Naturpark Vercors – unterwegs auf Themenwegen

Vercors
Acht Rundwanderungen gibt es in der Drôme zu den Weinlagen der Clairette-Traube – zwei davon befinden sich im Diois im Naturpark Vercors. – Foto Robert Juan

Wenn der Weg das Ziel ist, dann sollte man Themenwege beschreiten und der Vercors hat davon einige auf Lager. Um das Vercors völlig motorlos zu erkunden, bietet die Region in den französischen Alpen vor allem Familien und sogar gehbehinderten Personen eine Vielzhal an Wegen an. Auf dem Netz der ViaVercors bewegen sich Entdecker zu Fuß, Mountainbike, Trekking Bike oder E-Bike. Die Dörfer der Region „4 Montagnes“ sind durch die ehemaligen Bahnlinien verbunden, die zur ViaVercors umfunktioniert wurden. Auf 55 Kilometern gibt es pädagogische Halte, Spielplätze, Besuche bei Handwerkern oder kulinarische Entdeckungen zu erkunden. Rund sechzig Partner animieren die Strecke mit Know-How, Dienstleistungen und Unterhaltung. Als Wundertüte des Vercors bewegen sich auf dem Wegnetz Familien und Gehbehinderte in aller Sicherheit, da Sie fernab des allgemeinen Verkehrs verläuft.

Der Weg ins Exil – auf den Spuren der Hugenotten

Auf den Spuren der Hugenotten lässt sich grenzübergreifend wandern. – Foto Gérard Dengles

Als der Sonnenkönig 1685 das Edikt von Nantes widerruft, entgegnet den französischen Hugenotten ein Klima der Verfolgung. Rund 200.000 suchten sich eine neue Heimat in protestantischen Ländern. Der internationale Wanderweg auf 1.800 Kilometern zeichnet den Weg ins Exil. Er beginnt in Poët Laval in der Drôme, führt via Genf durch die Westschweiz, weiter durch Baden-Württemberg bis nach Bad Karlshafen in Hessen. Im Vercors selbst verläuft die Strecke durch die Regionen „Trièves“ und „Diois“. Auf der ausgeschilderten Route entdeckt man das erhaltene protestantische Kulturerbe mit Themenaufenthalten, angeschlossenen Rundwanderungen, geführten oder individuellen Besichtigungen. Teils vielleicht die Mühen, die damals die Hugenotten auf sich nahmen, um eine neue Heimat zu finden.

Viele Wege führen nach Santiago di Compostella

Saint-Antonin-l’Abbaye ist eine der Stationen auf diesem teil des Jakobswegs. – Foto Pierre Jayet

Das Netz der Jakobswege ist enorm und führt auch durch die Region Saint-Marcellin im Vercors. Die Strecke ist ein Nebenweg der „Via Gebennensis“ die Genf mit Puy-en-Velay verbindet. Ab Gilloney zweigt man vom Fernwanderweg GR65 auf die „Via Rhodana“ ab. Durch den Wald von Chambaran gelangen Wanderer nach Saint-Appolinard, Dionay und Saint-Antoine-l’Abbaye. Vor allem Saint-Antoine-l’Abbaye war europaweit als Hospiz bekannt, wo Wallfahrer sich wieder stärkten. Viele Pilgerer verehrten den Reliquiar bevor sie sich weiter auf den Weg nach Spanien machten. Heute gehört der Ort zu den „Plus beaux villages de France“. Das Hospiz gibt es nicht mehr, dafür aber die beeindruckende Abteikirche und das sehenswerte Städtchen. Bei Romans trifft die Via Rhodana wieder auf die Via Gebennensis. Die Strecke ist vor allem bei Deutschen, Schweizern und Niederländern äußerst beliebt.

Savoir faire – die Seele des Vercors

Vercors
Savoir Faire im Trièves, einer der wenigen Winzer der Region. – Foto Breteau

Die Seele einer Destination begreift man am besten, in der Begegnung mit den Bewohnern. Reisen kann ja nur bilden, wenn sich der Gast auf seine Gastgeber einlässt. So erfand man in der Destination „Trièves“ kurzerhand die „Route du Savoir Faire“. Auf dieser lernt man die Protagonisten der Bauernhöfe, traditionelle Handwerker und Künstler, deren Handwerk und Leidenschaft, sowie Produkte kennen. Sie bringen Ihre Liebe zur Heimat oder Wahlheimat in den Vordergrund und bei gewissen kann man auch regionale Spezialitäten der Region verkosten. Sei es in der Familie, unter Freunden oder aus Neugier getrieben, ist es die perfekte Art sich ins „Trièves“ zu verlieben. Übrigens: ab 2020 können Sie das Auto stehen lassen. Das Tourismusamt bietet einige dieser Entdeckungen völlig motorlos an. Sei es per Transfer-Dienst, E-Bikes oder öffentlichen Verkehrsmitteln.

Auf der „Grand Tour du Vercors“

Vercors
Eseltrekking auf der Grande Traversée du Vercors. – Foto S. & M. Booth

Diese allumfassende Tour ist der wahre Schlüssel um den Naturpark Vercors von A-Z zu Fuß zu erkunden. Die Grand Tour du Vercors, sowie die Überquerung des Hauts-Plateaux, der Kernzone des Naturparks, umfasst rund 410 Kilometer Wanderwege. Für die gesamte Tour bräuchte man etwa zwanzig Tage. Es ist aber möglich, einzelne der 23 Etappen nach und nach zu entdecken. Auf der Tour begegnet man den großartigen Naturräumen des Vercors, entdeckt die Gipfel dieser Bergfestung und sieht manchmal bis zum Mont-Blanc. Ein Highlight ist sicherlich die Überquerung der Hauts-Plateaux, die ausschließlich der Natur und Wanderern vorbehalten ist. Hier darf man das Biwak aufschlagen und den kristallklaren Sternenhimmel betrachten. Es gibt dazu einen Wanderführer auf Französisch oder man plant seine Tour via Internet auf der speziellen Seite dafür. Kartenausschnitte und GPS-Daten gibt es zum Herunterladen.

Karsten-Thilo Raab

berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten für eine Vielzahl von Zeitungen und Magazinen über Reiseziele weltweit. Zudem hat er sich einen Namen als Autor von mehr als 120 Reise-, Wander- und Radführern sowie Bildbänden gemacht.