu finden: Busch-Bananen, wilde Wassermelonen und Trauben, Wasserlilie, Yamswurzel sowie dutzende Arten von Bohnen und Nüssen. Zu den beliebtesten Früchten zählt die Buschpflaume, die 50 Mal so viel Vitamin C wie eine Orange hat. Mutige testen die dicke, weiße Witchetty-Made, die in Wurzeln am Boden zu finden ist, nussig schmeckt und eine echte Proteinbombe ist. Als Dessert gönnten sich Aborigines häufig süße Honigameisen. Getreu dem Motto „Die Natur ist die beste Medizin“ nutzten die Arrernte ihr Pflanzenwissen auch, um Krankheiten zu behandeln: Grüne Ameisen gelten als ideales Grippemittel, Gold-Akazien-Saft lindert Kopfschmerzen. Wissen wie dieses vermittelt Bob Taylor bei seinen Touren rund um Alice Springs und erzählt Geschichten aus der Traumzeit, während er mit den Gästen unter freiem Himmel kocht.

Parrtjima: Festival des Lichts und der Farben

Das Parrtjima Festival versetzt Alice Springs in ein ganz besodneres Licht. – Foto Tourism NT/Flow-Mountain-Bike

Bei Parrtjima, dem einzigen authentischen Aborigine-Festival Australiens, wird in den West MacDonnell Ranges bei Alice Springs elf Tage lang die Kunst und Lebensart der Ureinwohner mit einem Lichtermeer zelebriert. In den zehn Festivalnächten erhellen tausende bunte Lichter die imposanten, 300 Millionen Jahre alten West MacDonnell Ranges bis zum Alice Springs Desert Park, wo viele Aufführungen auf Besucher warten. In interaktiven Workshops, bei Ausstellungen, Touren und Aufführungen wird die Lebensart und Kunst der Arrernte-Aborigines beleuchtet.

Prachtvoll werden die MacDonnell Ranges beim Parrtjima in Szene gesetzt. – Foto Tourism NT

Sie bereiten traditionelle Gerichte aus Outback-Zutaten vor und musizieren mit Didgeridoos, die aus dem Arnhem Land im Northern Territory stammen. Besucher sehen bei Ausstellungen natürlich auch die berühmten Punkt-Zeichnungen der Aborigines, die auf der ganzen Welt in Kunstgalerien zu finden sind. Die Teilnahme am Parrtjima-Festival in und rund um Alice Springs ist kostenlos, es findet 2020 vom 3. bis zum 12. April statt.

 Kunstatelier mit ausgezeichnetem „Stillen Örtchen“

Aboriginal Kunst wird auch im Tangentyere Artists Aboriginal Art Centre ausgestellt. – Foto Tourism NT

Künstlerin, Dichterin, Designerin, Unternehmerin: Kathleen Buzzacott, die in Alice Springs geboren wurde, vereint viele Talente. Zusammen mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern lebte sie lange Zeit in der Aborigine-Gemeinschaft von Hermannsburg im Northern Territory, bevor es sie zurück in ihre Geburtsstadt zog. Buzzacott ist stolz auf ihre Pitjantjatjara- sowie Arrernte-Wurzeln und verarbeitet sie in ihren Punktzeichnungen, die in vielen namhaften Galerien Australiens zu sehen sind. Seit 2014 betreibt Buzzacott gemeinsam mit ihrem Ehemann Keith und den beiden Söhnen ein Kunststudio bei Alice Springs.

Viele der Kunstwerke stehen auch zum Verkauf. – Foto Tourism NT/Shaana McNaught

Ihr Ehemann ist ebenfalls Aborigine, er gehört dem Stamm der Arrernte an. Gemeinsam erklärt das Paar Besuchern bei der „Yia Nuka Aboriginal Cultural Experience“ die Kunst und Lebensart ihrer Vorfahren. Das Besondere: Das Land, auf dem die Buzzacotts leben, ist für Fremde normalerweise nur mit Genehmigung zugänglich. Gemeinsam mit Kathleen können Reisende Schmuck herstellen, der aus Samen und Kernen aus dem Busch besteht, die Kathleen liebevoll mit Punktzeichnungen verziert hat. Sogar der Toilettenbesuch ist kunstvoll: Das stille Örtchen auf dem Gelände gewann dank des aufwendigen Punktdesigns 2017 den „International Toilet Tourism Award“.  Weitere Informationen unter www.northernterritory.com.