Oslo – Quatschende Laternen im Ekebergpark

Ein echter Blickfang mitten auf dem Weg: die überdimensionierte Skulptur Walking Woman von Sean Henry im Ekebergpark. (Foto Karsten-Thilo Raab)

„The best things in life are free“, lautet ein bekanntes Sprichwort. So auch in der norwegischen Hauptstadt Oslo, die gemeinhin als eines der teuersten Pflaster der Welt gilt. Und doch gibt es hier einige grandiose Einrichtungen, die sich vollkommen kostenfrei genießen lassen können. Zu diesen zählt der Ekebergpark.

Das weitläufige Areal südlich der Innenstadt und der neuen Oper dient der norwegischen Hauptstadt seit rund 130 Jahren als grüne Lunge und Naherholungsgebiet. Und obschon das gut 4,3 Quadratkilometer große Areal zwischenzeitlich in eine Art Dornröschenschlaf verfiel, erlebt es seit Herbst 2013 eine wahre Renaissance.

300 Millonen Kronen Invest

Fast schon praktisch: die „Venus de Milo aux tiroirs“ von Salvador Dalí ist mit Schubladen ausgestatet. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Zu verdanken hat der Ekebergpark seine Wiederentdeckung und -belebung der Christian Ludens Ringnes-Stiftung, die die Grünanlage für nicht weniger als 300 Millionen norwegische Kronen (gut 31 Millionen Euro) nach altem Vorbild wieder herrichten ließ. Wege und Bänke wurden erneuert, eine stimmungsvolle Beleuchtung installiert und die Überreste von 10.000 Jahre alten Wikinger-Siedlungen freigelegt.

Nicht sofort als eben diese zu erkennen: Die „Marilyn Monroe“ von Richard Hudson. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Ihren Ritterschlag erhielt die bewaldete Grünanlage gleichzeitig dadurch, dass der Ekebergpark zu einem frei zugänglichen Skulpturenpark umgewandelt wurde. Mehr als 30 Skulpturen und Installationen von international renommierten Künstlern wie Hilde Mæhlum, Auguste Rodin, Salvatore Dalí, Louise Bourgeois oder Damien Hirst finden sich hier eingebettet in eine herrliche Landschaft.

Kunstgenuss in Oslos grüner Oase

Überaus provokant: die Skulptur „Anatomy of an Angel“ von Damian Hirst. (Foto Karsten-Thilo Raab)

„Der Park ist toll, die Aussichten sind famos und die Kunstwerke faszinierend und teilweise überaus überraschend“, konstatiert Andrea Petterson, eine Deutsche, die seit gut anderthalb Jahrzehnten in Oslo zu Hause ist und regelmäßig mit ihrer Familie in den Park kommt. Besonders gefällt der Wahl-Norwegerin die Tatsache, dass der Park überaus weitläufig und die Kunst in dem riesigen Areal verteilt ist, so dass die Skulpturen nicht als aufdringlich empfunden werden.

Ganz schön verdreht: das Kunstwerk „Möbius Trippel“ von Aase Texmon-Rygh. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Vielmehr lassen sich viele der Kunstwerke beim Flanieren über den Ekeberg eher zufällig unter Bäumen und hinter Gebüschen erspähen. Dazwischen öffnen sich immer wieder grandiose Ausblicke auf den Oslofjord und auf die norwegische Hauptstadt.

Kunst geschickt in die Natur integriert

Die Skulptur „Konkavt Aniskt“ von Hilde Mæhlum scheint einen aus jedem Blickwinkel zu beobachten. (Foto Karsten-Thilo Raab)

„Die Kunstwerke stehen hier nicht im Vordergrund, sondern fügen sich in die Landschaft ein und sorgen immer wieder für den einen oder anderen Aha-Effekt“, so Petterson weiter und ergänz: „Die Kombination von Kunst und Natur ist als Konzept nicht neu, aber immer wieder faszinierend – auch für Menschen, die sonst mit Kultur wenig anzufangen wissen.“

Ein wenig provokant und obszön wirkt die „Deep cream Maradona“ von Sarah Lucas. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Bergauf, bergab marschieren Naturfreunde und Kunstliebhaber durch das schattige Waldgebiet. Berühmtheit erlangte dieses vor allem dadurch, dass der norwegische Maler Edvard Munch hier die die Inspiration für sein wohl bekanntestes Werk, „Der Schrei“, fand.

Wo Munch Inspiration fand…

Skulptur Stilleben mit Landschaft von Sarah Sze. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Ein Schrei, der hier heute ertönt, ist in Regel ein Ausdruck der Begeisterung. Etwa wenn hinter eine Gruppe an Nadelbäumen plötzlich ein Kunstwerk erspäht wird wie die Skulptur „The Couple“, die metallisch glänzend in den Ästen schwingt. Oder wenn die ahnungslosen Spaziergänger plötzlich seitlich von einer Laterne angesprochen werden. Keine Frage, so macht Kunst Spaß – noch dazu, wenn das kostenfreie Vergnügen mit herrlichen An- und Aussichten verknüpft ist wie im Ekebergpark.

„The Couple“ von Louise Bourgeois baumelt beschwingt zwischen den Bäumen. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Informationen: Ekebergparken, Kongsveien 23, N-0193 Oslo, Norwegen, Telefon 0047-21421919, info@ekebergparken.com, www.ekebergparken.com. Der Eintritt ist frei. Der Park ist rund um die Uhr frei zugänglich.

Blick von der Skulptur „Anatomy of an Angel“ auf den Oslo Fjord. (Foto Karsten-Thilo Raab)