Vaduz: Kleine Hauptstadt mit großem Flair

Vaduz
Auf kleinem Raum hat Liechtensteins Hauptstadt Vaduz viel zu bieten. – Foto Karsten-Thilo Raab

Liechtensteins Hauptstadt Vaduz entpuppt sich als ein Dorf mit einem Hauch von Weltstadtflair. Entlang der Fußgängerzone Städtle finden sich nicht nur die wichtigsten Bauten und Museen der Kapitale, sondern auch Designerläden, Souvenirshops, Boutiquen, Restaurants, Regierungsgebäude und zahlreiche Banken. Unmittelbar vor dem Liechtenstein Cente markiert ein Stein die Stelle, von der seit 1864 alles Distanzen innerhalb des Landes vermessen wurden.

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Ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten: Die alte Rheinbrücke in Vaduz. – Foto Karsten-Thilo Raab

Dominiert wird das Stadtbild durch das Schloss Vaduz. Die öffentlich nicht zugängliche Festung hoch oben über der Stadt ist seit 1712 im Besitz der Fürsten von Liechtenstein und offizieller Wohnsitz der Fürstenfamilie. Der Bergfried aus dem 12. Jahrhundert und die Bauten an der Ostseite des Schlosses bilden den ältesten Teil des Anwesens.

Landtagsgebäude als Blickfang

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Nicht nur im Abendlicht weiß der Liechtensteiner Landtag zu faszinieren. – Foto Karsten-Thilo Raab

Einen weiteren städtebaulichen Akzent setzt das am 15. Februar 2008 eingeweihte und nach Plänen des Münchner Architekten Hansjörg Göritz errichtete  Landtagsgebäude. Selbstbewusst ragt das steile Dach über dem Plenarsaal des Parlaments in die Höhe. Repräsentativ wirkt die neue Gestaltung des Regierungsviertels vor allem durch den Einsatz eines einheitlichen Baustoffes, der das 1905 nach Plänen des Wiener Architekten Gustav von Neumann im neubarocken Stil erbaute Regierungsgebäude umschließt. Architektonisch verblüffend, weil aus dem gleichen Ziegelstein wie das Mauerwerk des Landtagsgebäudes und der dahinter sich durchziehenden Hangbebauung, stellt, sich der vorgelagerte Peter-Kaiser-Platz den Besuchern entgegen.

Bisweilen gibt sich Liechtensteins Hauptstadt ganz tierisch. – Foto Karsten-Thilo Raab

Südlich des Platzes liegt das Rheinbergerhaus. Das Geburtshaus des Komponisten Josef Gabriel Rheinberger (1839-1901) beheimatet heute die Leitung und Verwaltung sowie die Bibliothek und einige Unterrichtsräume der Liechtensteinischen Musikschule. In unmittelbarer Nachbarschaft reckt sich der Glockenturm der Kathedrale St. Florin gen Himmel. Bereits um das Jahr 1250 soll an dieser Stelle ein erstes Gotteshaus gestanden haben. 1342 wurde die Florianskapelle eine gräfliche Eigenkirche und barg zeitweilig auch die Grabstätten der Landesherren. Während der Regentschaft des Fürsten Johannes II. (1858-1929) entstand nach einem Entwurf von Friedrich von Schmidt, der auch an der Vollendung des Kölner Doms und des Wiener Rathauses mitwirkte, eine dreischiffige gotische Hallenkirche.

Kleine Kathedrale

Weithin sichtbar ist die St. Florin Kathedrale. – Foto Karsten-Thilo Raab

Die Florinskapelle wurde abgerissen nach der Fertigstellung des neuen Gotteshauses im Jahr 1873 abgerissen. Mit der Erhebung von Vaduz zur Erzdiözese im Jahre 1997 wurde die Kirche dann zur Kathedrale geweiht. Zu den Besonderheiten von St. Florin gehört ein Hochaltar aus dem Jahre 1873 mit den Statuen der vier Evangelisten. Geschaffen wurde das Schmuckstück vom Wiener Künstler Josef Leimer. Beeindruckend sind auch die barocken Figuren, die die Apostel Peter und Paulus, Christus, Maria und den Evangelisten Johannes zeigen sowie eine 125 Zentimeter große gotische Madonna. Auf dem Areal der Kathedrale befindet sich auch seit 1960 die fürstliche Gruft.

Zu den besonderen musealen Schätzen gehört die Liechtensteiner Fürstenkrone. – Foto Karsten-Thilo Raab

Nördlich des Peter-Kaiser-Platzes erstreckt sich die Vaduzer Fußgängerzone. Hier ist auch das Liechtensteinische Landesmuseum zu finden. Untergebracht ist die beeindruckende Sammlung seit 2003 in zwei historischen Gebäuden: der ehemaligen Taverne „Zum Adler“ und dem alten Landesverweserhaus, sowie in einem in den steilen Schlosshang gebauter Erweiterungsbau. Die in sechs Themenfelder gegliederte Dauerausstellung widmet sich auf 2.000 Quadratmetern in allen Facetten der Geschichte und Landeskunde des Fürstentums.

Museumsmeile von Vaduz

Das Rathaus von Vaduz gehört zu den markantesten bauwerk der Stadt. – Foto Karsten-Thilo Raab

Die kleine, aber feine Vaduzer Museumsmeile setzt sich im nahe gelegenen Postmuseum, einer Außenstelle des Landesmuseums, fort. Seit 1930 sammelt und konserviert as auf Initiative von Konsul H. W. Sieger gegründete Museum wichtige Dokumente der liechtensteinischen Philatelie und Postgeschichte. Seit 2002 ist das kleine Museum im 1. Stock des Engländerbaus untergebracht, wo begehrte liechtensteinische Briefmarkenausgaben ab 1912 und die davon vorhandenen Entwürfe, Stichplatten und Probedrucke, eingetauschte Briefmarken der Weltpostvereinstaaten sowie zahlreiche Dokumente und historische Postgeräte zu sehen sind.

Das Kunstmuseum und das Schloss bilden einen besonderen Kontrast. – Foto Karsten-Thilo Raab

Kaum mehr als einen Steinwurf vom Postmuseum entfernt liegt das beeindruckende Kunstmuseum. Namen von Weltrang führen die Künstlerliste der staatlichen Sammlung an: Gustave Courbet, Marcel Duchamps, Meret Oppenheim, Kurt Schwitters, Dalí, Pablo Picasso, Arnold Schönberg, Joseph Beuys, Jean Tinguely – um nur Einige zu nennen. Präsentiert werden die Werke in Wechselausstellungen auf 1750 Quadratmetern. Das aus privaten Geldern finanzierte Museum erweist sich als architektonische Besonderheit: Die fugenlose Fassade des Gebäudes besteht aus schwarz eingefärbtem Zement, gebrochenem Basaltstein und Flusskies. Je nach Lichteinfall schimmert die Außenwand in den verschiedensten Farben. Entworfen für das markante Gebäude von den Schweizer Morger, Degelo und Kerez.

Weinberge im Mitteldorf

Gesäumt wird das prächtige Rote Haus von Weinbergen. – Foto Karsten-Thilo Raab

Am nördlichen Ende der Fußgängerzone bildet das Vaduzer Rathaus einen besonderen Blickfang. 1932 wurde der Baunach Pläne des Architekten Franz Roeckle fertig gestellt. Bemerkenswert ist vor allem die Südfassade mit ihren reichhaltigen Verzierungen an den Fenstern sowie das Balkonfresko von Künstler Johannes Troyer. Es zeigt den Heiligen Urban, den Patron der Weinbauern. Direkt neben dem Rathaus liegt der Rathausplatz mit seiner überdachten Bühne. Hier finden regelmäßig Konzerte und eine Reihe von Veranstaltungen wie das Winzerfest oder der „Städtlesommer“ statt.

Abendstimmung im Städle, der Haupteinkaufsmeile in Vaduz. – Foto Karsten-Thilo Raab

Geprägt wird der Charakter von Vaduz aber nicht allein durch die vielen Geldinstitute, die Regierungsgebäude und die vielfältige Museumslandschaft, sondern vor allem durch die Weinberge im Mitteldorf. Überall fallen Weinberge ins Auge. Vor neben, hinter und zwischen den überwiegend historischen (Bauern-) Häusern werden Reben angebaut und verwandeln weite Teile des „Dörflis“, wie Vaduz von den Einheimischen genannt wird, in ein ungewöhnliches Weinanbaugebiet.

Ungewöhnliches Treppengiebelhaus

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Hoch über der Stadt thront das weithin sichtbare Schloss. – Foto Karsten-Thilo Raab

Der größte Weinberg der Hauptstadt ist der Herawingert, der zur Fürstlichen Hofkellerei gehört. Auf dem knapp vier Hektar großen Areal wird seit dem 13. Jahrhundert Weinbau betrieben. Von hier stammt der „Pinot Noir“, der im Volksmund liebevoll als „Vaduzer Beerli“ bezeichnet wird. Auf dem kleinen Weinpfad können Besucher alles über das Rebjahr erfahren. Zwölf Tafeln informieren hier in Wort und Bild über den Weg von der Rebe bis zum Wein. Insgesamt gedeihen in dem Sortengarten der Hofkellerei nicht weniger als 50 Rebsorten.

Die Hofkellerei ist bekannt für ihre edlen Tropfen. – Foto Karsten-Thilo Raab

Überaus sehenswert ist das an einem Weinberg, dem Abtswingert, im Oberdorf gelegene Rote Haus. Das spätmittelalterliche Treppengiebelhaus mit seinem weithin sichtbaren Turm stammt in Teilen aus dem 13. Jahrhundert. 1910 wurde das Haus unter Federführung des Architekten Ego Rheinberger erweitert und umgebaut. Aus dieser Zeit stammt auch der markante Turm.

Museum für den Wintersport

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Kunst im öffentlichen Raum: „Tre Cavalli“ von Nag Arnoldi. – Foto Karsten-Thilo Raab

Etwas außerhalb des Zentrums liegt das Skimuseum. Hier präsentiert  der ehemalige Skirennfahrer Noldi Beck eine wohl einzigartige Sammlung zur Entwicklung des Skisports in den Alpen. Über 1.000 Exponate hat er zusammengetragen – vom Holzski aus Fassdauben bis zum modernsten Top-Ski der Weltelite. Zudem dokumentiert das Skimuseum nahezu lückenlos die Entwicklung des liechtensteinischen Skisports. Der Bogen spannt sich von einer abenteuerlichen Fahrt des fürstlichen Oberjägers Josef Negele aus Triesenberg über die Gründung des Skiclubs Liechtenstein im Jahre 1926 und des Liechtensteiner Skiverbandes im Jahre 1936 bis hin zu erfolgreichen Teilnahmen an Olympischen Winterspielen.

Charmant und verträumt wirkt das Mitteldorf von Vaduz. – Foto Karsten-Thilo Raab

Als eine der grünen Lungen von Vaduz gilt der Naturpark Haberfeld. Mit seinen Weihern, Sumpf- und Tümpelflächen, Bäumen und Sträuchern erweist sich das Areal als ein naturlandschaftliches Kleinod zwischen der Stadt und dem Rheinufer. Zugleich ist das Haberfeld der Lebensrum seltener Kleinlebewesen, Vögel und Amphibien. Sogar Bekassinen, Rohrdommel und Weißstörche können hier angetroffen werden.

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Zahlreiche Banken und Versicherungen haben ihren Sitz in Vaduz. – Foto Karsten-Thilo Raab

Weitere informationen unter  www.tourismus.li und unter www.vaduz.li

Buchtipp: Das Liechtenstein Reisehandbuch (ISBN 978-3-939408-05-5) von Karsten-Thilo Raab und Ulrike Peters ist für 13,90 im Buchhandel oder versandkostenfrei direkt beim Westflügel Verlag erhältlich.

Karsten-Thilo Raab

Karsten-Thilo Raab

berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten für eine Vielzahl von Zeitungen und Magazinen über Reiseziele weltweit. Zudem hat er sich einen Namen als Autor von mehr als 120 Reise-, Wander- und Radführern sowie Bildbänden gemacht.