Dschungel ohne Autobahn: Guyana vom Wasser aus entdecken

In Guyana laden Bootstouren zu traumhaften Entdeckungsreisen ein. – Foto Hugh Hough

Dass das feuchte Element eine herausragende Rolle in Guyana spielt, unterstreicht schon die ursprüngliche Bedeutung des Namens in der Sprache der Ureinwohner. Im „Land der vielen Wasser“, das zu 80 Prozent aus tropischem Regenwald besteht, ist nicht nur der kräftige Niederschlag unersetzlich. Auch die zahllosen Flüsse und Ströme, die den südamerikanischen Staat in Richtung Ozean durchqueren, sind vitale Lebensadern.

Ob der mächtige, über 1.000 Kilometer lange Essequibo mit seinem riesigen Delta, der die gigantischen Kaieteur Falls speisende Potaro oder der bei der Hauptstadt Georgetown in den Atlantik mündende Demarara. Sie sowie ihre zahllosen Nebenflüsse dienen vor allem der Erschließung des Landes, das bei einer Fläche wie Großbritannien lediglich 750.000 Einwohner zählt. 90% davon leben zudem in der Küstenregion, was das Hinterland entsprechend menschenleer macht.

Großer Mangel an Straßen

Auch die vielen kleinen Seitenflüsse bieten spannende Erlebnisse für Bootstouren. – Foto David Di Gregoria

Wer dennoch oder gerade deshalb dorthin möchte, steigt in ein Kleinflugzeug oder in ein Boot. Landfahrzeuge spielen hier bei der Bewältigung längerer Distanzen aufgrund der fehlenden Infrastruktur kaum eine Rolle: Im Dschungel gibt es schließlich keine Autobahn. So sollten sich auch Touristen auf diese Transport-Alternativen einstellen, wenn sie die „wahre Schatzkammer“ Guyanas erkunden wollen. Vor allem die Bootstouren gewähren den Gästen aus Übersee tiefe Einblicke in die fantastische Fauna des Landes. Unter sachkundiger Führung eines indigenen Guides werden dabei immer wieder Stopps eingelegt, um Vögel, Reptilien oder andere Spezies im Wasser oder an den Uferböschungen zu beobachten.

Aber auch wer nicht zu mehrtägigen Safaris in den primären Regenwald Guyanas aufbricht, muss auf derartige Erlebnisse nicht verzichten. So gibt es (von Georgetown aus) verschiedene Tagesausflüge auf dem Essequibo, die vergleichbares vermitteln. Dabei geht es zunächst stromaufwärts durch die Inselwelten der Deltaregion mit Besuchen der ehemaligen niederländischen Festungen Fort Island und Fort Zeelandia. Die Bootstour führt weiter bis zur Bergbaustadt Bartica. Sie liegt am Zufluss des Mazaruni in den Essequibo. Von hier aus sind Trips zum unberührten Sexacalli Beach oder den Baracara Falls möglich. Beides liegt inmitten des primären Regenwaldes.

Südamerikanische Seele mit karibischem Herz

Die Flüsse, hier der Rupununi, sind wichtige Verkehrsadern in Guyana. – Foto David Di Gregorio

Aber auch Bartica selbst lohnt dank seiner besonderen Atmosphäre einen Besuch. Soca- und Chutney-Klänge, die überall zu hören sind, unterstreichen, dass Guyana neben seiner südamerikanischen Seele auch ein karibisches Herz besitzt. Diese Vielfalt zeigt sich auch auf den Märkten und in den Straßen, wo Bergleute aus verschiedenen Teilen des Kontinents ein buntes Bild abgeben.

Einen ganz anderen „Sound“ produzieren Einheimische und internationale Teilnehmer bei der beliebten Bartica-Regatta, die mittlerweile auf eine mehr als 60-jährige Geschichte zurückblicken kann. Die verschiedenen Speedboot-Rennen und das attraktive Rahmenprogramm haben nichts von ihrer Anziehungskraft verloren. Gleiches gilt auch für die Jet-Boot-Regatta auf dem Lake Mainstay, der wenige Kilometer nördlich des Essequibo-Deltas die Rennstrecke für wagemutige Piloten gibt.

Abgesehen von diesen publikumswirksamen Events herrscht auf den Flüssen und Seen Guyanas beruhigende Stille, die lediglich vom bootseigenen Motor und den Geräuschen der vielfältigen Tierwelt unterbrochen wird. Ein ganz besonderes Highlight derartiger Safaris ist das antriebslose Dahingleiten bei Dämmerung. Unter dem funkelnden Sternenhimmel geht es gemächlich flussabwärts, während die Natur ein fantastisches Abendkonzert bietet. Weitere Informationen unter www.guyanatourism.com.

Mortimer

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