Von 19. September 2014 Mehr →

Taiping – die grüne Regenhauptstadt Malaysias

Lange stand Taiping unter britischem Einfluss. Noch heute erinnert nicht nur der Linksverkehr an diese Zeiten. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Lange stand Taiping unter britischem Einfluss. Noch heute erinnert nicht nur der Linksverkehr an diese Zeiten. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Grün ist es im Immer-warm-Land, wie Malaysia hier und da liebevoll genannt wird. Grün ist es vor allem rund um Taiping. Was daran liegt, dass die 220.000-Seelen-Gemeinde im Nordwesten der malaiischen Halbinsel reichlich mit Niederschlägen gesegnet ist. Denn Taiping ist so etwas wie die Regenhauptstadt Malaysias. Rund 4.000 Milliliter Niederschlag werden hier im Mittel pro Jahr gemessen. Dabei vergeht kaum ein Tag, an dem Petrus hier nicht wenigstens für ein paar Augenblicke die Himmelsschleusen öffnet. Ein Phänomen, das dazu führt, dass es in Taiping längst Volkssport ist, auf den Regen zu wetten. Die Bewohner stellen daher einen Teller auf dem zentralen Marktplatz auf und messen den exakten Zeitpunkt, wann der erste Tropfen des Tages auf den Teller trifft. Eine Art Regen-Lotterie, bei dem derjenige den täglich neu gefüllten Jackpot knackt, der die genaue Uhrzeit des Regenfalls vorherzusagen vermag.

Nicht nur die Teilnehmer an der Regen-Lotterie stört das feuchte Nass, das in der Regel eher ein warmer Regen ist, nicht wirklich. Vielmehr findet sich das Gros der Restaurants mehr oder weniger unter freiem Himmel. Die meisten gastronomischen Einrichtungen der Stadt verfügen häufig über keine Seitenwände und sind nur durch ein einfaches Wellblechdach beschattet beziehungsweise vor Regen geschützt.

Auch das Mobiliar ist zumeist eher spartanisch. Plastikstühle in allen Farben und wackelige Plastiktische gehören zur Standartausrüstung. Dafür werden zu den Mahlzeiten auch keine Messer gereicht. Neben Stäbchen stehen hier allenfalls auf Wunsch Löffel und Gabel zur Verfügung.

Die Gastronomie-Szene in Taiping setzt in punkto Mobiliar häufig auf Plastik. Dafür haben Restaurants zumeist auch keine Außenwände. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Die Gastronomie-Szene in Taiping setzt in punkto Mobiliar häufig auf Plastik. Dafür haben Restaurants zumeist auch keine Außenwände. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

„Was sich nicht mit Löffel und Gabel durchtrennen lässt, ist schlecht gekocht oder schlechte Qualität“, gewinnt Yuén Wai Chan dem Fehlen von Messern seine positive Seite ab, auch wenn dies insbesondere Europäer immer wieder vor ungewohnte Herausforderungen stellt.

Chan ist ein kleiner, drahtiger Mann. Eloquent, mit gutem deutschen Wortschatz, den er sich beim Goethe-Institut in der Landeshauptstadt Kuala Lumpur angeeignet hat. Wie alle chinesisch stämmigen Malaien hat sich der 55-jährige Fremdenführer selber einen englischsprachigen Spitzenamen zugelegt und nennt sich „very British“ schlicht „Raymond“ oder, wenn es seriöser klingen soll, „Mister Raymond“.

Gralshüter der langen Geschichte von Taiping: Das Perak-Museum. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Gralshüter der langen Geschichte von Taiping: Das Perak-Museum. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

„Taiping ist eine der ältesten und geschichtsträchtigsten Städte Malaysias“, betont Raymond mit sonorer Stimme, während er zu einer kleinen verbalen Zeitreise einlädt: „Mitte des 18. Jahrhunderts wurden hier in der Region große Zinnvorkommen – vor allem an den Ufern des Flusses Sungai Larut – entdeckt. Dies war Fluch und Segen zugleich“, verweist Raymond auf die Tatsache, dass in der Stadt, die früher Larut hieß, dank der Bodenschätze ein enormer wirtschaftlicher Aufschwung einsetzte. Andererseits wurden dadurch verschiedene Triaden-Vereinigungen auf den Plan gerufen, die den Zinnabbau und damit die riesigen Einnahmen kontrollieren wollten. Was schließlich dazu führte, dass sich die kriminellen Organisationen blutige Auseinandersetzungen lieferten, die als Larut-Kriege Eingang in die malaiischen Geschichtsbücher fanden. Erst auf Druck der britischen Kolonialherren gelang es im Jahre 1874 die verfeindeten Triaden zu befrieden.

Auch der Flora und Fauna der Region ist im Perak-Museum ein großer Ausstellungsbereich gewidmet. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Auch der Flora und Fauna der Region ist im Perak-Museum ein großer Ausstellungsbereich gewidmet. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

„Mit dem Vertrag von Pangkor endeten die Kämpfe und Larut wurde in Taiping, was so viel heißt wie „Stadt des ewigen Friedens“, umbenannt“, rundet Raymond seinen Streifzug durch die Geschichte ab. Gleichzeitig verweist er mit Stolz darauf, dass die erste Eisenbahnlinie des Landes im Jahre 1885 Taiping mit dem Küstenstädtchen Port Weld, dem heutigen Kuala Sepetang, verband.

All dies ist wie der Zinnabbau Geschichte. Und doch hat die Förderung des wertvollen Metalls das Gesicht der Stadt bis heute geprägt. Ab dem Jahre 1880 wurden die vom Tagebau aufgerissenen, riesigen Löcher systematisch geflutet und unter britischer Herrschaft in den ersten öffentlichen Park des Landes umgewandelt. Mit seinen künstlichen Seen und herrlichen Regenwaldbäumen suchen die Taiping Lake Gardens (Talman Tasilk) landesweit ihresgleichen. Auf schmalen, von knorrigen Bäumen gesäumten Wegen lassen sich die verschiedenen kleinen Seen umrunden.

Aus den einstigen Löchern des Tagebaus sind heute die Seen der Taiping Lake Gardens geworden. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Aus den einstigen Löchern des Tagebaus sind heute die Seen der Taiping Lake Gardens geworden. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Derweil wird die Geschichte der Stadt in der First Galleria Taiping aufgearbeitet, während das sehenswerte Perak Museum mit seiner umfangreichen natur- und völkerkundlichen Sammlung begeistert. Das älteste Museum der malaiischen Halbinsel, im Jahre 1883 in einem schmucken Kolonialbau eröffnet, beherbergt mehr als 8.500 historische, archäologische und ethnologische Exponate. Größter Besuchermagnet der Stadt ist jedoch neben den Lake Gardens der älteste Zoologische Garten Malaysias. Mehr als 700.000 Besucher strömen jährlich zum Taiping Zoo.

„Ein absolutes Muss ist eine Nachtsafari im Zoo“, schwärmt Raymond. Wohl wissend, dass bei den beliebten Rundgängen nach Einbruch der Dunkelheit dank eines speziellen Beleuchtungskonzeptes nachtaktive Tiere aus nächster Nähe beobachtet werden können.

Dunkle Wolken - wie hier an den Taiping Lake Gardens - sind in Malaysias Regenhauptstadt an der Tagesordnung. (Foto: Karsten-Thio Raab)

Dunkle Wolken – wie hier an den Taiping Lake Gardens – sind in Malaysias Regenhauptstadt an der Tagesordnung. (Foto: Karsten-Thio Raab)

„Viele Bereiche des Zoos sind dem natürlichen Lebensumfeld der Tiere angepasst, so dass man mitunter das Gefühl hat, man stehe mitten im Dschungel“, kommt nicht nur Raymond immer wieder gern vor allem abends in den 34 Hektar großen Zoo. Rund 130 Tierarten mit zusammen gut 1.300 Tieren sind hier anzutreffen – darunter Nilpferde, Elefanten, Krokodile, Löwen, Nashörner, Orang-Utans, Doppelhornvögel und verschiedene Raubkatzen wie der Tiger.

Während der nächtlichen Führung sind die Besucher gehalten, die eigenen Geräusche auf ein Minimum zu reduzieren, so dass die Geräusche der nachtaktiven Tiere besonders intensiv wahrgenommen werden können. Tatsächlich knackt, summt und brummt es überall. Fast ständig ist irgendwo ein Grunzen, Knurren, Trompeten, Flattern oder Schnattern zu hören, was der Nachtsafari einen Hauch von Dschungeltour verleiht – und dies mitten im regenreichen Taiping.

Bei der Nachtsafari im Taiping Zoo lassen sich Raubkatzen bei ihren nächtlichen Streifzügen beobachten. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Bei der Nachtsafari im Taiping Zoo lassen sich Raubkatzen bei ihren nächtlichen Streifzügen beobachten. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Allgemeine Informationen: www.tourismmalaysia.de

Lage: Der 329.758 Quadratkilometer große Bundesstaat Malaysia liegt in Südostasien. Er umfasst den Südteil der malaiischen Halbinsel und den Norden der Insel Borneo. Im Norden grenzt Malaysia an Thailand. Der Westen der malaiischen Halbinsel grenzt an die Wasserstraße von Malakka, der Osten an das Südchinesische Meer. Taiping liegt im Bunbdesstaat Perak im Nordwesten der malaiischen Halbinsel.

Anreise: Malaysia Airlines bietet ab Frankfurt am Main ab 595 Euro Direktflüge nach Kuala Lumpur an. Die Flugzeit beträgt rund zwölf Stunden. Von Kuala Lumpur verkehrt viermal täglich ein Zug nach Taiping. Die Fahrzeit beträgt rund vier Stunden. Zudem verkehrt von KL sechsmal täglich ein Bus nach Taiping.

Zu Fuß oder mit dem Elektrombil geht es auf die nächtliche Tour durch den Zoo in Taiping. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Zu Fuß oder mit dem Elektrombil geht es auf die nächtliche Tour durch den Zoo in Taiping. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Einreise: Für die Einreise genügt ein mindestens noch sechs Monate gültiger Reisepass. Bei Aufenthalten von mehr als drei Monaten wird ein Visum benötigt.

Zeitzone: Malaysia ist in den Wintermonaten der mitteleuropäischen Zeit um sieben Stunden voraus, der mitteleuropäischen Sommerzeit um sechs Stunden.

Sprache: Malaiisch ist National- und Amtssprache. Englisch ist als Verkehrs- und Bildungssprache weit verbreitet.

Religion: Rund 57 Prozent der Malaien sind muslimischen Glaubens.

Hollywood lässt grüßen: Taiping-Schriftzug an den Lake Gardens. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Hollywood lässt grüßen: Taiping-Schriftzug an den Lake Gardens. (Foto: Karsten-Thilo Raab)

Klima: Aufgrund der Nähe zum Äquator liegen die Temperaturen ganzjährig bei 28 bis 32 Grad Celsius und sinken nachts nur selten unter 22 Grad Celsius. Der Westen der Halbinsel lässt sich bei nur mäßiger Schauerneigung zu jeder Jahreszeit gut bereisen. Allerdings kann die Luftfeuchtigkeit bisweilen bei über 80 Prozent liegen.

Gesundheit: Empfohlen wird ein Impfschutz gegen Tetanus, Diphtherie, Polio, Hepatitis A. Wichtig ist zudem ein effektiver Mückenschutz.

Währung: Die malaysische Landeswährung heißt Ringgit (MYR). 1 MYR entspricht 0,22 Euro; ein Euro entspricht 4,52 MYR.

Sehenswürdigkeiten: First Galleria Taiping, PWD 105 Station Road, 34000 Taiping, Perak, Telefon 00605-8052136 www.firstgalleria.com.my

Perak Museum, Jalan Taming Sari, Taiping, 34000 Perak, Telefon 058-072057, www.jmm.gov.my/en/museum/perak-museum.

Taiping Zoo, Jalan Pekeliling, Taman Tasik Taiping, 34000 Taiping, Perak Darul Ridzuan, Malaysia, Telefon 0605-8086577, www.zootaiping.gov.my. Der Zoo ist täglich von 8.30 bis 18 Uhr geöffnet. Night Safaris werden zwischen 20 und 23 Uhr angeboten. Der Eintritt beträgt für Erwachsene 16 Ringgit, für Kinder 8 Ringgit, für die Nachtsafari 20 Ringgit beziehungsweise 10 Ringgit.

Essen und Trinken: Die malaysische Küche bevorzugt heimische Zutaten wie Kokosnuss, Chili, Zitronengras, Limettengrün, zubereitet mit Fisch oder Fleisch und Gemüse. Besonders beliebt ist „Satay“, in Kurkuma mariniertes Fleisch, auf Spieße gesteckt und über dem Holzkohlengrill geröstet, das zusammen mit einem Erdnussdip serviert wird.

Blick vom Dach des Flemington Hotels. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Blick vom Dach des Flemington Hotels. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Restaurants: Jing Yik Man Tang, 27 Jalan Maharajalela, 34000 Taiping, Perak, Telefon 058-065622. Malaiische Küche unter einem Blechdach.

Gate Café, 34 Jalan Maharajalela, 34000 Taiping, Perak, Telefon 058-065622. Auf den Tisch des Hauses kommen asiatische Gerichte mit einer westlichen Note.

Übernachten: Flemington Hotel, 1 Jalan Saman, 34000 Taiping, Perak, Telefon 058-207777, www.flemingtonhotel.com.my. Eines der besten Häuser der Stadt, direkt an den Lake Gardens gelegen mit herrlichem Pool auf dem Dach.

Taiping Golf Resort, Jalan Bukit Jana, 34600 Kamunting, Telefon 05-8836700, www.taipinggolfresort.com. Etwas außerhalb des Stadtzentrums gelegen mit eigenem Golfplatz.

Legend Inn, 2 Jalan Long Jaafar, 34000 Taiping, Perak, Telefon 058-060000, www.legendinn.com. An der zentralen Busstation gelegen. Einfache, großzügige Zimmer.

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