Von 17. Juli 2016 Mehr →

Lanzarote – wunderbar wanderbare Kanareninsel

Faszination Lanzarote: Grüner nSee, schwarzer Sand und Vulkangestein.

Faszination Lanzarote: Grüner nSee, schwarzer Sand und Vulkangestein.

Schon beim Landeanflug auf Lanzarote kommen Neugierde und Spannung auf, wenn man viele der insgesamt 283 Vulkankrater unter sich vorbeiziehen sieht. Keine Frage, diese Insel ist vulkanischen Ursprungs, und das liegt nicht Millionen von Jahren zurück, sondern geschah in der Neuzeit von 1730 bis 1736, sowie 1824. Noch heute gibt es Stellen, mit Temperaturen von über 250 Grad Celsius in weniger als zwei Metern Tiefe. Die glühende Unterwelt ist präsent und ist aktiv! Diese Vulkankegel und Krater Formen die Insel zu einer mystischen und geradezu spirituellen Landschaft.

Wanderung entlang vulkanischer Bomben

Die meisten Vulkane auf Lanzarote entstandenen durch sogenannte strombolianische Eruptionen. Dabei wurde der Begriff strombolianische Ausbrüche durch die Tätigkeit des Vulkans Stromboli in Italien hergeleitet. Sie sind durch den Auswurf von Schmelzprodukten – sogenannte Pyroklastite – und durch Lavaströme charakterisiert. Dabei definiert man Lavastücke mit einem Durchmesser von zwei bis 64 Millimetern als Lapilli. Vulkanische Bomben haben per Definition einen Durchmesser größer als 64 Millimetern.

Vulkanische Bombe an der Montaña Colorado. CFoto: Michael Will)

Vulkanische Bombe an der Montaña Colorado. CFoto: Michael Will)

Am Montaña Colorado auf Lanzarote liegt so ein Prachtexemplar von Vulkanbombe. Sie entstehen unter extrem hohem Druck auf die Gesteinsmassen im Vulkan, bis sie dann aus dem Schlote herauskatapultiert und willkürlich in der Landschaft verteilt werden. Aufgrund der Rotation während der Flugphase entsteht die abgerundete Form. Die Gesteinsbrocken können bis zu sieben Metern groß werden und ein Gewicht von bis zu 50 Tonnen erreichen.

Unterwegs am Rande des Parque Nacional de Timanfaya

Ein absolutes Muss für jeden Lanzarote Urlaub ist der Besuch des Timanfaya Nationalpark. Während der Ausbrüche im 18. Jahrhundert entstanden 32 neue Vulkane, die Montañas del Fuego – übersetzt bedeutet es Feuerberge. Aufgrund ihrer Dauer und der großen Menge ausgeworfenen Materials, gehören die Aktivitäten zu den bedeutendsten in der Geschichte des Vulkanismus. Auch wenn die letzten Vulkanausbrüche lang vorbei sind, eine in vier bis fünf Kilometern tief liegende Magmakammer erwärmt die Erdoberfläche weiterhin so stark, sodass nur wenige Meter unter der Erdoberfläche immer noch 400 Grad Celsius gemessen werden.

Blick auf den Parque Nacional de Timanfaya vom Montaña de Señalo. (Foto: Michael Will)

Blick auf den Parque Nacional de Timanfaya vom Montaña de Señalo. (Foto: Michael Will)

Sehr anschaulich wird im Besucherzentrum präsentiert wie ein wenig Wasser in Bodenspalte gegossen, in Sekunden erhitzt wird, sodass es als Wasserdampffontäne aus dem Spalt schießt. Es ist so heiß, dass das Restaurant El Diablo auf dem Aussichtspunkt das Fleisch einfach über einer Erdöffnung grillt. Wie in einer fremden Welt thront das 1970 fertig gestellte Gebäude – entworfen wurde es mal wieder von César Manrique – auf dem höchsten Punkt dieser Mondlandschaft. Mit seinem schwarzem Lavastein Mauerwerk und Panoramafenstern bis fast auf dem Boden, genießt man eine atemberaubende Aussicht.

Ruta de Termesana – geführtes Wandererlebnis

Wer Interesse hat, die Schätze des Timanfaya-Nationalparks direkt zu erleben, für den bietet die Verwaltung des Parks die folgenden Interpretationsrundgänge mit Führung an: Dromedar-Reitstation, Vulkanbustour, Wanderung Ruta larga del litoral (neun Kilometer) und Ruta corta del litoral (zwei Kilometer) sowie die Ruta de Termesana. Die Termesana-Tour vermittelt den Kontakt mit dem Vulkan und mit der Kultur, die die Einwohner Lanzarotes während der Ausbrüche von 1730 bis 1736 geprägt haben. Auf der drei Kilometer langen Route hört man – sehr emotional präsentiert –, wie sich die Menschen nach den Vulkanausbrüchen den neuen Umständen anpassen mussten, um zu überleben.

Haria – das Tal der tausend Palmen

Maurisch geprägt und einladend: : das Bergdorf Haria. (Foto: Michael Will)

Maurisch geprägt und einladend: : das Bergdorf Haria. (Foto: Michael Will)

Nur rund 1.000 Einwohner leben in dem kleinen Dörfchen Haria im Norden Lanzarotes, das zu den schönsten Dörfern auf der Insel gehört und seinem Beinamen „Das Tal der tausend Palmen“ alle Ehre macht. Laut einer kanarischen Sage wuchs immer eine neue Palme, wenn in Haria ein Mädchen geboren wurde. Im 16. Jahrhundert litt Haria unter zahlreichen Piratenangriffen und 1586 wurde sogar einmal das gesamte Palmental abgebrannt. Heute bietet das Dorf einen märchenhaften Anblick, besonders wenn man bedenkt, dass andere Gemeinden auf Lanzarote extrem trocken sind und dementsprechend brachliegende Lavaflächen das Landschaftsbild prägen.

Hier im Norden wird jedoch aufgrund des feuchteren Wetters in den Wintermonaten viel Landwirtschaft betrieben. Vor allem Kartoffeln, Hirse, Linsen, Mais und Wein werden angebaut. Haria gehört nicht zu den typischen Touristenorten der Insel, daher findet man hier keine größeren Hotels. Im Zentrum von Haria liegt das Rathaus mit dem anliegenden Dorfplatz, der Plaza León y Castillo, und seinen typischen Tapas-Bars.

César Manriques Haus und Museum

El Golfo - einer der prächtigen schwarzen Sandstrände auf Lanzarote.

El Golfo – einer der prächtigen schwarzen Sandstrände auf Lanzarote.

César Manrique ist ohne Frage der bedeutendste einheimische Künstler des letzten Jahrhunderts, da er die Insel Lanzarote wie kein anderer prägte. Zu seinen besonders sehenswerten Werken zählen: die Höhlen Jameos del Agua, der Mirador del Rio, der Kaktusgarten, das ehemalige Wohnhaus des Künstlers in Tahíche, der Gebäudekomplex des Casa-Museo del Campesino und die vielen Windspiele. In all seinen Werken vereinigt er auf einmalige Art und Weise Natur und Kunst. Nach seinen Auslandsaufenthalten kehrte Manrique immer wieder in seine Heimat Lanzarote zurück, wo er sich für den Schutz der einzigartigen Inselinfrastruktur einsetzte.

Inzwischen zu einer Person der Öffentlichkeit geworden, wurden ihm der Trubel und die Unruhe in seinem Haus in Tahíche zu groß. Er entschied sich deshalb, in das Dorf Haria im Norden der Insel zu ziehen. Manrique suchte Ruhe, hier war er ganz privat, hier lebte er im Grünen und hier war er verbunden mit der Natur, hier konnte er somit kreativ sein.

Weithin sichtbar: die Kirche San Miguel in Teguise. (Foto: Michael Will)

Weithin sichtbar: die Kirche San Miguel in Teguise. (Foto: Michael Will)

Südöstlich des Ortskerns von Haria befindet sich sein Haus in einem wunderschön angelegten Palmenhain, das seit 2013 als Museum der Öffentlichkeit zugänglich ist. Es gibt den Besuchern einen intimen Einblick in das Leben und das Werk des Künstlers. Dort lebte César Manrique von 1988 bis 1992. Auf dem Friedhof von Haria befindet sich das Grab von Cesar Manrique, der im September 1992 bei einem Autounfall in Tahiche ums Leben kam.

500 Jahre Geschichte in Teguise entdecken

Teguise wurde bereits 1418 vom normannischen Eroberer Juan de Bethencourt urkundlich erwähnt und nur wenig später der kastilischen Krone angegliedert. Damit zählt sie zu den ältesten Städten auf den Kanarischen Inseln. Bis 1852 war Teguise die Inselhauptstadt von Lanzarote und somit der wichtigste Dreh- und Angelpunkt. Die schönsten Gebäude der denkmalgeschützten Altstadt, hauptsächlich aus dem 16. und 17. Jahrhundert, befinden sich rund um den Marktplatz.

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Blick auf den Montaña de Señalo.

Zu den wichtigsten Bauwerken zählen die 1680 erbaute Kirche San Miguel, die Klöster Santo Domingo und San Francisco und der Palacio de Espinola, welcher heute als Museum und Forum für Versammlungen dient. Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die Burganlage Santa Barbara, nur unweit vom Stadtzentrum auf dem Hausvulkan Guanapay. Neben vielen Einkaufsmöglichkeiten wird Teguise jeden Sonntag zum Inselmittelpunkt.

Weinanbaugebiet La Geria

Zum Ende des 16. Jahrhunderts prägten Getreidefelder die Landschaft um das Gehöft La Geria. Der Boden war fruchtbar und brachte Erträge in Hülle und Fülle. Bei den Vulkanausbrüchen von 1730 bis 1736 wurden jedoch viele Dörfer und Felder zerstört und bis zu 4 m hoch mit Asche bedeckt. Als Folge der Vulkanausbrüche war man gezwungen, die Anbaumethoden in dieser Gegend radikal zu verändern. Außerdem musste man sich auf andere Erzeugnisse konzentrieren. Die Rebsorte Malvasier war dafür prädestiniert, da sie bereits im 16. Jahrhundert auf Lanzarote eingeführt wurde und sich seitdem perfekt den Bedingungen der Insel angepasst hatte.

Weinanbau so weit das Auge reicht. (Foto Michael Will)

Weinanbau so weit das Auge reicht rund um La Geria. (Foto Michael Will)

Bei der neuen Anbaumethode wurden bis zu 3 m tiefe Mulden gegraben, um den darunterliegenden fruchtbaren Boden zu erreichen und gleichzeitig die Rebstöcke vor dem Wind zu schützen. Man pflanzte den Rebstock in eine etwa 20 cm dicke Schicht aus picón (vulkanisches Lapilli = Vulkanasche). Die Vulkanasche hat die Eigenschaft, Wasser zu speichern, wodurch ständig Feuchtigkeit gespendet werden kann und die Austrocknung der Pflanzen reduziert wird. So erzielt man bei den sehr geringen Niederschlagsmengen regelmäßig gute Ernten.

Es entstand das einzigartige Landschaftsschutzgebiet La Geria. Das Gehöft La Geria überlebte die Katastrophe und wurde im Laufe von 3 Jahrhunderten mehrfach saniert, bis daraus die heutigen Bodegas Rubicón wurden. Mit einer stimmigen Harmonie aus Tradition und Innovation wurde das alte Gut restauriert. Dabei wurden ursprüngliche Materialien mit modernster Technologie zur Weinerzeugung kombiniert. Darüber hinaus entstand ein sehr sehenswertes Museum. Die Weine der Sorten Malvasier und Muskateller brauchen keinen Vergleich mit großen Weingütern in Frankreich oder Italien scheuen.

Playas Papagayo – kristallklares und türkisfarbenes Wasser

Sonnenuntergang bei der unterhalb des Peñas del Chache - dem höchsten Berg der Insel. (Foto: Michael Will)

Sonnenuntergang unterhalb des Peñas del Chache – dem höchsten Berg der Insel. (Foto: Michael Will)

Östlich von der Playa Blanca und südlich vom Ajaches Nationalpark befinden sich mit die schönsten Sandstrände von Lanzarote. Die Playas Papagayo bestehen aus den insgesamt sieben Stränden: Playa Mujeres, Playa de los Ahogaderos, Playa de Pozo, Playa de la Cera, Playa Papagayo, Playa del Congrio und Playa de Puerto Muelas mit insgesamt 1,44 Kilometern Länge. Das Landschaftsbild wechselt zwischen felsigen Abschnitten und den dazwischen liegenden, wunderschönen Buchten, aus feinem weißem und hell braunem Sand, kristallklarem und türkisfarbenem Wasser.

An Bademöglichkeiten mangelt es definitiv nicht. Und dann liegen sich die Strände noch in einer vom Wetter begünstigten Stelle. Da die aus Nordost kommenden Passatwolken schon vor dem mächtigen Risco de Famara Gebirgsmassiv im Norden der Insel gestaut werden, kann es vorkommen, dass es im Norden von Lanzarote wolkig ist, oder sogar regnet, während man an den Papagayo Stränden einen sonnigen Tag verbringt.

Paradiesisch schöne schwarze Sandstrände

An einigen Stränden herrscht bisweilen auch starker Wellengang,

An einigen Stränden herrscht bisweilen auch starker Wellengang,

Aber Lanzarote wartet noch mit vielen weiteren paradiesisch schönen schwarzen und hell braunen Sandstränden auf. Der wenig besuchte Playa Conejos, mit seinem feinen goldgelben Sand ist 80 Meter lang und 25 Meter breit. Er liegt im Westen, der Lanzarote vorgelagerten Insel La Graciosa. – Der wenig besuchte Playa de las Conchas ist mit Abstand der schönste Strand der Insel La Graciosa und zweifellos auch einer der malerischsten der Kanaren.

Unterhalb der steilen Klippen des Famara Gebirgsmassiv befindet sich der Traumstrand Caleta Mojon Blanco. Der goldgelbe Sandstrand im Norden von Lanzarote gehört mit zu den einsamen Stränden der Insel. Diese sehr versteckte Traumbucht, der Playa Ajaches Nationalpark 1, befindet sich nördlich der Papagayo Strände im Südosten von Lanzarote. DerStrand, mit wunderschönem feinem schwarzem Lavasand, gehört mit zu den einsamen Stränden der Insel. Alle samt sind bequem über Wanderwege erreichbar.

Fast spirituelle Landschaften

Die mächtigen Kakteen sind ebenfalls Teil des Inselbildes.

Die mächtigen Kakteen sind ebenfalls Teil des Inselbildes.

Vulkankegel und Krater Formen die Insel zu einer mystischen und geradezu spirituellen Landschaft. Grüne Barrancos im Norden der Insel sind die Lebensadern für eine einmalige Flora und Fauna. Die Vielfalt der schwarzsandigen und weißsandigen Strände und die zahlreichen Weinanbaugebiete lassen den Besucher staunen. Abgerundet wird das Naturschauspiel durch das 15 KIlometer lange Risco de Famara Bergmassiv, mit seinem bis zu 600 m hohen steilen abfallenden Klippen.

Sehr beeindruckend ist es zu entdecken, wie die Inselbewohner sich nach Vulkanausbrüchen immer wieder neuen Bedingungen anpassen mussten. Oder zu erleben, wie der Künstler César Manrique durch sein Schaffen den Massentourismus verhindern konnte und somit die Natur von Lanzarote ökologisch und künstlerisch in Harmonie erschlossen wurde.

Lanzarote überzeugt durch eine beeindruckende Vielfältigkeit: Diese auf Schusters Rappen zu entdecken, bedeutet ein grandioses Wandererlebnis.

Lanzarote Wanderführer – der Trailer from Michael Will on Vimeo.

Die Kanaren – 7.700 Quadratkilometer Urlaubsfeeling pur

Das Archipel der Kanarischen Inseln, mit seiner Gesamtfläche von etwa 7.700 Quadratkilometern, liegt 100 bis 300 Kilometer vor der Nordwestküste Afrikas, auf der Höhe von der Westsahara und Marokko und erstreckt sich zwischen dem 13° und 18° westlicher Länge sowie dem 27° und 29° nördlicher Breite.

5905 WF Umschlag 1-4_16.01.inddLanzarote, die älteste der Kanarischen Inseln, ist vor rund 16.000.000 Jahren entstanden. Die zu Spanien gehörende Vulkaninsel hat 213 Kilometer Küste. Die nördlichste der sieben Kanarischen Inseln und liegt rund 130 Kilometer von der marokkanischen Küste entfernt. Von ihrer südlichen Nachbarinsel Fuerteventura trennt Lanzarote ein Meeresarm von knapp elf Kilometern an seiner engsten Stelle.

Die Fläche von Lanzarote beträgt 795 Quadratkilometer bei 62 km Länge und 21 km Breite. Bei den meisten Wanderungen auf Lanzarote kann man immer den Atlantik sehen. Niemals geht der Eindruck verloren, dass man sich auf einer Insel befinden. Die höchste Erhebung ist der Penas del Chache mit 672 Metern  Höhe im Norden der Insel. Im Süden erhebt sich der Atalaya de Femés mit 608 Meter empor.

Buchtipp: Autor Michael Will von  hat einen 204 Seiten umfassenden Wanderführer für Lanzarote verfasst. Erhältlich ist der Wanderführer Lanzarote plus Karte (ISBN 978-3-99044-151-1) für 14,99 Euro im Buchhandel oder direkt beim Kompass Verlag.

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