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Von 28. Mai 2019 Mehr →

Frauenpower am Bauhaus – Hedwig, Ilse Adelgunde und Co begegnen

Bauhaus MädelsPassend zum Bauhaus-Jubiläums-Jahr hat der Taschen Verlag den Frauen am Bauhaus mit einem herrlichen Buch ein Denkmal gesetzt. In dem beeindruckenden Band Bauhaus Mädels werden auf 480 Seiten mit fast 400 Porträtfotos, die alle zwischen 1919 und 1933 entstanden sind, 87 Künstlerinnen und Kunsthandwerkerinnen vorgestellt, von denen viele lange Zeit vergessen waren

Was kaum jemand weiss: Als 1919 das Staatliche Bauhaus in Weimar seine Pforten öffnete, bewarben sich, angelockt vom progressiven Charakter der Schule, mehr junge Frauen als Männer um die Studienplätze. Die Genderpolitik am Avantgardeinstitut war allerdings alles andere als vorbildlich: Von Gropius und den meisten der lehrenden und mitstudierenden Männer argwöhnisch beäugt, bei der Entfaltung ihrer Talente nach Kräften behindert und nach Möglichkeit in die „Frauenklasse“, die Weberei, abgedrängt, eroberten sie sich dennoch alle Fachbereiche, auch neue Medien wie die Fotografie und bislang als rein „männlich“ begriffene Domänen wie Bildhauerei, Industriedesign oder Architektur. Marianne Brandt, Florence Henri, Grete Stern und Ellen Auerbach, Friedl Dicker, Anni Albers, Otti Berger und viele mehr schrieben mit ihren Werken Kunst- und Designgeschichte und verkörperten manchmal tatsächlich die „Neue Frau“, die in der Weimarer Republik Prototyp eines neuen Frauenbildes wurde. Ihren verblüfften Zeitgenoss*innen galten sie in einer Mischung aus Skepsis und heimlicher Bewunderung schlicht als „die Bauhausmädels“..

Neue archivarische Funde vervollständigen darüber hinaus das Bild der wenigen prominenten Bauhaus-Frauen wie Lucia Moholy, die, nach der Machtübernahme der Nazis aus Deutschland geflohen, ihr Archiv mit 650 Glasnegativen ihrer berühmten Architektur-, Objekt- und Porträtaufnahmen Gropius anvertraut hatte und später nur auf juristischem Wege ihr Urheberinnen- und Eigentumsrecht geltend machen konnte, Gertrud Arndt, die eigentlich Architektur studieren wollte, dann in der Weberei landete und sich schließlich ganz der Fotografie zuwandte, oder Marianne Brandt, die als erste Frau in der Metallwerkstatt des Bauhauses arbeiten durfte und deren Entwürfe für Leuchten, Aschenbecher und andere Haushaltsgegenstände bis zum heutigen Tag von Alessi verwendet werden.

Erhältlich ist Bauhaus Mädels (ISBN 978-3836563536) von Patrick Rössler für 30 Euro beim Taschen Verlag.

Archiviert unter Buch & Co
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