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Von 27. Mai 2015 Mehr →

Wein, Würste & Poesie: Happy Birthday, Mr. Yeats!

In und um Sligo steigen die Feiertlichkeiten für William Butler Yeats, der in diesem Jahr 150 geworden wäre. (Foto Karsten-Thilo Raab)

In und um Sligo steigen die Feiertlichkeiten für William Butler Yeats, der in diesem Jahr 150 geworden wäre. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Für viele ist der Merrion Square der wohl schönste Fleck in Irlands Hauptstadt Dublin. Die Häuser rund um den mondänen Platz gelten als das Musterbeispiel georgianischer Baukunst überhaupt und als Inbegriff für die klassische Architektur des 18. Jahrhunderts. Doch es sind nicht nur die Prachtbauten mit ihren bunten Türen, die eine magnetische Wirkung zu haben scheinen. Nein, Irlands feinste Adresse war (und ist) auch die Heimat der berühmtesten Söhne und Töchter der Grünen Insel. Besonders im Fokus steht in diesen Tagen das Haus Nummer 82. In dem Klinkerbau lebte von 1922 bis 1928 einer der größten Schriftsteller, die das Land je hervorgebracht hat: William Butler Yeats.

Der oft als Vordenker der irischen Renaissance bezeichnete Poet und Essayist erblickte am 13. Juni 1865 im damaligen Vorort Sandymount, das heute ein Teil von Dublin ist, das Licht der Welt, und schrieb Geschichte, als er 1923 zum ersten Literaturnobelpreisträger aus Irland wurde. In diesem Jahr nun wäre der noch immer hoch verehrte Schriftsteller 150 Jahre alt geworden – und das Land hat ihn und sein literarisches Werk bis heute nicht vergessen. Im Gegenteil, überall auf der Grünen Insel wird zu Ehren von Yeats Mitte Juni mit zahlreichen Kunst- und Literaturveranstaltungen, Lesungen und Straßenaktionen groß gefeiert, wobei der Schwerpunkt der Festivitäten vom 10. bis 14. Juni 2015 in Sligo, der Hauptstadt der gleichnamigen Grafschaft, die sich auch „Yeats Country“ nennt, liegt.

Der Tafelberg Ben Bulben ist das Wahrzeichen von Sligo. (Foto Tourism Ireland)

Der Tafelberg Ben Bulben ist das Wahrzeichen von Sligo. (Foto Tourism Ireland)

In dem 20.000-Seelen-Nest im Nordwesten Irlands verbrachte Yeats einen großen Teil seiner Kindheit. Und er kehrte später immer wieder hierhin zurück. Neben der irischen Mythologie soll vor allem die raue, wilde Schönheit der Grafschaft in der Provinz Connaught Yeats in seinen Arbeiten inspiriert haben und seine Gedichte förmlich zu Hymnen an das Land haben werden lassen. In seinen preisgekrönten Werken beschäftigte sich Yeats immer wieder mit der Naturmystik und den keltischen Wurzeln seiner Heimat.

Auf eigenen Wunsch hin liegt Yeats, der 1939 im französischen Menton das Zeitliche segnete, seit 1948 im acht Kilometer entfernten Drumcliff am Fuße des mythischen Tafelbergs Ben Bulben begraben. Seine letzte Ruhestätte ist seitdem eine Pilgerstätte für Literaturjünger aus aller Welt. Natürlich steht das Grab auch am 13. Juni besonders im Fokus. Hier werden an diesem Tage ab 16 Uhr von namhaften (Nachwuchs-) Dichtern Gedichte von Yeats rezitiert. Zudem wird in der nahegelegenen Kirche der Sieger eines „Yeats Essay Wettbewerbs“ gekürt.

Gedenktafel am Yeats Haus am Merrion Square 82 in Dublin. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Gedenktafel am Yeats Haus am Merrion Square 82 in Dublin. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Eingeläutet werden die Feierlichkeiten zum großen Yeats-Jubiläum in Sligo bereits am 11. Juni um 20 Uhr ganz stilvoll mit einem Nobel-Dinner im mondänen Radisson Blu Hotel mit der mittlerweile 84-jährigen irischen Schriftstellerin Edna O’Brien als Ehrengast. Im Vorfeld des Galaabends wurde ein Kochwettbewerb veranstaltet, bei dem es darum ging, ein formidables Menü zu entwerfen, das einer Nobelpreisverleihung in den 1920er Jahre gerecht geworden wäre.

Im Herzen von Sligo wurde WB Yeats im wahrsten Sinne des Wortes ein Denkmal gesetzt. (Foto Tourism Ireland)

Im Herzen von Sligo wurde WB Yeats im wahrsten Sinne des Wortes ein Denkmal gesetzt. (Foto Tourism Ireland)

Die Speisefolge im Jahre 1923, als WB Yeats in Stockholm die bedeutende Auszeichnung erhielt, ist im Nobel-Archiv nicht mehr aufzufinden. Daher war die Phantasie der Köche gefragt. Vier Küchenchefs aus der Region – Fionntan Gogarty, Mark Gallagher, Philippe Farineau und Alan Fitzmaurice – haben es ins Finale geschafft. Wer für die 1.000 Gäste des Dinner-Abends auftischen darf, wird erst am Abend selber bekannt gegeben.

Auch wer keine Ticket für den Galaabend erhaschen kann, hat die Möglichkeit, kulinarisch auf den Spuren von Yeats zu wandeln: Mehr als ein Dutzend Restaurants in Sligo haben sich zusammengeschlossen, um am 13. Juni entlang des imaginären „Wine and Sausage Trails“ (Wein- und Würstchen-Pfad) genau die Mahlzeit zu kredenzen, die Yeats an jenem Abend genoss, als er erfuhr, dass er den Nobelpreis zugesprochen bekommen hatte: Der Schriftsteller feiert nämlich schlicht mit etwas Wein und Würstchen – angeblich, weil er nichts anderes mehr im Haus hatte.

Ganz stilvoll wird der Geburtstag von Yeats am Samstag, 13. Juni, um 8 Uhr mit einer Bootsfahrt über den Lough Gill begangen. Mit Yeats-Gedichten und Musik umrahmt, wird dann während der Fahrt vom Doorly Park Pier zur Insel Inisfree gefrühstückt. Um 11.30 Uhr warten Schüler am Yeats-Denkmal in der Stephen Street mit der Installation „The Living Statue“ („Die lebende Statue“) auf, bevor ab 13.30 Uhr junge Nachwuchskünstler an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet von Sligo Yeats-Gedichte zum Besten geben.

Yeats-Grab in Drumcliff ist zu einer Pilgerstätte von Literaturliebhabern geworden. (Foto Tourism Ireland)

Yeats-Grab in Drumcliff ist zu einer Pilgerstätte von Literaturliebhabern geworden. (Foto Tourism Ireland)

In der Hamilton Gallery wird um 13 Uhr eine neue konzipierte Ausstellung eröffnet, in deren Rahmen 60 namhafte Künstler Impressionen und Porträts von William Butler Yeats zeigen. Zu sehen ist die Sonderschau bis zum 27. August. Ganzjährig geöffnet ist derweil der Yeats Room im Sligo County Museum. Hier sind Yeats-Memorabilien, Manuskripte und Erstausgaben seiner Werke ausgestellt sind. Derweil rückt die angrenzende Galerie Bilder seines Vaters John Yeats sowie seines Bruder John B. Yeats in den Fokus.

Um 14 Uhr fällt dann am 13. Juni unter dem Motto „Happy Birthday, Mr. Yeats“ der Startschuss für ein großes Straßenfest mit Livemusik, Straßentheater und einer gigantischen Geburtstagstorte im Herzen von Sligo. In diesem Rahmen wird auch eine neue, knallrote Rose, die im Auftrag der Secret Gardens of Sligo über einen Zeitraum von acht Jahren in mühevoller Arbeit gezüchtet wurde und den Namen von Yeats trägt, vorgestellt.
Derweil bringt der Sligo Drama Circle zwölf Stunden lang von 8 bis 20 Uhr unter dem Motto „Dawn to Dusk Yeats“ bei freiem Eintritt Werke des Schriftstellers im OSD Building zur Aufführung. Und in der Hargadon’s Bar, einem der ältesten Pubs von Sligo in der O’Connell Street, erklingt zwischen 13 und 20 Uhr zu jeder vollen Stunde ein Gedicht von Yeats. Wobei die Gäste aufgefordert sind, die Zeilen laut mitzusprechen.

Abgerundet wird das Marathonprogramm durch eine Reihe weiterer Veranstaltungen wie dem Hazelwood Poetry Walk am 14 Juni ab 15 Uhr, wenn im Rahmen eines Waldspaziergangs Geschichten und Gedichte von Yeats vorgetragen werden. Hinzu kommen Ausstellungen, Theatervorführungen und Workshops.

Eine faszinierende Laune der Natur: der Tafelberg Ben Bulben in Sligo. (Foto Tourism Ireland)

Eine faszinierende Laune der Natur: der Tafelberg Ben Bulben in Sligo. (Foto Tourism Ireland)

„Wir wollen die vielen Facetten dieses feingeistigen Mannes herausheben, vor allem aber diesen unbeugsamen, unermüdlichen, fröhlichen Träumer und sein Werk feiern“, unterstreicht bereits im Vorfeld Paula Meehan, die sich als Vorsitzende der Vereinigung Irish Poetry federführend für das Programm von „Yeats 2015“ verantwortlich zeigt.

In der Knocknarea Arena wird sie dann auch am 13. Juni ab 20.30 Uhr das Who is who der englischsprachigen Dichtkunst präsentieren. Gefeierte Dichter wie die Engländerin Carol Ann Duffy, der Waliser Gillian Clarke oder die Schottin Liz Lochead rezitieren und interpretieren dann Yeats Werke neu, während um Hawk’s Well Theatre Künsterlin Téada musikalisch begleitet von Séamus Begley zu einem literarischen Streifzug durch das Sligo in den Arbeiten von WB Yeats einlädt.

Mehr Yeats an einem Tag geht wohl kaum. Es sei denn, man reist morgens um 11 Uhr von der Connolly Station in Dublin mit dem Poetry Train, dem Gedicht-Zug, an. Denn hier nehmen die vorgetragenen Werke des Nobelpreisträgers im wahrsten Sinne des Wortes Fahrt auf.

Zählen zu den markantesten Bauwerken in Sligo City:  die Ruinen von Sligo Abbey. (Foto Clemens Franz)

Zählen zu den markantesten Bauwerken in Sligo City: die Ruinen von Sligo Abbey. (Foto Clemens Franz)

Allgemeine Informationen: www.yeatsday.com, www.yeatssociety.com

Weitere Informationen unter www.sosligo.ie.

Nobel Dinner im Radisson Blu Hotel: 45 Euro, Reservierung unter Telefon 00353-71-9140008. berni.chambers@radissonblu.com

Bootsfrühstück: Abfahrt um 8 Uhr am Doorly Park Pier, Kosten 40 Euro, Reservierung unter Telefon 00353-87-2598869, info@roseofinnisfree.com

Buchtipp: Ulrike Katrin Peters, Karsten-Thilo Raab: Oh, diese Iren, Conrad Stein Verlag, ISBN 978-3-86686-804-5. Das Buch ist im Buchhandel oder direkt unter www.conrad-stein-verlag.de erhältlich.

Nobelpreisträger William Butler Yeats

Nobelpreisträger William Butler Yeats (Foto Tourism Ireland)

Nobelpreisträger William Butler Yeats (Foto Tourism Ireland)

Der Schriftsteller wurde am 13. Juni 1865 als Sohn von Maler John Butler Yeats geboren. In Sandymount mit drei weiteren Geschwistern aufgewachsen, war der Hang seiner Mutter zu Mythen und Feen-Geschichten für Yeats prägend. Nach dem Kunststudium in Dublin wandte er sich ab 1880 der Literatur zu. Die Begegnung mit der irischen Freiheitskämpferin und Schauspielerin Maud Gonne sollte für ihn schicksalhaft werden: Fast sein gesamtes Leben fühlte er sich zu der attraktiven Irin hingezogen und machte ihr mehrere Heiratsanträge, die sie allesamt ablehnte. 1917, im Alter von 52 Jahren, zog er die Konsequenz aus seinen nicht erwiderten Empfindungen für Maud und heiratete die Mitt-Zwanzigerin George Hyde-Lees, mit der er zwei Kinder hatte.

Von 1922 bis 1928 war Yeats Mitglied des ersten unabhängigen Senats der Republik Irland. Neben Prosa, Lyrik und Essays schrieb der führende Vertreter der irisch-keltischen Renaissance auch Dramen, die größtenteils in dem von ihm mitbegründeten Abbey Theatre zur Aufführung kamen. Durch sein Wirken als Dramatiker und Direktor des Abbey Theatre trug Yeats erheblich zum internationalen Renommee des Theaters bei.

Das literarische Frühwerk, wie die erste Gedichtsammlung Mosada, A Dramatic Poem oder The Wanderings of Oisin, ist gekennzeichnet von Einflüssen der englischen Romantik und einem ausgeprägten Symbolismus. Von seiner Begeisterung für keltische Mythen geben der Essayband Tue Celtic Twilight von 1893 und The Secret Rose Zeugnis. In der nächsten Schaffensphase widmete er sich auch tagesaktuellen Themen. In den Werken der Spätphase feierte Yeats dann die Kultur seines Heimatlandes.

Obwohl er in den letzten zehn Jahren seines Lebens von Krankheiten geplagt war, schreibt Yeats bis zu seinem Tode. Zu seinen bedeutendsten lyrischen Werken zählen The Winding Stair („Die Wendeltreppe“, 1933), The Tower („Der Turm“, 1928) sowie The Wild Swans at Coole (1917). Den Höhepunkt seines literarischen Schaffens erlebte der irische Schriftsteller im Jahre 1923, als ihm der Literaturnobelpreis verliehen wurde.

Yeats starb am 28. Januar 1939 im französischen Roquebrune-Cap Martin. Auf seinen testamentarisch festgehaltenen Wunsch hin wurde er jedoch im Jahr 1948 nach Drumcliff umgebettet. Auf seinem Grabstein ist das folgende, von Yeats selbst verfasste Gedicht, zu lesen: Cast a cold Eye, On Life on Death, Horseman, pass by! – zu Deutsch: Wirf einen kalten Blick, Auf das Leben. Auf den Tod. Und dann, Reiter, zieh weiter!


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